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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Sie zeigen mir ihre Narben
Eingestellt am 05. 01. 2005 14:37


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sohalt
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Sie werden leben, wenn ich tot bin. Manchmal zweifle ich daher, ob ich geeignet bin fĂŒr eine Arbeit mit Kindern. Denn ich habe Angst, dass ich irgendwann deswegen umkomme vor Neid. Noch fehlt er. Aber ich warte auf ihn, seit ich 5 bin, seit mir beim Anblick eines SĂ€uglings zum ersten Mal dieser Gedanke gekommen ist.

Wir warten nur noch auf die Eltern, auf großen, weißen Plastik-StĂŒhlen unter einem weißen Sonnenschirm und wolkenlosem Himmel. Die Kinder sind nach dem Tennis glĂŒcklich ermattet und, weil sie gerade einen durch Hitze und Anstrengung mordsmĂ€ĂŸigen Durst gestillt haben, höchst befriedigt, alles im Lot, die Welt ist eine Kinderschokolade-Werbung und die GesprĂ€che plĂ€tschern friedlich dahin. Wir sind gerade bei den Spiel- und Sportverletzungen – gebrochene Knochen, genĂ€hte Lippen und GehirnerschĂŒtterungen – ein unschlagbares Thema bei dermaßen aktiven Kindern; jedes steuert stolz etwas aus dem eigenen Erfahrungsschatz bei. Da zeigt mir die Kleine ihre Narbe. Ein schwarzer Punkt auf der Fingerkuppe, eintĂ€towiert fĂŒr die Ewigkeit – wie man ihn davontrĂ€gt, wenn einem der Sitznachbar den Bleistift in den Finger rammt. Hab ich schon öfter gesehen, scheint gĂ€ngige Praxis – die obligatorische Bleistiftnarbe. Trotzdem: „Wie ist das denn passiert?“ Fröhlich: „Meine Freundin! Die hat mich gestochen! Fies nicht?“ – „Aber warum denn das?“ Achselzuckend: „Weil sie so wĂŒtend war.“ – „Und warum war sie gar so wĂŒtend?“ – Ihr Blick verschattet, ihre Antwort ist ein schwarzes Loch, schluckt das Licht und saugt alle Sonne aus der Szene.
„Weil ihre Mama heuer gestorben ist.“

Gewöhnlich brauchen kleine MĂ€dchen nicht so triftige GrĂŒnde, um verletzend zu sein.

Ein Spielzeugmuseum, hinten ein großer Garten – 1000 phantasieanregende Spielideen, Barfußpfad, HolzfĂ€llerstation, Baumstammparcours, Zirkusskulisse, alles im Preis inbegriffen. Die beliebteste Attraktion ist ein kleines, grelles Plastikkarussell vor dem Eingang, fĂŒr das man einen Euro einwerfen muss. 3 MĂ€dchen sind schon seit Stunden dabei, hier ihr gesamtes Vermögen zu verbraten, Prinzessin und Gefolge: eine Plumpe-Laute, und eine Leise-Zarte. Die Leise immer dekorativ daneben, die Plumpe am Machen, setzt die Rechte ihrer Königin gegen die anderen Kinder durch. „Jetzt sind aber wieder wir dran, ihr wart schon dreimal! Nicht anschieben! Das wird so kaputt, hat die Frau gesagt, man muss zahlen, sonst geht das nicht. Und die da fĂ€hrt jetzt nicht mit, die soll mal selber zahlen. Ich hab noch einen Euro, da darfst du mitfahren! Aber nur du! Du und ich. Und beim Heimfahren setzt du dich im Bus dann neben mich, ja?“. Tut sie natĂŒrlich nicht. Sie sitzt neben der Leisen.

Beim nĂ€chsten Ausflug fĂ€hrt die Leise-Zarte allein mit. Ein penetrant niedliches Kind. Kindchen-Schema total. Die HĂ€lfte des Gesichtsfeldes dominiert von den Augen. Mir schaudert. Große Augen, in zu wenig Baby-Speck eingebettet, zu tief – wie die großen Löcher im TotenschĂ€del. Eine zu zarte Haut bedeckt ihn zu wenig. Das MĂ€dchen schaut zum Busfernseher auf, mit seelenvollem Blick und leicht geöffnetem Mund, ganz fasziniert. Es wird gerade ein 08/15 Hollywood Kinder-Sport –Tier-Film gezeigt, ein basketballspielender Hund im Sprung beim Erzielen des spielentscheidendes Korbes. Was ist da bitte seelenvoll zu schauen? Und ich weiß, mit genau diesem seelenvollen Blick wird sie spĂ€ter wegen jedem Scheiß zu jedem beliebigen Typ aufschauen, sie kann gar nicht anders, es ist ihr Standard-Geschau und ich könnte aufspringen und sie schĂŒtteln: Schau nicht so seelenvoll!

