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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Shayk
Eingestellt am 27. 08. 2003 07:55


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flammarion
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Shayk

Wir hatten einmal einen Sch├Ąferhund-Mischling. Die vorherigen Besitzer hatten ihn vor der Kaufhalle angebunden und verlassen. Meine S├Âhne brachten den armen Hund zu uns in die Wohnung. Es war nicht ersichtlich, was f├╝r ein Mischling er war. Eigentlich sah er ganz normal aus, aber er war f├╝r einen reinrassigen Sch├Ąferhund zu klein. Auch der Kopf war zu klein, der Hals zu kurz und die Rute hatte einen Knick.
Am anderen Tag wollten sie herausfinden, wo er hingeh├Ârt. Sie lie├čen ihn laufen und er f├╝hrte sie zu einer Hinterhof – Parterrewohnung, aus der es schlecht roch. Auf ihr Klingeln reagierte niemand. Ein Nachbar kam vorbei und erz├Ąhlte meinen S├Âhnen, dass diese Wohnung gestern Besuch von der Polizei hatte, weil dort an die zehn kranke Hunde lebten und alles verdreckten. Auch das Gekl├Ąff sei nicht auszuhalten gewesen. So kam „Shayk“ in unseren Haushalt.
Er kannte seinen Namen nicht, der auf dem Halsband eingeritzt war. Egal, was wir riefen, wenn es in lockendem Ton war, kam der Hund eiligst angelaufen.
Einmal fiel mir ein Ei aus der Hand. Schnell wie der Blitz war Shayk zur Stelle und schlabberte es auf. Das freute mich, denn so erf├╝llte das Ei einen sinnvollen Zweck und ich musste mich weder b├╝cken, noch einen klebrigen Lappen reinigen. Als mir beim Braten ein Kl├╝mpchen Sonja vom Messer tropfte, verschwand es ebenso schnell wie das Ei in Shayks Schlund.
Allerdings fra├č das Tier nur das, was entweder in seinem Napf oder auf der Erde lag. Er bettelte nicht, wartete aber unter dem Tisch auf herabfallende Br├Âckchen.
Meine Tochter war die einzige, die sich nicht mit dem Hund anfreunden konnte. Sie ging ihm aus dem Weg und er tolerierte sie. Nachdem sie sah, dass der Hund auf dem K├╝chentisch schlief, mussten wir immer in der Stube essen. Wenn ihre Br├╝der dem Hund ihren Teller zum Ablecken hinhielten, wurde sie fuchsteufelswild und drohte, in unserer Wohnung nie wieder irgendetwas zu essen.
Nie hat sie dem Hund einen Kr├╝mel zukommen lassen, ihn nie gestreichelt oder ein gutes Wort f├╝r ihn gehabt. Er aber betete sie ebenso an, wie jeden von uns. Er mochte alle Menschen, nur Polizisten verbellte er. Polizisten konnte er praktisch meilenweit riechen und kl├Ąffte, was das Zeug hielt.
Als die Polizei bei unseren Nachbarn im Parterre war, weil der Sohn in der Kaufhalle beim Stehlen erwischt wurde, sprang Shayk in unserem Wohnzimmer im dritten Stock auf und bellte, dass die W├Ąnde wackelten und er wollte zur Wohnungst├╝r. Ich hatte M├╝he, ihn am Halsband fest zu halten. Das gro├če Tier brauchte nur an der T├╝r hoch zu springen, und sie w├Ąre offen, das konnte ich nicht riskieren. Aber es gelang mir, den W├╝tenden zu beruhigen.
Oft hatten meine S├Âhne keine Lust, mit Shayk Gassi zu gehen. So auch an einem eisigen Wintertag. Damit ich keine h├Ąssliche Pf├╝tze in die Wohnung gesetzt bekomme, ging ich mit dem K├Âter Gassi. H├Ątte ich gewusst, dass meine Herren S├Âhne mit Nachbarskindern auf dem Treppchen unter den Balkons sa├čen, h├Ątte ich dem Hund nur die Haust├╝r aufgemacht. Aber ich hatte ihn ordnungsgem├Ą├č an der Leine. Ich konnte ├╝berhaupt nicht so schnell reagieren, wie der Hund um die Ecke flitzte! An der Ecke war Glatteis und ich rutschte darauf aus. Die Bengels lachten, verstummten aber sofort, als sie erkannten, wer da vor ihnen auf dem Bauch lag.
Ich stand schimpfend auf, Shayk erleichterte sich am Baum und meine S├Âhne halfen mir, mich vom Schnee zu reinigen. Das war das letzte Mal, dass ich mit dem Hund auf die Stra├če musste.
Zu unserem Haushalt geh├Ârten noch andere, oft frei laufende Kleintiere, Hamster, Meerschweinchen, eine Katze und ein Nymphensittich. Mit allen vertrug Shayk sich bestens. Er beschnupperte sie und lie├č sie ihrer Wege ziehen. Die Katze lie├č sich nicht beschnuppern, sie sprang auf den Schrank, sobald der Hund in Sicht kam.
Wir hatten ihn neun Jahre. Dann wurde er sonderlich und schnappte nach uns. Der Tierarzt stellte fest, dass der alte Knabe erblindet war. Bald merkten wir, dass das Leben f├╝r den Hund nur noch eine Qual war und wir lie├čen ihn einschl├Ąfern. Er war der einzige Hund, den wir je hatten und wir reden noch heute bei jeder Familienfeier ├╝ber den vermanschten Bastard, der so lieb und treu war.

__________________
Old Icke

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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

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hallo flammarion,

nur ein hinweis:
vielleicht solltest du statt sonja einfach margarine schreiben, sonst kommt noch jemand aus altbundesgermanien auf abstruse gedanken...

viele gr├╝├če

rainer
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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flammarion
Foren-Redakteur
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Registriert: Jan 2001

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ach,

ich dachte, die gute sonja gibt es jetzt auch dr├╝├╝├╝├╝├╝m.
ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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