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Leselupe.de > Humor und Satire
Sense of Schmarrn
Eingestellt am 27. 11. 2017 12:31


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reborn
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Es ist das dritte Meeting zwischen FrĂŒhstĂŒck und GĂ€nsebraten. Dazu fĂ€llt mir ĂŒberhaupt nur ein positiver Aspekt ein. So habe ich wenigstens ausreichend Bewegung, trotz ĂŒberwiegend sitzender TĂ€tigkeit. Schließlich ist es ja geradezu ein Naturgesetz, dass aufeinander folgende Termine grundsĂ€tzlich in verschiedenen GebĂ€uden stattfinden. Deshalb warte ich immer noch ungeduldig darauf, dass Outlook-Kalender und Firmenhandy gekoppelt werden und so auch die Navigationsfunktion des Handys genutzt werden kann.
Ohne mir irgendeinen Vorwurf zu machen, wird mir bewusst, dass ich momentan gar nicht weiß, um was es in diesem Meeting eigentlich gehen soll. Da bin ich aber nicht der Einzige im Raum. Die wenigen Anwesenden vermeiden jeglichen Augenkontakt. Stille erfĂŒllt den Raum. Niemand wagt ein GesprĂ€ch zu beginnen, aus mangelnder Kenntnis des heutigen Themas.

Die Deckenbeleuchtung summt unangenehm.
Der Stuhl ist aber ganz bequem. Allerdings beginne ich schon jetzt, rĂŒckseitig zu schwitzen.

Heute Morgen um 7, als ich noch jung war, fing der Tag gut an. Ich muss an den Witz denken, den Lukas mir beim FrĂŒhstĂŒck erzĂ€hlt hat. „Was macht Chuck Norris sich zum FrĂŒhstĂŒck?“, fragt mich allen Ernstes der ZehnjĂ€hrige, der wohl davon ausgeht, dass Chuck Norris eine Youtuber ist. Nach meinem Schulterzucken verkĂŒndet er triumphierend: „Er haut sich zwei Pfannen in die Eier.“ Nach diesem Spruch ahne ich, dass demnĂ€chst das Schreckgespenst PubertĂ€t bei uns Einzug hĂ€lt. ZurĂŒck in der Gegenwart hat mich die Langeweile wieder fest im Griff.

Einer der sechzehn Einbaustrahler in der Decke bleibt dunkel. Genau wie mein Erinnerungsvermögen.

Die Projektleiterin blickt von ihrem Klapprechner auf. Freude sieht anders aus. Wir erfahren, dass die eigentlich „Einladende“ sich krank gemeldet hat. Somit fehlen, mit dem mir unbekannten SPOC – Single Point of Contact –, die zwei wichtigsten Personen. Jetzt eröffnen sich zwei Möglichkeiten. Erstens, das Meeting endet ganz schnell aus Ermangelung der notwendigen Sachkompetenz. Zweitens, es wird eher viel lĂ€nger dauern als geplant, aus genau demselben Grund.

Weil die anderen drei Leute im Raum ja ganz „Wichtige“ sind, entschließen sie sich, die Sache auch so zu stemmen. Schließlich kann eine FĂŒhrungskraft alles. Egal, um was es geht. Die Projektleiterin stellt leicht angesĂ€uert fest, dass nun auch kein Protokoll mitgeschrieben wird, da die „Einladende“ ja abwesend ist. „Wer möchte das ĂŒbernehmen?“, fragt sie mit stechendem Blick in die Runde. Dr. Dingsda, der Schleimer, springt sofort freudig in die Bresche: „Kein Problem, das mache ich.“ Trotz eines GefĂŒhls der Erleichterung kĂ€mpfe ich auch mit einem kleinen WĂŒrgereiz.
„Das ist der Spirit, den wir hier brauchen“, bekommt er als Dank zugesprochen. Mein WĂŒrgereiz erreicht einen bedenklichen Level.
Es wird die Todo-Liste an die Wand geworfen, um die aufgefĂŒhrten Punkte durchzugehen. Ich kneife die Augen ein wenig zusammen, kann aber rein gar nichts erkennen. Die gezeigte Excel-Liste hat ca. 40 Spalten, die natĂŒrlich alle auf eine Seite gequetscht sind. Na wenigstens im Formatieren ist die Frau extrem effizient, denke ich mir.

