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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Sinfonie der Sinne
Eingestellt am 17. 09. 2003 21:11


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DarkskiesOne
???
Registriert: Aug 2003

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Sinfonie der Sinne

Seit du mich unterrichtest, ist nichts mehr, wie es fr├╝her gewesen ist. Irgend etwas hat sich unbemerkt in meine Tr├Ąume geschlichen, bereit, sich wie ein hauchd├╝nnes Netz darin auszubreiten und mich Nacht f├╝r Nacht gefangenzunehmen.
Auch heute erwache ich schon in der Morgend├Ąmmerung, die verblassende Spur eines Traumes als winziger Abdruck im weichen Sand meines Bewusstseins. Sie l├Ąsst sich nicht mehr greifen, die Erinnerung an diesen Traum, gleitet mit jedem Atemzug weiter und weiter ins Bodenlose, doch das Gef├╝hl, das sie hinterl├Ąsst, erf├╝llt meinen K├Ârper mit einer seltsamen Unruhe, die mich lange nicht loslassen will. Ich bin mir sicher, dass es nicht immer derselbe Traum ist, aus dem ich erwache. Ich kann es sp├╝ren. Manchmal weckt mich das heisere Keuchen meines eigenen Atems, begleitet vom rhythmischen Trommelschlag meines Herzens. Ein anderes Mal f├╝hle ich mich fast zum Zerreissen gespannt, wie die hauchd├╝nne Sehne auf dem schlanken, h├Âlzernen Bogen eines Kriegers, jede Sekunde bereit, den t├Âdlichen Pfeil seinem Ziel entgegenzuschicken. Wachsam. Durstig. Und voller Ungeduld. Die wenigen Male des Erwachens, in denen ich meinen K├Ârper schwer auf der Matratze sp├╝re, seltsam ersch├Âpft und von einer wohligen Sattheit erf├╝llt, sind besonders kostbar. Ich weiss, dass das alles mit dir zu tun hat. Jeden Tag verbringe ich in einer Mischung aus begl├╝ckender Vorfreude und schleichender Angst. Angst, du k├Ânntest einfach nicht auftauchen, krank geworden sein, mich im Stich lassen. Allein mit meiner unerf├╝llten Sehnsucht und einer unendlich scheinenden Reihe von Tagen bis zum n├Ąchsten Mal.
Heute.
Als es an der T├╝r klingelt, macht mein Herz einen gewaltigen Sprung. F├╝r eine ganze Stunde wirst du mir geh├Âren. „Hey“, sagst du und „Hey“ murmele ich hastig zur├╝ck. Ich muss mich zwingen, dir ins Gesicht zu sehen, obwohl ich bereits f├╝hlen kann, dass sich meine Wangen wie im Fieber zu r├Âten beginnen. Fl├╝chtig l├Ąchle ich dich an, kann dir nicht in die Augen sehen dabei und verfluche meinen K├Ârper f├╝r seinen offenkundigen Verrat, w├Ąhrend ich schnell den Blick wieder abwende. Dann stehen wir sekundenlang bewegungslos einander gegen├╝ber, bis du dich schliesslich dicht an mir vorbeischiebst und vor mir die Treppe zu meinem Zimmer heraufzusteigen beginnst. Wie jedes Mal sp├╝re ich das bereits vertraute innere Dr├Ąngen, meinen Blick wandern zu lassen. Verstohlen schleichen meine Augen deine Schultern hinab, entlang deiner Oberarme, der geschwungenen Beuge deiner Ellbogen folgend, um schliesslich genussvoll auf dem Teil deines K├Ârpers zu verharren, der mich schon von Anfang an in seinen magischen Bann gezogen hat.
Ich bin verr├╝ckt nach deinen H├Ąnden.
H├Ąnde, die, in meinem Zimmer angekommen, l├Ąssig deine Jacke zu Boden fallen lassen um dann nach dem schwarzen Koffer zu greifen, den sie zuvor vorsichtig an die Wand gelehnt haben. Behutsam ├Âffnest du die silbernen Verschl├╝sse , die mit einem satten Klacken nachgeben und hebst sie sanft aus ihrem Bett aus rotem Samt, in dem sie die ganze Zeit nur auf dich gewartet hat, gewartet, genau, wie ich es Woche f├╝r Woche tue. Sie ist eine wirkliche Sch├Ânheit. Schlank und anmutig, aus dunklem gemasertem Holz, mit sanft geschwungenen Rundungen, schwarz und gl├Ąnzend. Deine H├Ąnde umfassen ihren K├Ârper, wie sie es schon unz├Ąhlige Male getan haben und doch ist jede eurer Begegnungen eine neue, einzigartige Erfahrung. Und dann beginnst du zu spielen. Spielst virtuos dein Instrument, mit einer so tiefen Hingabe, dass es mir die Kehle zuschn├╝rt. Ich beobachte dich. Die Augen hast du geschlossen. Du brauchst sie nicht f├╝r das, was du tust, deine Finger finden den Weg ganz von selbst. Ohne Z├Âgern wandern sie ├╝ber die Saiten, gleiten langsam das Griffbrett auf und ab, streichen zart ├╝ber das Metall, necken und zupfen, bis sie unter deinen Fingern verhalten zu zittern beginnt.Vibrierend erwacht Saite f├╝r Saite zum Leben, f├╝gt sich deiner fordernden Ber├╝hrung mit leisen, metallenen Seufzern, die sich ganz allm├Ąhlich zu einer sehns├╝chtigen Melodie vereinen. Schlanke H├Ąnde, auf deren Handr├╝cken ein zarter goldener Flaum das Sonnenlicht einf├Ąngt.