Überhaupt, immer diese Kinderaugen.

Beim Töpfern vertu ich es mir mit Polly-Patent. Auch so ein niedliches Kind, aber weniger lieblich sĂŒĂŸ, mehr von der bodenstĂ€ndigen Niedlichkeit, wie die Hummelfiguren: rotbĂ€ckig, blond, Knopfaugen – aber wie die blitzen! Und sehr adrett, sehr geschickt, sehr ordentlich, alles im Griff, hat ihr eigenes Gefolge. Die töpfert natĂŒrlich die schönste Vase. Nachher mĂŒssen die Töpfereien aber auch noch gebrannt werden, zu diesem Zweck mĂŒssen sie zu mir gebracht und mit einer Nummer versehen werden, damit die Eltern dann in zwei Wochen auch die richtigen StĂŒcke abholen. Polly hat ihre Nummer vorsorglich schon selber angebracht, sorgfĂ€ltig in das Muster der Vase eingearbeitet. Es soll ja schön werden! Ich, gelangweilt und der Töpferei gegenĂŒber seit jeher ignorant, bloß bestrebt, das Ganze anstandslos hinter mich zu bringen, und vor allem hauptsĂ€chlich die Stimme der Töpfertante im Ohr: Aber ja die Nummern deutlich schreiben! – ritze sie noch mal zur Sicherheit groß und fett quer ĂŒber die ganze Vorderfront.

Seither weiß ich: Stahlblaue Augen sind mehr als eine abgedroschene Phrase.

Diese Pollies. Wenn man ein wenig schlampig ist und ein wenig patschert und ein wenig gedankenlos, hat man es nicht leicht mit ihnen. Erinnerungen steigen hoch, an sĂ€mtliche Pollies meiner Kindheit und ich kriege heute noch Angst. Selber mĂŒsste man dauernd im Erdboden versinken, aber diesen Pollies könnte nie was passieren. Polly Patent. Polly Perfekt.

SpÀter ist Polly dann das einzige Kind, das nicht abgeholt wird. Wir warten mit ihr noch eine halbe Stunde und fahren sie dann selber heim. Sie wohnt in den HochhÀusern.

„Die von den HochhĂ€usern sind immer ein Fall fĂŒr sich, das merkt man halt schon“, meint meine Kollegin. Und dass die Jugend immer mehr verroht, und dass Sitte und Anstand den Bach runter gehen und ĂŒberhaupt Werteverfall, und Untergang des Abendlandes und alles, und wir konnten frĂŒher halt noch grĂŒĂŸen und bitte und danke haben wir auch gesagt und gewusst, was Respekt ist – das meint sie auch. Sie ist 18. Und verlobt auch schon, man wohnt bereits zusammen. Nach dem Studium wird geheiratet. Madame.

Aber bei denen von den HochhÀusern ist mitunter wirklich Obacht angebracht.

Mackie hat ein Messer und das hat er auch schon in die Schule mitgebracht. Wurde uns von den anderen Kindern erzĂ€hlt. Mal mit Abscheu, mal mit Ehrfurcht. Zu unseren AusflĂŒgen nimmt er hoffentlich keines mit, aber so genau wissen will ich das gar nicht. Außerdem schaffte er es auch ohne, Angst und Schrecken zu verbreiten. Ein brutaler kleiner Kerl. Dieser Jahr fĂ€hrt er auf den Bauernhof mit, ein Ausflug, bei dem es hauptsĂ€chlich darum geht, Pferde zu bĂŒrsten, Ziegen zu melken, und Kleinvieh durch die Gegend zu schleppen. „So sĂŒĂŸ, die KĂŒken! Und hast du schon die HĂŒndchen gesehen? So sĂŒĂŸ! Ich mag auch mal streicheln! Gib her, ich mag das schwarze KĂ€tzchen. Meins ist das weiß-schwarz gefleckte, das ist das SĂŒĂŸeste. Mama hat gesagt, wenn unsere Meerschweinchen tot sind, kauft sie uns auch eins. Hoffentlich kriegen wir es bald!“

Frage: Was will Mackie-Messer auf so einem Ausflug? KÀtzchen streicheln? Mir schwant Böses.

