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Sinn und Unsinn der Raumfahrt (Essay)
Eingestellt am 16. 09. 2005 08:58


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mikhan
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Sinn und Unsinn der Raumfahrt (Essay)

In diesem Jahr 2005 haben Raumfahrt und Astronomie mehr Interesse und Aufmerksamkeit auf sich gezogen, als dies in den vergangenen Jahren der Fall war, da war die erfolgreiche Mission der Discovery-RaumfĂ€hre, die Sprengung auf dem Kometen Tempel 1 und die AnkĂŒndigung zahlreicher spektakulĂ€rer Projekte fĂŒr die nĂ€here Zukunft, darunter etwa die Errichtung einer bewohnten Mondstation, der Flug zum Mars und selbst die Kolonisierung desselben wurde ernsthafter als bisher thematisiert. Im Kuiper-GĂŒrtel am Ă€ußeren Rand unseres Sonnensystems wurden drei große Himmelskörper entdeckt, einer davon grĂ¶ĂŸer als Pluto, was eine neuerliche Debatte um dessen Status als Planeten auslöste. Kein Wunder, dass bei soviel Euphorie Forderungen nach einem erhöhten Etat fĂŒr die Raumfahrtbehörden laut werden und dergleichen Forderungen ist in Japan und den USA auch schon nachgekommen worden. Am Samstag den 17. September ist der Tag von Raumfahrt und Astronomie. Vielleicht ist daher jetzt ein guter Zeitpunkt, um einmal inne zu halten und nach dem Sinn hinter all diesen Projekten und PlĂ€nen zu fragen und die Kosten den Nutzen gegenĂŒberzustellen.
Als Ansatzpunkt mag hierbei die Unterscheidung zwischen bemannter und unbemannter Raumfahrt dienlich sein, wobei erstere die bei weitem kostspieligere und ungleich gefĂ€hrlichere Variante der Raumfahrt darstellt. Bemannte Raumfahrt ist dann erforderlich, wenn es gilt komplizierte Reparaturen oder Installationen an im erdnahen Weltraum stationierten astronomischen GerĂ€ten und Labors durchzufĂŒhren. Sie ist ebenso fĂŒr die DurchfĂŒhrung bestimmter Experimente und Forschungen in Weltraumlabors (namentlich der International Space Station) erforderlich. Bemannte RaumflĂŒge zu anderen Himmelskörpern, also etwa Mond oder Mars, könnten die DurchfĂŒhrung von Experimenten und Forschungen ermöglichen, die fĂŒr die derzeitigen Roboter und Sonden kaum bzw. gar nicht durchfĂŒhrbar sind. Dennoch scheint die bemannte Raumfahrt, gerade wenn es um die Erkundung fremder Himmelskörper geht in erster Linie ein nationales Prestigeprojekt fĂŒr die beteiligten Staaten zu sein. Gerne wird die bemannte Raumfahrt als ein gewaltiges Unternehmen der gesamten Menschheit dargestellt, welches unseren Horizont erweitert und unseren natĂŒrlichen Forscher- und Entdeckerdrang befriedigt, vergleichbar mit den großen Forschungs- und Entdeckungsreisen frĂŒherer Jahrhunderte.
Doch ist es wirklich sinnvoll Milliarden von Dollars fĂŒr die Erkundung möglichen Lebens auf dem Mars auszugeben, wenn wir doch ĂŒber das Leben auf unserer Erde noch so viel in Erfahrung bringen zu haben? Sollten wir uns nicht zudem vor allem darauf konzentrieren, dieses Leben zu erhalten, anstatt es immer mehr zu zerstören? Die Vorstellung, dass genau in dem Augenblick, in welchem die erste Mikrobe auf dem Mars entdeckt wird, möglicherweise der letzte noch wild lebende Orang-Utan durch Menschenhand erlegt wird, mutet jedenfalls reichlich paradox an. Zweifelsohne ist die Suche nach Leben außerhalb der Erde ein Ă€ußerst spannendes Unterfangen, doch selbst wenn auf dem Mars vereinzelt die Rahmenbedingungen fĂŒr primitives Leben gegeben sein sollten, so heißt dies noch nicht, dass es dort auch entstanden sein muss, wir wissen schließlich noch sehr wenig darĂŒber, was die Entwicklung von Leben ĂŒberhaupt auslöst. Jenseits des Mars gibt es unserem Sonnensystem aber außer dem Jupitermond Europa kaum einen weiteren Ort, wo wir ĂŒberhaupt mit Leben so wie wir es kennen rechnen können. Und die Erkundung extrasolarer Planeten wird uns aufgrund der gigantischen Entfernungen schlichtweg unmöglich bleiben, es sei denn, wir sind in der Lage erdĂ€hnliche Planeten aufzuspĂŒren und dort die Ozonwerte in deren AtmosphĂ€re zu messen, was derzeit aber ebenfalls noch nicht machbar ist und wenn, dann in keinem Zusammenhang zur bemannten Raumfahrt steht.
Die Zukunft der Menschheit mag langfristig betrachtet tatsĂ€chlich im Weltall liegen, PlĂ€ne zur Besiedlung des Mars bestehen bereits. Doch damit wir und der Großteil allen Lebens auf der Erde nicht zuvor schon Überbevölkerung und Umweltzerstörung zum Opfer fallen, bedarf es hier und jetzt eines verantwortungsvollen Handelns aller Menschen. Insgesamt steht die bemannte Raumfahrt allerdings ohnehin noch in den AnfĂ€ngen. Auch so verschlingt sie aber bereits Unsummen von Kosten, und es ist wohl angebracht zu fragen, ob solch umfassende materielle und geistige Ressourcen nicht vorrangig zur Lösung der Probleme auf unserem Planeten zum Einsatz kommen sollten.
Der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn durch Raumfahrt, Weltraumtechnologie und astrophysikalische Forschung hat allerdings durchaus eine praktische Seite, unser weltweites Kommunikationsnetz beispielsweise wĂ€re ohne Weltraumsatelliten undenkbar. Die bemannte Raumfahrt ist zudem fĂŒr den Erhalt und die Weiterentwicklung der gesamten Raumfahrt zwar unumgĂ€nglich, kann aber durchaus sehr stark eingegrenzt werden. Davon unabhĂ€ngig sollte an dieser Stelle jedoch einmal festgehalten sein, dass die Suche nach Wissen einen Wert darstellt, den es zu erstreben gilt, ungeachtet allen praktischen Nutzens. Der Erkenntnisgewinn selbst ist bereits ein lohnendes Ziel und kann nicht mit etwaigen Kosten aufgerechnet werden.
Es kann also weder ein klares Ja noch ein klares Nein fĂŒr die Raumfahrt geben, stattdessen sollte ein pragmatischer Mittelweg eingeschlagen werden. Bemannte Raumfahrt sollte auf den erdnahen Weltraum beschrĂ€nkt bleiben, solange keine kostengĂŒnstigere und vor allem wesentlich schnellere Raumfahrzeuge als bisher zur VerfĂŒgung stehen Wenn dann ĂŒber den bisherigen Rahmen hinaus gehende Schritte unternommen werden, sollte dies in Form eines echten internationalen Projektes geschehen, wenngleich die Amerikaner sicher weiterhin dominieren werden. Auf diese Weise können Kosten gesenkt bzw. besser aufgeteilt werden und die Aussage, es handele sich um ein Projekt der ganzen Menschheit bekĂ€me mehr GlaubwĂŒrdigkeit. Die Forschung auf und fĂŒr unseren Planeten muss Vorrang haben, astronomische Forschung ist durchaus nicht auf gigantische Weltraumunternehmen angewiesen. Erst die Lösung der dringlichsten Probleme auf der Erde und die Entwicklung fortschrittlicherer Technologien werden uns in die Lage versetzen, ohne grĂ¶ĂŸere Bedenken ein neues Kapitel in der Menschheitsgeschichte aufzuschlagen.

