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Sexismusdebatte – wie geil ist das denn
Eingestellt am 28. 01. 2013 09:32


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Schreibensdochauf
???
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Berlusconi hat eine Minderjährige gevögelt? „Alter krass, voll abgefahren, kack die Wand an, boh.“ Riesenwelle in Indien gegen Frauenvergewaltigung: „Wow, ich werd nicht mehr, fuck.“ Protest von Pussy Riots in der Kirche und Kritik an Putin? „Geile Scheiße Rock´n Roll.“

Egal welches Thema in den Ring geworfen wird, eine zynische und ausgelaugte Medienmeute schafft es, jedes Thema zu Brei zu schlagen. Der Kongress tanzt. Themen werden per se nicht ernst genommen, weil der Masse der so genannten Journalisten und Tinnen jegliche intellektuelle Fähigkeit fehlt, ein Thema einzuordnen. Arabischer Frühling, Mali, Eurorettung, Steinbrück oder Merkel, überall Bildungswüste. Themen werden nicht mehr recherchiert, Themen werden durchgejagt, abgeschrieben, totgeritten.

Die Hauptrechercheleistung besteht nur noch darin, Themen auf das jeweilige Einzugsgebiet des dort erscheinenden Mediums "herunterzubrechen". Dann reicht es, wenn das Bottroper Tageblatt einen Bottroper auftut, der auch schon mal im australischen Dschungel war und „unseren Lesern exklusiv erzählt, wie es da WIRKLICH ist“. Der Rest wird abgeschrieben, abgekupfert. Entweder pro oder contra Dschungelcamp, je nach Lust und Laune und Stuhlgang des Leitenden.

Das Dschungelcamp ist zu Ende, die Sexismusdebatte ist da. Geile Scheiße! Der Saal rockt. Schmeiß Dein Thema in den Ring und dann Bingo!, wenn sich Menschen ernsthaft berufen fühlen, darauf einzugehen, am besten in diesem Twitter.

„Drucken Sie mir das aus Hase“, ergeht dann der Befehl des altsackigen, immer zu einem lüsternen Streich aufgelegten Chefredakteurs an sein weibliches Faktotum, das sich in der Kaffeerunde mit den Kolleginnen einig ist, „den neuen Volontär schmeiß ich auch nicht von der Bettkante, hi hi.“

Es gibt natürlich Menschen, denen Sexismus wirklich ein Thema ist, die sich mit den Vorgängen im Nahen Osten befassen, die wissen wollen, wie es in den USA jetzt in der zweiten Amtszeit Obama weitergeht. Diese Menschen sitzen aber nicht in den Redaktionsstuben. Da sitzen Menschen, die es „geil finden, was mit Medien zu machen“. „Meinung zu machen“.

Wer eine Atmosphäre erleben will, in der die Luft testosterongeschwängerter ist als in Redaktionsstuben, kann es vielleicht noch auf dem Bau versuchen. Männliche Hierarchien bis ins dritte Glied, durchsetzt mit weiblichen Sprengseln der hübschen (geile Schnitte) oder der engagierten (alte Lesbe) Art.

Seit Twitter, Facebook und Co. kommt endlich wieder Leben in die Bude. „Die Demokratisierung der Medien“ findet ihren Ausdruck in den so genannten sozialen – aber doch so oft asozialen - Medien. Hier findet der Redakteur Content – früher hieß das "Inhalt" – und kann das genüsslich ausschlachten, abschreiben, auswerten. Hier findet er oder sie „Volkes Stimme“.

Auf der Strecke bleibt die Wahrheit, auf der Strecke bleibt die Erwartung der Ernsthaften, dass sich wirklich etwas ändern könnte.

Wird es aber nicht, weil der nächste #Aufschrei sowieso kommt. „Hase was ist dieses kurze Zeichen vor dem Wort?“

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jon
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Laut gebrüllt, Löwe! Aber gut? Nicht wirklich.

Ich bin nicht sicher, was du mit dem Text aufs Korn nehmen willst. Der Anfang klingt, als ärger dich die Sensationsgier (wobei die Zuordnung nicht stimmig ist, oder?). Dann hüpft das Thema von "Überzogen bis zum Nervt!-Effekt" sofort zu “Schlecht/Nicht recherchiert". Kleiner Schlenker zurück zur "Hauptsache Stoff!"- Einstellung und dann – raztfatz – eine "Analyse" der Sexismus-Lage in Medien-Redaktionen und auf Baustellen. (Was hat diese Lage mit den oben genannten Problemen zu tun??) Dann kommst du schnell zurück zu "Recherche – was ist das?" und der abschließende Generalvorwurf fehlt auch nicht. Und das alles ist gespickt mit Behauptungen und Klischees. Wütendes Rumgebrülle eben.

