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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Sie ist schuld!
Eingestellt am 26. 04. 2004 20:49


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Penny
One-Hit-Wonder-Autor
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Sie ist schuld!

Ich wei├č heute nicht mehr genau, warum ich es getan hatte. Mir war schlecht. Das Gef├╝hl der ├ťbelkeit musste ungef├Ąhr nach dem siebten Whiskey Cola aufgetaucht sein, aber so genau erinnere ich mich nicht mehr daran. Es kann auch irgendwann w├Ąhrend der darauf folgenden Whiskey Pur Runden eingesetzt haben.
Eine junge Frau setzte sich neben mich. Sie war v├Âllig in schwarz gekleidet und trug eines dieser modischen Netzshirts, die v├Âllig ├╝berfl├╝ssig waren, da man sowieso durchsehen konnte. Es war schwarz, genau wie ihre restliche Garderobe. Ihre Lippen waren knallrot und raubten mir die Sprache. Sie war eine Erscheinung, die mich faszinierte. Ich konnte meinen Blick nicht von ihr l├Âsen. Und das wirklich Unglaubliche daran ist eigentlich, dass ich mich noch daran erinnern kann. Sie gr├╝├čte mich freundlich, nahm wahrscheinlich an, dass ich auf der Suche nach einem Gespr├Ąch war.
War ich nicht!
Sie begann von einem Erdhaufen zu reden. Allein bei dem Wort ÔÇ×ErdhaufenÔÇť wurde mir schon wieder schlecht. Ich entschied, dass es unh├Âflich w├Ąre in ihr Gesicht zu kotzen und unterlie├č es lieber.
Sie redete und redete.
Ich h├Ârte nicht zu. Vielmehr kreisten meine Gedanken um diese unglaublich gro├če Nase des Barkeepers. Ob er schon mal an eine Sch├Ânheitsoperation dachte? Vielleicht w├╝rde ihm auch irgendwann mal jemand eine draufhaun. Dann w├Ąren sie eh gebrochen und er k├Ânnte sich eine Operation ersparen. Vielleicht ├╝bernimmt den Part des Schl├Ągers ein guter Freund von ihm. Ist wohl leichter, als ihm zu sagen, dass seine Nase schei├če aussieht.
Die schwarz gekleidete Dame redete immer noch.
Ich befand mich in einer dunklen Gasse. In einem leider nur sehr kurz andauernden lichten Moment fragte ich mich, wie ich dorthin gelangt war.
Ja, es w├Ąre wirklich sch├Ân gewesen die Antwort darauf zu erfahren.
Die Frau redete noch immer. Warum war sie nur an meiner Seite? ÔÇôdies dachte ich mir in meinem zweiten, leider auch nur kurz andauernden, lichten Moment-
ÔÇ×So, da sind wirÔÇť sagte die St├Ąndig-Redende.
Ich antwortete nicht, folgte ihr nur die Stufen des dunklen Treppenhauses hinauf.
Als wir oben ankamen, begann alles.
Seitdem ist mein Leben nicht mehr so wie es war. Es war einmal sch├Ân gewesen. Zugegeben, ich erlebte es meist besoffen. Aber es war sch├Ân gewesen. Jetzt ist es dunkel, ich sehe das Licht nicht mehr. Und wenn ich es sehe, dann hasse ich es. Es blendet.
