Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5553
Themen:   95286
Momentan online:
271 Gäste und 8 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Sieben Fässer
Eingestellt am 03. 12. 2014 15:49


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Kayl
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Oct 2014

Werke: 25
Kommentare: 18
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Kayl eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Sieben Fässer


Höre, liebste Svetlana, welch ein Glück ich hatte dort hinten im Wald, höre, wie es dazu kam, dass dein Pjotr noch lebt und dich lieben kann und du mich lieben kannst.
Du weißt, ich musste Niklas dem Jäger, der das Fleisch der Hirsche und Elche mit Salz in Fässer packt, dem Niklas also sollte ich sieben leere Fässer zurück bringen.
Anfangs waren wir zufrieden, wie wir gewickelt waren in warme Decken und die zwei Pferde zügig durch den Schnee trabten. Wir hatten mit unserem Schlittengespann den größten Teil des Weges hinter uns und sahen uns schon beim Niklas in der Stube am Ofen sitzen und heißen Tee trinken. Neben mir auf dem Kutschbock Nina, mein Töchterchen, mit achtzehn Lenzen kräftig genug, mit den Zügeln umzugehen. Du weißt, man soll nicht allein in die Wälder.
Aber zum Niklas ist es weit. Der Schnee machte den Pferden das Traben schwer, sie wurden langsamer.
Nun, ich will dich nicht erschrecken, Svetlana, außer dem Stampfen der Pferde und dem Klingeln des Geschirrs hörten wir weit hinter uns leises Heulen. Du weißt, Svetlana, ich nehme ungern die Peitsche, aber jetzt musste ich die Pferde antreiben. Es nützte nicht viel, sie wurden nicht schneller.
Das Heulen kam näher und näher.
Und dann, Svetlana, sah ich sie, noch weit hinter uns, kleine schwarze springende Punkte. Ein Dutzend im Schnee: Wölfe. „Nina!“, rief ich, „sieh dich nicht um. Bete!“
Ich hieb heftiger auf die Pferde ein. Sie dampften, und das Schnauben stieß Schwaden in die frostige Luft.
Die Punkte wurden größer, das Heulen kam näher.
Mir wurde heiß und kalt. Die Pferde liefen nicht schneller, obwohl ich ständig auf sie einhieb.
Die Wölfe kamen näher, sprangen schon dicht hinter dem Schlitten. Mit Schrecken erkannte ich, dass sie bald ihr Gebiss in die Flanken der Pferde graben und sie zu Fall bringen würden. Dann wären auch wir an der Reihe.
„Nimm die Zügel!“, rief ich Nina zu, die sich ängstlich in ihre Decken zurückgezogen hatte. In meiner Not griff ich nach hinten und stieß ein Fass vom Schlitten, hoffte, es würde die Wölfe ablenken.
Erleichtert sah ich, dass die Meute innehielt, sich auf das Fass stürzte, es untersuchte und beroch. Wir gewannen einen kleinen Vorsprung, jedoch nicht lange. Die Wölfe merkten, dass die Tonne nach Pökelfleisch roch, aber sonst nichts zu holen war.
Wieder hetzten sie uns nach, wieder kamen sie näher.
Ich musste das zweite Fass hinunter werfen.
Aufs Neue ließ die Meute von uns ab und suchte im Fass etwas zu finden. Dann kamen sie abermals näher.
Auch das dritte Fass schob ich vom Schlitten.
Das Rudel kam erneut am Fass zusammen und wieder gewannen wir einen Vorsprung, der dann wiederum kleiner wurde.
So ging es Fass um Fass. Schließlich hatten wir nur noch ein Fass auf dem Schlitten. Waren wir verloren? Die Pferde waren am Ende ihrer Kräfte. Die Wölfe hatten den Schlitten fast eingeholt.
„Halt weiter die Zügel, Nina! Jetzt gilt es! Auf zu Niklas und hole Hilfe!“
Damit warf ich das letzte Fass in den Schnee und sprang ihm nach. Ohne Zögern lief ich zum Fass zurück, und ehe der erste Wolf heran war und nach mir schnappen konnte – Svetlana, ich sah die hechelnde Zunge und die gierigen Zähne – Svetlana, soeben noch konnte ich das Fass greifen, über mich stülpen und niederkauern.
Unter mir Schnee, wütendes Geheul dicht neben mir, so hockte ich im Dunkeln der Tonne, musste sie auch mit beiden Händen unten halten, weil die Wölfe dagegen sprangen, kratzten und scharrten, um sie umzuwerfen. Sie witterten mich und waren gewiss, hinter dem dünnen Holz reiche Beute für das ganze Rudel zu haben.
Svetlana, glaube mir, deinem Pjotr war nicht wohl dabei. Ich hatte tausend Ängste. Wie lange würde ich das Fass am Boden halten können?
Waren Minuten oder Stunden vergangen? Wie sollte ich es im Dunkeln wissen? Nach langer Ungewissheit hörte ich im Gejaule und Gekratze einen Schuss, vielleicht einen Steinwurf entfernt. Das Geheul wurde schwächer. Ein zweiter Schuss krachte in der Nähe.
Und still war es.
Aber ich blieb hocken, drückte weiterhin das Fass zu Boden. Bis daran geklopft wurde. Svetlana, Liebes, Wölfe können nicht klopfen!
Dann hörte ich Niklas Stimme: „Pjotr, willst du im Fass übernachten?“
Ich hörte sie lachen.
Und nun, Svetlana, umarme und küsse deinen Pjotr!

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


1 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zurück zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung