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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Shadow Scan
Eingestellt am 17. 03. 2004 09:14


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Nihilix
Hobbydichter
Registriert: Oct 2001

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Ich sp├╝rte wieder die Blicke. Seit kurzem merkte ich, dass ich beobachtet wurde. Egal wo ich war, ich f├╝hlte die Gegenwart eines Schattens, einer Pr├Ąsenz in meinem direkten Umfeld, aber ich sah nichts. Nur einmal sah ich in einiger Entfernung ein Blinken, ein Aufblitzen, wie ein Sonnenlicht, das sich in einer Linse bricht. Ich fragte mich, was es war. Ein Fernglas, eine Brille? Mit der Zeit malte sich ein Bild meines Begleiters vor meinem inneren Auge ab. Ich fantasierte mir etwas, was ich nicht kannte. Ich f├╝hlte mich eigenartiger Weise nicht bedroht, nein, ganz im Gegenteil, ich f├╝hlte mich besch├╝tzt. Sogar nachts, wenn ich in meinem Bett erwachte, da ich Durst versp├╝rte, nahm ich die Blicke im Dunkeln wahr, wie sie mich abtasteten, ja fast schon ber├╝hrten. So nah waren sie.
Meine Intuition muss mir verraten haben, dass es sich um etwas Weibliches handelte. Es wurde mir wider Erwarten nicht unangenehm, dieser scheinbare Scan meines ganzen Ichs. Mit jedem Schritt, den ich tat, mit jedem Atemzug sp├╝rte ich diese W├Ąrme, die sowohl entfernt lag und mir doch vertraut erschien, als auch mir so fremd war wie irgend m├Âglich. Das Blinken erschien nicht mehr und doch nahm ich diese fremde Energie, diese weibliche Sph├Ąre in mir wahr, dass es mir wie eine Symbiose erschien. W├Ąhrend des n├Ąchtlichen Erwachens suchte ich nach Konturen dieser fiktiven Person, nach Anhaltspunkten ihres Seins, doch stie├č ich hier schon an die Grenzen meiner Wahrnehmung.
Ich versuchte Licht, einen hellen Geistesblitz meiner Erinnerung, zu entfachen, doch es wollte mir nicht gelingen. Scheinbar war ich noch nicht soweit, die Barrieren meiner Gef├╝hle, die Mauer des Vergessens, zu ├╝berwinden. Wer oder was war dieses Gef├╝hl, der Schatten, dieses unsichtbare Wesen? Was wollte sie, was war ihr Auftrag? Die Dunkelheit umh├╝llte mich wie ein Schutzwall, ich hatte nun Angst, dass sich das Licht nun entfachen w├╝rde. Wovor hatte ich Angst? Vor der Erkenntnis? Davor, dass ich erkannte? Oder vielleicht davor, dass mein Schatten verschwinden w├╝rde und ich ihn dann vermisste? Alles Fragen, die, wie ich hoffte, im Laufe der n├Ąchsten Tage beantwortet w├╝rden.
Ich mied es, mit jemandem dar├╝ber zu sprechen, wo sich meine Angst doch jetzt eigentlich verkehrte; ich hatte Angst, dass diese scheinbare ├ťberwachung ein j├Ąhes Ende nehmen k├Ânnte. Wollte ich nun Kontakt aufnehmen? W├╝rde dies scheitern? Ich nahm mir vor, in die Offensive zu gehen. Nach einem langen Marsch erreichte ich die abgelegene H├╝tte im Wald, die ich als Jugendlicher immer f├╝r geheime und geheimnisvolle Treffen genutzt hatte. Ich dachte, da bliebe mir nichts verschwiegen. Es war so furchteinfl├Â├čend wie erotisch. Es erregte mich. Aber isolierte mich die Suche, die Akzeptanz der fiktiven Person auch. Mein K├Ârper war erregt wie auch in Alarmbereitschaft und niemand h├Ątte mir geglaubt. Ich erreichte die H├╝tte, ├Âffnete die T├╝r, betrat den Raum, der in seinen Ma├čen nicht sehr gro├č war. Die T├╝r verschloss ich wieder hinter mir und stellte mich in die Mitte des dunklen Raumes.