Sie hatte mich in eine Wohnung geschleppt, wo bereits eine weitere in schwarz gekleidete Dame mich empfing. Sie setzten mich auf einen Stuhl. Und ab dann wei├č ich nichts mehr.
Erst am n├Ąchsten Morgen wachte ich auf. Ich wusste, dass es Morgen war, da ein Radiowecker neben mir stand. Die roten Zahlen leuchteten mir ein grausames 6:30 entgegen. Dies war absolut nicht meine Zeit und nach hause wollte ich auch. Ich stand auf und hatte eigentlich vor zu gehen.
Sie hielt mich fest. Als ich mich umdrehte sah ich sie. Die Frau. Die Erscheinung. Diese war sie immer noch. Allerdings ÔÇôund das verwunderte mich sehr- redete sie nicht.
Sie deute mir mich wieder zu setzen. Ich wollte nicht, aber tat es dennoch. Alles war dunkel, doch ihre leuchtenden Augen sah ich. Sie sahen pl├Âtzlich nicht mehr freundlich, sondern vielmehr grausam aus.
Ich wachte auf. Wo war ich nur? Ich hatte den abartigen Geschmack von Blut in meinem Mund. Der Spruch ÔÇ×Frauen bringen nur PechÔÇť, bekam pl├Âtzlich eine ganz neue Bedeutung. Diese vorher noch so nette ÔÇ×ErscheinungÔÇť hatte mich niedergeschlagen und lie├č mich einfach in meinem eigenen Blut liegen.
Sie hatte mich verhext. Ich war ihren Anweisungen gefolgt, tat Alles, was sie von mir wollte und als Dank f├╝r diese Unterlegenheit schlug sie mich? Nein, also das musste ich mir nicht mehr gefallen lassen. Ich w├╝rde aufstehen und ich w├╝rde zur├╝ckschlagen. Jawohl, genau das w├╝rde ich tun.
Und da war sie auch schon. Die T├╝r ├Âffnete sich, und sie war wieder pr├Ąsent.
Die Erscheinung, sie sah so liebensw├╝rdig aus. Ich wollte dieses Mal wirklich gehen. Doch ich blieb schon wieder, willig, wie zuvor. Sie war wundervoll. Hatte ich etwas von grausamen Augen gesagt? Ich musste mich geirrt haben. Denn sie war einfach umwerfend, wundersch├Ân. Ich h├Ątte wirklich Alles f├╝r sie getan.
Denke ich zur├╝ck, so w├╝nschte ich, ihr niemals begegnet zu sein.
Und wieder wachte ich auf. Oh mein Gott, da waren viele Menschen. Ich befand mich auf einer Trage. Not├Ąrzte, die versuchten lebensrettende Ma├čnahmen an mir durchzuf├╝hren. War ich tot? Sie hatte mich erschlagen! Sie hatte mich umgebracht! Wie konnte sie nur?
Da stand sie, ich sah sie ganz klar und deutlich. Sie redete mit Polizisten. Ich konnte ihre Worte h├Âren.
ÔÇ×Ich verstehe es einfach nichtÔÇť schluchzte sie.
ÔÇ×Beruhigen sie sich bitteÔÇť sagte der Polizist schlichtend.
ÔÇ×Er kam nach Hause und war so anders. Er hat wieder getrunken, aber dieses Mal war es anders. Er erkannte nicht einmal die Wohnung, mich und meine Kinder!ÔÇť rief sie und schluchzte wieder.
Diese L├╝gnerin! Sie war diejenige, die mich zur Strecke gebracht hatte. Sie hasste mich! Wollte mich loswerden! Sie hatte mich umgebracht! Warum wollte mir nur niemand glauben?

