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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Sing weiter, mein Clown
Eingestellt am 27. 01. 2006 19:46


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lasnicho
Wird mal Schriftsteller
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Sing weiter, mein Clown

Tr├Ąnen liefen ├╝ber seine geschminkte Haut und lie├čen graue Spuren zur├╝ck. Sein Clownslachen war noch als Schminkspur zu sehen, sinnverloren betonte es noch den schmalen Strich seiner jetzt gepressten Lippen. Die Augen blickten ohne Ausdruck auf den Schreibtisch vor ihn. Er sa├č in dem kleinen Zimmer im halbdunklen Schein einer Nachtischlampe, zur├╝ckgelehnt mit ausgestreckten Beinen, den Kopf zu einer Schulter geneigt, ohne ├Ąu├čere Bewegung. Schritte auf dem Gang und Stimmen bezeugten den Schichtwechsel, bald w├╝rden die Nachtschwestern ihre Runde machen. Direkt auf der Unterlage lag sein Stundennachweis und die Worte 15-19, Kinderstation f├╝llten die Zeile aus, die er bis jetzt nicht abgezeichnet hatte.

"Machst du mir einen Tabaluga-Drachen?", fragte Kevin und strahlte ihn an, kicherte dabei ├╝ber den aufgeblasenen Einweghandschuh, der sich als Hahnenkamm zwischen den wilden Haaren des Clowns aufb├Ąumte. "Talabuga, Talabuga!", wiederholte der Clown fl├╝sternd und entlie├č eifrig aber umst├Ąndlich die Luft aus dem Handschuh. Nach steigender Atemnot und dramatischen Erstickungsszenen, w├Âlbte sich der Handschuh schlie├člich als kleiner Drache vor Kevin auf. Nach einigen in Drachensprache gezischten Lauten und dem Austausch der letzten Abenteuer, wurde Kevin m├╝de. Talabuga ans Gesicht geknautscht und den Daumen im Mund, schlief er ein. Der Clown dachte daran, dass auch Amelie einmal so sorglos eingeschlafen war.

Auf einem anderen Stockwerk wartete Amelie. "Clown", fl├╝sterte sie, ohne den Trotz, der gut zu ihren f├╝nf Jahren gepasst h├Ątte. "Clown", fl├╝sterte sie wieder, als er kam. Sie schloss die Augen und drehte ihm ihren Kopf zu. Der Clown stupste sie mit seiner roten Nase an, wie jedes Mal. Sie schaute auffordernd auf die Concertina und l├Ąchelte schwach. Und er sang. Seine Concertina quietschte dabei so fr├Âhlich wie immer, sie verlachte die Monotonie der Apparate auf der Station. Amelie l├Ąchelte. Ihr Vater nickte ihm von der T├╝r aus zu, als er seinen Singsang mit einem schnaufenden Akkord beendete. Jetzt w├╝rde er gehen und so wie der Vater hoffen, dass alles gut gehen w├╝rde. "Herr ...", sagte Amelies Vater mit belegter Stimme, "...Clown, ich m├Âchte mich bedanken f├╝r das Lied und alles ...", er kam nicht weiter, senkte pl├Âtzlich den Kopf und kniff die Augen zusammen, presste dabei mit Daumen und Zeigefinger seine Nasenwurzel. Er machte eine Bewegung, als wollte er sein Gesicht vom Krankenbett seiner Tochter abwenden. Der Clown trat auf ihn zu und verdeckte ihn, sodass sich das sch├╝ttere Haar des Mannes und die roten Hosentr├Ąger beinahe ber├╝hrten.

Nicht der Anblick, wie sie im Krankenbett zur OP gefahren wurde, l├Ąhmte ihn. Auch nicht der leere Blick, mit dem ihr Vater ihn sp├Ąter ohne die Clownsnase nicht mehr erkannte. Er wollte noch singen und konnte es nicht, suchte nach dem Lied und verlor die Musik.

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Jarolep
???
Registriert: Dec 2003

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Danke dir Lasnicho f├╝r diese sehr tiefe Schilderung der menschlicher Trauer, vor allem der der Eltern. Hat mir sehr gut gefallen.

An dieser Stelle w├╝rde ich vielleicht doch die Klammern setzen:

"Clown", fl├╝sterte sie, ohne den Trotz, der gut zu ihren f├╝nf Jahren gepasst h├Ątte. "Clown", fl├╝sterte sie wieder, als er kam. Sie schloss die Augen und drehte ihm ihren Kopf zu. Der Clown stupste sie mit seiner roten Nase an, wie jedes Mal.

Jaro

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lasnicho
Wird mal Schriftsteller
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Danke f├╝r die netten Worte. Ich finde interessant, dass du dich besonders auf die Trauer der Eltern beziehst. F├╝r mich ist der Klinik-Clown interessant in seiner widerspr├╝chlichen Aufgabe, Freude zu verbreiten im Angesicht von Krankheit, Leid und Tod.

Die Redezeichen habe ich ver├Ąndert, weil doch Einheitlichkeit wichtig scheint. Es war zwar schon Absicht, Amelie die Redezeichen zu nehmen, aber ich denke es irritiert einfach nur.

Gru├č

lasnicho

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herb
???
Registriert: Jul 2002

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Hallo lasnicho,

die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Ich hatte beim Lesen das Gef├╝hl, ich kenne sie irgendwoher. Hast du sie schon einmal im Internet ver├Âffentlicht?
Es ist auf jeden Fall eine gute Geschichte, von der ich mir mehr w├╝nschen w├╝rde.

lieben Gru├č

herb
__________________
hier Es gibt nichts Gutes, au├čer man tut es. K├Ąstner

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lasnicho
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Hallo herb,

sch├Ân, dass dir die Gecshichte gefallen hat. Sie ist tats├Ąchlich erst w├Ąhrend der letzten Woche entstanden, also noch nicht im Internet ver├Âffentlicht worden. Mehr davon gibt es bestimmt ...
Noch eine Anmerkung / Frage. Ist es vielleicht doch eher eine Kurzgeschichte? Zwar gibt es keinen strikt linearen Handlungsverlauf, aber dennoch (und das hast du ja geschrieben) ist es eine Geschichte. M├╝sste sie f├╝r eine Kurzgeschichte schlicht l├Ąnger sein? Fehlt noch Beschreibung, Handlung?

Liebe Gr├╝├če

lasnicho

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herb
???
Registriert: Jul 2002

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Noch eine Anmerkung / Frage. Ist es vielleicht doch eher eine Kurzgeschichte? Zwar gibt es keinen strikt linearen Handlungsverlauf, aber dennoch (und das hast du ja geschrieben) ist es eine Geschichte. M├╝sste sie f├╝r eine Kurzgeschichte schlicht l├Ąnger sein? Fehlt noch Beschreibung, Handlung?

f├╝r mich ist das eindeutig eine Kurzgeschichte, die man nicht ├╝ber die L├Ąnge definieren sollte.
Es gibt einen Handlungsstrang und sogar eine Pointe.

lg

herb


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