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Leselupe.de > Horror und Psycho
Sieh hin
Eingestellt am 02. 02. 2005 09:43


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Nina K
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2004

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Als das Licht langsam schwand und die Schatten sich reckten, ergriff er endlich wieder den Spaten. Stundenlang hatte er einfach nur stillschweigend auf das Feld gestarrt. Nun ist die Zeit gekommen, zu graben. Harsch treibt er mit dem Fuss die metallene Spitze in die leicht gefrorene Erde. Wie tief wĂŒrde er graben mĂŒssen?

Sie wartet nur, wie immer seit jener Nacht, wĂ€hrend die innere Angst langsam hoch kocht "Bleib ruhig" denkt sie wieder und wieder und greift nach der Flasche. Noch wĂ€hrend sie trinkt, wĂŒrgt der Magen sich wehrend, doch lĂ€sst sie nicht ab. "Still sein, nicht fortlaufen" hĂ€mmert es in ihrem Kopf und wenn der Alkohol dabei zu helfen vermöchte, wĂ€re es gut.

Spatenstich um Spatenstich wĂŒhlt er sich tiefer. Trotz der eisigen Luft tropft sein Schweiss. Falls die Stelle nicht stimmt, wird er morgen wiederkommen - das weiss er. "Doch, hier unten muss es liegen". Nach einer Stunde schwingt er sich endlich aus dem nun schon beachtlichen Loch und macht eine Pause. Das mitgebrachte Wasser rinnt kĂŒhlend an den LungenflĂŒgeln vorĂŒber, die sich schwer atmend heben und senken.

Still sitzt sie auf dem Sofa und wartet. Langsam beginnt der Alkohol die Gedanken zu vernebeln und die Angst versinkt in der Trauer. "So lĂ€sst sich leichter die Wahrheit leben", denkt sie und trinkt. Ein Schluchzen steigt hoch und verebbt dann im nĂ€chsten Schluck. Vergessen was war und nicht wissen, was kommt wĂŒnscht sie sich.

Ein Blick ĂŒber das Feld zeigt die Dunkelheit, die ihn umgibt. Kein Stern erleuchtet den Schnee verhangenen Himmel. "So, es muss sein", spricht er sich Mut zu und springt wieder hinunter in die Grube. Dann knirscht der Spaten, Erde fliegt auf, Stich um Stich. Endlich poltert es laut. Er kratzt nun die Erde beiseite, wird hektisch und kann kaum seine TrĂ€nen noch halten.

Der Weg ins Badezimmer scheint sie auf eine gekrĂŒmmten Linie zu ziehen. Mit den HĂ€nden tastet sie sich an den tĂŒckisch zurĂŒckweichenden WĂ€nden entlang. "Nicht fallen", flĂŒstert sie wieder und wieder. Dann ist sie da und der Wasserhahn spritzt, ohne die erhoffte Linderung geben zu können. "Nur diese Nacht noch", verspricht sie sich leise.

Der Holzdeckel wird sichtbar, doch ist er noch fest umschlossen von Lehm und Steinen. MĂŒhsam scharrt er die Seiten frei, wĂ€hrend der Schweiss eisig ĂŒber seinem RĂŒcken rinnt. "Noch eine Pause", denkt er und schwingt sich auf den Rand. Langsam setzt Schneefall ein und bedeckt die schwarzen Erdhaufen, die ĂŒberall um ihn herum verteilt liegen.

Durch die NĂ€sse werden ihre Gedanken wieder klarer und das kann sie nicht ertragen. ZurĂŒck zur Flasche schleppt sie sich leise wimmernd durch den Flur. "Bald wird er kommen", geht ihr kurz durch den Kopf. Dann benebelt der nĂ€chste Schluck auch diesen Gedanken wieder. Als sie auf das Sofa zurĂŒck sinkt, scheinen die Kissen ihr wattegleich.

Plötzlich durchfĂ€hrt ihn die Furcht. Um sie zu bekĂ€mpfen, nimmt er seine Arbeit wieder auf. Hier an der Seite noch zwei Spatenstiche. Endlich gelingt es ihm, die kleine Kiste ein wenig zu lockern. Das mitgebrachte Seil schlingt er nun um die RĂ€nder, klettert aus dem Erdloch und beginnt heftig zu ziehen. Ein knirschendes GerĂ€usch, als die Kiste hinaus gleitet und das Poltern herabfallender Erdklumpen ĂŒbertönen sein Keuchen.