Gestreichelt wird allerdings. Bloß keine KĂ€tzchen. MĂ€ckie ĂŒbt sich im Nahkampf – und diesmal zur Abwechslung nicht im martialischen Sinn, sondern im Sinn der Altherrenwitze – im Sinn von - „Die liegen miteinander im Heu und er greift sie aus!“ – wie mir meine Kollegin entrĂŒstet berichtet. Er stolze 13, sie zarte 12. Bei der Heimfahrt werden dann die Nummern ausgetauscht. Er schreibt ihr seine in das Malbuch, das sie bei der Schatzsuche gewonnen hat.

Die Schatzsuche: Die Kinder bekommen eine Landkarte, mit deren Hilfe sie losziehen, um die ĂŒberall auf dem weitlĂ€ufigen GrundstĂŒck verstecken SchĂ€tze einzusammeln. Meistens sind es Zuckerl, Lollies, MalbĂŒcher, Buntstifte, aber auch weniger kinderspezifische Sachen wie etwa Fliegenklatscher, HaarbĂŒrsten und Spiegel, die der Bauer irgendwo im Sonderangebot oder als Werbegeschenk aufgetrieben hat. Sie erhalten aber nicht nur 1A - 1-Euro-Shop-WĂŒhltisch-Ramsch sondern auch eine Weisheit fĂŒrs Leben: Am Ende versammelt sie nĂ€mlich der Bauer jedes Mal feierlich alle um sich, und fragt in salbungsvollem Tone, was denn nun der grĂ¶ĂŸte Schatz im Leben sei.

„ Eine Sony-Playstation! Ein Barbi-Wohnmobil! Das neue Yugi-O-Kartenset“ – krĂ€hen die Kinder dann. In meinen TrĂ€umen. In der RealitĂ€t rufen sie beflissen: „Gesundheit! Zufriedenheit! Freunde! Familie!“. Und zeigen womöglich vorher auf auch noch. (Wo bleibt MĂ€ckie? Der liegt zu diesem Zeitpunkt bereits im Heu).

Und ich selbst, frĂŒher? An einem Tag hĂ€tte ich bei so einer Gelegenheit noch als erste und am lautesten Zufriedenheit gekrĂ€ht. Und am nĂ€chsten schon hĂ€tte ich meine krĂ€henden Mitkinder am liebsten geschlagen, weil sie tatsĂ€chlich so wenig Stolz hatten, so eine Frage auch noch ernsthaft zu beantworten und damit die WĂŒrde der gesamten Kinderschaft in den Dreck zogen. Dieser Schnitt vollzog sich plötzlich und durch nichts begrĂŒndet und ich betrachte ihn als wichtigsten Fortschritt meiner geistigen Entwicklung.

Geistige Entwicklungen können problematisch sein. Vor allem ausbleibende.

Bis 14 dĂŒrfen sie mitfahren. Die meisten 14-jĂ€hrigen nĂŒtzen das Angebot nur mehr fĂŒr den Kino-Ausflug, zum GlĂŒck; sie sind schwerer zu handeln. Aber der Go-Kart-Ausflug ist in dieser Hinsicht natĂŒrlich auch gefĂ€hrlich. Wir wappnen uns schon einmal seelisch und entwickeln Strategien. Madame will nichts durchgehen lassen, ein RĂŒffel hie ein RĂŒffel da (Was muss ich da hören? Ficken? Schlampe? Keine solchen AusdrĂŒcke in meiner Gegenwart! Na, ich wĂ€r schnell still, impertinentes Gfrast – sonst, sonst.. Ja, was sonst?), sie setzt auf AutoritĂ€t. Schlechte Idee: Wir haben nĂ€mlich keine.

