Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5542
Themen:   94991
Momentan online:
105 Gäste und 1 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Sich das Recht nehmen
Eingestellt am 19. 10. 2017 22:13


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Mistralgitter
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Apr 2015

Werke: 84
Kommentare: 374
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Mistralgitter eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

So sind sie eben, die Spatzen, wenn sie schimpfen und zetern, aufgeregt von Busch zu Busch flattern, sich in die Hecken setzen. Mit ihren spitzen Blicken sezieren sie ihre Umwelt, meinen Garten, auf der Suche nach Futter.

So sind sie eben, die Nachbars-Kinder, die heute auf der Straße vor unserem Haus spielen, schreien, sich irgendetwas zurufen, was ich trotz der LautstĂ€rke nicht verstehe, und vehement nach der Mama verlangen. Sie sind einfach so, wie sie sind, ohne Umschweife, unbekĂŒmmert. Ob sie stören, danach fragen sie nicht. Ob sie eine beruhigende Abend-Stille entzwei schneiden, darum scheren sie sich nicht. Die Straße, die Welt gehört ihnen, ihnen allein.

Ich hingegen fege stumm und verbissen den Winterstaub, die welken BlĂ€tter vom vergangenen Herbst und einige Zigarettenstummel auf der Terrasse weg. Irgendjemand hat hier unbefugterweise geraucht, vermute ich. Ich rauche jedenfalls nicht, meine GĂ€ste auch nicht. Wer dann? Selbst an der Haus-Wand ist ein Fleck, weil bestimmt jemand genau dort seine Zigarette ausgedrĂŒckt hat. Ich wohne im Erdgeschoss. Also kann man durchs unverschlossene Gartentor von der Straße aufs GrundstĂŒck kommen. Es wĂ€re durchaus möglich, dass sich nachts auf meiner Terrasse Leute aufhalten. Ich schlafe tief und fest und wĂŒrde es nicht einmal hören. NatĂŒrlich fĂŒhrt der Fremde auch seinen Hund ganz selbstverstĂ€ndlich in meinem Garten aus, stelle ich mir vor. Wie oft schon musste ich die Hundehaufen wegschaufeln. Sehr Ă€rgerlich das Ganze und unangenehm. Oder sind es die Hinterlassenschaften eines WaschbĂ€ren? Ich weiß es nicht.

Es regnete kaum in den letzten Monaten. Der vergangene Winter brachte zu wenig Feuchtigkeit. Missmutig stelle ich mir vor, dass unser Land wohl demnĂ€chst zur Steppe werden wird, in der sich spĂ€ter Kakteen ausbreiten, natĂŒrlich mit furchtbaren Stacheln, wenn das so weiter geht. Dann wird es noch mehr Staub geben als jetzt schon. Man kann nĂ€mlich geradezu daneben stehen und zuschauen, wie meine Fensterscheiben innerhalb kurzer Zeit blind werden davon. Das war frĂŒher anders. Oder liegt es daran, dass wir in der Einflugschneise eines großen Flugplatzes wohnen?
Oder ist es der Staub, der von der nicht allzu fernen Groß-Baustelle herĂŒberweht?

Der Abend-Himmel ist kalt. Es wird eine sternenklare Nacht werden. Ich wische schnell noch die Tische, StĂŒhle und BĂ€nke ab, als ob der FrĂŒhling morgen schon kĂ€me. Eine Amsel fliegt schimpfend vorbei. Die Spatzen stört das nicht. Sie zetern weiter.
Eben steigt aus dem nahen Bachbett ein Reiher auf. Ich kenne ihn schon. HĂ€ufig entdecke ich ihn im Vorbeifahren am Straßenrand. Reglos und beobachtend steht er an einer bestimmten Stelle. Er zĂ€hlt sicherlich die Autos, sagt dann meine Tochter, und wir schmunzeln.

Die Kinder sind inzwischen zum Abendbrot ins Haus gegangen. Auch der BaustellenlĂ€rm hat sich gelegt, die Bauarbeiter haben Feierabend gemacht. Sie haben Straßen verlegt oder sie gesperrt. Über die Felder kann man nur noch in eine Richtung fahren, sonst ist man ungewollt ein Falschfahrer. Bei meiner „Radtour“ vorhin habe ich mein Fahrrad vorsichtshalber meist geschoben. Das darf man hoffentlich noch - gegen den Strich laufen.

Ich freue mich auf die Kirschen und Himbeeren und Blumen, die in meinem Garten wachsen werden. Und ich beschließe mutig: Feinde werden hier keinen Platz bekommen. Gegen sie werde ich ein Flutlicht aufbauen auf der Terrasse oder Bewegungsmelder im Garten verteilt aufstellen. Und eine Sirene wird Alarm schlagen. Und ich werde eine Mauer bauen mit Stacheldraht, damit niemand mehr hereinkommt und mich stört. Man bezeichnet mich dann vielleicht als eigensinnigen Menschen, als Hundehasser, möglicherweise auch Menschenhasser. Es ist mir gleichgĂŒltig. Wer will mir mein Recht nehmen?


__________________________________________________________________

P.S.
Die Sache mit den Zigarettenstummeln auf meiner Terrasse hat sich auf ganz harmlose Weise erklĂ€rt. Die ĂŒber mir wohnende Familie hatte Raucher zu Besuch. Ihre Zigarettenstummel hatten sie in die BalkonkĂ€sten gesteckt. Anscheinend haben dann Amseln darin herumgepickt und die Stummel auf meine Terrasse runterfallen lassen. Aber etliche Tage und NĂ€chte hat mir meine Phantasie einen Streich gespielt.
Die Sache mit den Hundehaufen ist nach wie vor ein Ärgernis.

__________________
AST: "Ach, wissen Sie, in meinem Alter wird man bescheiden - man begnĂŒgt sich mit einem guten Anfang und macht dem Ende einen kurzen Prozess."

Version vom 19. 10. 2017 22:13

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


2 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂŒr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂŒck zu:  Tagebuch - Diary Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung