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Leselupe.de > Humor und Satire
Singe, wem Gesang gegeben
Eingestellt am 31. 01. 2006 19:22


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Raniero
Textablader
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Singe, wem Gesang gegeben

„Was hat sie da gerade gesungen?“ fragte Herbert.
Seine Frage galt Arthur, dem vorne neben ihm im Wagen sitzenden
Freund und Berufskollegen.

Arthur beeilte sich, die Frage Herberts zu beantworten; er wusste zu genau, dass dieser beim Autofahren schnell nervös wurde.
„Sie sang davon, dass die Autobahn wegen eines Unfalls und des darauffolgenden Staus ab der nĂ€chsten Abfahrt gesperrt sei und wir den mit U 40 gekennzeichneten Umleitungsschildern folgen mögen“.
Herbert seufzte.
„Gut, dass ich dich bei mir habe, Arthur, manchmal sind diese Durchsagen wirklich nicht zu verstehen“.
Das waren sie in der Tat, schwer zu verstehen, diese Verkehrsnachrichten und Durchsagen aus dem Radio, und es bedurfte dazu schon eines guten Gehörs, fast eines absoluten, wie man in der Musiksprache zu sagen pflegt. Zum GlĂŒck fĂŒr Herbert hatte Arthur ein solches Gehör.
Seit einigen Monaten nĂ€mlich hatten die zustĂ€ndigen Redakteure des Rundfunksenders, der in diesem Bereich zu empfangen war, eine Neuheit, sozusagen eine Weltneuheit, eingefĂŒhrt: Sie ließen die Verkehrsnachrichten nicht wie bisher ĂŒblich, von einer sonoren mĂ€nnlichen Stimme in akzentuierter Form sprechen, sondern von verschiedenen professionellen SĂ€ngern beiderlei Geschlechtes singen, wie in der Oper, bisweilen sogar in ChorstĂ€rke.
Man stĂŒtzte sich hierbei auf Versuche, die sich spezielle Straßenverkehrspsychologen ausgedacht hĂ€tten und die erfolgreich in den USA, wo sonst, verlaufen wĂ€ren.
Dabei hatte man festgestellt, dass der neue Modus der Ansage resp. des Ansingens der Verkehrsdurchsagen, welche ja in der Regel selten eine positive Botschaft fĂŒr den Autofahrer beinhalteten, einen beruhigenden Einfluss auf ihn in ausĂŒbten und ihm die Kraft verliehen, besser mit diesen unangenehmen Situationen fertig zu werden; sozusagen eine Art Deeskalation, bevor es ĂŒberhaupt zur Eskalation gekommen wĂ€re.
Das ganze neue System hatte jedoch den Nachteil, dass es vielen Autofahrern wie Herbert erging; sie verstanden mangels ausreichend geschulten Ohren so gut wie nichts, Àhnlich, wie es nicht wenigen Zuhörern in der Oper erging, aber Herbert hatte ja gottlob seinen Arthur.
An der nĂ€chsten Abfahrt verließ Herbert und Arthur die Autobahn; von nun folgten sie den besungenen Hinweisschildern.
Zwischenzeitlich wurde ĂŒbers Radio von einem reinen MĂ€nnerchor noch ein weiterer Stau vermeldet, und eine feine einzelne Sopranstimme besang unmittelbar darauf die Auflösung eines anderen, beide Ereignisse bezogen sich jedoch auf gĂ€nzlich andere Autobahnabschnitte.
„Wenn es mal eine gute Nachricht gibt“, fluchte Herbert und bezog sich hierbei auf die sopranistisch Nachricht, „dann ist es keine gute fĂŒr uns, verdammt noch mal!“
„Was soll‘s, Herbert“, beruhigte ihn der Freund, „wir sind ja jetzt von der Autobahn herunter und hier auf der Landstraße, da geht es zwar etwas langsamer voran, doch in einen Stau werden wir wohl nicht geraten, andernfalls hĂ€tten sie ja einen solchen schon durchgesungen“.
Es gab in der Tat keinen Stau, auf ihrem weiteren Weg entlang den Umleitungsschildern, dafĂŒr aber erlebten sie eine andere weitaus unangenehmere Überraschung.
Nachdem sie ein gutes StĂŒcks schnurgerader Landstraße hinter sich gebracht hatten, in schneller Fahrt, sprang plötzlich ein Polizist in Uniform hinter einem dicken Baum an der rechten Straßenseite hervor und brachte ihr Auto mit winkender Kelle zum Stehen.
„Auch das noch“, stöhnten Herbert und Arthur gemeinsam.
Der Polizeibeamte trat auf die Fahrerseite des Wagens zu, an der Herbert hastig die Scheibe herunterkurbelte.
„Guten Tag, die Herren, FĂŒhrerschein und Fahrzeugpapiere, bitte!“
Nervös fummelte Herbert die Dokumente aus seiner Brieftasche und reichte sie dem OrdnungshĂŒter.
Zwischenzeitlich war ein zweiter Beamter aus dem Polizeiwagen gestiegen, welcher gut getarnt hinter dem dicken Baum parkte.
Der erste Polizist blĂ€tterte die Papiere durch und reichte sie dem Fahrer zurĂŒck; anschließend fragte er diesen in barschem Tonfall:
„Sie wissen, warum wir Sie angehalten haben?“
Herbert wusste es nicht und zuckte nur mit den Schultern, wÀhrend Arthur neben ihm auf dem Beifahrersitz still vor sich hin blickte.
„Sie sind erheblich zu schnell gefahren, Menschenskind!“ legte der Beamte los, mit donnernder Stimme. „Sie sind auf dieser Straße, auf der eine Geschwindigkeit von 100 Km/h erlaubt sind, mit einem Tempo von 135 km/h geblitzt worden, 35 km/h mehr als erlaubt sind. Ich kann Ihnen jetzt schon sagen, das wird teuer fĂŒr Sie. DarĂŒber hinaus mĂŒssen Sie mit weiteren Konsequenzen rechnen!“
Herbert wechselte die Gesichtsfarbe, seine ansonsten stets ins Rötliche gehende Haut ging ins Schneeweiße ĂŒber.
„Weitere Konsequenzen, auch das noch!“ stammelte er, fast lautlos.
Der zweite Polizist war an die Beifahrerseite getreten, auf der nun Arthur seinerseits die Scheibe herunter gedreht hatte.
„Steigen Sie mal aus, alle beide!“ brĂŒllte der erste Beamte die Freunde im Auto an.
„Wir wollen einmal Ihr Fahrzeug nĂ€her in Augenschein nehmen. Öffnen Sie mal den Kofferraum!“
Nun erfolgte eine akribische Inspektion des gesamten Autos, wie Herbert und Arthur sie nur von den turnusmĂ€ĂŸigen gesetzlich vorgeschriebenen ÜberwachungsprĂŒfungen her kannten.
GlĂŒcklicherweise fanden die OrdnungshĂŒter keine nennenswerten MĂ€ngel vor.
„Ja, mein lieber Mann“, sagte der erste Polizist mit einer Leichenbittermiene zu Herbert, „da werden wir wohl Anzeige erstatten mĂŒssen. Da kommt einiges auf Sie zu“.
Im gleichen Augenblick warf sich Arthur, der Beifahrer, vor den beiden Polizisten auf die Knie und begann, schluchzend zu singen, nach der wohlbekannten Melodie der Arie des Wandergesells aus der Operette ‚Der Vetter aus Dingsda‘:
„Wir sind nur zwei arme Pendlergesell’n, habet Gnad, liebe Schutzleut, habt gnad!
Wir geben es zu, ja, wir fuhren zu schnell, doch habt Gnad, liebe Schutzleut, habt Gnad!“
Als die beiden Polizeibeamten diese Szene vor sich sahen, den herzzerreißend singenden Beifahrer auf den Knien und den vor Angst schlotternden Fahrer, drĂŒckten sie spontan ein Auge zu und ließen fĂŒnfe gerade sein.
„Haut ab, ihr Beiden, aber haltet Euch demnĂ€chst an die Geschwindigkeitsbegrenzungen“.
KopfschĂŒttelnd blickten sie dem Wagen, in dem zwei ĂŒberglĂŒckliche Freunde und Arbeitskollegen saßen.
„Die lassen sich auch immer verrĂŒcktere Sachen einfallen, diese Autofahrer. Kein Wunder, in der heutigen Zeit, bei diesen Verkehrsnachrichten“.

