Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂĽssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5563
Themen:   95501
Momentan online:
506 Gäste und 11 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Feste Formen
Sieh, das Gute liegt so nah (Glosse)
Eingestellt am 19. 09. 2018 01:46


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Tula
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2016

Werke: 147
Kommentare: 1649
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Tula eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Lerne nur das GlĂĽck ergreifen,
denn das GlĂĽck ist immer da.

(Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832)

Als ich einst, noch jung an Jahren,
fröhlich durch das Leben irrte,
als mich schlank, mit vollen Haaren,
jeder Kirschenduft verwirrte,
als die Träume Träume waren ...
Da geschah's, an einem Abend
fand ich dich am Uferstreifen.
Dich an meinem Frohsinn labend
fragtest du, in Unschuld grabend:
Willst du immer weiter schweifen?

Ja, natĂĽr... Hach nein, ich denke,
dass ich mir bei deinen Augen
meine Flausen lieber schenke.

So versank, um ihr zu taugen,
meine Einfalt in der Senke.
Und ich starrte in die Weite,
wo ich sonst nur Weite sah.
Eine Stimme prophezeite:
Schau' nur auf die Vorderseite!
Sieh, das Gute liegt so nah.


So ging's nicht auf weite Reise,
sondern in den Ehehafen.
Ruh' nun fest vertäut und leise
wie ein Hirte bei den Schafen.
Immerhin bin ich jetzt weise.
Ich begreif', es sind, weil nämlich
süße Trauben höher reifen,
saure dennoch unbequemlich.
Und die Stimme meint noch dämlich:
Lerne nur das GlĂĽck ergreifen.

Ackern, rackern, Dinge lieben,
Tage, die mit Sorgen enden.
Die, die Junggesellen blieben,
schreiben mir von fernen Stränden.
Trost kommt nur beim Humpen-Schieben.
Schweigend stiere ich ins Bier
und ein letzter Schaum haucht: Ja!
'Ehebund' heiĂźt mein Revier:
Ich bin immer für dich – hier!
denn das Glück ist immer – da ...

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

Werke: 2311
Kommentare: 11409
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Bernd eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Heute neigt man oft zu KĂĽrze,
in der Kürze läge Würze,
statt in Breite auszuschweifen.
Die Gedanken können reifen,
wenn man nicht Ruhe raubt,
wenn man ihnen Zeit erlaubt.

Natürlich ist es möglich, alles zu verkürzen und zu verschlanken. Dabei wird es einander ähnlicher, denn man hat keine Zeit mehr.
Man sollte der zeit wieder mehr Raum lassen.
Im vorliegenden Gedicht sehe ich die Wirkung der Glosse, die auch darauf beruht, dass es eine ältere Form ist.

Sie erlaubt, sich dem Klang zu widmen, den Zeilen nachzulauschen.
Ich habe die Glosse auf die Empfehlungsliste gesetzt.


__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

Bearbeiten/Löschen    


11 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂĽr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂĽck zu:  Feste Formen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung