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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Septemberregen
Eingestellt am 22. 09. 2012 01:23


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Myzio
Hobbydichter
Registriert: Sep 2012

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Septemberregen

VertrĂ€umt liege ich auf meinem Bett, es ist alles still um mich rum. Es herrscht Ruhe. Eine eisige Briese streift meinen Nacken, mir wird kalt. Das Fenster steht offen, es ist kĂŒhl Draußen.
Manchmal liege ich so wie jetzt einfach in meinem Bett und denke an damals, an alte Zeiten, an alte Freunde, altes GlĂŒck. Es macht mich depressiv, ich weine.
Manchmal denke ich, es wÀre besser nie geboren worden zu sein, Freunde meinen es stimmt nicht. Ich meine etwas anderes, denn sie kennen mich nicht.

Das triste Wetter macht einen krank. Regen, keine Sonne. StĂŒrme, die die Nacht aufbrausen. Sie haben doch keine Ahnung, was wirklich schön, und was wirklich schlecht ist. Das Farbenspiel in den BĂ€umen, der BlĂ€tter, die sanft von dem Wind aufgewirbelt und getragen werden. Die Welt ist schön, die Menschen jedoch hĂ€sslig. Spinnenweben, werden von ihnen als ekelhaft verschrien, kaum ein Mensch sieht, welches Wunder hinter diesem Kunstwerk der Natur liegt. Wenn am frĂŒhen Morgen der erste Sonnenstrahl auf das taubesetzte Spinnennetz scheint, und die Tautropfen wie Diamanten erstrahlen lĂ€sst, wer, sagt mir wer hat schon einmal etwas derart schönes gesehen? Und Nachts, wenn nur noch die Lichter der Stadt uns den Weg erhellen, und es regnet, und der sanfte Septemberregen die Lichter zerlaufen lĂ€sst. Kaum ein Jemand achtet auf solch fabelhaften Spiele der Natur, nur die, die genauso wenig verstanden werden, erkennen es. Ich gehöre zu jenen Menschen.
Nicht verstanden, verrĂŒckt, einfach anders, als die anderen. Weil ich meinen eigenen Weg gehe, allein.
Melancholie. SĂŒĂŸe Melancholie.

Eine Melodie in Moll, ein beschissener Tag, sanfter Regen. Und ich verfalle wieder in eine tiefe Depression.
Hasse mein Leben. Will endlich frei sein. Ich will leben. Möchte sterben. Lebe ich ĂŒberhaupt noch?
TrÀnen rollen meine eiskalte Wange herrunter. Traurigkeit ist das einzigste, in das ich mich retten kann.
Verbaue mein Herz, lasse niemanden heran. Sterbe innerlich. Man sollte niemals einen Menschen so sehr quĂ€len, dass dieser jeden Mut an sich und andere verliert, dass er die Lust und die Freude am leben wiederfinden muss, bevor er glĂŒcklich sein kann. GlĂŒck. Was ist das eigentlich? Wie fĂŒhlt es sich an, Stolz auf sich zu sein? Wie kann man sich selbst lieben und vertrauen? Dies sind Fragen, die ich mir immer wieder stelle. Wo liegt der Sinn im Leben? Im GlĂŒcklich sein. Aber wie, wie wird man denn glĂŒcklich, wenn man alleine und verlassen ist? Wenn man niemanden hat, der zu einem steht? Der einem den Weg weißt, wenn man die orientierung verloren hat? Alles, was ich mir wĂŒnschte, war ein wahrer Freund. Doch wenn man ehrlich ist, es gibt keine „wahren“ Freunde. Irgendwann lĂ€sst dich jeder alleine, dann bist du einsam und hast nichts und niemanden mehr, der dich zuhört, der dich tröstet, der fĂŒr dich da ist. Ziehst du weg, wirst du vergessen. Bist du depressiv, wirst du allein gelassen. Scheinst du fröhlich, hast du Freunde. Bist du Melancholisch, ein Aussenseiter.
Bist du dumm, bist du angesagt, bist du schlau, bist du out. Die Menschen wiedersprechen sich, immer und immer wieder. Das macht mich traurig. Sie verstehen nicht, was „Leben“ bedeutet. Sie interessieren sich nur fĂŒr Geld, fĂŒr Arbeit und „angesagtes“. Dinge, wie NatĂŒrlichkeit, Liebe, Vertrauen und Charakter sind ihnen doch egal. FĂŒr viele Menschen gibt es nur Gut oder Böse, das, was dazwischen liegt, sehen sie nicht.
Regen sieht traurig aus. Melancholisch, ruhig. Ich mag ihn, und auch die KĂ€lte.
Nur die kaltschnÀuzigkeit mancher Menschen macht mir Angst.
VertrÀumt liege ich auf meinem Bett, es ist alles still um mich rum.
Es herrscht Ruhe. Eine eisige Briese streift meinen Nacken.
Ich lÀchle, denn ich bin nie ganz allein.

Das triste Wetter macht mich nicht krank. Regen, keine Sonne. StĂŒrme, die die Nacht aufbrausen.
Das Farbenspiel in den BÀumen, der BlÀtter, die sanft von dem Wind aufgewirbelt und getragen werden.
Die Welt ist schön, die Menschen hÀsslich.

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Paul Schubert
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Bonnie,

Dein Text hat einige sehr schöne Ideen und Bilder, aber er ist weniger eine Kurzgeschichte als eine Impression. Das erzĂ€hlende Ich teilt uns Lesern seine GefĂŒhle, Gedanken und auch seine Vorurteile mit, z. B. wenn es darĂŒber urteilt, was »kaum ein Mensch sieht«. Es kann nicht wissen, was andere Menschen sehen und wahrnehmen. Das ist zweifellos mehr, als sie aussprechen und anderen mitteilen. (Dabei unterstelle ich, dass Du diese Vorurteile nicht bewusst gestalten wolltest.)

In einer Geschichte passiert etwas; der Protagonist wird vor eine Herausforderung gestellt, der er nicht ausweichen kann.

In einer Impression werden GefĂŒhle und Gedanken mitgeteilt.

Das tut Dein erzĂ€hlendes Ich. Aber »Eine Melodie in Moll, ein beschissener Tag, sanfter Regen.« ist was? Eine bewusste Provokation? -- Der »beschissene[...] Tag« passt ganz und gar nicht zum Rest des Satzes, nicht einmal zum Rest Deines Textes, der doch eher -- vermute ich -- die Melodie der Melancholie anstimmen will, die schon in dem sehr schönen Titel, »Semptemberregen« liegt. Wenn meine Vermutung richtig ist, dann muss diese Melodie tatsĂ€chlich durchgĂ€ngig anklingen. Das kannst Du erreichen, indem Du Sprachbilder verwendest, die diesen Zweck erfĂŒllen. Beispiel:

»Das triste Wetter macht einen krank.« ist eine sachliche Aussage. Das »einen« ist unpersönlich, außerdem eine Verallgemeinerung, der leicht widersprochen werden kann.

Wie wĂ€re stattdessen: â€șDas Wetter, grau in grau, erdrĂŒckt michâ€č? Dieser Aussage kann man nicht widersprechen, weil sie einen inneren Zustand umschreibt, den die Angesprochenen nicht kennen können, den sie also hinnehmen mĂŒssen, wie er mitgeteilt wird.

Ich denke, es wird Dir gelingen, Deinen Text zu verbessern, wenn Du ihn noch einmal kritisch durchsiehst.

Gruß

Paul

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