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jon
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Bevor ich was zur Aussage sage (, was in diesem Forum bestenfalls Beiwerk sein soll), zeig ich dir mal ein paar handwerkliche Stolperstellen:



quote:
In diesem Jahr 2005 haben Raumfahrt und Astronomie mehr Interesse und Aufmerksamkeit auf sich gezogen, als dies in den vergangenen Jahren der Fall war, da war die erfolgreiche Mission der Discovery-RaumfĂ€hre, die Sprengung auf dem Kometen Tempel 1 und die AnkĂŒndigung zahlreicher spektakulĂ€rer Projekte fĂŒr die nĂ€here Zukunft, darunter etwa die Errichtung einer bewohnten Mondstation, der Flug zum Mars und selbst die Kolonisierung desselben wurde ernsthafter als bisher thematisiert.

Das ist EIN Satz – ich habe beim Lesen buchstĂ€blich gemerkt, wie mir die Luft wegblieb. Das ist ein hochgradig unglĂŒcklicher Einstieg. Ich versteh auch nicht, wieso du nicht einfach hiner „
 Fall war“ einen Punkt gesetzt und einen neuen Satz begonnen hast.

quote:
Kein Wunder, dass bei soviel so viel Euphorie Forderungen nach einem erhöhten besser: höherem, „erhöht“ bezieht sich immer auf einen Normalzustand Etat fĂŒr die Raumfahrtbehörden laut werden

Das wĂ€re gut strukturiert – wenn der Satz hier enden wĂŒrde. Und das geht auch, mach aus

quote:

 und dergleichen Forderungen ist in Japan und den USA auch schon nachgekommen worden.

einfach einen neuen Satz.


quote:

 und dergleichen Forderungen ist in Japan und den USA auch schon nachgekommen worden. Am Samstag den 17. September ist der Tag von Raumfahrt und Astronomie.
Zwischen diesen beiden SĂ€tzen beginnt eine völlig neue Denk-Runde. Die erste Runde „dachte“: „In diesem Jahr war viel los“. Die neue Runde „denkt“: „Der Tag der Raumfahrt ist Anlass fĂŒr eine paar Überlegungen.“ Ergo: Absatz dazwischen!


quote:
Als Ansatzpunkt mag hierbei die Unterscheidung zwischen bemannter und unbemannter Raumfahrt dienlich sein, wobei erstere die bei weitem kostspieligere und ungleich gefÀhrlichere Variante der Raumfahrt darstellt.
DAS (dass die unbemannte Raumfahrt teuerer und vor allem gefĂ€hrlicher ist) bedarf einer ErklĂ€rung. Wer sagt, dass sie teurer ist? Und was ist damit gemeint – die absolute Summe Geld oder im Vergleich der Einzelmissionen? Und was ist mit dem „RĂŒckfluss“ durch bezahlte Nutzung z.B. der Satelliten? Und wieso ist ein Satellitenstart gefĂ€hrlicher als einer, bei dem 7 Astronauten unmittelbar auf einem Pulverfass hocken?


quote:
Bemannte RaumflĂŒge zu anderen Himmelskörpern, also etwa Mond oder Mars, könnten die DurchfĂŒhrung von Experimenten und Forschungen ermöglichen, die fĂŒr die derzeitigen Roboter und Sonden kaum bzw. gar nicht durchfĂŒhrbar sind.

eh
 Die sagst praktisch: Wir „mĂŒssen“ danach streben, hinzufliegen, weil die Technik heute nicht ausreicht. Nur: Ehe wir es schaffen, hinzufliegen, reicht die Technik wahrscheinlich. Logisch wĂ€re: Menschen „mĂŒssen“ deshalb selbst hin, weil es Sachen gibt, die eine Maschine nie können wird.
(Wobei wir – offiziell zumindest – durchaus zum Mond könnten, nur gibt es dort offenbar nichts zu tun, was Maschinen nicht auch könnten.)


quote:
Dennoch scheint die bemannte Raumfahrt, gerade wenn es um die Erkundung fremder Himmelskörper gehtKOMMA in erster Linie ein nationales Prestigeprojekt fĂŒr die beteiligten Staaten zu sein.
Wieso „dennoch“? Du hast vorher nichts gesagt, was nahelegt, dass es ein Menschheitsprojekt sein mĂŒsste. (Das – diese Nahelegung – kommt jetzt erst im Anschluss.)


quote:
Gerne wird die bemannte Raumfahrt als ein gewaltiges Unternehmen der gesamten Menschheit dargestellt, welches unseren Horizont erweitert und unseren natĂŒrlichen Forscher- und Entdeckerdrang befriedigt, vergleichbar mit den großen Forschungs- und Entdeckungsreisen frĂŒherer Jahrhunderte.
Doch ist es wirklich sinnvoll Milliarden von Dollars fĂŒr die Erkundung möglichen Lebens auf dem Mars auszugeben, wenn wir doch ĂŒber das Leben auf unserer Erde noch so viel in Erfahrung bringen zu haben?
Hier mal schnell was zum Inhalt: Du stellst dir selbst ein Bein – denn auch die großen Entdeckungen (Amerika, Asien, Inner Africa) sind mit viel finanziellem Aufwand betrieben worden, obwohl zugleich vor der HaustĂŒre noch zahllose RĂ€tsel lauerten (allem voran Krankheiten). Weil – wie bei der Raumfahrt auch – im Hintergrund immer die Suche nach neuen Ressourcen stand. Und diese Ressourecen habe eine Menge Fortschritt gebracht. as beweist, dass es sinnvoll ist.
Andererseits kann man dem menschlichen Forscherdrang (den du „uns“ ja einrĂ€umst) war (finanzielle) Steine in den Weg legen – aber fĂŒr ihn reicht die pure Tatsache, etwas nicht zu wissen, aus, es wissen zu wollen. Egal, ob es noch andere „WissenslĂŒcken“ gibt.