Ganz anders die zweite Kollegin: Mademoiselle. Ersten Freund vor 2 Monaten nach kurzer Romanze wehmĂŒtig wieder in den Wind geschossen. Balletttanz seit der Volksschule, das prĂ€gt. Noch beim Seniorentanzen wird sie etwas MĂ€dchenhaftes an sich haben. Sie versucht es mit Infiltration. Fraternisieren mit dem Feind. Wir sind ja auch noch jung, wild und verwegen, wir wissen doch, was lĂ€uft – also erzĂ€hlt mal, wo geht ihr so fort, was hört ihr so fĂŒr Musik? – LĂ€sst sich berichten und verteilt dann Lob und Tadel, Lob fĂŒr Punkiges, Rockiges, Alternativ-Angehauchtes, Tadel fĂŒr den allzu flauschigen Mainstream, denn unter Rammsteim, Metallica, den Ärzten und Gangster-Rap find sich doch auch so mancher Casting-Show-Klingelton – geizt allgemein nicht mit Aufmerksamkeit und hat sie damit voll erwischt, denn danach lechzen sie, wie Straßenköter nach KĂŒchenabfĂ€llen.

Beim Go-Kart-Ausflug fĂ€hrt sie mit, nicht Madame. Könnte klappen. 2 Fans hat sie schon, Spud und Sickboy. Die beiden sitzen mit uns im integrierten Gastronomiebetrieb, am Tisch mit Blick auf die Bahn, wĂ€hrend sie warten, bis sie an der Reihe sind. 3 Mal darf jeder, außer dem Kleinsten, der ist umsonst mitgefahren, denn er erfĂŒllt nicht die Sicherheitsbedingungen, wĂŒrde unter dem Gurt durchrutschen. An sich ausfĂŒhrlich nachzulesen in der BroschĂŒre, die wir zu Ferienbeginn ausgeben, haben die Eltern mal wieder nicht aufgepasst. Jetzt steht der Kleine den ganzen Tag am Rand der Bahn und schaut den anderen Kindern sehnsĂŒchtig nach, wie sie davon fetzen. Eigentlich sollten wir neben ihm stehen, ihn trösten, schauen, dass er sich nicht zu sehr langweilt. Stattdessen lassen wir uns von Spud und Sickboy ihre umfangreiche Kollektion an mit dem Handy aufgenommenen Photos von davonfahrenden Polizeiautos zeigen. Und da heißt es immer, die Jugendlichen wĂŒrden heute nur mehr vorm Fernseher oder vorm Computer vergammeln und hĂ€tten keine Outdoor-Hobbies mehr. Auf dem Stadtplatz treffen sie sich jedes Wochenende zum VorglĂŒhen, da darf seit neuerstem kein Alkohol mehr getrunken werden, wird uns berichtet, schön, na, das sollen sie mal durchsetzen, werden schon sehen, jetzt erst recht! Ihr könnt uns ja verpetzen, wenn ihr wollt, verpetzt uns ruhig. Wir denken gar nicht dran. Es ist ein Spiel. Na seid ihr jetzt geschockt? Und jetzt? Und jetzt? Und jetzt? So leicht nicht, meine Herren! Wir lassen sie auch rauchen, mein Gott, sie sind 14. Von unseren Leuten haben die meisten mit 14 auch schon geraucht, oder nicht? Aber ein Bier holt euch bitte keines. Der Herr von der Gemeinde ist auch mit und könnte jederzeit reinkommen, eine Tschick kann man da leicht ausdĂ€mpfen, aber ein Bier…

Sie werden zutraulich. Sie erzĂ€hlen uns alles. Wesentlich mehr, als wir wissen wollen. Wo sie sich mit Pornos versorgen (hauptsĂ€chlich ĂŒbers Internet), welche Rauschmittel sie nehmen, woher sie das Geld dafĂŒr haben (Sickboy vercheckt auf seiner Schule geschmuggelte Zigaretten aus Tschechien, nĂ€chstes Jahr kommt er auf’s Sport-BORG, er freut sich schon: grĂ¶ĂŸere Schule, grĂ¶ĂŸerer Absatzmarkt - gut fĂŒrs GeschĂ€ft; Spud mĂ€ht seinem Onkel dem Rasen, spĂ€ter will er mal Koch werden – Kochen ist voll geil, erzĂ€hlt er mit glĂ€nzenden Augen)und wie sie sich einmal vor meiner Zeit beim Angelausflug hinten auf dem Fisch-Ausnehm-Platz eingekifft haben. Ich bin beim Fischen heuer nicht dabei, Gott-Sei-Dank.

Sie haben uns so viel erzÀhlt, jetzt sollen wir auch. Geht ihr oft fort? Schaut ihr euch Pornos an? Hattet ihr schon mal nen Filmriss? Wie oft musstest ihr schon kotzen? Ich wette, noch gar nie! Nein, dauernd! Ihr seid doch immer vollfett, gebt es zu! Sie werden zudringlich.