Die Sch├Ânheit dieser H├Ąnde l├Ąsst mir jedes Mal aufs Neue den Atem stocken. Schmale, feingliedrige Finger. Die N├Ągel kurz und schmerzlos. Faszinierende H├Ąnde, die es verstehen, neben der sanften Melodie auf dem Instrument unaussprechliche W├╝nsche in meinem Innern zu erschaffen, mich voller Leidenschaft zu ber├╝hren, ohne mich je angefasst zu haben. Eine Sehnsucht anzutasten, die so tief in mir verborgen schlummert, dass nur der lockende Klang des Instruments sie zu wecken vermag. Gespannt, wie die Saiten deiner Gitarre, lausche ich deinem Spiel und m├Âchte Teil der Melodie werden, eine Saite unter deinen Fingern, ein vibrierender Laut, geschaffen durch deine Ber├╝hrung. Ich sp├╝re, wie die Hitze sich langsam in meinem K├Ârper ausbreitet, zuerst ein sanftes Gl├╝hen zwischen meinen Beinen. Dann winzige Funken, die heller und heller auflodern, bis sie schliesslich ein knisterndes Feuer entfachen, das mich zu verschlingen droht. Ich versuche, das Zittern meines K├Ârpers zu unterdr├╝cken und bin dankbar daf├╝r, dass du die Augen noch immer geschlossen hast. Ich bem├╝he mich, ruhig und gleichm├Ąssig weiterzuatmen, w├Ąhrend meine Lungen sich danach sehnen, gierig die Luft einzusaugen, um das Feuer in mir zu k├╝hlen, oder vielleicht, um es weiter anzufachen, damit es endlich zu seiner vollen Kraft gelangen kann. Die Zeit scheint stillzustehen. Dann, vollkommen unerwartet, ├Âffnest du die Augen und schaust mich an. L├Ąchelst. F├Ąhrst fort, der Gitarre mit herausfordernder Z├Ąrtlichkeit ihre bet├Ârende Melodie zu entlocken und beobachtest mich dabei unverwandt. „Er weiss es“, schiesst mir der pl├Âtzliche verst├Ârende Gedanke durch den Kopf. Heiss steigt das Blut in meine Wangen. Ich sp├╝re, dass mir die Tr├Ąnen kommen, so nackt und verletzlich f├╝hle ich mich in diesem Augenblick. Aber ich kann es jetzt nicht mehr aufhalten. Zu sp├Ąt. Die Woge, die ├╝ber mich hinwegsp├╝lt ist klar und gewaltig. Ich schliesse die Augen und ringe nach Luft, um nicht in ihr ertrinken zu m├╝ssen. Dann reisst sie mich mit sich an einen Ort, an dem Angst und Scham nicht mehr existieren. Als ich wieder auftauche, ist das Feuer erloschen. Was bleibt, ist die warme Feuchtigkeit zwischen meinen Schenkeln und die salzigen Tr├Ąnen auf meinem immer noch erhitzten Gesicht. Ich wage nicht, die Augen zu ├Âffnen. Ich h├Âre, wie du langsam aufstehst und die Gitarre zur Seite stellst. In irgendeinem Winkel meines Verstandes registriere ich, dass du sie nicht wie sonst sanft in ihren Kasten zur├╝cklegst, sondern sie achtlos zu Boden gleiten l├Ąsst, wo sie mit einem dumpfen Laut auf dem Teppich aufschl├Ągt und verstummt. Dann bist du bei mir, ganz nah, ich kann die Hitze deines K├Ârpers sp├╝ren und erkenne darin mit ungl├Ąubigem Staunen das Spiegelbild meines eigenen Begehrens. Du beugst dich zu mir herunter, noch n├Ąher jetzt, und dann tust du, wonach ich mich sehne, seit ich dich das erste Mal gesehen habe. Ber├╝hrst mich endlich, l├Ąsst mich deine H├Ąnde sp├╝ren, warme Haut und kitzelnden Haarflaum. Es ist mein Gesicht, das du mit deinen H├Ąnden ber├╝hrst, aber mir scheint es, als k├Ânne ich dich, deine H├Ąnde, auf meinem ganzen K├Ârper f├╝hlen. Mit den Fingerspitzen streichst du zart ├╝ber meine tr├Ąnenfeuchten Wangen. „Du warst so sch├Ân“, fl├╝sterst du dann dicht an meinem Ohr. Ich w├╝nschte ich k├Ânnte dir antworten, aber ich finde noch keine Worte f├╝r das, was ich dir sagen m├Âchte. Ich schmecke salzige Tr├Ąnen auf deinem Zeigefinger, als meine Lippen ihn ganz behutsam umschliessen und sanft zu saugen beginnen. Der Laut, der aus deinem halbge├Âffneten Mund dringt, ist rauh und voller Sehnsucht. Pl├Âtzlich weiss ich genau, was du dir w├╝nschst, vielleicht schon seit dem ersten Mal, als du in meiner Gegenwart mit sanften Fingern deine Gitarre ber├╝hrt hast, als w├Ąre sie deine Geliebte. Nun ist es an mir, das Spiel fortzusetzen. Meinen K├Ârper dicht an deinem, kann ich deutlich sp├╝ren, wie begierig es dich zu erfahren dr├Ąngt, welche Melodie ich f├╝r dich komponieren werde. Vielleicht kann ich noch einmal zur├╝ckkehren, an diesen Ort, an dem ich eben noch gewesen bin. Vielleicht kann ich dich dorthin mitnehmen? Ich schliesse die Augen und ├╝berlasse es meinen H├Ąnden, den Weg zu finden.