Jetzt hie├č es warten.
Es dauerte eine Zeit, da bemerkte ich wieder diese Blicke. Langsam drehte ich mich und starrte in die Dunkelheit. Pl├Âtzlich sah ich sie. Ungef├Ąhr in einer H├Âhe von zwei Meter schwebte in der absoluten Finsternis ein Augenpaar. Eine eigenartige Erregung stieg in mir hoch. Ich versp├╝rte weder Furcht noch Freude, es war vielmehr eine vorsichtige Neugier. Die Augen wanderten um mich herum und musterten mich. Mit gro├čer ├ťberraschung nahm ich wahr, das die Farbe der Augen sich st├Ąndig ├Ąnderte. Von kaltem st├Ąhlernem Blau langsam in w├Ąrmere, feurige Farben. So kam es mir vor, dass die Augen, die sicherlich zu einem Wesen geh├Âren mussten, durch die wechselnde Farbe in ihren Pupillen Gef├╝hle preisgab. Augen sind das Fenster in die Seele, dachte ich still in mich hinein.
Ich bemerkte, das die Augen zwingender, ja fast gieriger wurden. Sie wollten etwas. Langsam wurde mir bewusst, dass das Wesen, was sich hinter diesem Paar Augen verbarg, versuchte in meine Gedanken einzudringen. Trotz dieser etwas gef├Ąhrlich wirkenden Situation, eigentlich f├╝r mich auch aussichtslosen Situation, war ich bereit, mich auf einen m├Âglichen Kampf einzulassen. Nein, ich w├╝rde nicht so schnell meine Gedanken preisgeben, mich scannen lassen.
Wider Erwarten regte sich dieses Etwas nun und ich blickte in die Dunkelheit, die nun bunte Laserstrahlen sandte, die sich der wechselnden Farbe der Augen anpassten. Ich wurde Quadratzentimeter f├╝r Quadratzentimeter gemustert, alles wurde anscheinend registriert und ich konnte mich dem nicht erwehren.
Es war viel mehr Science Fiction, als ich ertragen konnte. Es machte mich m├╝rbe und ich griff in das Dunkel und verfolgte die Augen, die wie polarisiert meinen H├Ąnden entgegengesetzt folgten. Ich ├Âffnete meinen Mund und rief einige Worte, ich sah Laserstrahlen in meinen Mund eintauchen und ich f├╝hlte mich so nackt wie nie zuvor. Nach einigen Minuten schien der Scan beendet und ich fast befreit und der Raum wurde heller und ich trat einen weiteren Schritt ins Unbekannte. Ganz langsam sch├Ąlte sich etwas aus der Dunkelheit hervor und dort, wo vor einigen Sekunden noch die Augen in der Luft hingen, schien mir nun ein grelles helles Licht entgegen. Ich sch├╝tzte meine Augen, in dem ich meine rechte Hand leicht senkrecht an meine Stirn hielt und ging vorsichtig und blinzelnd weiter. Eine wohlige W├Ąrme kam langsam auf mich zugeweht, ein Wind, wie in einer W├╝ste.
Meine Augen hatten sich jetzt langsam an die ver├Ąnderten Lichtverh├Ąltnisse gew├Âhnt und ich ├Âffnete sie langsam unter dem Schutz meiner rechten Hand. Etwas Gro├čes und M├Ąchtiges nahm mein Blickfeld ein. Mit offenem Mund starrte ich auf das, was ich dort sah.