"Wie lange noch", fragt sie sich leise. Der Alkohol kann ihre Gedanken nicht mehr halten. Zitternd reibt sie sich mit den HĂ€nden die Augen. SpĂ€ter werden sie ihr Fragen stellen, dann muss sie wieder klarer sein, weiss sie. Was sie antworten könnte, weiss sie noch nicht. Kurz spĂŒrt sie ein WĂŒrgen im Hals, aus Angst oder ob ihrer Trunkenheit. Dann schliesst sie wieder die Augen.

Jetzt geht alles sehr schnell. Mit dem Stemmeisen fĂ€hrt er unter den Deckelrand. Kreischend lösen sich NĂ€gel aus dem Holz. Modergeruch macht sich breit, als der Spalt breiter wird. Mit einem letzten Knacken fĂ€llt der Deckel beiseite. Liebevoll greift er das kleine, stinkende BĂŒndel und hebt es heraus. Dann macht er sich auf den RĂŒckweg zu ihr. Traurigkeit schnĂŒrt ihm den Hals ab und die Wut treibt ihn weiter.

Bilder aus jener Nacht steigen in ihr auf. Auch damals hatte sie getrunken und vernebelt sind die Erinnerungen. Nur das Schreien des Kindes hĂ€mmert in ihren SchlĂ€fen. Plötzlich brĂŒllt dann auch sie auf. Mit Wucht schleudert sie die Flasche vom Tisch, dann bricht sie weinend zusammen.

Als er die TĂŒr aufstösst, hört er ihr Schluchzen. Hass vertreibt die TrĂ€nen aus seinen Augen. "Mörderin", stösst er hervor. "Sieh es Dir an!" Er reisst ihren Kopf an den Haaren hoch. Erst viel spĂ€ter wird er die Polizei rufen.

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Monfou Nouveau
???
Registriert: Aug 2003

Werke: 2
Kommentare: 497
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Hallo Nina K!

Deine Geschichte besteht aus bildhaft-krassen Elementen. Die frostige Nacht, das Graben, die Kinderleiche („Liebevoll greift er das kleine, stinkende BĂŒndel“) – das Ganze ist fĂŒr mich eher eine Szene eines Genres wie Horror. Sollten wir den Text nicht dorthin verschieben?
Nachfolgend ein paar sprachliche Hinweise:

Spatenstich um Spatenstich wĂŒhlt er sich tiefer.

„WĂŒhlen“ ist eine ganz andere Art des Grabens als das Graben mit einem Spaten. WĂŒhlen tut man zum Beispiel mit den HĂ€nden (WĂŒhltisch) und vor allem bezeichnet WĂŒhlen etwas richtungsloses, wĂ€hrend hier etwas mit dem Spaten tiefenmĂ€ĂŸig ausgehoben wird.

Harsch treibt er mit dem Fuss die metallene Spitze in die leicht gefrorene Erde.

Ein Spaten hat keine Spitze (wie etwa eine Hacke oder ein Dolch), sondern ein „Spatenblatt“. Außerdem ist das Wort „metallen“ m.E. ĂŒberflĂŒssig, oder gibt es SpatenblĂ€tter, die nicht aus Metall sind? Und selbst wenn, wĂŒrde das eine Rolle spielen?

„Als das Licht langsam schwand und die Schatten sich reckten, ergriff er endlich wieder den Spaten.“

Hier habe ich etwas Probleme mit der Wendung „Schatten sich reckten“. Wenn du meinst, dass mit der DĂ€mmerung die Schatten lĂ€nger werden, so klingt „recken“ doch etwas zu schnell. Die Schatten werden ja nur allmĂ€hlich lĂ€nger.
Hauptproblem des Satzes ist, dass hier eine zeitliche Disproportion vorliegt. Das „Ergreifen“ des Spatens ist ja nur ein Moment, eine Sekunde, wĂ€hrend das Schwinden des Lichts und das LĂ€ngerwerden der Schatten eine viel lĂ€ngere Dauer ist. Daher kannst du hier nicht mit „als“ anbinden. Oder du musst das Lichtschwinden als etwas eben Vergangenes darstellen. Zum Beispiel so: „Das Licht war fast geschwunden (verschwunden) und die Schatten lĂ€nger geworden, als er endlich wieder den Spaten griff.“

So mĂŒsstest du – wie an den Beispielen gezeigt - sprachlich in deinem Text genauer werden.