Versteh mich nicht falsch, dieses Aufspringen auf "aktuelle" Themen und das "Markantsein" um den Preis der fundierten Information stören mich auch. Dein Text vermanscht das aber mit einem dieser gerade aktuellen Themen (ohne, dass der Zusammenhang klar wird) und geifert um sehr, sehr Vieles schlimmer rum, als es die (angeblich) sachlich informierenden Medien tun. Welcher Leser – und ich meine nicht den Stammtisch-Schimpfer, der sich mit Themen nicht beschäftigt, sondern sie nur als Ventil für seine "gerechte Empörung" nutzt – kann so einen Text ernst nehmen? Das ist aber die Voraussetzung für Veränderung.


So viel zum generellen Eindruck, den ich hatte. Hier noch ein paar SDetails:


quote:
Berlusconi hat eine Minderjährige gevögelt? „Alter krass, voll abgefahren, kack die Wand an, boh.“ Riesenwelle in Indien gegen Frauenvergewaltigung: „Wow, ich werd nicht mehr, fuck.“ Protest von Pussy Riots in der Kirche und Kritik an Putin? „Geile Scheiße Rock´n Roll.“
Transportier(t)en die Medien wirklich das Wow! für die umfangreichen Proteste in Indien oder eher für das, wogegen protestiert wurde? Und meinten sie wirklich, der Auftritt sein "geil" geweseen oder hatte man nicht doch eher die "unmäßige Bestrafung" zur Nachricht gemacht?


quote:
Themen werden per se nicht ernst genommen, weil der Masse der so genannten Journalisten und Tinnen jegliche intellektuelle Fähigkeit fehlt, ein Thema einzuordnen. Arabischer Frühling, Mali, Eurorettung, Steinbrück oder Merkel, überall Bildungswüste. Themen werden nicht mehr recherchiert, Themen werden durchgejagt, abgeschrieben, totgeritten.
Der erste Satz hier ist eine faustdicke Massen-Beleidigung - damit diskreditierst du dich nur selbst. (Ich teile den Verdacht zwar, würde ihn aber weder auf die meisten Journalisten ausdehnen noch würde ich es wie ein geistiges Manko formulieren, es hat vermutlich eher mit der Prägung durch die" Anforderungen" an Medien heute zu tun.) Der zweite Satz beschreibt zwar sehr gut das, was ich auch wahrzunehmen glaube, aber es ist mitnichten ein Beweis für die eben unterstellte Intelligenz-Lücke.
Gerade bei solchen Wut-Texten sollte man wenigstens cool und bei Sinnen genug erscheinen, um die Sprache noch korrekt zu beherrschen: Journalisten und -tinnen

quote:
Die Hauptrechercheleistung besteht nur noch darin, Themen auf das jeweilige Einzugsgebiet des dort erscheinenden Mediums "herunterzubrechen". Dann reicht es, wenn das Bottroper Tageblatt einen Bottroper auftut, der auch schon mal im australischen Dschungel war und „unseren Lesern exklusiv erzählt, wie es da WIRKLICH ist“. Der Rest wird abgeschrieben, abgekupfert. Entweder pro oder contra Dschungelcamp, je nach Lust und Laune und Stuhlgang des Leitenden.
Das Wort Rechenleistung ist unglücklich gewählt, denn du forderst ja eben mehr als simple "Rechenleitung".

quote:
Das Dschungelcamp ist zu Ende, die Sexismusdebatte ist da. Geile Scheiße! Der Saal rockt. Schmeiß Dein Thema in den Ring und dann Bingo!, wenn sich Menschen ernsthaft berufen fühlen, darauf einzugehen, am besten in diesem Twitter.
Das Wort "dein" wird klein geschrieben.
In Twitter? Bei Twitter, oder?

quote:
„Drucken Sie mir das aus Hase“, ergeht dann der Befehl des altsackigen, immer zu einem lüsternen Streich aufgelegten Chefredakteurs an sein weibliches Faktotum, das sich in der Kaffeerunde mit den Kolleginnen einig ist, „den neuen Volontär schmeiß ich auch nicht von der Bettkante, hi hi.“
Komma nach "das aus"
(… das dürfen die Kolleginnen in der Kaffeerunde auch sagen, ohne gleich sexistisch zu sein. Sexistisch wird es, wenn sie Schnucki lediglich Post austragen lassen, weil ja – z. B. – bekanntlich Kerle mit so viel in der Hose nicht viel im Kopf haben. – Was ich sagen will: Das hier ist noch schlechter zum Thema recherchiert als alles, was ich bisher dazu in den Medien las/hörte.)

