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Leselupe.de > Kurzprosa
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Eingestellt am 23. 10. 2007 18:17


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nofrank
???
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Sie f├╝hlt sich abgenutzt. Alt und verbraucht. Nachdem er gegangen ist, bleibt sie einfach liegen und trinkt gedankenverloren ihren Wein aus. Dann steht sie auf und bringt das leere Glas in die K├╝che, stellt es in die Sp├╝le und geht zur├╝ck ins Schlafzimmer. W├Ąhrend sie vor dem Spiegel steht und ihre ausged├Ârrte Nacktheit betrachtet, entdeckt sie sein gespiegeltes Glas auf der anderen Seite des Bettes. Nicht einmal ausgetrunken. Sie nimmt sein Glas, denkt kurz daran, es hinunterzust├╝rzen, bringt es dann doch in die K├╝che, gie├čt es aus und stellt es ab. Dann geht sie duschen. W├Ąhrend das hei├če Wasser ├╝ber ihren K├Ârper rinnt, entspannen sich ihre Muskeln und sie kann sich wieder f├╝hlen. Minutenlang steht sie mit geschlossenen Augen einfach da und folgt dem Duschstrahl wie er herabklatscht, sich in einzelne Tropfen zerlegt, die an ihr hinablaufen und all die feinen H├Ąrchen streichelen, an jeder Pore Dreckpartikel gegen Wassermolek├╝le tauschen und schlie├člich im Ausguss verschwinden. Sie folgt den Wassermolek├╝len auf ihrem Weg von der Haut in ihren K├Ârper, in die Zellen. Wartet mit ihnen vor den Membranen bis die Teilchen ins Innere gelassen werden, um die L├Âsung auf ein druckreduziertes Ma├č zu verd├╝nnen. Sie h├Ârt ihre Zellkerne pulsieren, die Mitochondrien. Kraftwerke in Arbeit. Und pl├Âtzlich bekommt sie keine Luft mehr. Ihr Brustkorb verkrampft und sie reisst die Augen auf. Sie kann nicht atmen. Heftiges Stechen in der Seite presst die Restluft aus ihren Lungen. Sie muss sich an die Wand st├╝tzen. Zitternd. Jetzt bekommt sie wieder Luft; endlich. Es dauert eine Weile bis die Atemz├╝ge nicht mehr gierig und hektisch sind, sondern gleichm├Ą├čig werden. So heftig ist es noch nie gewesen und der Schreck sitzt tief. Sie weint. Weniger aus Furcht denn aus Verzweiflung. Es muss aufh├Âren. Sie muss endlich aufh├Âren.


nofrank
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ÔÇ×Die Preisgabe der Diskretion im ├Âffentlichen Raum ist eine Vorstufe zum faschistischen Ordnungsdenken, sage ich." (Wilhelm Genazio "Die Liebesbl├Âdigkeit")



Version vom 23. 10. 2007 18:17

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Haki
Guest
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Hallo nofrank,

das Ende hat mir wirklich gut gefallen.
Zuvor finde ich die sehr wissenschaftlich angehauchten Ausf├╝hrungen sehr abschreckend. Das ist Geschmackssache.

Hier noch ein paar kleine Anmerkungen:

quote:
Dann steht sie auf und bringt das leere Glas in die K├╝che, stellt es in die Sp├╝le und geht zur├╝ck ins Schlafzimmer

Vielleicht so, um den Satz fl├╝ssiger zu gestalten: Dann steht sie auf, bringt das leere Glas in die K├╝che, stellt es in die Sp├╝le und geht zur├╝ck ins Schlafzimmer

quote:
ausged├Ârrte Nacktheit

Ist die Nacktheit ausged├Ârrt?

quote:
entdeckt sie sein gespiegeltes Glas auf der anderen Seite des Bettes

vielleicht erlickt sie? und du meinst sicher, dass sie durch einen Spiegel das Glas sieht. dann eventuell besser so: ...erblickt sie im Spiegel sein noch halb volles Glas. Nicht einmal ausgetrunken hat er.

quote:
W├Ąhrend das hei├če Wasser ├╝ber ihren K├Ârper rinnt, entspannten sich ihre Muskeln wieder und sie kann sich wieder f├╝hlen.