Er wachte auf. Zum wievielten Mal, das wusste er nun auch nicht mehr. Sie hatte ihn angezeigt, wegen schwerer K├Ârperverletzung. Vor Gericht wurde seine Schuldf├Ąhigkeit eingeschr├Ąnkt. Geistige Verwirrtheit wurde nachgewiesen. Er verbringt seine Tage nun in der Psychiatrie. Seine Frau ist mit den drei Kindern sehr weit weg gezogen, nach Australien. Er hatte noch im Gerichtssaal behauptet, dass eine schwarzhaarige Frau Schuld sei. Dieselbe Dame, die er sp├Ąter mit der Polizei reden sah und h├Ârte.
Als er in dieser einen Nacht nach Hause kam, schlug er auf sie ein. Er beschimpfte sie, nahm noch einen Schluck aus der halbleeren Wodkaflasche und schlug erneut zu. Die gemeinsame Tochter kam zur Hilfe und wollte ihn mit einem Baseballschl├Ąger niederstrecken. Er griff nach ihm, nahm ihn ihr ab und schlug auf sie ein. Daraufhin stolperte er benommen ├╝ber ihren leblosen K├Ârper und schlenderte gem├╝tlich in die n├Ąchste Kneipe.


Ich lebe nun in einer anderen Welt. Nie wieder werde ich so gl├╝cklich sein wie zuvor. Ich wei├č nicht, was vorher war, doch es war sch├Âner. Diese Frau hat mich umgebracht und nun lebe ich in einer dunklen Welt. Menschen, die bereits tot sind, reden tagt├Ąglich mit mir. Sie greifen nach mir und reden. Sie reden soviel wie diese unbekannte Erscheinung. Ich hasse sie und w├╝rde sie noch einmal auftauchen, w├╝rde ich wirklich zur├╝ckschlagen.
Ja, dieses Mal w├╝rde ich es tun und alles w├╝rde sich ├Ąndern.
Ich zittere.
Wo ist meine Wodkaflasche?

__________________
Penny Lane

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Rainer
???
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hallo penny,

dein text gef├Ąllt mir, der beginn und das ende sind sehr interessant geschrieben; herrlich nebul├Âs bevor man die aufl├Âsung kennt.

um den clou herauszuarbeiten und die leser zu einem st├Ąrkeren nachdenken zu veranlassen m├Âchte ich dir empfehlen, den gesamten, erkl├Ąrend wirkenden (und das hat der text nicht n├Âtig) vorletzten abschnitt herauszunehmen.
nat├╝rlich m├╝├čtest du dann noch ein bi├čchen feilen, aber ich glaube, dass trotzdem erkennbar wird, dass die schwarze frau die "schuld" ist.

bitte mehr solcher texte,
viele gr├╝├če

rainer
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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katia
???
Registriert: Jan 2004

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liebe penny

also ich schlie├če mich rainers meinung an. dieser text ist wirklich gut geschrieben, hat aber wesentlich mehr potenzial. zu anfang fand ich einen stolperstein: "Sie war eine Erscheinung, derer ich mich nicht l├Âsen konnte." nach dem komma kl├Ąnge es in meinen ohren besser: "von der ich mich nicht l├Âsen konnte". ansonsten paar kommas oder so...aber mich hat der plot so fasziniert, dass ich ├╝ber stolperstein und kommas einfach dr├╝berh├╝pfte, weil ich unbedingt weiterlesen MUSSTE.

ja, auch ich will mehr dieser texte von dir lesen!

erwartungsvolle und sonnige gr├╝├če
von
katia


__________________
(kas)

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Stoffel
gesperrt
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Hallo Penny,

hier nur mal so Gedanken dazu mit drin.
Ist nicht einfach zu begreifen. So einige Wechsel drin. Vielleicht muss da noch bissl was klarer rausgestellt werden.

Vorerst liebe Gr├╝├če
Stoffel

Sie ist schuld!

Ich wei├č heute nicht mehr genau, warum ich es getan hatte. Nur dass mir schlecht war. Das Gef├╝hl der ├ťbelkeit musste ungef├Ąhr nach dem siebten Whiskey Cola aufgetaucht sein, aber so genau erinnere ich mich nicht mehr daran. Es kann auch irgendwann w├Ąhrend der darauf folgenden Whiskey Pur Runden eingesetzt haben.
Eine junge Frau setzte sich neben mich. Sie war v├Âllig in Schwarz gekleidet und trug eines dieser modischen Netzshirts, die v├Âllig ├╝berfl├╝ssig waren, da man sowieso durchsehen konnte. Ihre Lippen waren knallrot und es raubte mir fast die Sprache. Sie war irgendwie atemberaubend und ich konnte mich kaum von ihr l├Âsen. Und das wirklich Unglaubliche daran war? eigentlich, dass ich mich noch an sie genau erinnern kann.
Sie gr├╝├čte mich freundlich und setzte sich zu mir. Sie nahm wohl an, ich w├Ąre an einem Gespr├Ąch interessiert.
War ich aber nicht!
Dann begann sie von einem Erdhaufen zu reden. Allein bei dem Wort Erdhaufen wurde mir schon wieder schlecht. Am liebsten h├Ątte ich ihr ins Gesicht gekoztzt, aber das lie├č ich lieber sein.
Sie redete und redete.
Ich h├Ârte nicht zu. Vielmehr kreisten meine Gedanken um diese unglaublich gro├če Nase des Barkeepers. Ob er schon mal an eine Sch├Ânheitsoperation dachte? Ging es mir durch den Kopf. Vielleicht w├╝rde ihm auch irgendwann mal jemand eine draufhaun? Dann w├Ąre sie eh gebrochen und er konnte sich eine OP sparen.Die Nase hat nen KNORPEL
Aber was interessiert mich seine Nase? Wieso soll ich ihm sagen, da├č sie Schei├če aussieht?