Herbert aber hatte erneut einen Grund, sich darĂŒber zu freuen, Arthur als Beifahrer zu haben; vermochte dieser nicht nur ausgezeichnet zu hören, sondern ebenso gut

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flammarion
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sehr

originell. den abgebrochenen schlusssatz kannste getrost weglassen, er befördert die handlung nicht, auch wenn er komplett wÀre.
lg
__________________
Old Icke

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TanjaF
Guest
Registriert: Not Yet

Antwort

Hallo,

eine sehr lustige Geschichte, die Spaß macht! Bin zwar selber kein Autofahrer, aber ich sĂ€nge wahrscheinlich die Staunachrichten immer leidenschaftlich mit!
Im vorletzten Absatz mĂŒsste es wohl heißen:
"KopfschĂŒttelnd....blickten sie dem Wagen NACH..."

Tschö
Tanja F

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Raniero
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Hallo flammarion,
hallo TanjaF,

Dank fĂŒr Eure Zuschriften. Den letzten Satz kann man in der Tat ruhig weglassen, da die Story auch ohne diesen auskommt.
NatĂŒrlich muss es weiterhin heißen, 'KopfschĂŒttelnd blickten sie sie
dem Wagen nach...
Tja, diese FlĂŒchtigkeiten

Gruß Raniero

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flammarion
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siehste,

is mir vor vergnĂŒgen gar nicht aufgefallen. und das, wo ich doch sonst so n krĂŒmelkacker bin . . .
lg
__________________
Old Icke

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