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Leselupe.de > Humor und Satire
Sense of Schmarrn
Eingestellt am 27. 11. 2017 12:31


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reborn
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2017

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Ich sitze im dritten Meeting zwischen FrĂŒhstĂŒck und Mittagessen. Dazu fĂ€llt mir ĂŒberhaupt nur ein positiver Aspekt ein. Ich habe, trotz ĂŒberwiegend sitzender TĂ€tigkeit, wenigstens ausreichend Bewegung. Schließlich ist es ja geradezu ein Naturgesetz, dass aufeinander folgende Termine, grundsĂ€tzlich in verschiedenen GebĂ€uden stattfinden. Ohne mir irgendeinen Vorwurf zu machen wird mir bewusst, dass ich momentan gar nicht weiß um was es in diesem Meeting gehen soll. Da bin ich aber nicht der Einzige im Raum.
Die wenigen Anwesenden vermeiden jeglichen Augenkontakt. Stille erfĂŒllt den Raum. Niemand wagt ein GesprĂ€ch zu beginnen, aus mangelnder Kenntnis des heutigen Themas. So vermeidet man jed-wedes peinliches EingestĂ€ndnis der eigenen GleichgĂŒltigkeit.

Die Deckenbeleuchtung summt unangenehm. Der Stuhl ist ganz bequem. Allerdings beginne ich schon jetzt, rĂŒckseitig zu schwitzen.

Einer der sechzehn Einbaustrahler in der Decke bleibt dunkel. Genau wie mein Erinnerungsvermögen.

Die Projektleiterin blickt von ihrem Klapprechner auf. Freude sieht anders aus. Wir erfahren, dass die eigentlich „Einladende“ sich krank gemeldet hat. Somit fehlen (mit dem mir unbekannten SPOC – Single Point of Contact) die zwei wichtigsten Personen. Jetzt eröffnen sich zwei Möglichkeiten. Erstens, das Meeting endet ganz schnell aus Ermangelung der notwendigen Sachkompetenz. Zweitens, es wird eher viel lĂ€nger dauern als geplant, aus genau demselben Grund.

Weil die anderen drei Leute im Raum ja ganz "Wichtige" sind, entschließen sie sich, die Sache auch so zu stemmen. Schließ-lich kann eine FĂŒhrungskraft alles. Egal um was es geht. Die Projektleiterin stellt leicht angesĂ€uert fest, dass nun auch kein Protokoll mitgeschrieben wird, da die „Einladende“ abwesend ist. Notgedrungen wirft sie die Todoliste an die Wand, um die aufgefĂŒhrten Punkte durchzugehen. Ich kneife die Augen ein wenig zusammen, kann aber rein gar nichts erkennen. Die gezeigte Excelliste hat ca. 40 Spalten, die natĂŒrlich alle auf eine Seite gequetscht sind. Na wenigstens im Formatieren ist die Frau extrem effizient, denke ich mir.

Schade, dass der „Spoc“ nicht anwesend ist. Er könnte mit dem vulkanischen Nackengriff alle in Tiefschlaf versetzen und mich zum Weltraumschach einladen. Es naht der Moment wo ich bereue, heute schon vor 11:00 Uhr in der FrĂŒh, 3 Tassen Kaffee getrunken zu haben. Einerseits notwendiges Lebenselixier um KomazustĂ€nde bei strunz langweiligen VortrĂ€gen zu vermeiden, fordert er doch irgendwann seinen Tribut. Just jetzt ruft mich deshalb das „00“ und bittet mein Unterbewusstsein um eine Audienz. Wenn ich nun den Raum verlassen wĂŒrde, könnte ich aber vielleicht nicht bei der Lösung eines unheimlich schwierigen Problems beitragen. Wo ich doch so viel „Know How“ zu bieten habe.

Ich suche nach Ablenkung. Versuche zu erraten, was die Helikoptermutter neben mir gerade ihrer zwanzigjĂ€hrigen Tochter per WhatsApp ratschlĂ€gt. Schönes Wort habe ich da eben erfunden. Aus der Vergangenheit weiß ich, dass besagte Tochter tĂ€glich bei Mutti auf Arbeit anrufen muss. Dann wird besprochen wie der Tag war, wo die Tupperdose mit dem vorgekochten Essen im KĂŒhlschrank steht, wie lange Selbiges in die Mikrowelle muss, ob ein halbes Brot fĂŒr heute Abend reicht und ob Mutti bei irgendeiner Klausur helfen kann. FĂŒr solcherlei GesprĂ€ch wird locker eine Stunde des BĂŒroschlafes abgezweigt. Aber am Ende des Monats wieder mit 125 Prozent auf der Überlastungsliste stehen.