Die schwarz gekleidete Dame redete immer noch.
Ich befand mich in einer dunklen Gasse. In einem leider nur sehr kurz andauernden lichten Moment fragte ich mich, wie ich dorthin gelangt war.
Ja, es w├Ąre wirklich sch├Ân gewesen die Antwort darauf zu erfahren.
Die Frau redete noch immer. Warum war sie nur an meiner Seite? -dies dachte ich mir in meinem zweiten, leider auch nur kurz andauernden, lichten Moment-
"So, da sind wir" sagte die St├Ąndig-Redende.
Ich antwortete nicht, folgte ihr nur die Stufen des dunklen Treppenhauses hinauf.
Als wir oben ankamen, begann alles.
Seitdem ist mein Leben nicht mehr so wie es war. Es war einmal sch├Ân gewesen. Zugegeben, ich erlebte es meist besoffen. Aber es war sch├Ân gewesen. Jetzt ist es dunkel, ich sehe das Licht nicht mehr. Und wenn ich es sehe, dann hasse ich es. Es blendet.
Sie hatte mich in eine mir fremde Wohnung geschleppt, wo bereits eine weitere in schwarz gekleidete Dame mich empfing. Sie setzten mich auf einen Stuhl. Und ab dann wei├č ich nichts mehr.
Erst am n├Ąchsten Morgen wachte ich auf. Ich wusste, dass es Morgen war, da ein Radiowecker neben mir im Raum stand. Die roten Zahlen leuchteten mir 6:30 entgegen. Dies war absolut nicht meine Zeit und nach hause wollte ich auch. Ich stand auf und wollte gerade gehen, als sie mich festhielt. An meiner Hand.

Ich sp├╝rte das Dr├╝cken eines ├╝berdimensionalen Ringes auf meinem Handr├╝cken. Nun, wenn sie dich h├Ąlt, egal wie dick der Ring ist, so sp├╝rtst du nur die UNTERSEITE des Ringes und der ist immer flach..
Als ich mich umdrehte sah ich sie. Die Frau. Die Erscheinung. Diese war sie immer noch. Allerdings -und das verwunderte mich sehr- redete sie nicht.
Sie deute mir mich wieder zu setzen. Ich wollte nicht, aber tat es dennoch. Alles war dunkel, doch ihre leuchtenden Augen sah ich. Sie sahen pl├Âtzlich nicht mehr freundlich, sondern vielmehr grausam aus.
Ich wachte auf. Wo war ich nur? Ich hatte den abartigen Geschmack von Blut in meinem Mund. Der Spruch "Frauen bringen nur Pech", bekam pl├Âtzlich eine ganz neue Bedeutung. Diese vorher noch so nette "Erscheinung", hatte mich doch glatt niedergeschlagen und lie├č mich in meinem eigenen Blut einfach liegen.
Sie hatte mich verhext und ich war ihren Anweisungen gefolgt, tat alles, was sie von mir wollte und als Dank f├╝r diese Unterlegenheit schlug sie mich? Nein, also das musste ich mir nicht mehr gefallen lassen. Ich w├╝rde aufstehen und ich w├╝rde zur├╝ckschlagen. Jawohl, genau das w├╝rde ich tun.
Und da war sie auch schon. Die T├╝r ├Âffnete sich, und sie war wieder pr├Ąsent.
Die Erscheinung, sie sah so liebensw├╝rdig aus. Ich wollte dieses Mal wirklich gehen. Doch ich blieb schon wieder, willig, wie zuvor . Sie war wundervoll. Hatte ich etwas von grausamen Augen gesagt? Ich musste mich geirrt haben. Denn sie war einfach umwerfend wundersch├Ân. Ich h├Ątte wirklich alles f├╝r sie getan.
Denkeich zur├╝ck, so w├╝nschte ich, ihr niemals begegnet zu sein .
Und wieder wachte ich auf. Oh mein Gott, da waren viele Menschen. Ich befand mich auf einer Trage. Not├Ąrzte, die versuchten lebensrettende Ma├čnahmen an mir durchzuf├╝hren. War ich tot? Sie hatte mich erschlagen! Sie hatte mich umgebracht! Wie konnte sie nur?
Da stand sie, ich sah sie ganz klar und deutlich. Sie redete mit Polizisten. Ich konnte ihre Worte h├Âren.
"Ich verstehe es einfach nicht" schluchzte sie.
"Beruhigen sie sich bitte" sagte der Polizist beruhigend zu ihr.
"Er kam nach Hause und war so anders. Er hat wieder getrunken, aber dieses Mal war es anders. Er erkannte nicht einmal die Wohnung, mich und meine Kinder!" rief sie und schluchzte wieder.
Diese L├╝gnerin! Sie war diejenige, die mich zur Strecke gebracht hatte. Sie hasste mich! Wollte mich loswerden! Sie hatte mich umgebracht! Was in aller Welt erz├Ąhlte diese Person da? Ich kannte sie doch ├╝berhaupt nicht. Glaubte man ihr etwa?