Doch zurĂŒck zum Handwerk:

quote:
Sollten wir uns nicht zudem vor allem darauf konzentrieren, dieses Leben zu erhalten, anstatt es immer mehr zu zerstören?
Wo bitte hast du vorher gesagt, dass Raumfahrt „dieses Leben“ zerstört, dass du jetzt diese Frage stellen kannst?

quote:
Die Vorstellung, dass genau in dem Augenblick, in welchem die erste Mikrobe auf dem Mars entdeckt wird, möglicherweise der letzte noch wild lebende Orang-Utan durch Menschenhand erlegt wird, mutet jedenfalls reichlich paradox an.
Nö, ĂŒberhaupt nicht. Nicht paradoxer als die Tatsache, dass in jedem Moment heute noch neue Tierarten auf der Erde entdeckt werden (, frag mich nicht nach der Zahl, aber es war eine stattlich Zahl pro Jahr), zugleich alle Erkenntnisse ĂŒber Biotope und Ökologie nahelegen, dass wahrscheinlich ebensoviele just in diesem Moment aussterben, ohne entdeckt worden zu sein. Von denen, die in dieser Zeit aussterben, und die die Wissenschaft kannte, noch gar nicht reden. Es ist also mitnichten ein Raumfahrt-Paradoxon!

quote:
Zweifelsohne ist die Suche nach Leben außerhalb der Erde ein Ă€ußerst spannendes Unterfangen, doch selbst wenn auf dem Mars vereinzelt die Rahmenbedingungen fĂŒr primitives Leben gegeben sein sollten, so heißt dies noch nicht, dass es dort auch entstanden sein muss, wir wissen schließlich noch sehr wenig darĂŒber, was die Entwicklung von Leben ĂŒberhaupt auslöst.
Moooment mal! Da machst du ganz schön große SprĂŒnge in einem – wiedermal – heftig langen Satz. Teil 1 des Satzes sagt: Es ist spannend. Teil 2 sagt: Selbst es Bedingungen dort gibt (was immer du mirt „verienzeltenRahmebdinungen auch meinen masgt ), heißt es nicht, dass es dort entstand. Das wĂ€re nur sinnvoll, wenn du vorher gesagt hĂ€ttest, wir suchen nach Leben, das auf fremden Palneten entstand. Du sagst aber nur, wir suchen nach Leben auf fremden Planten. Teil 3 sagt: Wir wissen nicht, wie es dort entstand, weil wir es nicht wissen, wie es generell entsteht. Und darin steckt eine ganze Argumentationkette (, die sich ĂŒbrigens gegen dich wendet), die so aussieht: Wir suchen nach Leben auf fremden Planeten, wenn wir es finden, forschen wird, ob es dort enstanden sein kann, und im Ergbnis dieser Forschungen sind wir – vielleicht – ein bisschen nĂ€her an der Antwort, wie Leben entsteht.

quote:
Jenseits des Mars gibt es unserem Sonnensystem aber außer dem Jupitermond Europa kaum einen weiteren Ort, wo wir ĂŒberhaupt mit Leben so wie wir es kennen rechnen können.

eh
 Und?
Erstens reicht schon das „kaum“, um weiterzusuchen.
Zweitens: Was bedeute das fĂŒr deine Überlegung zum Sinn der Raumfahrt?
Drittens: Was hat das mit dem Mars zu tun (, was das aber in dem Satz rechtfertigen wĂŒrde)?


quote:
Und die Erkundung extrasolarer Planeten wird uns aufgrund der gigantischen Entfernungen schlichtweg unmöglich bleiben, es sei denn, wir sind in der Lage erdĂ€hnliche Planeten aufzuspĂŒren und dort die Ozonwerte in deren AtmosphĂ€re zu messen, was derzeit aber ebenfalls noch nicht machbar ist und wenn, dann in keinem Zusammenhang zur bemannten Raumfahrt steht.
Aua!
Teil 1 des Satzes sagt: Zu weit weg! Gegenargument: Noch.
Teil 1+2a sagt: Erreichen des Planeten unmöglich, es sei denn, wir finden den Planeten. HÀ?
Teil 1 + 2b sagt: Erreichen des Planeten unmöglich, es sei denn, wir können den Ozongehalt dort messen. Doppeltes HÀ? Wie bringt uns der Messwert (, der von 0 bis 100 % der AtmosphÀre reichen könnte) dorthin? Und warum sollten wir gerade Ozon messen? Was ist mit Stickstoff und Sauersoff oder all den anderen Stoffen?
Teil 2+3 sagt: Wenn wir es können (Planeten finden und Ozon messen) – was wir noch nicht können – dann ist das fĂŒr die Belange der Raumfahrt irrelevant. Erstens: Hattest du bei Teil 1+2 nicht eben noch gesagt, wenn wir es könnten, könnten wir hinfliegen (, es wĂ€re also relevant)? Zweitens: Na aber Hallo! Du solltest mal sehen, wie sehr man die (bemannte und unbemannte) Raumfahrt forcieren wĂŒrde, wenn man zweifelsfrei wĂŒsste, wo es dort draußen einen erdĂ€hnlichen Planeten womöglich noch mit Sauerstoff-AthmopshĂ€re gibt!


quote:
Die Zukunft der Menschheit mag langfristig betrachtet tatsĂ€chlich im Weltall liegen, PlĂ€ne zur Besiedlung des Mars bestehen bereits. Doch damit wir und der Großteil allen Lebens auf der Erde nicht zuvor schon Überbevölkerung und Umweltzerstörung zum Opfer fallen, bedarf es hier und jetzt eines verantwortungsvollen Handelns aller Menschen.
Argumentationsfehler: Das eine schließt das andere doch nicht aus.

quote:
Insgesamt steht die bemannte Raumfahrt allerdings ohnehin noch in den AnfÀngen.

 das steht wie im Zusammenhang mit der Eingangsfrage?

quote:
Insgesamt steht die bemannte Raumfahrt allerdings ohnehin noch in den AnfÀngen.Auch so verschlingt sie aber bereits Unsummen von Kosten, und 

Wie bei allem, was noch nicht echt serienreif ist, sind die Kosten verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig hoch. Ergo sollte man es zur Serienreife fĂŒhren. Oder?
Es wird/werden Geld/Mittel/Ressource verschlungen, Kosten entstehen.


