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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Sie wird sagen, dass es ihre Schuld war
Eingestellt am 13. 01. 2003 22:52


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Nicki
Wird mal Schriftsteller
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Sie wird sagen, dass es ihre Schuld war

Gedankenverloren sitzt sie an dem kleinen Tisch mit der kalten Marmorsteinplatte und beobachtet durch die Glasscheibe die Menschen die eilig vorbeilaufen. Mit dem Zeigefinger pickt sie immer wieder kleine Zuckerk├Ârner auf, reibt sie kurz zwischen den Fingern um sie dann doch vom Tisch zu kicken oder im Aschenbecher zu versenken. Oft hat er sich dar├╝ber lustig gemacht, dass sie diese dumme Angewohnheit hat. Manchmal hat er ihr sogar absichtlich den Rest vom Zuckert├╝tchen vor die Finger gekippt, nur um sie zu ├Ąrgern. Er wusste, dass es sie fast wahnsinnig macht, wenn Kr├╝mel am Tisch liegen.

M├╝de st├╝tzt sie den Kopf auf ihre linke Hand, die sie zu einer Faust geballt hat. Er kommt ihr so schwer vor. Schwer und voller unvollendeter Gedanken, die doch so endg├╝ltig sind. Ihr Atem, der ihren Brustkorb in einem unruhigen, schnellen Rhythmus heben und senken l├Ąsst, wird st├Ąndig von einem tiefen seufzen unterbrochen. Ihr Herz schl├Ągt schneller und unruhiger als sonst und manchmal rast es sogar, als m├Âchte es einfach nur schnell ans Ziel kommen um schlie├člich vor lauter Anstrengung doch aussetzen. Die Kellnerin schiebt ihr wortlos den kurz zuvor bestellten Cappuccino unter die Nase. Ein wenig ├Ąrgert es sie, dass der auf der Schlagobershaube gestreute Kakao den Rand von der Untertasse beschmutzt. Sie pickt ihn in alt gewohnter Manier mit den Fingern auf, verzichtet aber die Finger abzulecken. Er h├Ątte sich dar├╝ber wieder aufgeregt und gesagt, dass sie sich nicht benehmen kann. Eigentlich k├Ânnte sie nun froh sein, dass er nicht tats├Ąchlich neben ihr sitzt und ihre schlechten Manieren aufzeigt.

Ihr Blick f├Ąllt zum Eingang des Lokals, durch die gerade ein junges P├Ąrchen stolpert. Verliebt halten sie sich an den H├Ąnden, und der Junge Mann hilft dem M├Ądchen aus dem Mantel. Sie stellt sich auf die Zehen und dr├╝ckt ihm einen Kuss auf die Wange, er zieht sie sanft zu einem freien Tisch und r├╝ckt ihr den Stuhl zurecht. Ja, fr├╝her hat er das auch mal getan, erinnert sie sich. Und damals war sie beeindruckt von soviel Aufmerksamkeit die ihr entgegengebracht wurde. Genauso, wie sie es nun bei dem jungen Paar beobachtet. Sie kann ihren Blick einfach nicht von ihnen losrei├čen. Zusammengekuschelt sitzen die beiden auf der Eckbank, stupsen Nase an Nase, k├╝ssen sich und albern herum. Sie lachen und scheinen gl├╝cklich zu sein. Gelacht, das hat sie auch gerne. Fr├╝her. Obwohl sie immer Sehnsucht danach hatte, ist es ihr trotzdem irgendwann vergangen. Vielleicht ab dem Zeitpunkt, als er ihr zum ersten Mal statt K├╝sse auf die Wange, die Faust auf die Lippe gedr├╝ckt hat. Nein, es war nicht seine Schuld. Warum musste sie ihn auch immer so provozieren? Sie hat wirklich kein Benehmen und vor allem war sie oft so Verst├Ąndnislos ihm gegen├╝ber. Sie h├Ątte ihn nicht st├Ąndig so reizen d├╝rfen und viel mehr auf ihn eingehen sollen, so wie er ihr es ja immer und immer wieder gepredigt hat. Wie zuf├Ąllig f├Ąhrt ihr Mittelfinger ├╝ber die rechte, immer noch leicht geschwollene Augenbraue. Heute Morgen hatte sich das Blau schon ein wenig gr├╝nlich verf├Ąrbt und war nicht mehr so entstellend, wie noch vor drei Tagen. Wieder schweift ihr Blick zu dem jungen P├Ąrchen. Der Junge kramt l├Ąchelnd in seiner Hosentasche, um dem Blumenverk├Ąufer eine Rose f├╝r seine Liebste abzukaufen. Eigentlich hat sie das immer ein wenig kitschig gefunden. Und vielleicht hat er ihr deshalb niemals Blumen mitgebracht, weil sie das irgendwann einmal ge├Ąu├čert hat?

