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Leselupe.de > Anonymus
Siebener und Elfe
Eingestellt am 26. 05. 2011 16:00


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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Siebener und Elfe

Tief am Rande eines winzigen W√§ldchens lebten einst zwei brave Nullen. Sie waren nat√ľrlich nicht wirklich Nullen, sondern wurden nur von den weiter stadtw√§rts wohnenden zahllosen Achtern und Neunern, die als Hofschranzen in sicherer Stellung ihr Leben verzahldienten, als solche gesehen. Das kam, weil Achter und Neuner einen unwillk√ľrlichen Reflex zur Unterbewertung Anderszahliger besitzen.
In Wirklichkeit waren die vermeintlichen Nullen ganz normale Zweier, die sogar Kinder hatten, in diesem Fall einen h√ľbschen, aufgeweckten Siebener und eine bezaubernde Elfe, auf die sie besonders stolz waren. Wer hatte damals schon eine Elfe! Es gab zu dieser finsteren Zeit, die noch nicht so lange her ist, wirklich wenige Zweier-Haushalte, die stolz auf eine Elfe z√§hlen konnten. (Heute gibt es, auch wenn ich mich beim besten Willen verz√§hle, so gut wie keine mehr.) Aber la√üt weiterz√§hlen.

Also: die Not war gro√ü. Man kann sie nicht in Zahlen ausdr√ľcken. Trotz der ein bis zwei B√§ume, die unsere braven Zweier alle dreihundertf√ľnfundsechzig gleichbleibend sich Wiederholenden noch f√§llen, s√§gen, hacken, als Brennholz f√ľr fast Null verkaufen durften: es reichte nicht zum Leben. Die ehemals gesunden Zweier ‚Äď und mit ihnen der aufgeweckte Siebener und die bezaubernde Elfe ‚Äď nahmen ab. Die Folge: Sie wurden sich immer un√§hnlicher. Oder anders formuliert: Sie mutierten zunehmend zu unzahlm√§√üigen Wesen. (Es ist nicht eins zu eins √ľberliefert, aber wahrscheinlich begannen die Zweier, bedingt durch Gewichtsverluste und Auspr√§gung eckigerer Formen, sich den Zets √§u√üerlich anzun√§hern. Der Siebener fiel zunehmend zu einem Kreuchen, die Elf einer zu einer R√∂misch-Zwei zusammen. Woran man mal wieder sehen kann, wie die sozialen Rahmenbedingungen des Elternhauses das Erscheinungsbild der Kinder pr√§formieren.) Aber la√üt weiterz√§hlen.

Also, zum zweiten Mal: die Not war gro√ü, sogar sehr gro√ü. (In ihrer Gr√∂√üe ist sie wohl nur noch mit heutigen Verh√§ltnissen vergleichbar, aber wer kennt die schon. Wir k√∂nnen uns also in der Mehrzahl keine Vorstellung machen.) Da kamen die Zweier in einem unseligen Moment auf die Idee, ihre Kinder im Wald zu lassen. Wer w√ľrde schon einen Siebener und eine Elfe vermissen! Kein Schwanz, schon gar nicht ein Achter oder Neuner!
Und so brachen die Zweier eines unseligen Morgens mit ihren Kindern, dem mageren Siebener und der klapperd√ľrren Elfe, tief vom Rande des W√§ldchens auf, um in das lichte Zentrum vorzusto√üen.
Manche munkeln, sie h√§tten diesen Gang dreimal getan, bis sie ihr Ziel ereichten: Das ist ein M√§rchen. Was dagegen stimmt: sie beschmierten sich viermal mit Hartz und ‚Äď sie erreichten ihr Ziel nicht.
Es stimmt desgleichen nicht, da√ü der Siebener mit irgendwelchen Kieseln und Brotkr√ľmeln geworfen habe, um den Weg zu markieren. Die Wege waren markiert, man konnte sie gar nicht verlassen.
Was stimmt: sie trafen auf der Lichtung auf eine wahrlich m√§rchenhafte H√ľtte im Zuckerb√§ckerstil, mit viel Verzierung, Schn√∂rkelei, Geschmacklosigkeit und so: weniger H√ľtte als fast schon Palast.
Er war von einem der hofschranzigen Achter mit einer selbst erteilten Baugenehmigung mitten auf die Lichtung des kleinen W√§ldchens geklunscht worden. Von einem jener Achter, die sich f√ľr sehr hochzahlig halten und deswegen am T√ľrnummernschild gern eine

Dreihundertdreiunddreißig,
Vierhundertvierundvierzig oder auch
Sechshundertsechsundsechzig befestigen,

und das, obwohl sie in keinerlei ganzzahligem Verhältnis zu solcherart Symmetrien stehen!