Der Kollege mir gegenĂŒber hat dummerweise vergessen seinen Lausprecher auf stumm zu schalten. So schallen nun verdĂ€chtige GerĂ€usche aus dem Klapprechner. Entweder spielt er Moorhuhn 3000 oder schaut sich bei Youtube Videos ĂŒber jaulende Katzen an. Jetzt gucken wir anderen natĂŒrlich ganz böse und er entschuldigt sich. Wie ein beim Popeln erwischter Praktikant, möchte er vor Verlegenheit im Boden versinken. Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit kann man aber auch wirklich erwarten.

Derweil fĂŒlle ich mein Schreibheft mit wichtigen Notizen. Nachdem ich festgestellt habe, dass ich „Das Haus vom Nikolaus“ immer noch gut hinbekomme, versuche ich mich im Designen von Weltraumraketen.

Erfreulicherweise, meine Augen atmen förmlich auf, weicht die Excelliste nun einer gigantischen Powerpoint-PrÀsentation. Schön bunt, mit sÀmtlichen Möglichkeiten die das Programm so bietet. Das sind viele, sehr viele. Dummerweise habe ich nicht rechtzeitig weggeschaut und den Inhalt einer Folie gedanklich aufgenommen:
„Nach der Genehmigung des CAPA Planes durch den LARP und FURP, hat der QARP wieder einen Zugriff auf die einzelnen Stockouts und kann mit der Aktualisierung der GOPs wie z.B. die VerlĂ€ngerung eines Quality Events oder Involvierung von IGM und HSE sowie ErgĂ€nzungen im Feld „Action Description“, ASAP beginnen.“
Ich verschlucke mich am leckeren Tafelwasser und kann gerade noch verhindern, dass es mir aus der Nase schießt. Mit diesen neuen Erkenntnissen könnte ich nun ein Neutrino mit der bloßen Kraft meiner Gedanken beschleunigen oder ein doppeltes Wurstbrot schmieren, wĂ€hrend ich mit Mingvasen jongliere. Je nach Bedarf.

Jetzt trifft mich der brennende Hexenblick der Projektleiterin. „Ist irgendetwas nicht in Ordnung? Möchten Sie uns an Ihren Gedanken teilhaben lassen? Das ist hier ein wichtiges und ernstes Thema. Wie wĂ€re es mal mit ein bisschen mehr „Sense of Urgency“?
Nach dem ersten Schock, bin ich bis ins tiefste Innerste verunsichert. Was erwartet die Frau von mir? Obwohl sicher etwas gĂ€nzlich anderes damit verbunden ist, drĂ€ngen sich mir sofort verstörende Gedanken auf. Ich sehe mich im weißen Kittel ĂŒber die Flure eilen und eine unvollstĂ€ndige Power-Point-PrĂ€si in den „Emergency Room“ rollen. Quasi der deutsche George Clooney fĂŒrs BĂŒro. Eine schöne Vorstellung.

Unsanft werde ich aus meinen TrĂ€umen gerissen. „Wir sehen uns nĂ€chste Woche zur selben Zeit. Ich hoffe jeder hat dann seine Todos erledigt.“ donnert die Powerfrau.
„Du mich auch.“ denkt sich die querulante Seite meines Hirns. Auf dem Flur spreche ich den mir am nĂ€chsten FlĂŒchtenden an, um meine Bereitschaft zur Kooperation zu zeigen. „Das war ja interessant. Wie wollen wir die Sache denn angehen?“ Sehr geschickt gemacht, lobe ich mich. Ich will ja auch irgendwann mal motiviert werden. So bekomme ich schlussendlich doch noch heraus, um was es eigentlich ging.
„Keine Ahnung. Ich hab zu spĂ€t gemerkt, dass ich im falschen Meeting bin.“
Mahlzeit


PS: FĂŒr den geneigten Leser zur Information. Die genannten AbkĂŒrzungen sind keine Fieberfantasiegespinste, sondern gebrĂ€uchliche AbkĂŒrzungen aus der Wirtschaft. Z. B. FURP = Follow-up Responsible Person



Version vom 27. 11. 2017 12:31
Version vom 28. 11. 2017 14:24
Version vom 28. 11. 2017 14:24

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Languedoc
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2012

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Hallo reborn,

Du nimmst mit spitzer Feder die Meeting(un)kultur aufs Korn, fintenreich und reichlich boshaft, und durchaus zum VergnĂŒgen des geneigten Lesers, doch leider ist der Text stellenweise schludrig und nicht sauber redigiert, insbesondere in orthografischer Hinsicht (Kommata), bei Wortwiederholungen, und auch bei den SatzanschlĂŒssen, die man eleganter gestalten könnte. Die ungeschickte Absatzgestaltung wurde schon erwĂ€hnt. All das wirft einen (handwerklichen) Schatten auf Deinen kreativen Ansatz. Ein paar ArbeitsdurchgĂ€nge mehr, und der Text wĂ€re formvollendet und wĂŒrde leuchten!

Aber ich versteh schon: wenn's sprudelt, haut man unbekĂŒmmert in die Tasten ...

Gern gelesen

Languedoc


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