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Leselupe.de > Gereimtes
Selbstportrait
Eingestellt am 11. 12. 2010 15:42


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Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

Werke: 1537
Kommentare: 9781
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Selbstportrait


Ich bin der böse Metrenrichter.
Ja, ich vernichte alle Dichter,
Die dichten wie der Schnabel wÀchst.
Bei mir wird alles weggeflext,

Was hinten etwas ĂŒbersteht,
Wenn mal bei Reimen nichts mehr geht:
Nicht drechseln, feilen, auch nicht hÀmmern.
Wenn umgebrochen Zeilen dÀmmern,

Weil ihr Erfinder halt nichts kann,
Dann muss ich mit dem Versmaß ran,
ErklÀre ich, was freier Rhythmus
Im Kern bedeutet. Musenkuss

Ist bei mir Arbeit, nicht von oben.
Kritik kommt bei mir nicht von Loben:
Hart kommt sie, deutlich und mit Wucht.
Drum werde ich gehasst, verflucht,

Man fĂŒhlt sich tief im Ich verletzt
Getroffen und als blöd verpetzt.
Am liebsten wĂŒrd man mich dann killen,
Mit Worten, Tropfen, Messer, Pillen.

Doch ich bleib da und töte Dichter
Als hÀsslicher Talentvernichter.
Es hilft am Ende nur das TrÀumen,
Man könnte mich beiseite rÀumen.

Und ich? Ich liebe meinen Job.
Ich fĂŒhl mich gut, ich fĂŒhl mich top!
Wenn Widerstand am stÀrksten schallt,
Erstrahle ich als Lichtgestalt!

Ich bin der Nörgler, bin der Troll,
Den Mund nehm ich ganz gern zu voll,
Mach mir auf dies und das den Reim:
I gotta go. It is high time.

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Rhea_Gift
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Apr 2003

Werke: 325
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Jau, der nimmt das Blatt vom Mund
und speit fett drauf
wenn gar zu bunt
dem walther wird das metrikmuster -

manchmal, da vergisst der schuster
dann ganz gern, dass unter schutt
ne perle quÀlt sich raus - die glut
muss durchaus angefÀchelt werden -
doch manchmal brennt der wilde walther
gleich die Reime restlos nieder
wenn zu schief sind ihm die Lieder
bis der Funke ist erloschen
weil zu dicke drauf gedroschen -

drum nehmt ihn ernst, doch scheidet auch
die Goldkritik von Wut im Bauch
ein jeder hat klein angefangen
also - kein zu dolles Bangen
wenn der walther mal das Beil
doch etwas zu schwungvoll schwingt -
im Schwingen doch ein Singen klingt,
man muss nur lernen, es zu hören
statt nun selbst, nun Àh tja weil
die zarte Dichterseel - verletzt -
man böse ĂŒber'n walther hetzt -

so lasst den walther fertig rauchen,
wenn der Rauch sich leis verzogen
ist sein Rat - echt ungelogen
meist dann wirklich auch viel wert -
und wenn man nicht gleich zieht das Schwert
sein Beil - gezielt - auch zu gebrauchen...



dankend fĂŒr so manche Reime-KreissĂ€gen,
Metrik-Schredderer und VersenÀxte

Rhea




__________________
...Seele, bist du nun erwacht?...Und sie zittert, und sie lacht allen Himmelssternen zu... (Hesse)

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Marlene M.
Guest
Registriert: Not Yet

Ich denke nicht, lieber Walther, dass das Lyrikich hier mit dem Dichter identisch sein soll, obwohl sich Dichter Walter gerne kritisch zeigt.
Ich denke, hier wird satirisch aufbereitet, dass grade die, die im schÀrfsn Tone kritisieren, oftmals leider nicht das Fachwissen haben, das sie vorgeben.
Hier zeigt es sich auch stilistisch an den Metrikholperer:
ErklÀre ich, was freier Rhythmus
Im Kern bedeutet. Musenkuss

Klar ist das je ein Jambus, aber durch die unterschiedlichen Endbetonungen passt es nicht,
Ebenso hier:
Ist bei mir Arbeit, nicht von oben.
Kritik kommt bei mir nicht von Loben:

klar zwei Jamben, aber niemand wĂŒrde auf bei betonen.
dies it gehobene Metrik, die der Grne-Kritiker selber nicht beherrscht.
Passt.

Ebenso die unreinen Reime
Wucht ( kurz) verflucht(lang

Ich denke, stilistisch passt es also.