Er wachte auf. Zum wievielten Mal, das wusste er nun auch nicht mehr. Sie hatte ihn angezeigt, wegen schwerer K├Ârperverletzung. Vor Gericht wurde seine Schuldf├Ąhigkeit eingeschr├Ąnkt. Geistige Verwirrtheit wurde nachgewiesen. Er verbringt seine Tage nun in der Psychiatrie. Seine Frau ist mit den drei Kindern sehr weit weg gezogen, nach Australien. Er hatte noch im Gerichtssaal behauptet, dass eine Frau Schuld sei.
Dieselbe Dame, die er sp├Ąter mit der Polizei reden sah und h├Ârte. Diese allerdings war seine Frau. Sie ist auch nicht schwarzhaarig, sondern blond. Netzshirts trug sie nicht einmal in ihrer Jugend, und knallroten Lippenstift w├╝rde sie nicht einmal in ihren wildesten Fantasien auftragen.
Als er in dieser einen Nacht nach Hause kam, schlug er auf sie ein. Er beschimpfte sie, nahm noch einen Schluck aus der halbleeren Wodkaflasche und schlug erneut zu. Die gemeinsame Tochter kam zur Hilfe und wollte ihn mit einem Baseballschl├Ąger niederstrecken. Er griff nach ihm, nahm ihn ihr ab und schlug auf sie ein. Er stolperte benommen ├╝ber ihren K├Ârper und schlenderte gem├╝tlich in die n├Ąchste Kneipe. Dort traf er seine Schuld.


Ich lebe nun in einer anderen Welt. Nie wieder werde ich so gl├╝cklich sein wie zuvor. Ich wei├č nicht, was vorher war, doch es war sch├Âner. Diese Frau hat mich umgebracht und nun lebe ich in einer dunklen Welt. Menschen, die bereits tot sind, reden tagt├Ąglich mit mir. Sie greifen nach mir und reden. Sie reden soviel wie diese unbekannte Erscheinung. Ich hasse sie und w├╝rde sie noch einmal auftauchen, w├╝rde ich wirklich zur├╝ckschlagen.
Ja, dieses Mal werde ich es tun und alles w├╝rde sich ├Ąndern.
Ich zittere.
Wo ist meine Wodkaflasche?