entspannen w├Ąre hier grammatikalisch krorrekt, denn es passiert ja "w├Ąhrend" nicht nachdem


quote:
Minutenlang steht sie mit geschlossenen Augen einfach da und folgt dem Duschstrahl wie er herabklatscht, sich in einzelne Tropfen zerlegt, die an ihr hinablaufen und all die feinen H├Ąrchen streichelen, an jeder Pore Dreckpartikel gegen Wassermolek├╝le tauschen und schlie├člich im Ausguss verschwinden.

zu verschachtelt. ich w├╝rde hinter zerlegt einen punkt machen.


Das Ende ist dir sehr gut gelungen. Da kommt Spannung auf und man f├╝hlt richtig mit, wie einem die Kehle zugedr├╝ckt wird...

Vielleicht kannst du ja etwas mit meinen Anmerkungen anfangen. Ansonsten ├╝berlese diesen Kommentar

Liebe Gr├╝├če,
Haki





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nofrank
???
Registriert: Oct 2004

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hallo haki,

wow bist du fix. und aufmerksam. danke. sch├Ân, ich wei├č nicht wo ich anfangen soll, also der reihe nach.
der sp├╝lensatz ist bewusst so sperrig: hin und her, her und hin.
die nacktheit ist ausged├Ârrt.
sie betrachtet sich ja im spiegel, nochmal zu erw├Ąhnen, dass sie in den spiegel schaut w├Ąre ├╝berfl├╝ssig.
ja, entspannen ist mir durchgerutscht, hatte den text auch in der vergangenheit probiert.
der duschsatz sollte formal das wasser nachempfinden, ist ein experiment. mit punkt aber deutlich besser lesbar, zugegeben.

die pseudowissenschaft ist ein behelf um darzustellen, wie sich jemand auf k├Ârperlicher ebene zu entspannen versucht, ohne dabei in der lage zu sein, die qu├Ąlenden gedanken abzustellen, ├╝berhaupt wieder ein k├Ârperliches eigenempfinden herzustellen. daf├╝r fehlte mir ad├Ąquates anderes vokabular.

├╝berlies diesen kommentar?

jedenfalls vielen dank.

gru├č
nofrank
__________________
ÔÇ×Die Preisgabe der Diskretion im ├Âffentlichen Raum ist eine Vorstufe zum faschistischen Ordnungsdenken, sage ich." (Wilhelm Genazio "Die Liebesbl├Âdigkeit")

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Anysa
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Hallo nofrank,

sehr interessante Geschichte, die sich wirklich gut lie├čt. Habe nur mit einem Satz ein Problem:

quote:
Wartetemit ihnen vor den Membranen bis die Teilchen ins Innere gelassen werden, um die L├Âsung auf ein druckreduziertes Ma├č zu verd├╝nnen.

Da hast du bestimmt noch ein Wort in der Vergangenheit gelassen und dann gleich mit dem zweiten Wort verbunden, damit es nicht so einsam ist?

Sonst ziemlich gut, das es mir mein Herzlein schmerzt.

Liebe Gr├╝├če
Anysa
__________________
Auch die Ewigkeit besteht aus Augenblicken.

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Balu
???
Registriert: Nov 2006

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ist ja das Wichtige schon von den Anderen gesagt.

mich ber├╝hrt diese pseudowissenschaftlich gef├╝hrte Betrachtung
des Wasserweges,
ein Stilmittel, um dieses "├╝berhaupt wieder Gef├╝hl zulassen k├Ânnen" herauszustellen, zu mehr emotionen ist sie in dieser situation absolut nicht f├Ąhig.

gef├Ąllt mir richtig gut
und zeigt, dass Kurzprosa dir besonders gut gelingt

Gr├╝├če aus der Pfalz
Knut

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Orangekagebo
Guest
Registriert: Not Yet

Sch├Âner Text, nofrank.
Mir pers├Ânlich fehlen Abs├Ątze (z.B. wie folgt - Vorschlag)