Persönlich sehe ich diesen ypus durchaus, auch hier in der LL.
Hassen muss man solche Kritiker wohl nicht-lÀchel.
Ich wĂŒrdesie eher ignorieren.
Respekt verdienen jedoch all jene, die ihr Wissen gerne und nett weitergeben.
Auf diese positiven Menschen wĂŒrde ich mich konzentrieren.
Die anderen sind den Ärger nicht wert.
LG von Marlene

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Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

Werke: 1537
Kommentare: 9781
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Lb. meradis,

es ist schön, daß wir uns in Sachen "Hassen" so einig sind.

Zu dem monierten Vers komme ich weiter unten zurĂŒck.

Vorerst lieben Dank und Gruß W.

Lb. revilo,

den silbenzĂ€hlenden W. wird es hier nicht mehr geben, jedenfalls nicht "öffentlich", in PNs da, wo es sinnvoll sein könnte, schon. Diese Art der Kritik ist von der Forenleitung nicht gewĂŒnscht, das respektiere ich auf meine Weise.

Danke und Gruß W.

Lb. Rhea_Gift,

Deinen launigen Eintrag habe ich lachend gelesen. Spaß muß sein, und am besten ist es, wenn man ihn auf die eigenen Kosten macht. Zur FortfĂŒhrung habe ich ja bewußt eingeladen.

Danke und Gruß W.

Lb. LeiseWege,

es freut mich ungemein, daß nicht alle sich ĂŒber meine ErbsenzĂ€hlerei beklagen, sondern erkannt haben, daß diese Hinweise gut gemeint waren (vielleicht nicht immer behutsam genug angebracht, das mag sein). Ich habe einige Male richtig "den Rost runtergemacht" bekommen, bis ich verstanden und eingesehen habe, warum das Beherrschen der Form so wichtig ist.

Diese Geduld mit mir und die Lehren, die man mir gab, habe ich weitergeben wollen. Es ging also immer darum zu helfen, nie darum, zu verletzen und zu behindern.

Danke und lieber Gruß W.

Lb. Marlene,

in der Tat sind alle Verse Jamben. In S3Z3 ist das Silbenbild so xXxXxXxXx (also neunsilbig), in S3Z4 so xXxXxXxX (also achtsilbig). Nun geht es bei Metren um Takte. Daher kann man das machen, wie es geschrieben steht. Aber natĂŒrlich ist das eine kleine Ungenauigkeit.

Ebenso ist der Reim "verflucht" auf "Wucht" nicht ganz rein. Und in der Tat rutscht S4Z2 nicht optimal. Aber immer bleiben wir im Bereich des Erlaubten.

Nun muß der Kritiker selbst gar nicht perfekt sein. Er muß nur wissen, was perfekt ist und wie es klingt. Schließlich sind fast alle begabten Kritiker verhinderte KĂŒnstler. Vielleicht macht sie das ja so bitter.

Danke und lieber Gruß W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Heidrun D.
Guest
Registriert: Not Yet

Mir scheint das ein sehr gelungenes Selbstportrait zu sein, gerade auch, weil LyrI (der Kritiker) nicht im makellosen Glanz erstrahlt, sondern so, wie er vermutlich in seiner Umwelt wahrgenommen wird ... Mein Alt-Liebling, Herr Grillparzer, meint dazu:

quote:
Es ist wohl wahr, dass Tadel quÀlt,
Einstimm`ger Beifall schöner:
Doch, was erkennt der Kenner, zÀhlt
Und nicht, was wÀhnt der WÀhner.
In diesem Sinne
Einen frohen 2.

Heidrun

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Walther
Routinierter Autor
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Lb. Heidrun,

das LyrIch versucht, sich selbst zu reflektieren (sozusagen sich den Spiegel vorzuhalten). Gut gereinigte Spiegel haben die Tendenz zur Unerbittlichkeit. Darin Àhneln sie dem LyrIch frappierend.

In der Tat ist Kritik oft deshalb so schmerzlich, weil sie eben doch wenigstens ein Körnchen Wahrheit enthĂ€lt (und der oder die Kritisierte das natĂŒrlich wissen, aber nicht zugeben können bzw. wollen (dĂŒrfen]).

quote:
Das Leben ist hart aber ungerecht. Es trifft immer den Falschen, den dann jedoch richtig.

Walthers aktuelle Quintessenz des Daseins


Danke und lieber Gruß W.


__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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