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Penny
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@Rainer
Vielen Dank f├╝r deine netten Worte und du hast recht, der vorletzte Abschnitt ist wirklich ├╝berfl├╝ssig. Manchmal ist weniger eben doch mehr, und das gilt wohl auch f├╝r Worte

@katia
Auch dir vielen Dank f├╝r deine Antwort. Und (logischerweise) muss ich auch dir recht geben. Mehr von diesen Geschichten gibt es auf jeden Fall, wobei ich mir dabei jetzt lieber etwas mehr Zeit lasse. Aus dem Gef├╝hl zu schreiben, ist manchmal doch nicht alles...

@stoffel
Ich sa├č heute in einem Seminar ├╝ber amerikanische Literatur, in dem wir dar├╝ber nachdachten, ob der Verfasser eines Textes sprachliche Schw├Ąchen hat oder er die Situation des Protagonisten mit siener Ausdricksweise verdeutlichen wollten. Letzendlich war zweiteres f├╝r uns zutreffender (wahrscheinlich weil es sich um ein Werk James Baldwin┬┤s handelte). Du hast mir wirlkich gute Verbesserungsvorschl├Ąge gemacht, die ich morgen noch einmal unter weniger Zeitdruck in Ruhe anschauen werde. Dann werde ich mir ├╝berlegen, ob es zum Protagonisten passt oder ich noch ein wenig an meinem Sprachstil arbeiten sollte. Aber die Tatsache, dass ich es nicht weiss, l├Ąsst wohl eher auf Zweiteres schlie├čen.
Vielen, vielen Dank f├╝r deine Antwort. Der Umfang zeigt mir, dass du dir viel M├╝he mit der Geschichte gegeben hast. das freut mich wirklich sehr!

Lieben Gru├č
Die Penny
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Penny Lane

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Stoffel
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Hallo Penny,

da musste ich erstmal dr├╝ber nachdenken

Ich kann mein eigenes Gef├╝hl, oder das eines Prots, ja nur so gut darstellen, wie es mein Sprachschatz zul├Ąsst. Das fiel mir zu Deinem Seminar und die zwei M├Âglichkeiten ein. Wobei ich sie nicht als ZWEI ansehe.
"Sprachliche Schw├Ąchen"....hab ich sicherlich auch. Dann helfen mir andere hier bissl weiter. So lernt man was dazu und erweitert (auch durch lesen anderer) ja seinen Sprachschatz.
Nur mal Gedanken dazu

lG
Stoffel

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bluesnote
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... put some Water in your Whiskey!

Hallo Penny

Das Thema ist nicht schlecht gew├Ąhlt, doch ich finde, du hast den Weg zum Ziel ein wenig verworren angelegt.
Die Mitte des Textes ist mir nicht verst├Ąndlich. Die Hauptfigur tr├Ąumt oder wacht einige Male zu oft auf. Vielleicht t├Ąte es dem Text gut, wenn du ihn gerade dort gnadenlos straffst, wo alles beginnt. Ich habe einige Stellen heraus gesucht, die mir aufgefallen sind und hoffe, das ich dir damit ein paar Anregungen geben konnte.

Sie ist schuld!

Gedanke der Hauptfigur:

Ich wei├č heute nicht mehr genau, warum ich zuschlug?
Mir war schlecht. Das Gef├╝hl der ├ťbelkeit musste ungef├Ąhr nach dem siebten Whiskey Cola aufgetaucht sein, aber so genau erinnere ich mich nicht mehr daran. Es kann auch irgendwann w├Ąhrend der darauf folgenden Whiskey Pur Runden eingesetzt haben.
Eine junge Frau setzte sich neben mich. Sie war v├Âllig in schwarz gekleidet Ihre Lippen waren knallrot und raubten mir die Sprache. Ich konnte meinen Blick nicht von ihr l├Âsen.

Der erste Grundsatz amerikanischer Autoren von Kurzgeschichten:

Show, don't tell! Das er von ihr fasziniert ist, hast du ja schon oben aufgezeigt.

Dieser Satz ist also eigentlich nicht n├Âtig: Sie war eine Erscheinung, die mich faszinierte.

