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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Selbstgespräche
Eingestellt am 19. 08. 2007 18:44


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Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

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Wenn einer laut und scheinbar unmotiviert im Beisein genervter Zeitgenossen Selbstgespräche führt, leidet er entweder an Alterserscheinungen, an einer psychischen Störung, ist einfach nur ein einsamer Sonderling oder er telefoniert gerade mit seinem Handy.
Auch Autoren – alte wie junge und nicht selten einsame Sonderlinge – führen Selbstgespräche mit mehr oder weniger literarischer Qualität.
Natürlich sollte sich eine Autorin oder ein Autor die eigenen Texte vorlesen, um damit deren Klang und Rhythmus zu überprüfen. Leider – oder gelegentlich auch zum Glück - kommt es vor, dass sie damit die einzigen bleiben, die jemals ihren Text hören.
Eigentlich aber pflegen Autoren das eher Unausgesprochene und legen das, was sie zu sagen haben, per Computer, handschriftlich oder aus Sentimentalität mit ihrer alten klappernden Schreibmaschine in Schriftform nieder. Damit findet längst noch nicht jeder schreibende Sonderling unter seinen Zeitgenossen aufmerksame Leser. Und Bestseller-Quoten bleiben in der Regel Tag- und Nachtträumen vorbehalten.
Nun ist der Inhalt eines Selbstgesprächs nicht automatisch für die Öffentlichkeit oder möglichst viele ihrer Mitglieder bestimmt. Im Gegenteil – eigentlich spricht der gewöhnliche Selbstredner - in der Regel aus Schusseligkeit, Selbstvergessenheit oder in Ermangelung eines Gesprächspartners – mit sich selbst.
Einer, der mit dem Handy telefoniert, glaubt wenigstens irgendwie mit einem zu reden, der sich auch ein Handy oder einen Telefonhörer an die Ohrmuschel hält. Obwohl, wenn ich in der Straßenbahn Telefonierern zuhöre, kann ich mir kaum vorstellen, dass Angerufene so masochistisch veranlagt sein können, auf einen derart smallen Talk ernsthaft mit Frage und Antwort zu reagieren. Selbst wenn der Anrufer in einem Tonfall hochgradiger Bedeutsamkeit seine und die Wichtigkeit seiner Worte bestätigt haben will. Ich vermute vielmehr, jener am anderen Ende legte den Hörer oder das Handy längst beiseite oder, wenn vorhanden, beauftragte er seinen Papagei, in unregelmäßigen Abständen, mit einem gekrächzten „Ja“ oder „Ja wohl“ zu antworten.
Ohne Papagei hat man einiges auszuhalten, um einen Freund, Bekannten oder Verwandten nicht durch einen deutlichen Hinweis auf sein langweilendes Gelaber unsensibel und mit aller Härte enttäuschen zu müssen.
Ich bin schon lange mit einem Schreiber befreundet, der bei solchen Anrufen den Hörer seines Schnurlos-Telefon ausgerechnet in die stets wenigstens einen Spalt weit geöffnete Schublade legt, in der auch seine unveröffentlichten Manuskripte lagern.
Meistens nimmt er nach einer guten Viertelstunde den Hörer wieder auf, erklärt dem Small-talker, er habe sich sehr gefreut, wieder einmal etwas von ihm zu hören, müsse jetzt aber dringend an einem seiner Texte weiterarbeiten, da er ihn in allernächster Zukunft veröffentlichen wolle.
Als ich ihn kürzlich besuchte, bat er mich, wieder einmal einen seiner langatmigen Texte zu lesen.
Eigentlich müsste ich ihn nicht nur wegen dieses einen Textes dringend anrufen, um ihm zu sagen, er solle seine computer-geschriebenen Selbstgespräche ausschließlich seiner Schublade zumuten.
Doch wer kann einen guten Freund schon so enttäuschen? Und irgendeinen Druckkostenzuschuss-Verleger wird er schon finden.

__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

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Prosaiker
Guest
Registriert: Not Yet

So viel Fragezeichen

Vor jedem Text steht ein Selbstgespräch. Und während ein Text geschrieben wird, hält der Autor dauernd Selbstgespräche. Ich verstehe nicht recht, was du sagen wolltest.

Überall gibt es Schreibende und Schreiberlinge, die ihren Texten nicht die notwendige Liebe widmen?

Das beklagte schon Goethe und ihr habt beide nicht Unrecht.
Aber was ist die Konsequenz daraus? Deinem Text zufolge gibt es keine. Aber wozu dann der Text, wenn er so unmotiviert ist, nicht konsequent zu sein?

Grüße,
Prosa.

PS: Sprachlich sind deine Zeilen in Ordnung, sehr lesbare Sätze.

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Karl Feldkamp
Routinierter Autor
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Lieber Prosaiker,
sagen wollte ich, dass vor jeder Veröffentlichung die Frage stehen sollte: Ist mein Text auch für andere Leute interessant?
Außerdem möchte ich damit zur einer Kritik aufrufen, die nicht aus falscher Rücksicht den Schreiber verschont.
Ich habe halt meine Erfahrungen in so genannten Literatengruppen, in denen sich die Mitglieder nur deswegen gegenseitig beweihräuchern, weil sie fürchten, ernsthaft kritisiert zu werden. Sie kritisieren selbst auch nur positiv, da sie die "Rache" des Kritisierten fürchten, der mit harter Kritik zurückschlagen könnte.
Herzliche Grüße
Karl

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