Die Zweier klingelten und rannten davon. Der Siebener und die Elfe blieben verdattert stehen. Die T√ľr ging auf und einer von diesen gleichgeschalteten, eindimensionalen Achtern streckte seinen runden Kopf hervor: einer Null zum Verwechseln √§hnlich.
Der Siebener sah sie sofort: die leuchtenden Augen des Achters. Verdammt, dachte er, er knabbert sie noch an. Oder frißt sie auf... (Manchmal hört man, der Achter habe den Siebener und die Elfe knabbern lassen und dann in Gewahrsam genommen. Stimmt nicht: Keiner knabberte irgendwo rum, wohl aber leuchteten des Achters Augen gierachtig beim Anblick der Elfe.)
Der Siebener erkl√§rte, um die peinliche Situation zu √ľberspringen, die peinliche Lage. Er sagte also, es g√§be Schwierigkeiten zu Hause, die Zweier-Eltern seien in Not, sie desgleichen, er leide schon an tendenzi√∂ser Kreuzigung, die Elfe am R√∂misch-Zwei Syndrom. Ob der Achter nicht was tun k√∂nne. Sollte hei√üen: ob er auf seiner sch√∂nen Lichtung, um die sein Gartenzaun zu gro√üen Teilen herumreichte, nicht ein bi√üchen Arbeit habe.
Der Achter sch√ľttelte den Kopf. An kr√§ftigen Arbeitern f√ľr seinen Garten sei kein Mangel. Es g√§be neuerdings genug billig-willige Verf√ľgungsmasse, ein Heller das St√ľck. Sie k√§men zu Tausenden!
Darauf schlug der arrogante Achter die T√ľr zu. (Es wird immer wieder was von Gefangennahme, Geiselhaft, K√§fig, Verbrennung usw. kolportiert: auch das entsprach nicht damaligen Gepflogenheiten, denn es ist ja erst in unserer Zeit Mode geworden. In Wirklichkeit gingen der Siebener und die Elfe nach Hause. Allerdings entwendeten sie das Nummernschild des Achters und malten stattdessen zwei Nullen auf die T√ľr. Das auch jeder sehen k√∂nne, hier stehe ein Schei√ühaus.)

Zu Hause warteten die Zweier auf ihre Kinderchen. Als diese ohne einen Heller und Aussicht auf Anstellung f√ľr einen solchen zur√ľckkamen, reifte in ihnen ein Entschluss. Sie w√ľrden sich selber helfen!
Eine alte Idee schoss ihnen wieder in den Kopf, Synergieeffekte von Resten zu nutzen. Sie gossen allerlei Abgestandenes aus ihrem Apothekenschr√§nkchen und der Hausbar ineinander, r√ľhrten kr√§ftig um, gaben noch ein paar Waldkr√§uter dazu, kochten und pressten den Sud und zogen ihn auf h√ľbsche Flakons. Um diese in der Stadt verkaufen zu k√∂nnen, gr√ľndeten sie eine Firma . Die nannten sie zun√§chst 22711. Im Zuge einer sp√§teren Erleuchtung wurde dieser genial-nichtssagende Name vereinfacht, seitdem wird das Produkt unter der Bezeichnung 4711 vertrieben. (Wer nicht gleich drauf kommt: 2+2 =4, in der Regel.)
Freilich: ein Achter oder Neuner, noch dazu einer mit einer gro√üen, runden Zahl am Nummernschild, h√§lt Abstand zu einem solchen Produkt. (Besser ausgedr√ľckt: er achtet auf Abstand zum Volk. Denn da wittert er nur Gestank.)

Und so endet das Märchen: Die Zweier kamen ein bißchen aus der Not heraus, der Siebener und die Elfe wurden doch noch was, und wenn sie nicht verdorben sind, so kann es ihnen heute noch passieren.



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Heidrun D.
Guest
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Tja, lieber Anonymus,
ein Märchen aus vergangenen Tagen ...
Rein rechnerisch ist an deinem Text rein gar nicht zu bem√§keln (falls ich das √ľberhaupt beurteilen kann ), inzwischen empfiehlt sich aber den Ehrgeizigen eine ganz andere Vorgehensweise.
Die schnöden und gemeinen Pöbelzweien werden von den Beschenkten meist brutal gelöscht, oft sogar die 3en, nebst Beipackzetteln! Die 5 hingegen verspricht dem Connaisseur längeren Verbleib und Freude an der Peinigung. -
Elfen sind in W√§ldern und Auen schon gar nicht beliebt. Gerade diese Schmalh√ľftigen werden zuweilen mit 2ern geahndet, um sie auf den breiten (!) Pfad der Tugend zur√ľckzuf√ľhren. Diese Dickmamsellen sind allerdings unl√∂slich in den Annalen der aufstrebenden Zahlenhungrigen verzeichnet.
Insofern also eine Art Ehrenpreis.
Alle anderen Zahlen hast du jedoch in ihrer ganzen Sch√∂nheit und Effizienz gew√ľrdigt, Anonymus. Deshalb m√∂chte ich dir meine Anerkennung nicht versagen.
Ganz besonders härrlisch:

quote:
Das ist ein M√§rchen. Was dagegen stimmt: sie beschmierten sich viermal mit Hartz und ‚Äď sie erreichten ihr Ziel nicht.



Heidrun

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