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Die Liebe ist ein Tod, den ich nicht sterben kann.

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Minds Eye
Guest
Registriert: Not Yet

Da prickelt┬┤s und knistert es, dass man es f├Ârmlich sp├╝ren kann. Dazu noch so voller Poesie. Toll, die ├ťbertragung vom Instrument auf die Fantasien und Sehns├╝chte. Mich w├╝rde "seine" Sichtweise interessieren.
Gru├č,
ME.

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DarkskiesOne
???
Registriert: Aug 2003

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Hi ME,

danke!! :-)
Ein spannender Gedanke, seine Sichtweise. Ja, die w├╝rde mich wahrlich auch interessieren.
Vielleicht verr├Ąt er sie mir eines Tages?
lg
DO
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Amalaswintha
One-Hit-Wonder-Autor
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Hallo DarkskiesOne...!!

Eine wundersch├Âne Geschichte...so zart und voller Poesie und Liebe...sehr sch├Ân geschrieben...hat in mir beim Lesen eine Saite zum Klingen gebracht...!!:-))

Liebe Gr├╝├če
Amalaswintha

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Ich schreibe also bin ich

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DarkskiesOne
???
Registriert: Aug 2003

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Hallo Amalaswintha,

Danke dir f├╝r den sch├Ânen Kommentar! Es freut mich, dass dir die Melodie meines Gitarrenspielers gefallen hat ;-)
lg
DO

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Aceta
???
Registriert: Apr 2002

Werke: 122
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Gelungen -

- in jeder Hinsicht!
Poetische Sprache, weite Spannungsb├Âgen, die halten, was sie versprechen. Beinahe schade fand ich die beinahe nebenbei aufgegebene Geschlechtsneutralit├Ąt (Irgendwo steht da ein "er" - mache doch ein "du" daraus! - Obschon das Schw├Ąrmen f├╝r die H├Ąnde meine Ahnung letztlich best├Ątigte ...)
*l├Ąchel*

Aceta
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mit dem Herzen sehen ... (der kleine Prinz)

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DarkskiesOne
???
Registriert: Aug 2003

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Hi Aceta,

danke dir f├╝r dein Lob!!
Hilfe, da hat "er" sich heimt├╝ckisch in den Text eingeschlichen, ich hatte die Geschichte n├Ąmlich nochmal ge├Ąndert und muss "ihn" glatt ├╝bersehen haben. Werde sofort nachschauen, wo "er" sich versteckt hat, um ihn zum "du" zu machen! So geh├Ârt es!
Danke!
:-)
Lieben Gruss
DO
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