Vor mir t├╝rmte sich die Statur einer immens hohen G├Âttin auf, die mich jetzt offensiv mit ihren spektakul├Ąren Augen bemusterte, scannte. Ein wenig erinnerte mich die G├Âttin an Shiva, auch sie hatte mehrere Arme, die sich schlangenartig um ihren K├Ârper bewegten. Einer dieser Arme bewegte sich jetzt durch die Luft windend auf mich zu.
Und ich wusste noch immer nicht, wo ich nun war und wie ich hierhin geraten war. Doch die auf mich zukommenden Arme nahmen all meine Sinne f├╝r sich ein. Von etwas ├ähnlichem hatte ich schon mal getr├Ąumt. Ich sp├╝rte auf der gesamten Oberfl├Ąche meiner Haut unglaubliche Ber├╝hrungen, die ich wohl nie wieder vergessen (wollen) w├╝rde. Mein K├Ârper geriet in einen Erregungszustand, der mir noch v├Âllig neu war und nun w├╝nschte ich diese unheimliche Begegnung nicht mehr beendet, doch ich sp├╝rte ÔÇô alle zeitliche und r├Ąumliche Vorstellung von mir gel├Âst ÔÇô dass es dem Ende zuging und die mich stimulierenden Energien nachlie├čen.
Ich sp├╝rte noch den Schatten und diese Blicke und doch wurde unsere Verbindung immer schw├Ącher, bis ich schlie├člich entkr├Ąftig und ohnm├Ąchtig zu Boden sank. Es hatte zu sehr an mir gezehrt, als dass ich h├Ątte bei Bewusstsein bleiben k├Ânnen und doch war es eine so wundervolle Begegnung gewesen, die mein Verlangen nach einer weiteren nur gesteigert hatte. Ich wachte auf und der Raum in der H├╝tte um mich herum wurde hell, dass es mich blendete. Mir war total ├╝bel und ich kotzte. Noch niemals hatte ich einen so erregenden H├Âhepunkt erlebt.
Langsam erholte ich mich von meiner kleinen ├ťbelkeitsattacke und bewegte mich vorsichtig ein paar Schritte voran. Die Figur, die mich vor kurzem erst noch so durcheinander gebracht hatte, war verschwunden... doch halt, wieso verschwunden?
Sie hatte sich nur ver├Ąndert. Vor mir in der Mitte des Raumes sa├č zusammengekauert mit angezogenen Knien eine nackte und zitternde Gestalt. Zuerst konnte ich nicht sehen, wer diese Gestalt war. Erst als ich noch zwei Schritte auf sie zugegangen war und meine Augen sich an das Licht gew├Âhnten, erkannte ich, dass es sich wirklich um ein weibliches Gesch├Âpf handelte. Ihre langen schwarzen Haare legten sich sch├╝tzend um ihren K├Ârper und versteckten auch ihre Knie darunter. Auch anhand der zarten alabasterfarbenen Haut und des exotischen Geruches, der mir aus Ihrer Richtung entgegenstr├Âmte, vermochte ich zu sagen, dass es sich um eine weibliche Person handelte. Vorsichtig sprach ich Sie an.
ÔÇ×Hallo!ÔÇť, rief ich vorsichtig und mit einer nicht allzu lauten Stimme, ÔÇ×Hallo, geht es Ihnen gut?ÔÇť Ich sah, wie der K├Ârper der Unbekannten sich langsam spannte, sie langsam Ihren Kopf hob und in meine Richtung drehte. Die langen schwarzen Haare, die im Schein des Lichtes einen leichten blauen Schimmer hatten, bewegten sich schl├Ąngelnd (oder meinte ich nur, dass sie sich so bewegten?) nach hinten und gaben die Sicht auf den Kopf frei. Ich starrte in das Antlitz einer Frau, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Noch immer wechselten ihre Augen die Farben. Es war wundersch├Ân.
