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Leselupe.de > Gereimtes
Silvesterabend
Eingestellt am 31. 01. 2002 20:40


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Murmel
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2002

Werke: 5
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Es schneit. Kleine weiße Flocken drĂ€ngen hastig dem Erdboden zu. Der Abend hĂ€ngt schwer atmend am Himmel, dumpf der StraßenlĂ€rm, der einer keuchenden Lawine gleich sich nĂ€hert und wieder entfernt. Das Licht scheint schwefelgelb, fast unwirklich, nur ganz allmĂ€hlich macht die allgemeine Unruhe einer fast heiteren Besinnlichkeit Platz...

Die Stille sitzt erhobenen Hauptes im Lehnstuhl des greisen Dezembers und spielt versonnen mit seinem Zepter, das dieser an das offene Fenster gelehnt hat. Die Zeit scheint stillzustehen, nur irgendwo von fern bringt ihr das Pendel einer Uhr StĂŒck um StĂŒck die Unendlichkeit nĂ€her.

Im Kamin versinkt knisternd das Jahr. Von seinen Monaten ist nichts ĂŒbrig außer staubigen Erinnerungen an vertane Zeit und verpasste Gelegenheiten, wozu, hat man lĂ€ngst vergessen, was war da noch, ein leichter Hauch von irgendwoher bringt die GĂ€nsehaut im Nacken

jetzt eine Jacke

selbst die Stille fröstelt, als sie dem alternden Dezember ĂŒber die Schwelle hilft. Noch hat er zuweilen das jungenhafte Flackern in den Augen wie die Kinder beim ersten Schnee... doch sein RĂŒcken ist gebeugt, selbst fĂŒr ihn sind so viele Tage kein Pappenstiel. Jeder von ihnen eine weiße StrĂ€hne in seinem wallenden Haar. Schon spĂŒrt er in den mĂŒden Gliedern das nahe Vergehen und die Sehnsucht nach immerwĂ€hrender Ruhe.

Arm in Arm mit der Stille bewegt er sich nun langsam am Kamin vorbei, dann gleitet er vorsichtig in seinen Lehnstuhl. Sein Zepter beschreibt mit ausholender Geste einen großen Bogen im Raum, als wolle es abrunden, vollenden. Leise schliesst sich nun das Fenster, und die Eisblumen zaubern malerisch die Endlichkeit auf die glĂ€sernen Scheiben eines großen Tagwerks.
Es ist volbracht.

(Dezember 1997)
__________________
Murmel

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Hi Murmel,

war ja doch neugierig auf einen Text von Dir. Diese Winterimpression gefÀllt mir sehr, weil Du den abstrakten Begriffen wie Stille und Winter, Leben eingehaucht hast. Du hast sie personifiziert und so lÀsst sich die Sache sehr schön nachvollziehen.
Da stecken reichlich GefĂŒhle in dem Werk!

Schöne GrĂŒĂŸe
Volkmar

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Murmel
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2002

Werke: 5
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Hallo Volkmar,
ich danke dir vielmals fĂŒr die ERSTE Meinung zu meinem ERSTEN öffentlichen Text. Das macht Mut, denn obwohl schon fast 5 Jahre alt finde ich ihn auch ganz gelungen. Eine Feuertaufe sozusagen, einiges hab ich noch inpetto- vielleicht versuchst duÂŽs mal mit einer Kurzgeschichte...?
Im Übrigen fand ich deine Kritik zu Breimanns "fremden Land" punktgenau. Mir fallen da Namen wie Aitmatow oder Jewtuschenko ein...Ich hab es ĂŒbrigens auch nicht zuende gelesen, aber die Sprache und Stimmung ist einfach unglaublich.
danke nochmal
__________________
Murmel

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Ja stimmt,

der gute Eduard schreibt ganz schön profimĂ€ĂŸig. Da lĂ€sst sich noch was lernen bei ihm. Na ja, ich ĂŒbe mich zunĂ€chst in kurzen Werken.
Ich werde auch bald noch in die Kurzgeschichte zu Dir gehen. Aber heute schaffe ich das nimmer.

Schöne GrĂŒĂŸe
Volkmar

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Willi Corsten
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Apr 2001

Werke: 87
Kommentare: 1122
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Hallo Murmel,
die Geschichte gefÀllt mir ausgezeichnet. Du hast mit treffenden Formulierungen wunderschöne Bilder gezeichnet und die Stimmung sehr gut eingefangen.
Kompliment!
Liebe GrĂŒĂŸe
Willi

PS. Ich war zuerst ein wenig verĂ€rgert wegen deiner kontrĂ€ren Meinung in Volkmars „Das zauberhafte MĂ€dchen“. Du kennst ja nur die Endfassung, die jetzt natĂŒrlich voll in Ordnung ist, weil wir gemeinsam die fraglichen Punkte verbessert haben. Meine (konstruktive) Kritik an der Urfassung war damals aber berechtigt.
Nichts fĂŒr ungut, wir kommen bestimmt prima miteinander aus. Aber das hatte mich doch getroffen, weil ich gerade in diesen Text so viel Arbeit gesteckt hatte.

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Ja, da hat der Willi ganz recht.

Ich hatte das vergessen zu sagen. Aber Du wirst das ja auch bald merken wie das in unserer netten Clique lĂ€uft. Der Urtext ist ja meist nicht mehr sichtbar. ZurĂŒck bleibt ein ĂŒberarbeitetes Werk. Doch neue Leser denken natĂŒrlich, die Kritiken wĂŒrden sich auf den aktuellen Text beziehen. Aber das alles kannst Du ja nicht wissen.
Gerade wegen dieser guten Zusammenarbeit, kommen recht ansehnliche Texte zustande.

Lieber Willi, sei nicht so bescheiden. Nicht nur im besagten Text hast Du fleißig geholfen. Warst doch immer hilfreich zur Seite.

Schönen Sonntag
Volkmar

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Murmel
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2002

Werke: 5
Kommentare: 14
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Lieber Willi,
das ist sicher das letzte was ich vorhatte, jemanden zu verÀrgern. Nochmal sorry...dass da noch mehrere Seiten an Meinungen zu lesen waren, hab ich auch zu spÀt gemerkt...
werde mich aber bessern
danke nochmal an Volkmar fĂŒr die Beihilfe...
__________________
Murmel

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