quote:
Der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn durch Raumfahrt, Weltraumtechnologie und astrophysikalische Forschung hat allerdings durchaus eine praktische Seite, unser weltweites Kommunikationsnetz beispielsweise wĂ€re ohne Weltraumsatelliten undenkbar. Die bemannte Raumfahrt ist zudem fĂŒr den Erhalt und die Weiterentwicklung der gesamten Raumfahrt zwar unumgĂ€nglich, kann aber durchaus sehr stark eingegrenzt werden.
HĂ€?
Satz eins sagt: Wir haben was von der Raumfahrt.
Satz zwei sagt „Die bemannte Raumfahrt ist zudem (wieso zudem?) Grundlage fĂŒr die Raumfahrt (Wieso das denn?), kann aber stark einschrĂ€nkt werden.“ Wer bestimmt das? Und wie stark? Und warum sollte man das tun, wenn sie doch Grundlage fĂŒr alle andere Raumfahrt ist?
Beide SĂ€tze zusammen sagen: Wir haben was davon, aber man kann durchaus auch drauf verzichten (, denn was anders ist „stark eingrenzen“ ja nicht).

quote:
Davon unabhÀngig sollte an dieser Stelle jedoch einmal festgehalten sein, dass die Suche nach Wissen einen Wert darstellt, den es zu erstreben gilt, ungeachtet allen praktischen Nutzens.
Einen Wert erstrebt man nicht, ein Ziel erstrebt man – der Wert wichtet „nur“ wie erstrebenswert das Ziel ist.
Man KANN diesen Aspekt nicht unabhĂ€ng von diesem Thema betrachten, denn Raumfahrt ist primĂ€r Forschung, man zieht „nur“ Nutzen aus den Ergebnissen – wobei der allermeiste Nutzen aus der Forschung kommt, die Raumfahrt ermöglicht, weniger aus der Raumfahrt als Forschung (oder hat schon jemand die Erkenntnisse um Io, die Saturnringe oder Proxima Centaurus in Produkte gewandelt?).

quote:
Der Erkenntnisgewinn selbst ist bereits ein lohnendes Ziel und kann nicht mit etwaigen Kosten aufgerechnet werden.
Dass du es hier viele SĂ€tze lang tust (, das Ergebnis gegen die Kosten aufrechnen), zeigt doch, dass man es kann.

quote:
Bemannte Raumfahrt sollte auf den erdnahen Weltraum beschrĂ€nkt bleiben, solange keine kostengĂŒnstigere und vor allem wesentlich schnellere Raumfahrzeuge als bisher zur VerfĂŒgung stehen
Huch! Was fĂŒr ‘n Sprung! Wo kommt denn der Gedankengang plötzlich her?!
Und: HĂ€? Na was denkst du denn, warum man noch nicht zum Mars gondelt?! Nicht etwa - seien wir doch ehrlich – weil es zu gefĂ€hrlich wĂ€re, es ist einfach viiiiiiiiel zu teuer und zu langsam!
Übrigens klingt diese ganze Passage (etwa ab hier bis zum Schluss) ziemlich nach „Ich gestatte euch
“, was unweigerlich die Frage aufwirft, welche Macht du hast, dass irgendwer diese Erlaubnis von dir brauchen wĂŒrde. Das Problem ist, dass du dich nicht traust, deine Meinung als deine Meinung zu vertreten, du versuchst „allgemeingĂŒltig“ zu sein – und da kommt dieser Schulbuch-Stil raus.

quote:

 wenngleich die Amerikaner sicher weiterhin dominieren werden.
Zu schnell geschossen! Ehe man sowas sagt, sollte man einen Blick auf die tatsĂ€chliche Entwicklung in den LĂ€ndern werfen! Ich zĂ€hle mich zwar nicht zu den Kennern, aber dass man die Asiaten (vor allem China und Japan) bei dem Thema (und den Zeitspannen, um die es hier geht) einfach so ignorien kann, halte ich fĂŒr nicht sicher. Nur mal als Beispiel.

quote:
Auf diese Weise können Kosten gesenkt bzw. besser aufgeteilt werden und die Aussage, es handele sich um ein Projekt der ganzen Menschheit bekĂ€me mehr GlaubwĂŒrdigkeit.
Schulbuch-Theorien, die den oben schon mal erwĂ€hnten, leider aber ganz vernachlĂ€ssigten Prestige-Effekt ignorieren. Entschuldige, aber solche „wir sind doch alle eine Menschheit und sollten dicke Freunde sein!“-Parolen sind tolle Ziele – bei solchen AufsĂ€tzen wirken sie aber (so plakativ vorgebracht) eher weltfremd.

quote:
Die Forschung auf und fĂŒr unseren Planeten muss Vorrang haben, astronomische Forschung ist durchaus nicht auf gigantische Weltraumunternehmen angewiesen.
Gegenargument eins: Wenn wir erst mit Weltraumfahrt anfangen, wenn die Erkenntnisse ĂŒber unseren Planeten uns beweisen, dass die Auswanderung zwingend nötig wird, ist es zu spĂ€t.
Gegenargument zwei: Wer sagt denn, dass die Weltraumforshcung keine Forschung FÜR unseren Planeten ist? So wie Forschung am Tier immer auch Erkenntisse fĂŒr en Menschen bringt.
Gegenargument drei: Astronomen können lĂ€ngst nicht mehr auf Raumfahrt verzichten – seit z.B. Hubble ausgefallen ist, gucken die Sterngucker ziemlich dumm aus der WĂ€sche. NatĂŒrlich entdecken Hobbyastronomen von unten aus immer noch neue Himmelskörper – aber das ist nur die unterste Basis fĂŒr die heutige Wissenschaft Astronomie.


quote:
Erst die Lösung der dringlichsten Probleme auf der Erde und die Entwicklung fortschrittlicherer Technologien werden uns in die Lage versetzen, ohne grĂ¶ĂŸere Bedenken ein neues Kapitel in der Menschheitsgeschichte aufzuschlagen.

Polemisches Palaver! Was, wenn die Lösung der dingendsten Probleme im Weltall liegt?