Sie gr├╝├čte mich freundlich, nahm wahrscheinlich an, dass ich auf der Suche nach einem Gespr├Ąch war.
War ich nicht!
Sie begann von einem Erdhaufen zu reden. Allein bei dem Wort ÔÇ×ErdhaufenÔÇť wurde mir schon wieder schlecht. Ich entschied, dass es unh├Âflich w├Ąre in ihr Gesicht zu kotzen und unterlie├č es lieber.
Sie redete und redete.
Ich h├Ârte nicht zu. Vielmehr kreisten meine Gedanken um diese unglaublich gro├če Nase des Barkeepers.
Die Frau redete noch immer. ÔÇô Warum war sie nur an meiner Seite?

In der deutschen Rechtschreibung gibt es keinen Gedankenstrich am Ende eines Satzes, deshalb formatiert Word den zweiten Strich auch nur kurz.
Das habe ich hier in der LL gelernt!

Ich befand mich in einer dunklen Gasse. In einem lichten Moment fragte ich mich, wie ich dorthin gelangt war.
ÔÇ×So, da sind wirÔÇť, sagte die St├Ąndig-Redende.
Ich antwortete nicht, folgte ihr nur die Stufen des dunklen Treppenhauses hinauf.
Als wir oben ankamen, begann alles.

Sie hatte mich in eine Wohnung geschleppt, wo bereits eine weitere in schwarz gekleidete Dame mich empfing. Sie setzten mich auf einen Stuhl.
Seitdem ist mein Leben nicht mehr so wie es war. Es war einmal sch├Ân gewesen. Zugegeben, ich erlebte es meist besoffen. Aber es war sch├Ân gewesen. Jetzt ist es dunkel, ich sehe das Licht nicht mehr. Und wenn ich es sehe, dann hasse ich es. Es blendet.


Am n├Ąchsten Morgen wachte ich auf.

Ich wusste, dass es fr├╝h war, da ein Radiowecker neben mir stand.

Show, donÔÇÖt tell! Zeig es dem Leser! Der obere Satz wird nicht gebraucht.

Die roten Zahlen eines Radioweckers leuchteten mir ein grausames 6:30 entgegen.


Dies war absolut nicht meine Zeit und nach hause wollte ich auch. Ich stand auf und hatte eigentlich vor zu gehen.


Sie hielt mich fest. Als ich mich umdrehte sah ich die weibliche Erscheinung wieder. Allerdings, und das verwunderte mich sehr, redete sie nicht.

Ein Komma vor dem Bindewort ÔÇ×undÔÇť setzen, darf der Schreibende selbst entscheiden.

Sie deutete mir, mich wieder zu setzen. Ich tat es. Alles war dunkel, doch ihre leuchtenden Augen sah ich. Die Todesfee gab also mit den Augen die Anweisung, das er sich setzen soll?

Sie sahen pl├Âtzlich nicht mehr freundlich, sondern vielmehr grausam aus.

Aus der Traum?
Ich wachte auf. Wo war ich nur? Ich hatte den Geschmack von Eisen in meinem Mund. Der Spruch ÔÇ×Frauen bringen nur PechÔÇť, bekam pl├Âtzlich eine ganz neue Bedeutung. Diese vorher noch so nette ÔÇ×ErscheinungÔÇť hatte mich niedergeschlagen und lie├č mich einfach in meinem eigenen Blut liegen.
Sie hatte mich verhext. Ich war ihren Anweisungen gefolgt, tat Alles, was sie von mir wollte und als Dank f├╝r diese Unterlegenheit schlug sie mich? Nein, also das musste ich mir nicht mehr gefallen lassen. Ich w├╝rde aufstehen und ich w├╝rde zur├╝ckschlagen. Jawohl, genau das w├╝rde ich tun.
Und da war sie auch schon. Die T├╝r ├Âffnete sich, und sie war wieder pr├Ąsent.
Die Erscheinung, sie sah so liebensw├╝rdig aus. Ich wollte dieses Mal wirklich gehen. Doch ich blieb schon wieder, willig, wie zuvor. Sie war wundervoll. Hatte ich etwas von grausamen Augen gesagt? Ich musste mich geirrt haben. Denn sie war einfach umwerfend, wundersch├Ân. Ich h├Ątte wirklich Alles f├╝r sie getan.
Denke ich zur├╝ck, so w├╝nschte ich, ihr niemals begegnet zu sein.
Und wieder wachte ich auf.

