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Leselupe.de > Humor und Satire
Sherry Cheri
Eingestellt am 07. 06. 2007 00:27


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jounne
Hobbydichter
Registriert: Jun 2007

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Sherry Cheri


"Halt mal an der Bar da dr├╝ben", sagte Frank.
"Nee, nee", brummte Harald. "Es ist schon halb Acht." Er warf einen Blick zur Seite und sah, da├č Frank sich nerv├Âs ├╝ber das frischrasierte Kinn strich.
"Komm, mach keinen Quatsch!" verlangte Frank. "Halt da an der Bar!"
"Na, wie du meinst." Harald bugsierte den Wagen in eine Parkl├╝cke vor der Bar. "Ich lass' den Schl├╝ssel stecken" sagte er, um seine geringe Begeisterung ├╝ber den Barbesuch zu demonstrieren. Allerdings glaubte er nicht an einen schnellen Aufbruch. Wie er Frank kannte, wollte der wieder kneifen.
Frank ging vorweg und lie├č die Kneipent├╝r aufschwingen. Beim Zur├╝ckschlagen wedelte sie Harald eine Wolke Rasierwassergestank ins Gesicht. Wenn das nur gut geht, dachte er, schob die T├╝r wieder auf und stellte sich neben Frank an die Theke.
"H├Âr mal zu, Mann", sagte er ernst und ein wenig stolz. "War m├Ąchtig schwer, an die Frau zu kommen. Also vergeig's nicht wieder!"
"Wie hast du's denn gemacht?" wollte Frank wissen.
"Hm ..." Harald grinste. "Sag' ich nicht."
"Na, komm! Du hast sie in 'ner Bar angesprochen. Oder haste sie vom Strich weggeholt?"
"Bl├Âdsinn!" Harald machte eine abwehrende Geste. "So eine ist sie nicht."
"So eine ist sie nicht? Was f├╝r eine ist sie dann?"
"Komm, la├č uns gehen. Dann wirste schon sehen ..."
"Halt, stop", widersprach Frank, und klammerte sich an sein Glas. "Ich will erst wissen, wie se aussieht. Vielleicht is' se ja dick oder sowas. Oder sogar d├╝nn."
"Na, h├Âr mal! Seit wann bist'n so w├Ąhlerisch?"
"Na, ja. Is' ja egal. Aber ich mu├č mich halt vorher drauf einstellen. Wei├čte: Ich bin keiner, der so einfach mit jeder ..."
"Ich wei├č nicht, wie sie aussieht."
"Was? Du wei├čt nicht, wie sie aussieht?!" Frank verplemperte seinen Sherry und ri├č entsetzt die Augen auf.
"Nee, wei├č ich nich'."
"Um Gottes willen! Ja, aber wie haste se denn dann kennengelernt?"
"Ich hab' 'ne Anzeige aufgegeben."
"'ne Anzeige?" Frank sch├╝ttelte den Kopf. "Was stand denn da drin?"
"'n Gedicht."
"'n Gedicht? - Sag doch mal!"
"Nee, will ich nich'. Kann mich nicht mehr erinnern. Komm, mach keinen Quatsch. Wir m├╝ssen jetzt los. Is' schon f├╝nf vor Acht."
"Halt, wart' doch mal! Du wei├čt gar nix von ihr?"
"Doch, doch. Sie ist 'ne Krankenschwester."
"'ne Krankenschwester? Bist du noch zu retten? Was will denn 'ne Krankenschwester mit mir? Komm, wir vergessen die Sache."
"Kommt gar nicht in Frage! Wei├čt du ├╝berhaupt, was das f├╝r 'ne Arbeit war? Die wollte immer mehr Gedichte von mir; f├╝nf Briefe habe ich geschrieben. Und Thelma hatte keine Briefmarken da. Bin ich also zur Post gedackelt, damit sie nichts merkt ..."
"Vergi├č es!"
"H├Âr mal Frankie: Thelma war auch Krankenschwester. Ich hab's geschafft, du kannst es schaffen. Das ist 'ne echte Chance. Du schaffst es."
"Niemals!"
"Ich hab' ihr geschrieben, da├č ich, ├Ąh, ... du keinen Job hast."
"Und das st├Ârt sie nich'?"
"Nee, st├Ârt sie nich'."
"Na, ja ..."
"Also. Komm jetzt! Sie wartet schon."
Harry dr├╝ckte Frank vom Barhocker und schob ihn zum Ausgang. Er sah, da├č Frank zwar schwankte, aber die ungef├Ąhre Richtung einhielt. Und f├╝r die genaue Richtung w├╝rde er schon sorgen.
In dem Augenblick wurde die T├╝r aufgeschmissen, und ein besoffener Freak mit einer Currywurst fiel direkt auf Franks frisch geb├╝gelten Anzug zu.
Harald ri├č Frank zur Seite und stellte sich der Gefahr entgegen. W├Ąhrend er vom Currywurst-Attent├Ąter bekleckert wurde, machte Frank eine Bauchlandung auf dem Fu├čboden. Frank versuchte, wieder auf die Beine zu kommen.
"Frank! Frank Fl├╝gel, du altes Arschloch!" keifte einer vom Gl├╝cksspielautomaten her├╝ber. "Du willst schon gehen? Was ist mit meinem Hunnie?"
Frank klopfte sich die Hosenbeine ab. Harald versuchte, sich das rote Zeug von der Jacke zu rubbeln.
"Sie haben meine Currywurst ruiniert", klagte der Attent├Ąter feindlich.
Inzwischen war auch der Gl├╝cksspieler herangekommen und packte Frank an der Krawatte.
"Um Gottes willen", warf sich Harald dazwischen. "Schlagen Sie ihn nicht! Dieser Mann hat ein Rendez-Vous. Dieser Mann hat vielleicht Schl├Ąge verdient, aber nicht, da├č Sie ihm die Zukunft ruinieren. Das ist eine heilige Sache. Schlagen Sie mich an seiner Stelle!"
"Na gut, Sie haben's so gewollt", knurrte der Mann und knallte Harald eine.
Harald wurde angez├Ąhlt.
"Geben Sie mir mein Ketchup zur├╝ck", quengelte der Verr├╝ckte mit der Wurst.
"Komm, la├č uns gehen, bevor ich w├╝tend werde", pre├čte Harald zwischen seinen blutenden Lippen hervor und schob Frank zur T├╝r hinaus. "Wir sehen uns noch, Freundchen", drohte er dem Gl├╝cksspieler.