Vor allem zu Mademoiselle. Eine Neckerei. Spielerisches Gerangel. Sickboy triezt sie, knufft sie, klaut ihr das Haarband. Gib es her! Er grinst nur. Ich stimme ein. Gib schon her! Und was, wenn nicht? Auf unsere AutoritĂ€t zurĂŒckgreifen? Wir haben doch keine, schon vergessen? Sie versucht, ihm das Haarband zu entwinden, ein Handgemenge, da hat sie natĂŒrlich keine Chance. „Lass das!“ sagt Spud, „man haut keine MĂ€dchen“. Ach, Spud.

Was lernen wir daraus? Doch die falsche Strategie. Meine ist besser: Wissen, dass man keine AutoritĂ€t hat, aber die anderen glauben lassen, man hĂ€tte womöglich eine, indem man es nicht darauf ankommen lĂ€sst. Die klassische Kopf-in-den-Sand-Methode. Flechte spielen. Wer sich zuerst bewegt, hat verloren. Billig, funktioniert aber. Grundessenz: Distanz wahren! Geheiligte Distanz. Zu diesem Zweck hab ich immer ein Buch dabei. Ihr könnt Drogen dealen, MĂ€dchen handeln, auf schwarzen Messen Babies braten – das hier ist sowieso viel interessanter.

Aber gelegentliche abgebrĂŒhte Kommentare kann ich mir dann doch nicht verkneifen.
Hachja, die Jugend. Der Wille zum Rausch und der Kampf um das Recht auf Selbstzerstörung.

„Ja, hab ich auch schon mal gemacht“ sagt Spud. „Ritzen.“ Er zeigt mir die Narben auf seinem Unterarm. „Mach ich aber jetzt nicht mehr“ versichert er treuherzig.

Auf der Heimfahrt geht das Spiel weiter. Sie setzen sich extra vor uns und drehen sich alle Augenblicke zu Mademoiselle um und wollen irgendwas. Einmal sitze da aber nur ich, denn Mademoiselle ist hinten, um einem Kind, dem schlecht geworden ist, den KĂŒbel zu bringen. „Lass es“ sagt Sickboy. „Die mag uns nicht“.

So wĂŒrde ich das nicht sagen.
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Diese Geschichte wollte ich schon seit dem Sommer mal schreiben. Ich wĂŒrd mich also wirklich sehr freuen, wenn das wer durchackert, auch wenn es sich zieht, denn ich wĂ€re wirklich bereit, daran zu feilen.

zB in Bezug auf den Titel bin ich noch unschlĂŒssig. Vielleicht wĂ€re schlicht "Kinder" besser?

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Rainer
???
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hallo sohalt,


dein text gefÀllt mir ausgezeichnet; er entspricht meinem literaturgeschmack: keine geschichte um der handlung willen, sondern ein kleines "sittengemÀlde".
mag die/der ein(e) oder andere auch einzelne punkte als unrealistisch oder ĂŒberzogen ansehen - es ist deine sichtweise, die ich mir nicht nehmen lassen wĂŒrde. und entwicklung findet immer statt (hoffe ich mal ).
durch den titel bestimmst du auch ein bißchen die richtung des textverstĂ€ndnisses; "kinder" wĂŒrde den schwerpunkt von der gefĂŒhlten (z.b. verletzbarkeit) hin zur protokollarischen ebene verschieben.
ganz glĂŒcklich bin ich mit dem titel allerdings auch nicht; was wĂŒrdest du von "narben" halten?

viele grĂŒĂŸe

rainer
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ist meine, und damit nur EINE Meinung

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sohalt
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Rainer, auf dich kann man sich halt verlassen. Eigentlich post ich die Sachen hier fast nur mehr, damit du sie liest, denn du bist oft der einzige, von dem ich noch eine RĂŒckmeldung (und sei es auch nur in Form einer nicht-anonymen Bewertung) bekomme. Auch auf die Gefahr hin, dass das jetzt wegen Plauderei ausgeblendet wird: DafĂŒr möchte ich mich einmal bedanken.


"Narben" ist wirklich eine ErwÀgung wert. Von "Kinder" komm ich sowieso immer mehr ab, das erinnert zu sehr an diesen einen Film "Kids".