Vielleicht ├Âffnest du die T├╝r deines Schreibzimmers und liest das bitte ein paar Mal mit den Augen des Lesers. Z├Ąhl doch einfach einmal mit, wie oft du deine Hauptfigur schon geweckt hast!





Oh mein Gott, da waren viele Menschen. Ich befand mich auf einer Trage. Not├Ąrzte, die versuchten lebensrettende Ma├čnahmen an mir durchzuf├╝hren. War ich tot? Sie hatte mich erschlagen! Sie hatte mich umgebracht! Wie konnte sie nur?
Da stand sie, ich sah sie ganz klar und deutlich. Sie redete mit Polizisten. Ich konnte ihre Worte h├Âren. Gut eingef├Ądelt!
ÔÇ×Ich verstehe es einfach nichtÔÇť schluchzte sie.
ÔÇ×Beruhigen sie sich bitteÔÇť sagte der Polizist schlichtend.
ÔÇ×Er kam nach Hause und war so anders. Er hat wieder getrunken, aber dieses Mal war es anders. Er erkannte nicht einmal die Wohnung, mich und meine Kinder!ÔÇť rief sie und schluchzte wieder.
Diese L├╝gnerin! Sie war diejenige, die mich zur Strecke gebracht hatte.
Sie hasste mich! Wollte mich loswerden! Sie hatte mich umgebracht! Warum wollte mir nur niemand glauben?

Hier wechselt die Erz├Ąhlperspektive vom Ich-Erz├Ąhler in die des Allwissenden. Derjenige Erz├Ąhler, der ├╝ber allem ÔÇ×segeltÔÇť, sieht einfach mehr.

Sie hatte ihn angezeigt, wegen schwerer K├Ârperverletzung. Vor Gericht wurde seine Schuldf├Ąhigkeit eingeschr├Ąnkt. Geistige Verwirrtheit wurde nachgewiesen. Er verbringt seine Tage nun in der Psychiatrie. Seine Frau ist mit den drei Kindern sehr weit weg gezogen, nach Australien. Er hatte noch im Gerichtssaal behauptet, dass eine schwarzhaarige Frau Schuld sei. Dieselbe Dame, die er sp├Ąter mit der Polizei reden sah und h├Ârte.
Als er in dieser einen Nacht nach Hause kam, schlug er auf sie ein. Er beschimpfte sie, nahm noch einen Schluck aus der halbleeren Wodkaflasche und schlug erneut zu. Die gemeinsame Tochter kam zur Hilfe und wollte ihn mit einem Baseballschl├Ąger niederstrecken. Er griff nach ihm, nahm ihn ihr ab und schlug auf sie ein. Daraufhin stolperte er benommen ├╝ber ihren leblosen K├Ârper und schlenderte gem├╝tlich in die n├Ąchste Kneipe.


Ich lebe nun in einer anderen Welt. Nie wieder werde ich so gl├╝cklich sein wie zuvor. Ich wei├č nicht, was vorher war, doch es war sch├Âner. Diese Frau hat mich umgebracht und nun lebe ich in einer dunklen Welt. Menschen, die bereits tot sind, reden tagt├Ąglich mit mir. Sie greifen nach mir und reden. Sie reden soviel wie diese unbekannte Erscheinung. Ich hasse sie und w├╝rde sie noch einmal auftauchen, w├╝rde ich wirklich zur├╝ckschlagen.
Ja, dieses Mal w├╝rde ich es tun und alles w├╝rde sich ├Ąndern.
Ich zittere.
Wo ist meine Wodkaflasche?

Fazit: In der H├Âlle und in der Psychiatrie gibt es weder Kneipen noch Schnapsflaschen, um Mitmenschen zu erschlagen!

Viele Gr├╝sse.

Udo

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