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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Selbstjutiz
Eingestellt am 01. 09. 2000 13:00


Autor
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David Siegers
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Aug 2000

Werke: 9
Kommentare: 4
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Ich tauche unter und zugleich verbla├čt der schrille Klang der
trockenen Welt. Hier aber ist es dumpf und leise, ruhig und
na├č, dennoch sprudelnd lebendig. An meinen Ohrenen
dr├╝ckt das Wasser, woran man sich bald gew├Âhnt hat.
Ich ├Âffne meinen Mund, der sich augenblicklich mit dem
Elixier des Lebens f├╝llt - dann blubber ich herum und
betrachte die aufsteigenden Luftblasen. Ein wenig mit den
H├Ąnden paddelnd, taste ich mich den Grund entlang.
Ich befinde mich etwa zw├Âlf Meilen unter der
Wasseroberfl├Ąche. Hier ist es dunkel, finde ich , und meine
Augen beginnen wie Scheinwerfer zu leuchten,
weisen mir den Weg zu einer Tiefseehh├Âhle. Merkw├╝rdige
Fische schwimmen mir hin und wieder in den Rachen und
s├Ąttigen mich - schmecken tun sie aber nicht. Die Gruft ist
tapeziert mit bunter Bl├╝mchentapete, die mir gef├Ąllt und von
der ich unbesonnen ein St├╝ck abrei├če, um es als Muster f├╝r
meine sp├Ątere Wohnung aufzubewahren. Ein gro├čer,
gefr├Ą├čiger Hai - der H├Âhleneigent├╝mer hat dies bemerkt und
ist daher entsetzlich zornig, will mich vertilgen.
Akut ergreife ich die Flucht und h├Ąnge meinen Verfolger ab.
Allerdings habe ich schon ein schlechtes Gewissen, da├č der
Hai nun meinetwegen sein Wohnzimmer neu tapezieren mu├č
, wobei dies doch unter Wasser ohnehin nicht so problemlos
gelingt, weil sich doch der Kleister st├Ąndig l├Âst, da man ihn
nicht zu stark verd├╝nnen darf. Ich schie├če mir noch mit
meinen H├Ąnden, die ich zu einem Fotoger├Ąt umforme ein
Photo zur Erinnerung und kurze Zeit sp├Ąter
werde ich in einem Netz an Bord eines japanischen
Fischerbootes gezogen. Dort ergeben sich gro├čen
Verst├Ąndigungsschwierigkeiten. Irgendwie gelingt es mir
trotzdem zur├╝ck in mein Haus in der Toskana zu gelangen.
Dann wandere ich ganz ohne Auto bis nach Foto-Allkauf,
um mir ein Album zu kaufen, weil ich keines besitze und ich
will ja mein Photo einkleben. Der Verk├Ąufer ist zun├Ąchst
sehr hilfsbereit und zuvorkommend, offenbart aber bald sein
wahres Ich: Es ist der gefr├Ą├čige Hai, der mir gefolgt ist und
mich nun als Racheakt verzerrt. Ich aber habe mein Photo
dabei, weil ich testen wollte, wie es zu dem Album pa├čt, da├č
ich mir zu kaufen gedachte, und schneide damit dem gro├čen
Fisch im Anzug seinen Bauch von innen auf, denn dieses
Photo ist relativ scharf . Der Hai ist nun tot, sein Bauch
aufgeschlitzt und sein Anzug ist auch nicht unversehrt
geblieben. Da mich das Unget├╝m aber nicht mit einem
Happen verschluckt, sondern gekaut hat - br├Âckle ich nun
st├╝ckweise aus dem Magen heraus auf den Fu├čboden, raffe
mich zusammen und verlasse ohne eine Album zu kaufen
den Laden. Das Photo zerrei├če ich und werfe es einfach vor
mir irgendwo auf den Boden , denn es w├╝rde sonst st├Ąndig
in mir diese schlechten Erinnerungen herbeirufen.

__________________
David Siegers

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