Und damit bin ich nahtlos bei der Aussage des Textes angelangt: Du traust dich nicht, gegen Raumfahrt zu sein – man spĂŒrt förmlich, mit welchem Widerwillen du Pro-Argumenet heranziehst, die du nur einen Atemzug weiter – oft sogar noch im selbem Atemzug – widerlegst oder zumindest relativierst. Am Ende kommt es aber raus: All das, was du als Pro „erkannt“ hast (, was mager genug ist), verwirfst du und ordnest es dem ĂŒblichen „Scheiß auf Forschung solange Leute hungern“ (mal krass ausgedrĂŒckt) unter.
Das darf man machen, so wie man auch „verlangen“ darf, das Geld/die Resource fĂŒr (bitte wĂ€hlen: ) Fernsehen/volkstĂŒmliche Musik/Mode/Zoologische GĂ€rten/ MotorrĂ€der/Erhaltung historischer GebĂ€ude/ fĂŒnfzehnhundert Sorten Joghurt / alle zwei Monate neue Heimelektronik bzw. Computer-Hard/Software 
 sinnvoller zu nutzen.
Man sollte dabei allerdings ĂŒber den Tellerrand sehen – und das tust du so unglaublich halb- ach was viertelherzig, dass man es dir nicht abnimmt. Das Ganze ist ein kontroverses Thema – mit AllgemeinplĂ€tzen wie hier lĂ€sst sich das nicht in ein „relativ stimmiges Bild“ bringen. Fakten hĂ€tten hier Wunder gewirkt – Zahlen, „Aufrechnungen“, wie teuer ein Raumflug ist, was man davon auf der Erde machen könnte und was man dafĂŒr im Weltall erreicht. DafĂŒr hĂ€tte man recherchieren mĂŒssen – ein bisschen jedenfalls.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalÀsst (Klaus Klages)

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mikhan
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Hi Jon,

Vielen Dank fĂŒr deine ausgiebige Kritik!

Zu den formalen Dingen möchte ich nichts weiter sagen, da kann sicher etwas verbessert werden. Und - ich gebs zu - ich neige zu Satzmonstern

Zur inhaltlichen Kritik möchte ich aber einiges anmerken:

quote:
Als Ansatzpunkt mag hierbei die Unterscheidung zwischen bemannter und unbemannter Raumfahrt dienlich sein, wobei erstere die bei weitem kostspieligere und ungleich gefÀhrlichere Variante der Raumfahrt darstellt.

Kostspielig und gefĂ€hrlich bezieht hier doch auf die bemannte Raumfahrt, oder sehe ich das falsch? Und die ist (in materiell-finanzieller Sicht) natĂŒrlich kostspieligerer (grĂ¶ĂŸere Raketen, die mehr Traibstoff verbrauchen, fĂŒr den RĂŒckflug will auch gesorgt sein, außerdem schießen die Sicherheitsausgaben in die Höhe). Das es gefĂ€hrlicher ist, erklĂ€rt sich von selbst.

quote:
Bemannte RaumflĂŒge zu anderen Himmelskörpern, also etwa Mond oder Mars, könnten die DurchfĂŒhrung von Experimenten und Forschungen ermöglichen, die fĂŒr die derzeitigen Roboter und Sonden kaum bzw. gar nicht durchfĂŒhrbar sind.

Stimmt! Das "derzeitigen" kann weg, es irritiert hier nur. Was den Mond angeht, neue bemannte Missionen sind geplant, von Amerikanern, EurpÀern und Chinesen. Und das ist auch sinnvoll, denn kein Roboter kann etwa ein Teleskop auf dem Mond installieren.

quote:
Gerne wird die bemannte Raumfahrt als ein gewaltiges Unternehmen der gesamten Menschheit dargestellt, welches unseren Horizont erweitert und unseren natĂŒrlichen Forscher- und Entdeckerdrang befriedigt, vergleichbar mit den großen Forschungs- und Entdeckungsreisen frĂŒherer Jahrhunderte.
Doch ist es wirklich sinnvoll Milliarden von Dollars fĂŒr die Erkundung möglichen Lebens auf dem Mars auszugeben, wenn wir doch ĂŒber das Leben auf unserer Erde noch so viel in Erfahrung bringen zu haben?

Hier geht es nicht darum die volle Bandbreite des Argumentes der Forschungsreisen auszuschöpfen, sondern darum, wie dieses Argument von Raumfahrtbehörden genutzt wird und da steht immer der Forscherdrang im Mittelpunkt. Dass die Ressourcen Fortschritt gebracht haben beweist außerdem nicht viel, denn dieser Fortschritt wurde auf dem RĂŒcken amerikanischer Urweinwohner und afrikanischer Sklaven erzielt und ob das sinnvoll ist, wage ich zu bezweifeln. Gut, auf dem Mars stellt sich dieses Problem wohl nicht.

quote:
Sollten wir uns nicht zudem vor allem darauf konzentrieren, dieses Leben zu erhalten, anstatt es immer mehr zu zerstören?

Raumfahrt zerstört kein Leben, aber ist finanziell sehr eng mit dem Staat verbunden und verschlingt enorme finanzielle Ressourcen. Diese Ressourcen, grĂ¶ĂŸtenteils in staatlicher Hand, könnten sehr wohl fĂŒr andere (Forschungs-)Zwecke eingesetzt werden, eben auch zum Erhalt des Lebens auf der Erde.

quote:
Die Vorstellung, dass genau in dem Augenblick, in welchem die erste Mikrobe auf dem Mars entdeckt wird, möglicherweise der letzte noch wild lebende Orang-Utan durch Menschenhand erlegt wird, mutet jedenfalls reichlich paradox an.

Das Paradoxe an dieser Vorstellung ist, dass ein bemanntes Marsprogramm laut der NASA etwa 450 Milliarden Dollar veranschlagen wĂŒrde. WĂŒrde man einen vergleichbaren Betrag in den Artenschutz investieren, sĂ€he es um die Zukunft manchen Primaten vermutlich wesentlich besser gestellt aus.
Dass dieses Paradoxon auf die Raumfahrt beschrÀnkt sein soll, behaupte ich ja gar nicht, doch das macht es nicht minder paradox.

quote:
Zweifelsohne ist die Suche nach Leben außerhalb der Erde ein Ă€ußerst spannendes Unterfangen, doch selbst wenn auf dem Mars vereinzelt die Rahmenbedingungen fĂŒr primitives Leben gegeben sein sollten, so heißt dies noch nicht, dass es dort auch entstanden sein muss, wir wissen schließlich noch sehr wenig darĂŒber, was die Entwicklung von Leben ĂŒberhaupt auslöst.

Auf dem Mars gibt es Regionen, in denen die Wahrscheinlichkeit auf Leben zu treffen höher ist als in anderen Regionen, also etwa an den Polkappen oder in möglicherweise vorhandenen unterirdischen Seen, hier sind die Rahmenbedingungen fĂŒr Leben gegeben. Das heißt aber nicht, dass dort Leben zwingend zu erwarten ist.
Ob es sich nun um die Suche nach Leben auf anderen Planeten oder die Suche nach Leben, dass auf anderen Planeten entstand handelt, halte ich fĂŒr Haarspalterei.
Die Frage danach, wie Leben ĂŒberhaupt ensteht, könnte zwar durch die Entdeckung extraterrestrischen Lebens ein StĂŒck weit leichter zu beantworten sein, doch geforscht werden kann danach auch auf der Erde (getan wird das beispielsweise auf Spitzbergen im Eis oder an unterseeischen Vulkanschloten). Gesucht wird doch auf dem Mars vielmehr eine Antwort auf die Frage, ob das Leben auf die Erde beschrĂ€nkt ist, oder im ganzen Universum verbreitet ist (ebenfalls eine wichtige Frage, kein Zweifel daran).

quote:
Jenseits des Mars gibt es unserem Sonnensystem aber außer dem Jupitermond Europa kaum einen weiteren Ort, wo wir ĂŒberhaupt mit Leben so wie wir es kennen rechnen können.