Ihr Blick f├Ąllt auf die Uhr und sie wei├č, dass es nun Zeit ist nach Hause zu gehen. Sie wei├č, dass sie erwartet wird und sie wei├č, dass man ihr viele Fragen stellen wird. Die rote, blutige Vase wird ihr wahrscheinlich in einem kleinen Plastiksack vorgelegt werden.
Und sie wird sagen, dass es ihre Schuld war.


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Arno1808
Guest
Registriert: Not Yet

Ihre Schuld

Liebe Nicki,

eine sch├Âne Kurzgeschichte mit allem, was dazugeh├Ârt. Sch├Ân, wie Du 'Sie' uns n├Ąherbringst durch den kurzen Blick auf ihre kleinen Eigenheiten.

Ich hoffe, Du hast nichts dagegen, wenn ich einige Bemerkungen zu dem Text einbringe.

quote:
Gedankenverloren sitzt sie an dem kleinen Tisch mit der kalten Marmorsteinplatte und beobachtet durch die gro├če Glasscheibe die Menschen die eilig vorbeilaufen

Rein gef├╝hlsm├Ą├čig scheinen mir das zu viele Adjektive in einem Satz zu sein.

quote:
Er wusste, dass es sie fast wahnsinnig macht, wenn Kr├╝mel am Tisch liegen. ABSATZ
Den Kopf st├╝tzt sie m├╝de M├╝de st├╝tzt sie den Kopf auf ihre linke Hand, die sie zu einer Faust geballt hat.

quote:
Ihr Atem, der ihren Brustkorb in keinem normalen, ruhigen Rhythmus heben und senken l├Ąsst ...

Sage uns doch nicht, wie er sich NICHT hebt und senkt! Erz├Ąhle doch lieber, WIE er sich bewegt!
quote:
Ihr Herz schl├Ągt schneller und unruhiger als sonst und manchmal stolpert es sogar, als m├Âchte es einfach nur fallen um sich nicht mehr so anstrengen zu m├╝ssen.

Ich w├╝rde versuchen, aus dem Satz ein Bild zu machen, das man sich vorstellen kann. Ein 'fallendes' Herz ergibt kein Bild bei mir. Ein 'aussetzendes' sehr wohl!
quote:
Genauso, wie sie es nun bei den beiden jungen Fremden beobachtet, von denen sie den Blick nicht abwenden kann. Zusammengekuschelt sitzen die beiden Verliebten auf der Eckbank ...

Das h├Ârt sich irgendwie komisch an. Vorschlag:
Genauso, wie sie es nun bei dem jungen Paar beobachtet. Sie kann ihren Blick einfach nicht von ihnen losrei├čen. Zusammengekuschelt sitzen die beiden auf der Eckbank...

quote:
Obwohl sie trotz allem immer Sehnsucht danach hatte, ist es ihr trotzdem irgendwann vergangen

Das ist zu viel 'trotz'
quote:
Vielleicht ab dem Zeitpunkt, wo als er ihr zum ersten Mal statt K├╝sse auf die Wange ...


Und Du k├Ânntest den gesamten Text noch auf Kommas ├╝berpr├╝fen. Da fehlen einige und andere sind zu viel.

So, liebe Nicki, so weit erst einmal meine Vorschl├Ąge.

Lieben Gru├č

Arno


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Nicki
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Lieber Arno ..

.. Danke f├╝r Deine Antwort! Ich hab mich wirklich sehr gefreut Feedback zu bekommen. Und ich Danke Dir f├╝r die Verbesserungsvorschl├Ąge. Dies war die erste Geschichte die ich mit, von anderen f├╝r mich ausgesuchten W├Ârtern geschrieben habe, und ich bin daher f├╝r Kritik immer offen. Werd mich gleich mal dran schmeissen

Danke und Liebe Gr├╝sse

Leonie

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Nicki
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..

Ich hab die Geschichte jetzt nochmal korrigiert.. aber mit den Beistrichen komm ich scheinbar nicht so ganz zurecht

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