Schade, dass der „Spock“ nicht anwesend ist. Er könnte mit dem vulkanischen Nackengriff alle in Tiefschlaf versetzen und mich zum Weltraumschach einladen. Es naht der Moment, wo ich bereue, heute schon vor 11:00 Uhr in der FrĂŒh 3 Tassen Kaffee getrunken zu haben. Einerseits notwendiges Lebenselixier, um KomazustĂ€nde bei strunzlangweiligen VortrĂ€gen zu vermeiden, fordert er doch irgendwann seinen Tribut. Just jetzt ruft mich deshalb das „00“ und bittet mein Unterbewusstsein um eine Audienz. Wenn ich nun den Raum verlasse, könnte ich aber nicht bei der Lösung eines unheimlich schwierigen Problems beitragen. Wo ich doch so viel „Know How“ zu bieten habe. Ich habe fast immer eine Lösung parat. Leider passt sie dann selten zum Problem.

Ich suche nach Ablenkung. Die Decke hat leider kein Karomuster oder Punkte, die ich zĂ€hlen könnte. Versuche zu erraten, was die Helikoptermutter neben mir gerade ihrer zwanzigjĂ€hrigen Tochter per WhatsApp ratschlĂ€gt. Schönes Wort habe ich da eben erfunden. Aus der Vergangenheit weiß ich, dass besagte Tochter tĂ€glich bei Mutti auf Arbeit anrufen muss. Dann wird besprochen, wie der Tag war, wo die Tupperdose mit dem vorgekochten Essen im KĂŒhlschrank steht, wie lange Selbiges in die Mikrowelle muss, ob ein halbes Brot fĂŒr heute Abend reicht und ob Mutti bei irgendeiner Klausur helfen kann. FĂŒr solcherlei GesprĂ€ch wird locker eine Stunde des BĂŒroschlafes abgezweigt. Aber am Ende des Monats wieder mit 125 Prozent auf der Überlastungsliste stehen. Eine Könnerin in puncto Inkompetenzkompensationskompetenz.

Der Kollege mir gegenĂŒber hat dummerweise vergessen seinen Lautsprecher auf stumm zu schalten. So schallen nun verdĂ€chtige GerĂ€usche aus dem Klapprechner. Entweder spielt er Moorhuhn 3000 oder schaut sich bei Youtube Videos ĂŒber jaulende Katzen an. Jetzt gucken wir anderen natĂŒrlich ganz böse und er entschuldigt sich. Wie ein beim Popeln erwischter Praktikant möchte er vor Verlegenheit im Boden versinken. Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit kann man aber auch wirklich erwarten.

Derweil fĂŒlle ich mein Schreibheft mit wichtigen Notizen. Nachdem ich festgestellt habe, dass ich „Das Haus vom Nikolaus“ immer noch gut hinbekomme, versuche ich mich im Designen von Weltraumraketen, die mit Mandalas verziert werden. Auf dem Tisch liegt ein Flyer. Erst kann ich nicht genau erkennen, fĂŒr was geworben mit. Ich will nicht die Aufmerksamkeit auf mich ziehen, weil ich mir das Blatt heranziehe. Also verrenke ich mir fast den Hals beim Lesen. Die Christliche Gewerkschaft Metall – Partner an deiner Seite.
Ein bisschen ratlos ĂŒberlege ich, wer wohl durch diese Gewerkschaft bei uns vertreten wird. Katholische Wander-schmiede, eine gerade konfirmierte Heavy Metal Band oder
Ludger aus der Versandabteilung. Er hat auf jedem Unterarm einen tĂ€towierten Engel und ganz viel Metall im Gesicht. Man kennt seine Mitmenschen einfach viel zu wenig. Wir sollten unbedingt bald wieder ein Firmenevent machen, um das ZusammengehörigkeitsgefĂŒhl zu stĂ€rken. Ich wĂŒrde fĂŒr eine Weinverkostung stimmen.