In "Da Elios Keller-Restaurant" standen Kerzen und Rotweingl├Ąser auf den Tischen. ├ťberraschend kam Thelma auf sie zugest├╝rzt. Sie war ziemlich aufgeregt.
"Harry! - Du hier? - Ich dachte, ihr geht Bowling spielen?"
"Bowling? - Bl├Âdsinn! Frank hat hier 'ne Verabredung. Warum bist'n nicht zu Hause?"
"Frank? - Aber der ist ja total besoffen. Und du blutest! Was ist denn passiert?" Ihre Stimme nahm einen besorgten Tonfall an.
"Nichts ist passiert. Besser, du gehst jetzt. Und la├č dir einfallen, was du hier zu suchen hattest!" Harald klang knarzig wie eine Tretmine.
Thelma schluckte. "Na, gut. Dann bis nachher." Sie winkte ihm vorsichtig zu und verlie├č das Restaurant.
Wo war jetzt die Frau mit der Zeitung auf dem Tisch? Harald ging schwerf├Ąllig alle Tische ab und be├Ąugte die G├Ąste.
"H├Âren Sie", sagte der Kellner. "Wenn Sie Unfrieden stiften wollen: Den k├Ânnen Sie haben. Sonst trinken Sie Ihren Sherry und verschwinden Sie!"
Harald stellte sich zu Frank an die Bar. Es war keine Frau mit Zeitung da, daf├╝r lag auf einem Tisch eine Zeitung ohne Frau. Es war auch schon halb Neun. Er kippte den Sherry und warf das Glas nach dem Ober.


"Wo hast du Frank gelassen?" fragte Thelma, als sie Harald die Augenbraue abtupfte.
"Frank? - Der pennt im Auto. Hab' keine Lust, ihn jeden Abend in seine Wohnung zu tragen. Ist schlimm mit ihm, seit Hanna ihn verlassen hat."
"Tut's weh?" fragte Thelma, als sie die Wunde mit Jod desinfizierte.
"Warum bist'n heute so verdammt verst├Ąndnisvoll?" p├Âbelte Harald.
"Ach", sagte sie. "Bist doch kein so ├╝bler Kerl."
"Was soll'n das jetzt? Nach der Schl├Ągerei mit dem Autoh├Ąndler neulich haste noch gesagt ..."
"Tut mir leid, was ich gesagt hab'."
"Nee, das glaub' ich jetzt nicht ..."
"Doch", sagte sie, und hielt ihm auffordernd die Hand hin. "Ich glaub', da├č du ganz z├Ąrtliche Seiten an dir hast."
Er verstand die Welt nicht mehr.

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Susanne Henke
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2004

Werke: 9
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Hallo Jounne,

sch├Âne idee - erwas f├╝r romantische Gem├╝ter.
Eine Kleinigkeit: "Harald klang knarzig wie eine Tretmine." Eine Tretmine explodiert. Vielleicht zischt, murmelt, knurrt oder einfach sagt er, was er zu sagen hat?
Auch direkt davor "Ihre Stimme nahm einen besorgten Tonfall an" - Wenn Harald nicht mehr knarzig wie eine Tretmine klingt, k├Ânntest du z.B. sagen "ihre Stimme klang besorgt" - die Stimme wird ja nicht von allein aktiv. Eigentich k├Ânntest du es auch ganz weglassen, denn Thelmas Besorgnis sp├╝rt man ja durch das, was sie sagt.

Viele Gr├╝├če

Susanne

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