Nun schauten mich ihre Augen an. Ich war perplex. Es waren definitiv die Augen, die mich im Dunkel verwirrt hatten und mich doch sicher haben f├╝hlen lassen. Nein, vertraut. Ich liebte diese Augen. Verdammt, ich war in diesen Augen gefangen. Gefangen wie in einer gefrorenen Tr├Ąne, in einem neugeborenen Diamanten. Sie war nackt und machte keine Anstalten, sich zu verh├╝llen und in mir stieg keinerlei Peinlichkeit auf. Ich f├╝hlte mich ihr so verbunden und ber├╝hrte sie, tastete ganz vorsichtig und sie schaute mich an. Ebenso vorsichtig legte ich eine ihrer schwarzen Str├Ąhnen ├╝ber ihre Schulter; sie hatte ihre Position immer noch nicht ver├Ąndert. Der Moment war ebenso liebevoll wie erotisch.
Die Augen und ihre Blicke, hatten in mir so viele Gef├╝hle wachgerufen und jetzt waren Augen so nackt vor mir, dass ich sie sch├╝tzen und f├╝r mich behalten wollte. Der Moment hatte nichts Rationelles, nichts Fassbares, nichts Vorstellbares - der Grund daf├╝r, dass ich ihn ewig w├╝nschte. Hallo Shadowscan.
Ich k├╝sste dieses sowohl Unscheinbare wie Eindrucksvolle, weil mir mein K├Ârper, meine Neigung keine andere Wahl lie├č und ich wurde zur├╝ckgek├╝sst. Die erste f├╝hlbare Reaktion und ich versank in eine Welt, die ich nie w├╝rde nacherz├Ąhlen k├Ânnen und ich verwuchs, verschmolz mit diesem nicht mehr fiktiven K├Ârper, dass es das sch├Ânste Gef├╝hl der Welt wurde.
Wie aus einem Ewigen Schlaf erwachte ich aus dem trance├Ąhnlichen Zustand der Verschmelzung und blickte mich um. Was ich sah, konnte ich die ersten Augenblicke nicht glauben... denn ich sah mich!! Ich blickte auf meinen K├Ârper herab, der mich aus leeren Augenh├Âhlen anstarrte. Dann, wie zeitraffend, bemerkte ich, wie ich mit meinen Augen rollte, meinen am Boden knienden K├Ârper fixierte und dieser sich innerhalb weniger Bruchteile von Sekunden in Nichts aufl├Âste.
Ja, mein K├Ârper verschwand spurlos. Ich hatte mein eigenes Ich ausgel├Âscht. Mit nur einem Blick war ich Vergangenheit. Pl├Âtzlich f├╝hlte ich eine wohlige angenehme W├Ąrme in mir emporsteigen, h├Ârte leise eine erotisch klingende Frauenstimme zu mir sagen: ÔÇ×Jetzt sind wir Eins, Ewige Liebe und Ewige Verbundenheit in einer Person. Du und Ich verschmolzen zu einem Teil, zu einer Person, zum Inbegriff der unsterblichen Liebe, des immerw├Ąhrenden Verlangens, dem H├Âhepunkt der Versuchung.ÔÇť




Und ich schwebte empor und habe mich niemals so wohl gef├╝hlt, so frei, so rein.
Ich ├Âffnete meinen Mund und rief ÔÇ×Frei!ÔÇť, immer wieder ÔÇ×Frei!ÔÇť und mit meinen Worten verschmolz meine Stimme in der Frauenstimme, verschmolz mit ihr und es widerhallte nur noch das Optimum unserer Stimmen, die nun Eins waren. Ich legte alles Menschen├Ąhnliche ab und gebar mich selbst wieder; rann durch alle beklemmenden Spalten und w├╝rde nie wieder zur├╝ckkommen, da es nirgendwo anders so sch├Ân sein w├╝rde..


Diese Story ist eine Zusammenarbeit der beiden Autoren Nihilix und josua n├ę.
Um die beiden zu kontakten, benutzt bitte f├╝r josua die Email
yabadabadooo3@yahoo.de und f├╝r Nihilix die Email Nihilix@freenet.de


__________________
Das Erwachen, die Erkenntnis,
Verg├Ąnglichkeit ist ein Teil der g├Âttlichen Unsterblichkeit.

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