Das "kaum" möchte ich nur ungerne streichen, denn sicher sein kann man da nie. Doch die Suche nach organischem Leben beschrĂ€nkt sich meines Wissens derzeit zu Recht auf diese beiden Orte. Aber es stimmt, dieser Absatz geht ĂŒber das Raumfahrt-Thema hinaus, da habe ich von der Frage nach der Suche nach dem Leben etwas mitreißen lassen.

quote:
Und die Erkundung extrasolarer Planeten wird uns aufgrund der gigantischen Entfernungen schlichtweg unmöglich bleiben, es sei denn, wir sind in der Lage erdĂ€hnliche Planeten aufzuspĂŒren und dort die Ozonwerte in deren AtmosphĂ€re zu messen, was derzeit aber ebenfalls noch nicht machbar ist und wenn, dann in keinem Zusammenhang zur bemannten Raumfahrt steht.

Haha, da habe ich einen Fehler gemacht, es sollten zwei voneinander unabhĂ€ngige SĂ€tze sein, Ozon beeinflusst die Raumfahrt natĂŒrlich nicht. Es geht nur um eine alternative Möglichkeit Leben aufzuspĂŒren.
Erst einmal zu deinem Gegenargument:
Es gibt eben kein "noch", die Raumfahrt zu anderen Sternensystemen wird aus physikalischen GrĂŒnden unmöglich bleiben, es sei den unser gesamtes physikalisches Weltbild ist falsch. Denn schneller als Licht kann sich nicht bewegen (die Beschleunigungsenergie mĂŒsste unendlich sein), und selbst bei annĂ€hernder Lichtgeschwindigkeit wĂ€re die Energie zur Beschleunigung auch kleiner Massen (ein Raumschiff ist aber eine große Masse)unglaublich hoch. Selbst wenn das ginge, die Distanzen sind dann immer noch so enorm, dass man nicht sehr weit kĂ€me. Außerdem wĂŒrde die kosmische Strahlungsbelastung in einem unertrĂ€glichen Maße zunehmen (mehr Strahlenschutz wĂŒrde aber wiederum mehr Masse des Raumschiffs bedeuten). Und zu guter Letzt wĂŒrden die auf der Erde ZurĂŒckgebliebenen aufgrund der RelativitĂ€tstheorie niemals wieder etwas von den Raumfahrern hören, da die Zeit auf der Erde sehr viel schneller vergeht als an Bord des Raumschiffs. Also, es gibt leider ganz klare physikalische Grenzen.

Zum Ozon: Astronomen gehen davon aus, dass Ozon in messbaren Mengen ein sicheres Indiz fĂŒr die Existenz organisches Leben ist, darauf konzentriert sich nun einmal die Suche. Sauerstoff und Stickstoff und all die anderen Stoffe kommen hingegen auch an so lebensfeindlichen Orten wie der Venus zum Teil reichlich vor. Diese Messungen können aber von der Erde aus vorgenommen werden (nur kann man im Moment noch nicht kleine, erdĂ€hnliche Planeten ausfindig machen) und haben somit mit bemannter Raumfahrt nichts zu tun. Aufgrund der besagten physikalischen Grenzen wĂŒrde die Entdeckung eines solchen Planeten aber keinen technischen Quantensprung nach sich ziehen können, obwohl die Raumfahrt allgemein sicherlich boomen wĂŒrde.

quote:
Die Zukunft der Menschheit mag langfristig betrachtet tatsĂ€chlich im Weltall liegen, PlĂ€ne zur Besiedlung des Mars bestehen bereits. Doch damit wir und der Großteil allen Lebens auf der Erde nicht zuvor schon Überbevölkerung und Umweltzerstörung zum Opfer fallen, bedarf es hier und jetzt eines verantwortungsvollen Handelns aller Menschen.

Beides schließt sich nicht gĂ€nzlich aus, finanzielle Mittel werden schließlich noch fĂŒr ganz andere und wirklich nicht förderungswĂŒrdige Dinge (MilitĂ€r)ausgegeben, doch wĂŒrde ich mir sehr wĂŒnschen, dass andere wichtige Forschungsbereiche ebenfalls in den Genuß solch ĂŒppiger Förderungen wie die Raumfahrt kommen wĂŒrden. Etwa fĂŒr die medizinische Forschung zur Entwicklung eines wirksamen Aids-Impfstoffes (aber das ist ja nicht so interessant, denn Aids ist ja vor allem in der dritten Welt verbreitet). Das VerhĂ€ltnis sollte insgesamt einfach ausgeglichener sein, auch wenn die Raumfahrt naturgemĂ€ĂŸ kostspielig ist.

quote:
Der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn durch Raumfahrt, Weltraumtechnologie und astrophysikalische Forschung hat allerdings durchaus eine praktische Seite, unser weltweites Kommunikationsnetz beispielsweise wĂ€re ohne Weltraumsatelliten undenkbar. Die bemannte Raumfahrt ist zudem fĂŒr den Erhalt und die Weiterentwicklung der gesamten Raumfahrt zwar unumgĂ€nglich, kann aber durchaus sehr stark eingegrenzt werden.

Von "zudem" spreche ich hier, weil Satelliten mit unbemannten Raketen in den Weltraum befördert werden. Starke EinschrÀnkungen der bemannten Raumfahrt sind durch den Einsatz und die Weiterentwicklung von Robotern und Sonden möglich.

quote:
Der Erkenntnisgewinn selbst ist bereits ein lohnendes Ziel und kann nicht mit etwaigen Kosten aufgerechnet werden.

Eine detaillierte Kosten-Nutzen Aufstellung hatte ich weder beabsichtigt noch könnte ich das ĂŒberhaupt leisten. Ich gehe aber davon aus, dass der Erkenntnisgewinn eben nicht die treibende Kraft hinter allen Raumfahrtunternehmungen ist, weshalb ich sehr wohl auf die einzelnen Kostenpunkte eingehen kann.

quote:
Bemannte Raumfahrt sollte auf den erdnahen Weltraum beschrĂ€nkt bleiben, solange keine kostengĂŒnstigere und vor allem wesentlich schnellere Raumfahrzeuge als bisher zur VerfĂŒgung stehen

Stimmt, in diesem Absatz hĂ€tte ich meine persönliche Meinung deutlicher heraustellen mĂŒssen. NatĂŒrlich habe ich kein Macht meine Vorstellungen umzusetzen und glaube das auch nicht, sonst hĂ€tte ich wohl eher eine Protesnote an das DLR versandt, als einen Leselupenbeitrag gesendet.

quote:

 wenngleich die Amerikaner sicher weiterhin dominieren werden.