Ingesamt scheint mir die Szenerie getroffen. Mir persönlich ist allerdings fĂŒr eine „Kurzgeschichte“ die Dramatik bei dem eher geringen psychologischen Gehalt zu hoch. Es ist eine Art Alptraumszene, die du intensiv schilderst, ohne großen Handlungsbackground. Daher wĂ€re der Text m.E. unter Horror besser aufgehoben.

Beste GrĂŒĂŸe

Monfou

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AdamSmith
Festzeitungsschreiber
Registriert: Dec 2004

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Hallo Nina K,
deine Geschichte ist sehr gruselig und die Stimmung ist schön getroffen.
Aber irgendwie ist das Ende nicht wirklich ĂŒberraschend und ich verstehe nicht warum er die Polizei ruft. Was ist passiert? Hat die Frau das Kind vor ein paar Tagen umgebracht es dann verscharrt und ihr Mann grĂ€bt es jetzt ein paar Tage spĂ€ter wieder aus? Da sehe ich ein paar Logik-Fehler.
Wieso lĂ€sst er sich ein paar Tage Zeit? Woher weiß er, dass das Kind tot ist? Warum wartet er damit die Polizei zu rufen, wenn er weiß, dass Kind tot ist und grĂ€bt es erst selber aus? Warum lĂ€sst er seine Frau (die er jetzt eigentlich hasst) alleine in der Wohnung und geht das Kind ausgraben? Woher weiß er wo er graben muss?

Außerdem gibt es einige Formulierungen ĂŒber die ich beim Lesen gestolpert bin:

quote:
Das mitgebrachte Wasser rinnt kĂŒhlend an den LungenflĂŒgeln vorĂŒber, die sich schwer atmend heben und senken.
(Wieso so ein medizinisches Wort, wie "LungenflĂŒgel" und wieso heben und senken sich diese?)

quote:
das kleine, stinkende BĂŒndel
(das BĂŒndel wĂŒrde ich nicht als "stinkend" bezeichenen, auch wenn es wohl stimmt).

Da von abgesehen finde ich, dass du sehr bildhaft schreibst - ich kann mir die ganze Szenerie auf jeden Fall gut vorstellen. Alles in allem ein guter Versuch.

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Nina K
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2004

Werke: 22
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Hallo Monfou,

die Geschichte kannst Du selbstverstÀndlich gerne verschieben. Ich persönlich war mir unsicher, ob die geschilderte Szenerie drastisch genug wÀre, um sie dort zu veröffentlichen.

Manche Deiner Anregungen sind interessant und bedenkenswert. So werde ich die Geschichte noch einmal ĂŒberarbeiten, um einige der Unstimmigkeiten auszubauen. Über manches muss ich nachdenken. So hĂ€nge ich beispielsweise an den sich reckenden Schatten, halte aber Deine ErlĂ€uterungen fĂŒr schlĂŒssig... Es wird sich sicherlich eine Lösung finden lassen.

@Adam Smith: Deine Fragen lassen sich nicht klar anhand des Textes beantworten. Hier ist wohl Phantasie gefragt.^^

Er wird wohl nicht da gewesen sein, als es geschah - eine GeschĂ€ftsreise, eine Montagearbeit oder Ă€hnliches sind denkbar, warum er die Frau alleine liess. Was passierte, wo sie das Kind verscharrte, wird sie ihm wohl gesagt haben mĂŒssen. Warum aber nun grĂ€bt er? Um das Unfassbare als Tatsache annehmen zu können? Weil er nicht glauben kann, ohne es selbst gesehen zu haben? Oder will er dem Kind das ausbuddeln durch Polizeibeamte ersparen? Um sie mit dem Anblick zu konfrontieren sicherlich.

Die LungenflĂŒgel heben und senken sich ob der Anstrengung - die Erde ist halb gefroren, die Grabarbeit schwer und die psychische Anspannung extrem. Medizinisch ist das Wort fĂŒr mich eigentlich kaum belegt, sondern doch eher ein Alltagsausdruck.

Das BĂŒndel stinkt sicherlich - der Gegensatz zu der liebevollen Aufnahme desselben durch den Vater sollte unterstrichen werden. Aber ich werde auch diese Wortwahl bedenken.

Ich danke Euch beiden fĂŒr die Anregungen und hoffe, mit einer Überarbeitung des Textes daraus zu lernen.

Lieben Gruß
Nina

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