Meine Augen atmen auf. Erfreulicherweise weicht die Excel-Liste nun einer gigantischen PowerPoint-PrĂ€sentation. Schön bunt, mit sĂ€mtlichen Möglichkeiten, die das Programm so bietet. Das sind viele, sehr viele. Dummerweise habe ich nicht rechtzeitig weg-geschaut und den Inhalt einer Folie gedanklich aufgenommen: „Nach der Genehmigung des CAPA-Planes durch den LARP hat der FURP wieder einen Zugriff auf die einzelnen Stockouts und kann mit der Aktualisierung der GOPs wie z. B. der VerlĂ€ngerung eines Quality Events oder Involvierung von IGM und HSE sowie ErgĂ€nzungen im Feld ‚Action Description‘, ASAP beginnen.“
Ich verschlucke mich am leckeren Tafelwasser und kann gerade noch verhindern, dass es mir aus der Nase schießt. Mit diesen neuen Erkenntnissen könnte ich nun ein Neutrino mit der bloßen Kraft meiner Gedanken beschleunigen oder ein doppeltes Wurstbrot schmieren, wĂ€hrend ich mit Mingvasen jongliere. Je nach Bedarf.

Sofort trifft mich der brennende Hexenblick der Projektleiterin: „Ist irgendetwas nicht in Ordnung? Möchten Sie uns an Ihren Gedanken teilhaben lassen? Das ist hier ein wichtiges und ernstes Thema. Wie wĂ€re es mal mit ein bisschen mehr ‚Sense of Urgency‘?“
Nach dem ersten Schock bin ich bis ins tiefste Innere verunsichert. Was erwartet die Frau von mir? Obwohl sicher etwas gĂ€nzlich anderes damit verbunden ist, drĂ€ngen sich mir sofort verstörende Gedanken auf. Ich sehe mich im weißen Kittel ĂŒber die Flure eilen und eine unvollstĂ€ndige PowerPoint-PrĂ€si in den „Emergency Room“ rollen. Quasi der deutsche George Clooney fĂŒrs BĂŒro. Eine schöne Vorstellung. Ach, ich wĂ€re gern mit einer Möwe befreundet. Die könnte dir auf den Kopf kacken, du Flintenuschi.

Unsanft werde ich aus meinen TrĂ€umen gerissen. „Wir sehen uns nĂ€chste Woche zur selben Zeit. Ich hoffe, jeder hat dann seine Todos erledigt“, donnert die Powerfrau.
„Du mich auch“, denkt sich die querulante Seite meines Hirns. Auf dem Flur spreche ich den mir am nĂ€chsten FlĂŒchtenden an, um meine Bereitschaft zur Kooperation zu zeigen: „Das war ja interessant. Wie wollen wir die Sache denn angehen?“ Sehr geschickt gemacht, lobe ich mich. Ich will ja auch irgendwann mal motiviert werden. So bekomme ich schlussendlich doch noch heraus, um was es eigentlich ging.
„Keine Ahnung. Ich hab zu spĂ€t gemerkt, dass ich im falschen Meeting bin“, kam zurĂŒck.
Mahlzeit.

PS: FĂŒr den geneigten Leser zur Information. Die genannten AbkĂŒrzungen sind keine Fieberfantasiegespinste, sondern gebrĂ€uchliche AbkĂŒrzungen aus der Wirtschaft. Z. B. FURP = Follow-up Responsible Person.


Version vom 27. 11. 2017 12:31
Version vom 28. 11. 2017 14:24
Version vom 28. 11. 2017 14:24
Version vom 29. 11. 2017 07:53

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Languedoc
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Registriert: Sep 2012

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Hallo reborn,

Du nimmst mit spitzer Feder die Meeting(un)kultur aufs Korn, fintenreich und reichlich boshaft, und durchaus zum VergnĂŒgen des geneigten Lesers, doch leider ist der Text stellenweise schludrig und nicht sauber redigiert, insbesondere in orthografischer Hinsicht (Kommata), bei Wortwiederholungen, und auch bei den SatzanschlĂŒssen, die man eleganter gestalten könnte. Die ungeschickte Absatzgestaltung wurde schon erwĂ€hnt. All das wirft einen (handwerklichen) Schatten auf Deinen kreativen Ansatz. Ein paar ArbeitsdurchgĂ€nge mehr, und der Text wĂ€re formvollendet und wĂŒrde leuchten!

Aber ich versteh schon: wenn's sprudelt, haut man unbekĂŒmmert in die Tasten ...

Gern gelesen

Languedoc


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