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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Sie weint
Eingestellt am 08. 03. 2002 22:08


Autor
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Melani Raasch
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Mar 2002

Werke: 18
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Sie Weint

Der Wecker klingelt. Laut. Schrill. Der Mann schl├Ągt mit der Hand in Richtung des L├Ąrms. Ein dumpfer Aufprall, dann Stille. Der Wecker liegt am Boden. Der Mann richtet sich langsam auf. M├╝de noch. Verschlafen. Eine schlimme Nacht. Es war der Brief. Flach und wei├č lag er gestern auf seinem Schreibtisch. Ganz unschuldig.
Der Mann steckt die Hand unters Kopfkissen. Er ist weg! Der Mann blickt sich um. Wo ist er? Auf dem Nachttisch. Er sieht ihn. Er nimmt ihn und entfaltet ihn wieder.
K├╝ndigung! F├╝nfzehn Jahre Schufterei. Und jetzt? Die Frau wei├č noch nichts. Er traut sich nicht es ihr zu sagen. Mann, komm essen! Es wird Zeit! Der Mann zieht sich an. Das Hemd, die Hose, das Jacket. Der Brief! Die Frau darf ihn nicht finden. Er steckt ihn in die Jackentasche. Der Mann kommt in die K├╝che. Sie steht an der Anrichte und dreht ihm den R├╝cken zu. Er setzt sich und isst. Du bist sp├Ąt! Sie schneidet Gem├╝se. Er isst.War gestern etwas besonderes? - Nein, nichts. Sie h├Ârt auf zu schneiden. Nichts, wiederholt sie nur. Er sieht auf ihren R├╝cken. Sie kann es nicht wissen. Er isst weiter. Der Brief in seiner Tasche, schwer. Er lag nicht unter seinem Kopfkissen. Er lag auf dem Nachttisch. Sie schneidet weiter. Er steht auf. Drau├čen nimmt er seine Jacke vom Haken. Er wartet.Sie wei├č es nicht. Sie schneidet immer noch.

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

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Sie weint?

Der Text gef├Ąllt mir an sich gut. Er ist trocken, schlicht und hat trotzdem Atmosph├Ąre. Hat mich stilistisch an manche Sachen von Wolfgang Borchert erinnert.

Zwei Kritikpunkte: Erstens komme ich mit dem Titel nicht zurecht. Ich kann ihn einfach nicht zu dem Text in Beziehung setzen. Ich gehe mal davon aus, da├č die Frau den Brief gelesen hat und er deshalb morgens auf dem Nachttisch lag. Trotzdem steht in dem Text mehrmals "Sie wei├č es nicht". Das ist die Perspektive des Mannes. Der Mann kann aber nicht wissen, da├č sie weint. Warum hat der Titel eine andere Perspektive als der Text? Das verstehe ich nicht.

Und zweitens: f├╝r mein Gef├╝hl ist es ziemlich unwahrscheinlich, da├č jemand seinen K├╝ndigungsbrief unter sein Kopfkissen steckt. Das tut man doch wohl eher mit guten Nachrichten. Macht mich ein bi├čchen ratlos.

Liebe Gr├╝├če,
Zefira

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Melani Raasch
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Mar 2002

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Hallo Zefira!

Erstmal danke f├╝r deine Antwort!
Deine Kritikpunkte sind allerdings ganz einfach zu erkl├Ąren. Der Brief steckt unterm Kopfkissen, weil ich das als einen sicheren Platz ansehen w├╝rde. Schlie├člich hat der Mann nachts auf dem Kissen gelegen und konnte sich fast sicher sein, dass daher niemand an den Brief herankommen w├╝rde, der ihn nicht lesen soll.
Die ├ťberschrift steht absichtlich in einer anderen Perspektive um dem Leser klar zu machen, was mit der Frau ist. Der Mann denkt schlie├člich die ganze Zeit, dass sie nichts von dem Brief ahnt und jetzt sag' mal ehrlich, ob du vermuten w├╝rdest, dass sie doch etwas wei├č, wenn die ├ťberschrieft "Sie wei├č es nicht" lauten w├╝rde. Vielleicht, aber nicht mit solcher Sicherheit wie bei "Sie weint".
Durch die beiden W├Ârter ist ganz klar festgelegt, dass sie Bescheid wei├č. Man vermutet, was die Frau denkt, f├╝hlt... Das k├Ânnte man nicht sagen, wenn man die ganze Geschichte nur auf den Mann bezogen schreiben w├╝rde. Also geh├Ârt die ├ťberschrift zur Frau.

Danke f├╝r deine Antwort,
Melani Raasch!
__________________
"Ein Buch ist ein Spiegel:
Wenn ein Affe hineinguckt, so kann freilich kein Apostel heraussehen."
Georg Christoph Lichtenberg

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bassimax
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hallo,

wecker klingeln immer laut, wenn sie den klingeln.
briefe liegen immer flach, wenn wie sie denn liegen.
ausserdem: die geschichte ist zu kurz. diese kurzgeschichte
ist gar keine. sie ist nur der beginn. ich h├Ątte gerne
weitergelesen, denn das thema ist interessant, man h├Ątte
etwas draus machen k├Ânnen. und der schreibstil ist, ab-
gesehen von kleinen holpereien, recht angenehm. weiter so
m├Âchte man sagen, aber bitte zuendeschreiben.
gruss
sebastian

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Ann-Kathrin Deininger
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Klar ist das fertig

Ich find die Geschichte ziemlich gelungen, und sie ist auch zu Ende geschrieben. Schlie├člich definieren sich Kurzgeschichten ja ├╝ber ihren ausschnitthaften Charakter und vor allem ein offenes Ende, eine Kurzgeschichte ist schlie├člich keine Erz├Ąhlung, die m├Âglichst viel vom Leben einer Hauptperson erz├Ąhlt. Das Thema ist aktuell und die Kurzgeschichte soll ja auch zum Nachdenken anregen, deshalb find ich es auch so gut, dass man in dieser Geschichte erst eine Weile dar├╝ber nachdenken muss, ob die Frau nun bescheid wei├č oder nicht. Schlie├člich kommt man zu dem Schluss, dass sie genau wei├č, was in dem Brief steht. Der Mann kann der Frau nicht sagen, dass ihm gek├╝ndigt wurde und sie kann ihm auch nicht sagen wie betroffen sie ist, nicht nur, weil ihm gek├╝ndigt wurde, sondern auch, weil er es ihr nicht sagen konnte. Kommunikationsunf├Ąhigkeit!!! Auch ein aktuelles Thema. So genau wollte ich dar├╝ber eigentlich gar nicht nachdenken, aber eines noch: Geschichte gelungen, Respekt!

Nachher t├Âte ich noch meine Tastatur!!!




__________________
Ein Raum ohne B├╝cher ist wie ein K├Ârper ohne Seele.

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bassimax
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Feb 2002

Werke: 12
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hallo ann-kathrin,

es stimmt einfach nicht das kurzgeschichten sich ├╝ber ein
offenes ende definieren. und auch das ausschnitthafte
element ist nicht unbedingt ein kriterium. du darfst nicht
vergessen, das es in b├╝chern kurzgeschichten gibt die ├╝ber
60 seiten und mehr gehen.
viele gr├╝sse
sebastian

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