Sie f├╝hlt sich abgenutzt. Alt und verbraucht.
Nachdem er gegangen ist, bleibt sie einfach liegen und trinkt gedankenverloren ihren Wein aus. Dann steht sie auf und bringt das leere Glas in die K├╝che, stellt es in die Sp├╝le und geht zur├╝ck ins Schlafzimmer. W├Ąhrend sie vor dem Spiegel steht und ihre ausged├Ârrte Nacktheit betrachtet, entdeckt sie sein gespiegeltes Glas auf der anderen Seite des Bettes.
Nicht einmal ausgetrunken.
Sie nimmt sein Glas, denkt kurz daran, es hinunterzust├╝rzen, bringt es dann doch in die K├╝che, gie├čt es aus und stellt es ab.
Dann geht sie duschen. W├Ąhrend das hei├če Wasser ├╝ber ihren K├Ârper rinnt, entspannen sich ihre Muskeln und sie kann sich wieder f├╝hlen(w├╝rde ich anders formulieren). Minutenlang steht sie mit geschlossenen Augen einfach da und folgt dem Duschstrahl wie er herabklatscht, sich in einzelne Tropfen zerlegt, die an ihr hinablaufen und all die feinen H├Ąrchen streichelen, an jeder Pore Dreckpartikel gegen Wassermolek├╝le tauschen und schlie├člich im Ausguss verschwinden(Ganz sch├Ân laaang).
Sie folgt den Wassermolek├╝len auf ihrem Weg von der Haut in ihren K├Ârper, in die Zellen. Wartet mit ihnen vor den Membranen, bis die Teilchen ins Innere gelassen werden, um die L├Âsung auf ein druckreduziertes Ma├č zu verd├╝nnen.
Sie h├Ârt ihre Zellkerne pulsieren, die Mitochondrien. Kraftwerke in Arbeit. Und pl├Âtzlich bekommt sie keine Luft mehr. Ihr Brustkorb verkrampft und sie reisst die Augen auf. Sie kann nicht atmen. Heftiges Stechen in der Seite presst die Restluft aus ihren Lungen. Sie muss sich an die Wand st├╝tzen.
Zitternd.
Jetzt bekommt sie wieder Luft;, endlich. Es dauert eine Weile bis die Atemz├╝ge nicht mehr gierig und hektisch sind, sondern gleichm├Ą├čig werden.
So heftig ist es noch nie gewesen und der Schreck sitzt tief.
Sie weint. Weniger aus Furcht denn aus Verzweiflung.
Es muss aufh├Âren. Sie muss endlich aufh├Âren.


So - nur mal im Gem├Ąlde rumgepfuscht

LG,Karsten

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nofrank
???
Registriert: Oct 2004

Werke: 44
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hallo balu, daunelt, orangekagebo,

herzlichen dank f├╝r's lesen und kommentieren. lange nicht mehr soviel sch├Ânes feedback bekommen.

@balu:
freut mich, dass dir das pseudowissenschaftliche was sagt. ist sicherlich nicht jedermanns sache. umso besser, wenn jemand nachvollziehen kann, was es soll.

@daunelt:
was die Bewertungen angeht, bin ich noch in dem stadium, dass ich mich dr├╝ber freue, sofern sie irgendwie noch beg├╝ndet sind. was das system draus macht, ist eher nebens├Ąchlich.

@orangekagebo:
danke f├╝r's kritische lesen. absolut nicht rumgepfuscht.
kann deine kritik nachempfinden, aus lesersicht hast du eindeutig recht. keine frage, der text ist sperrig. aber als schreiber ging's diesmal nicht viel anders; ich f├╝hlte nicht wenig gestaltungsspielraum. abs├Ątze hatten das sperrige genommen, aber die form ist hier ausdruck des inhalts.
das und gegen ende kann weg, genauso wie sie kann sich wieder f├╝hlen sicher auch anders geht.

der wassersatz ist lang. ich hab's haki schon erl├Ąutert. und der absatz (formatierung) danach war mir wirklich nicht m├Âglich. was die ├╝brigen m├Âglichen abs├Ątze eher zu behelfen degradierern w├╝rde, da immer noch ein klumpen text dasteht.

heute mal uneinsichtig...

liebe gr├╝├če
nofrank



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