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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Sinnlose Flocken
Eingestellt am 30. 11. 2001 08:45


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Sebastian Dalkowski
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2001

Werke: 33
Kommentare: -1
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Sinnlose Flocken

Ich schaue aus dem Fenster und stelle fest, dass es zu schneien begonnen hat. Einen Tag vor Ostern. Der Schnee fällt in dicken, schönen Flocken vom Himmel, wie eine große, unbesiegbare Armee, eine entschlossene Truppe, doch kaum berühren sie den Boden, zerfließen sie zu Wasser und verlieren sich im Grau des Asphalts. Sie sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Und in diesem Moment, als ich deprimiert erkennen muss, dass keine einzige Flocke liegenbleibt, in diesem Moment da muss ich an einen Schriftsteller denken, den ich für ein Zeitungsinterview getroffen habe und der gesagt hat, dass er eigentlich gar nicht mehr wisse, warum er überhaupt Schriftsteller geworden sei.
„Wieso?“ fragte ich neugierig und er antwortete: „Ach, weißt du, die Leute vergessen so schnell, wenn sie überhaupt etwas aufnehmen. Ich kann mir meine Worte noch so wohlüberlegt zurechtlegen, noch so klangvoll feilen...spätestens wenn sie meine Lesung verlassen haben sind meine Worte Opfer ihrer Gedankenlosigkeit. Wichtiger ist nun, wann der nächste Bus sie nach Hause bringt und ob noch irgendwo eine Kneipe offen hat.“
Und er seufzte resigniert und nahm einen Schluck Kaffee, gerade so, als wolle er den üblen Nachgeschmack, den dieser Gedanke hinterlassen hat, auf diese Weise wegspülen und vergessen machen.
Mittlerweile hat es fast aufgehört zu schneien, doch noch immer suchen meine Augen in der hereinbrechenden Dunkelheit nach weißen Flecken auf dem nassen Asphalt. Und erst als der letzte Schnee in Dauerregen übergegangen ist, wende ich mich ab und gehe in mein Zimmer. Und ich hoffe, dass ich nie an Ostern als Schneeflocke niedergehen werde.

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Sanne Benz
Guest
Registriert: Not Yet

hallo sebastian,
der bezug schneeflocke/schriftstellers gedanke ist wirklich klasse.
hat mir vor augen gehalten,das es mir auch ift schon so ging..leider..aber entschuldigender weise..kann ich sagen..
ich hatte immer schon schwierigkeiten,seit der schulde..mir gedichte zu merken..nicht mal meine eigenen kann ich behalten,auswendig..
nun frage ich mich, ob es einfach diese..GEDANKENLOSIGKEIT ist,von der dieser schriftsteller sprach..?
gefällt mir wirklich,gerade auch darum..weil du mir ein bild dazu geliefert hast..
lg
sanne

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

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ja,

deine kleine geschichte ist hinreißend rührend. und eine sehr schöne methapher. ganz lieb grüßt
__________________
Old Icke

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