Das ist meine persönliche EinschĂ€tzung und die anderen Raumfahrtnationen habe ich dabei durchaus bedacht, insbesondere mit dem chinesischen Raumfahrtprogramm bin ich, denke ich, recht gut vertraut. Mag sein, dass ich das hĂ€tte nĂ€her ausfĂŒhren mĂŒssen.

quote:
Die Forschung auf und fĂŒr unseren Planeten muss Vorrang haben, astronomische Forschung ist durchaus nicht auf gigantische Weltraumunternehmen angewiesen.

Was diesen Punkt angeht verweise ich auf noch einmal darauf, dass es mir vielmehr um ein ausgeglicheneres VerhĂ€ltnis in der Forschung geht, gerade was die Finanzierung betrifft. Zur astronomischen Forschung: die Amerikaner sind zur EnttĂ€uschung der EuropĂ€er mit Hubble sehr halbherzig umgegangen. Es bringt doch nichts, wenn die Technik da ist, aber nach den Vorlieben einiger weniger zum Einsatz kommt. Astronomische Forschung im sichtbaren Bereich des Lichts ist zwar immer noch sehr wichtig, doch andere Strahlungsbereiche werden immer bedeutsamer. Röntgenteleskope können im Orbit stationiert werden, weiter muss man dafĂŒr nicht, und Radioteleskope können gleich auf der Erde bleiben, da macht es also gar keinen Unterschied.

NatĂŒrlich ist es ein kontroverses Thema, deswegen hat es mich ja auch gedrĂ€ngt dazu zu schreiben. Es ist vor allem Dingen eine Meinung und kein Sachtext, ansonsten hĂ€tte ich in Form eines wissenschaftlichen Aufsatzes mit Fußnoten und Quellenverweisen gearbeitet. Mag sein, dass meine eigen Position dennoch unklar geblieben ist, doch ich bin der Raumfahrt gegenĂŒber insgesamt durchaus sehr positiv eingestellt. Ich denke, deutlich wurde aber, dass ich gegen Raumfahrt im erdnahen Weltraum (den Mond schließe ich dabei mit ein) gar nichts habe, und die Entwicklung der Raumfahrt kann so auch vorangetrieben werden. Was mich Ă€rgert ist, dass zu wenig kritisch reflektiert wird und zwar an den Stellen, wo es wirklich wichtig wĂ€re. Als Anekdote dazu ein Interview, welches ich neulich miterlebt hatte, GesprĂ€chspartner war ein hoher Vertreter des DLR. Die Journalistin stellte ebenfalls die Frage nach dem Kosten-Nutzen VerhĂ€ltnis, worauf der Mann antworterte, dies so doch alles mit Regierungsabkommen besiegelt worden. Daraufhin die Journalistin: "Das heißt doch nicht, dass es auch vernĂŒnfig ist.". Der gute Mann kam völlig ins Stottern und sagte schließlich: "Nein, dass heißt es nicht, aber davon gehe ich aus.". Also bitte, wenn an oberster Stelle so unreflektiert argumentiert wird, darf und sollte man es in Frage stellen.



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jon
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Schade, dass von all diesen Dingen im Orginaltext so wenig rĂŒberkommt. Vor allem der Eindruck "mangelnden Hintergrundwissens" mĂŒsste behoben werden (Stichwort Ozon).
Ich glaube, du bist beim Text in die "Falle" getappt, so sachlich wie möglich klingen zu wollen – wenn du das Ganze in dem Ton geschrieben hĂ€ttest wie die ErklĂ€rungen, kĂ€me es womöglich besser. (Dann wĂŒrden dir vielleicht auch noch so oft Satzmonster aus der Feder fließen.)

Aber zu den ErklÀrungen:


quote:
Kostspielig und gefÀhrlich bezieht hier doch auf die bemannte Raumfahrt, oder sehe ich das falsch?
Sorry, war ein Lesefehler von mir. Wobei die Frage nach "teuer" im Text trotzdem unbeantwortet bleibt.


quote:
Dass die Ressourcen Fortschritt gebracht haben beweist außerdem nicht viel, denn dieser Fortschritt wurde auf dem RĂŒcken amerikanischer Urweinwohner und afrikanischer Sklaven erzielt und ob das sinnvoll ist, wage ich zu bezweifeln. Gut, auf dem Mars stellt sich dieses Problem wohl nicht.
Dass die Nutzung der "Erkenntnisse" mit "falschen Mitteln" erfolgte, heißt doch nicht, dass man der Nutzung als solche Sinn absprechen kann. (Ob sich auf dem Mars das Problem nicht stellt, ist noch nicht raus – dĂŒrfte Leben, nur weil es nicht "höheres Leben" ist, einfach ausgelöscht werden? Aber das ist ein anderes Thema.)

quote:
quote:
Sollten wir uns nicht zudem vor allem darauf konzentrieren, dieses Leben zu erhalten, anstatt es immer mehr zu zerstören?

Raumfahrt zerstört kein Leben, aber ist finanziell sehr eng mit dem Staat verbunden und verschlingt enorme finanzielle Ressourcen. Diese Ressourcen, grĂ¶ĂŸtenteils in staatlicher Hand, könnten sehr wohl fĂŒr andere (Forschungs-)Zwecke eingesetzt werden, eben auch zum Erhalt des Lebens auf der Erde.

Siicher, siiicher
 Es ging bei meinem Hinweis ums Handwerkliche: So wie du es formuliert hast und im vorliegenden Kontext, heißt es "Indem wir Geld fĂŒr Raumfahrt ausgeben, zerstören wir Leben." und das ist falsch. Wir zerstören es auf andere Weise. Richtig wĂ€re "Sollten wir uns nicht darauf konentrieren, der Zerstörung des Lebens Einhalt zu gebiten, statt das dafĂŒr nötige Geld in den Weltraum zu jagen?"


quote:
Das Paradoxe an dieser Vorstellung ist, dass ein bemanntes Marsprogramm laut der NASA etwa 450 Milliarden Dollar veranschlagen wĂŒrde. WĂŒrde man einen vergleichbaren Betrag in den Artenschutz investieren, sĂ€he es um die Zukunft manchen Primaten vermutlich wesentlich besser gestellt aus.
GUUT! DAS hĂ€ttest du sagen sollen! (Statt dessen hast du etwas paradox genannt, was du gar nicht als paradox meintest – ein handwerklicher Ausrutscher.

