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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
September
Eingestellt am 03. 10. 2007 03:14


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Daunelt
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September

Auge ist Schleimklumpen
In irdenem Gesicht
Apfel ist Röte
FĂ€llt in Wasser
Fluß ist Bleispiegel
FĂŒr Vogelflug
Wer wird mir Liebe geben
Wenn schwarzes Schweigen
Vogelschwinge lÀhmt
__________________
Die Aufgabe des Dichters ist nicht, Wege aufzuzeigen, sondern SehnsĂŒchte zu wecken (Hermann Hesse)

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Daunelt
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Lieber NoFrank,

Danke fĂŒr Deine Zeilen, die mir gut tun. Es ist völlig okay, wenn die eigenen Werke von anderen Lesern kritisiert oder auch abgelehnt werden. Nur zum Lobhudeln braucht man ja kein Forum. Aber irgendwie freut man sich natĂŒrlich ĂŒber ein positives feedback und Ă€rgert sich oder ist enttĂ€uscht, wenn das Poem verrissen wird. Das anonyme Wertungen möglich sind, weil sie "Racheakte" verhindern, finde ich grundsĂ€tzlich ebenfalls okay, aber irgendwie frustet doch die fehlende Möglichkeit, sich mit dem Werter auseinanderzusetzen. Ich habe außerdem das ganz persönliche Problem, Ă€ußerst empfindlich zu reagieren (beim Austeilen bin ich weniger zimperlich). Da ich das noch "mitkrieg", bin ich mögliherweise aber doch theraphiefĂ€hig. Vielleicht hilft die Leselupe und ihre kritischen Mitglieder ja ;-)

Liebe GrĂŒĂŸe
Daunelt
__________________
Die Aufgabe des Dichters ist nicht, Wege aufzuzeigen, sondern SehnsĂŒchte zu wecken (Hermann Hesse)

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Jongleur
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die erste Zeile haut rein ...


... oder raus!

Ich finde diesen kleinen persönlichen September gar nicht so schlecht. Ich muss mich nur dazu zwingen, mit den Augen ĂŒber diesen ... Sch.... zu gleiten, der bremst mich aus. Der tut weh. Ist eklig. Dazu unverstĂ€ndlich. Auch in der gesamten Wendung. Nichts fĂ€llt mir ein zu einem Auge, das ein Schleimklumpen ist (widerlich, Schneckenschleim, fĂŒr ein festes Ding eine zerfließende Zerstörung). Schon Klumpen ist fĂŒr ein solch feinsinniges Organ eine Darstellung, bei der ich mich frage, was will mir der Autor damit sagen, wie kommt er zu seinem Bild? Dann noch ein ... Schleimklumpen. Die fĂŒrchterlichen "SpucknĂ€pfe" des beginnenden 20. Jahrhunderts fallen mir ein, "bitte nicht auf den Boden spucken".

Ich entscheide mich fĂŒr ein unklar sehendes Auge, eine schlierige Wahrnehmung - stolpere ĂŒber das irdene (aus Tohn gemacht) Gesicht - und folge zum Apfel, Herbstfrucht, Ernste. FĂ€llt ins Wasser. Mmh. Ein Fluss. Ruhig. Eine glatte OberflĂ€che. Wo sind die konzentrischen Kreise, die der eingetauchte Apfel hervorruft? Blei ... wieder eine traurige Anmutung, ein schwerflĂŒssiges Herbstgedicht, eine graue, zĂ€he Stimmung. Wie sich am Ende in der Frage ans Leben zeigt. Liebe. Scheint fĂŒr das Lyrische Ich in diesem Herbst, im kommenden Winter brachzuliegen.
Die letzten Zeilen scheinen mir sehr dramatisch. Welches "Schweigen" betrĂ€fe die Vögel? Und dann noch die VerstĂ€rkung, schwarzes Schweigen. Das Lyrische Ich als Vogel, dem die FlĂŒgel gelĂ€hmt sind?
Über allem kommt mir Rilke in den Sinn, die letzte Strophe seines "Herbsttag

[ ... ]

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die BlÀtter treiben."

Jongleur

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Daunelt
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Lieber Jongleur,

Danke fĂŒr Deine freundliche Bewertung ! Ein paar Zeilen mit dem Versuch einer Deutung: wenn ich morgens miesmutig und noch mĂŒde aufwache, kann ich manchmal kaum aus den Augen schauen. Statt der wunderbaren Sehwerkzeuge habe ich zwei klebrige, lichtempfindlihe Schleimklumpen im Gesicht, die zu frĂŒher Stunde wenig taugen. Zugegeben, ein vielleicht ĂŒbertrieben hartes (und ekliges) Bild, aber es spiegelt die sinistren Gedanken, die mich beim Schreiben heimgesucht haben. Und jenseits des Wunders der SehfĂ€higkeit sind doch diese Organe (wie auch andere) im Grunde nur Gewebe, Blut, Glibber. Wenn wir sterben, faulen sie als erstes weg. Und das Gedicht, in melancholischer Herbststimmung geschrieben, befaßt sich mit Tod und Ende. Auch das Gesicht ist, mag es nun noch so interessant, markant oder schön sein, nur dazu bestimmt, zu Erde, also zu Ton zu werden. Der Betrachter sieht einen Apfel ins Wasser fallen. Eben noch rot und saftstrotzend, stĂŒrzt er in den Fluß und ist fort, verschluckt vom bleigrauen, kaum bewegten Wasser (so sah es an diesem Tag aus), mögliche konzentrische Ringe nimmt er nicht wahr. Genauso wird auch er enden. Undeutlich spiegeln sich Vögel in der Flut. Der nahende Winter, die schwarze (schwarz im Sinne von tot), schweigende Natur, wird ihren Flug lĂ€hmen. Sie werden im Winter verhungern oder ziehen fort, fliegen ĂŒber den Fluß, lassen mich allein und ohne Trost zurĂŒck. Trauer und Verlassenheit bleiben und die Frage: woher und von wem soll Liebe - und damit Lebenswille - kommen. Der Schreiber ist so in seiner Elegie gefangen, daß er auf die auch möglihe Frage "wem werde ich Liebe geben" gar nicht kommt. So in etwa waren die Gedanken beim Schreiben des Textes.

Eine schöne Woche wĂŒnscht Dir
Daunelt
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