quote:
Es gibt natürlich Menschen, denen Sexismus wirklich ein Thema ist, die sich mit den Vorgängen im Nahen Osten befassen, die wissen wollen, wie es in den USA jetzt in der zweiten Amtszeit Obama weitergeht. Diese Menschen sitzen aber nicht in den Redaktionsstuben. Da sitzen Menschen, die es „geil finden, was mit Medien zu machen“. „Meinung zu machen“.
Es kann mir ein Anliegen sein oder für ein (wichtiges) Thema.
Wieder so eine Pauschal-Watsche …

quote:
Seit Twitter, Facebook und Co. kommt endlich wieder Leben in die Bude.
Den Sprung versteh ich nicht. Wann war denn mal kein Leben in der Bude? (Und was hat das mit der männlichen Hierarchie zu tun? Oder meinst du, Frauen wären einfach nicht so doof, einfach nur abzuschreiben, sie würden lieber selbst denken? )

quote:
„Die Demokratisierung der Medien“ findet ihren Ausdruck in den so genannten sozialen – aber doch so oft asozialen - Medien. Hier findet der Redakteur Content – früher hieß das "Inhalt" – und kann das genüsslich ausschlachten, abschreiben, auswerten. Hier findet er oder sie „Volkes Stimme“.
Volkes Stimme ist doch nicht schlecht. – Die Argumentationskette, die du benutzt, sagt: "Der Red schreibt ab! Er guckt auf Volkes Stimme, der Schlimme!". Das Problem ist aber: "Der Red schaut auf Volkes Stimme und schreibt DIE ab – zu oft unreflektiert und einseitig."


quote:
Wird es aber nicht, weil der nächste #Aufschrei sowieso kommt. „Hase was ist dieses kurze Zeichen vor dem Wort?“
Komma nach "Hase"
Das verstehe ich nicht. (Es scheint jedenfalls recht sexistisch gemeint zu sein.) Erstens: Gibt es auch lange Zeichen? Soll das also ein Beispiel für männliche Doofheit sein? Zweitens: Warum steht wo (außer bei Tippfehlern) eine Raute vor einem Wort? Wenn das ein Bespiel für männliches Nichtwissen ist, dann sollte ich hier dezent darauf hinweisen, dass ich als Frau es auch nicht weiß. Willst du sagen, Männer stellen die falschen Fragen (oder nützt es ihm etwas, zu wissen, dass das eine Raute ist?)? Oder ist das doch noch anders gemeint? Wenn ja: Wie?
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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Schreibensdochauf
???
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Antwort Jon

Hach, man darf auch keine Polemiken mehr schreiben. War nur ein Stoßseufzer Jon, ich gehe also ein:

Warte, ich mache es kompakt. Diese ordinäre Reaktion auf Berlusconi, Indien, etc. bezieht sich auf die Haltung der Journalisten und Journalistinnen. Pauschalvorwurf? Natürlich, aber das macht die Gegenseite auch.

Ich will sagen und glaube mir, ich weiß wovon ich spreche: Die Themen sind den meisten Journalisten wirklich egal, weil sie kein Gespür mehr haben, was sie anrichten oder nicht anrichten. Nicht umsonst gibt es die "Initiative Nachrichtenaufklärung", wo in jedem Jahr, nach amerikanischem Vorbild, die Themen gewählt werden, die in den "Massenmedien" zu kurz kamen. Für mich sind die Meinungsmedien von Belang, da sie die Mehrheit erreichen. Natürlich kann ich alles differenziert in Spezialmedien und - portalen nachlesen, aber das ist nicht ausschlaggebend.

Meinungsmedien: Nehmen wir Bild und Spiegel, die berichten oft das Gleiche, nur gibt der Spiegel noch so eine Attitüde dazu, nach dem Motto, 2hier darfst Du das mit gutem Gewissen konsumieren, in der Bild ist es fürs Prekariat." Der Spiegel hat intensiv auf Online über das Dschungelcamp berichtet. Und nicht in der Rubrik "Panorama" - also Buntes, sondern unter "Kultur", ha, ha, das ist doch auch wieder so ein "was - sind wir akademisch - ironisch" Schmunzler

Die so genannte vierte Gewalt kann machen, was sie will. Hier wird auf anderen Blogs differenziert genug darauf hingewiesen, ich möchte es etwas gröber. Z.b. Osterkorn/Sternchefred. sagt auf die Frage: "Was ist denn der Unterschied zwischen Brüderle und Ihren Tittentitelseiten": "Das ist was anderes". Fertig und er kommt durch damit.

Noch mal, was mir Sorgen macht, ist diese unglaubliche Egalheit in den Medien, "Thema ist durch" fertig.So sprunghaft wie ich manchmal schreibe, springen die von Thema zu Thema.

Und jetzt kommts dicke, das habe ich ja auch geschrieben: Es gibt ja Menschen, die sich ernsthaft Gedanken machen. Die werden dann von den Medien aufgesaugt, als authentisch dargestellt und verheizt.

Und letzter Satz zu dem # - Zeichen. Das ist ein Hashtag in der Twittersprache. Das muss auch nicht jeder kennen, aber Journalisten, die über all dies schreiben und mir erzählen, "igitt, Twitter und Facebook, da würde ich nie reingehen". Ja da redet der Blinde dann vom Licht und das kotzt(sic) mich an.

Und deswegen liebe Jon habe ich den großen Knüppel rausgeholt und im nächsten Schritt werde ich die Rechtschreibfehler ausmerzen.

LG

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