quote:
Dass dieses Paradoxon auf die Raumfahrt beschrÀnkt sein soll, behaupte ich ja gar nicht, doch das macht es nicht minder paradox.
Meiner Meinung nach sollte man möglichst spezifisch bleiben – wenn man Raumfahrt als Thema hat, sollte man dabei bleiben. Wenn das nicht geht (weil das Argument ein allgemeineres, hier nur ebenfalls passendes ist) lohnt m.E. ein Hinweis der Marke "das ĂŒbliche Problem taucht auch hier auf" (oder so).


quote:
Ob es sich nun um die Suche nach Leben auf anderen Planeten oder die Suche nach Leben, dass auf anderen Planeten entstand handelt, halte ich fĂŒr Haarspalterei.

die du aber selbst in den Text gebracht hast, indem du eben nicht gesagt hast "Obwohl es dort die Bedigungen fĂŒr Leben gibt, ist nicht gesagt, dass es dort leben gibt" sodnern eben "obwohl es dort Bdingungen fĂŒr Leben gibt, ist nicht gesagt, dass es dort auch entstanden ist." (Auch das ist ein handwerkliches Problem, das sich "nur" zu einem inhaltlichen entlĂ€dt.)

quote:
quote:
Jenseits des Mars gibt es unserem Sonnensystem aber außer dem Jupitermond Europa kaum einen weiteren Ort, wo wir ĂŒberhaupt mit Leben so wie wir es kennen rechnen können.
Das "kaum" möchte ich nur ungerne streichen, denn sicher sein kann man da nie.

damit nimmst du dem Argument jedoch sofort selbst den Wind aus den Segeln. Das Argument ist (mal ĂŒberspitzt): „Es gibt dort sowieso nichts, wonach zu suchen lohnt“, in dem Moment, wo du einrĂ€umst, dass es vielleiiiiiicht doch was gibt, rĂ€umst du ein, dass die Suche doch lohnt. (Fehler im Argumentationshandwerk)



quote:
Es gibt eben kein "noch", die Raumfahrt zu anderen Sternensystemen wird aus physikalischen GrĂŒnden unmöglich bleiben, es sei den unser gesamtes physikalisches Weltbild ist falsch. Denn schneller als Licht kann sich nicht bewegen (die Beschleunigungsenergie mĂŒsste unendlich sein), und selbst bei annĂ€hernder Lichtgeschwindigkeit wĂ€re die Energie zur Beschleunigung auch kleiner Massen (ein Raumschiff ist aber eine große Masse)unglaublich hoch. Selbst wenn das ginge, die Distanzen sind dann immer noch so enorm, dass man nicht sehr weit kĂ€me.

Gegenargument: Wer gibt dir die Sicherheit, dass Generationsraumschiffe nie (!) in Betracht gezogen werden?
Und: Und was, wenn unser jetziges Weltbild "falsch" (besser: „in diesem Punkt unvollkommen“) ist?

quote:
Außerdem wĂŒrde die kosmische Strahlungsbelastung in einem unertrĂ€glichen Maße zunehmen (mehr Strahlenschutz wĂŒrde aber wiederum mehr Masse des Raumschiffs bedeuten).

Strahlenschutz mit heutigen Mitteln.

quote:
Und zu guter Letzt wĂŒrden die auf der Erde ZurĂŒckgebliebenen aufgrund der RelativitĂ€tstheorie niemals wieder etwas von den Raumfahrern hören, da die Zeit auf der Erde sehr viel schneller vergeht als an Bord des Raumschiffs. Also, es gibt leider ganz klare physikalische Grenzen.
Warum sollte dieses physikalische Problem eine Grenze fĂŒr den Forscherdrang (der Reisenden!) sein? Auch heut wird (Grundlagen-)Forschung betrieben, die erst fĂŒr zukĂŒnftige Generationen vonbdeutung sein wird


quote:
Zum Ozon: Astronomen gehen davon aus, dass Ozon in messbaren Mengen ein sicheres Indiz fĂŒr die Existenz organisches Leben ist, darauf konzentriert sich nun einmal die Suche.
Interessant, wusste ich noch nicht (kannst du mir einenLink sende, wo ich was dazu lesen kann?). Meine Frage bezog sich aber auf den falsch konstruierten Satz.


quote:
Starke EinschrÀnkungen der bemannten Raumfahrt sind durch den Einsatz und die Weiterentwicklung von Robotern und Sonden möglich.

DAS ist nicht mein Problem mit der Textselle – mein Problem ist, dass du sagst „bemannte Raumfahrt ist Grundlage“ und in selbem Atemzug „man kann diese Grundlage aber vernachlĂ€ssigen".
(Inhaltlich: NatĂŒrlich kann man heute das meiste, was die Astronauten da oben machen, durch Maschinen machen lassen, und in Zukunft wird das noch extremer. Das wissen auch alle. Trotzdem werden – eben weil das Fernziel Kolonalisierung ist – Menschen hochgeschickt, umd – mal deutlch gesagt – als Versuchskarnickel zu dienen.)


quote:
Zur astronomischen Forschung: die Amerikaner sind zur EnttÀuschung der EuropÀer mit Hubble sehr halbherzig umgegangen. Es bringt doch nichts, wenn die Technik da ist, aber nach den Vorlieben einiger weniger zum Einsatz kommt.
Genau! Das wĂ€re ein Punkt, an dem ĂŒber Kosten/GlobalitĂ€t hĂ€tte gesprochen werden können.

quote:
Astronomische Forschung im sichtbaren Bereich des Lichts ist zwar immer noch sehr wichtig, doch andere Strahlungsbereiche werden immer bedeutsamer. Röntgenteleskope können im Orbit stationiert werden, weiter muss man dafĂŒr nicht, und Radioteleskope können gleich auf der Erde bleiben, da macht es also gar keinen Unterschied.

ich merke schon, ich bin in allem etwas visionĂ€rer als du: HEUTE trifft das sicher zu, aber zur Astronomie gehört ja auch die Planetologie, die von der Erde aus nicht machbar ist, und sehr ferne Objekte kann man heute nur "rechnerisch interpretieren" – wie sie wirklich aussehen, sieht man erst, wenn man hingucken kann. Oder die Suche nach Planeten – meines Wissens sind sie nur in SonderfĂ€llen "nicht optisch" zu finden (, und die hochinteressanten erdĂ€hnlichen Planeten gehören zudem nie in diese SonderfĂ€lle.)


quote:
Was mich Àrgert ist, dass zu wenig kritisch reflektiert wird und zwar an den Stellen, wo es wirklich wichtig wÀre.

 da stimme ich zu. Aber – und das ist wieder Handwerk – wenn es darum geht, in diesen und jenen FĂ€llen mehr Nachdenken zu fordern, ist es immer (fĂŒr die Wirkkung des Textes) effektiver, solche FĂ€lle konkret zu nennen (Stichwort Hubble).
PS: Die Anekdote ist gut!
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalÀsst (Klaus Klages)

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