Was den RealitĂ€tsbezug angeht: Was soll ich sagen, ich habe noch nie bei einer Geschichte dermaßen wenig Phantasie eingesetzt. Bloß "meine" eigenen Reaktionen im Text sind der Zuspitzung halber einigermaßen ĂŒberzogen geschildert. (zB ist mir in realiter völlig wurscht, ob Kinder jetzt auf die Pseudo-Fragen der Erwachsenen ernsthaft antworten oder nicht, ich find das eher faszinierend, dass Kinder sich noch so freuen, wenn sie mal was sagen können).

hmm, Narben. Trifft es wahrscheinlich wirklich am besten, aber ich zögere noch, denn wenn ich das wo in einem Forum lese, erwarte ich mir gleich so die klassische Troubled-Teen-SelbstverstĂŒmmelungs/bzw. Kindesmissbrauch-Geschichte. Bei "Narben" allein glaubt man vielleicht zu sehr, zu wissen, was jetzt kommt.

AusflĂŒge? Kindersommer? Ringel-Reihen?

lg
sohalt

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sohalt
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Der 1. Absatz im letzten Posting sollte ĂŒbrigens kein Gejammer sein. Mir ist schon klar, dass ich selber kaum Kommentare oder auch nur Bewertungen abgebe, und dass ich deshalb auch umgekehrt keine AnsprĂŒche stellen kann.

sohalt

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Rainer
???
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hallo sohalt,

dank des titel-problems haben wir eine ausgezeichnete möglichkeit etwas literarisch zu plaudern ohne ausgeblendet zu werden, oder den text schröcklicherweise ins lupanum verschoben zu sehen .

"kinder" vs. "kids"
auch wenn ich den film sehr mag; er wÀre mir ehrlich gesagt nicht in den sinn gekommen, da seine sichtweise meines erachtens nach eine andere, vor allem eine reflektionslose, ist.

wie es immer bei schnellen schĂŒssen aus der hĂŒfte ist: "narben" finde ich, auch und vor allem dank deiner erlĂ€uterungen, inzwischen geradezu strĂ€flich - entschuldige bitte den vorschlag.

"ringel-reihen" - 95 %
"kindersommer" - 70 %
"ausflĂŒge" - 60 % zustimmung.

feedback - ach, es ist schade wenn man nicht genau weiß, wie es ankommt, da geht es den schreibern genauso wie den aushilfskritikern meiner couleur .

dass dein text so weit auf eigenen erfahrungen beruht hÀtte ich nicht gedacht, aber damit bist du umso besser gegen eventuelle "na so ist es doch garnicht"-meinungen gewappnet.
du bist demnach in der, ich fasse es mal ganz weit, jugendarbeit tĂ€tig? alle achtung, das könnte ich nicht. ich habe es mal ein paar jahre als ehrenamtlicher streetworker versucht, da war meine klientel vielleicht fĂŒnf bis zehn jahre jĂŒnger als ich, aber ich habe recht schnell gemerkt, dass es mich fertig macht; ich alles mit nach hause nehme und durchwalke bis es ein großes graues filzstĂŒck ist, in dessen mitte ich sitze...; inzwischen lĂ€gen wohl eher 20 bis 25 jahre dazwischen - das wĂŒrde es nicht besser machen .
da lobe ich mir doch die naturwissenschaften: grĂŒn bleibt grĂŒn und ein plus eins immer zwei.

viele grĂŒĂŸe

rainer

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Roni
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hallo sohalt,

ich wuerde dir ja gern helfen beim feilen ...
nur, ich find nix. dein text gefaellt mir sehr gut, ist plastisch, zuweilen lakonisch und trifft meinen nerv.

du sprichst von durchackern, von ‚es zieht sich’ – da bliebe dann das kuerzen. aber ehrlich gesagt: ich wuesste nicht, auf welche der passagen ich wuerde verzichten wollen, jede in sich spricht mich an.
wenn aber doch, dann schau vielleicht noch mal auf den textabschnitt rund um die schatzsuche. vor allem von ‚und ich selbst, frueher’ ... bis ‚meiner geistigen entwicklung’. ein bisschen gehst hier vom beschreiben weg und hin zur analyse ... das laesst sich vielleicht anders gestalten.

was habt ihr gegen den titel? ich finde, er passt eigentlich ganz gut. sie zeigen, du schaust und beschreibst, lenkst durch deine beschreibung den leser und laesst ihm doch noch raum genug, sein ganz eigenes bild zu gestalten.
vielleicht ‚und sie zeigen ...’ und die narben weglassen, find ich aber auch noch nicht optimal.
ansonsten: hat spass gemacht zu lesen.

lg
roni

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