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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Sinnloses Trumm
Eingestellt am 12. 10. 2005 00:45


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sohalt
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Staubf├Ąnger

Etwas das man nicht braucht. Wie das gute Porzellan zum Beispiel.

Aber aufpassen muss man darauf. Man muss, muss, muss. Weil es ja so leicht kaputt geht. Weil es ja so teuer ist. Und ├╝berhaupt, eine Zumutung ist das, wie so was Achtung! Aufpassen! verlangt. Aber was soll man machen? Da ist es nun mal. Sicher in der Vitrine, nutzlos, f├Ąngt Staub.

Man k├Ânnte es nat├╝rlich auch hervorholen, f├╝r besondere Anl├Ąsse, ja, man w├╝rde das tats├Ąchlich tun, zu besonderen Anl├Ąssen. Aber besondere Anl├Ąsse sind nie.

Man k├Ânnte nat├╝rlich trotzdem. Vielleicht wird es dann ja sogar gerade dadurch ein besonderer Anlass, wer wei├č. Es gibt eigenartige Wechselwirkungen in diesen Angelegenheiten, wer wei├č, was sich tut unter den Wassern, wer wei├č, welche Str├Âmungen sich treffen in den Tiefen, niemand. Und deswegen, genau deswegen, schwebt der Dunst einer M├Âglichkeit ├╝ber dem Wasserspiegel in manchen Momenten und das ist das Problem. Die Hoffnung als Dunst.

Denn man kann nat├╝rlich nicht. Man kann nicht einfach den G├Ąsten das Kostbarste vorsetzen, ungefragt. Manche w├╝rden das ja tun und sich so wahnsinnig gro├čz├╝gig vorkommen dabei, ja klar. Aber die denken nicht nach. Wer nachdenkt, der sieht ein: es ist im Grunde die feinste R├╝cksichtslosigkeit. Denn wenn das schon zu dir so nach Achtung! Aufpassen! schreit, wie dann erst zum Gast! Und wenn du schon ├Ąchzt, unter der Zumutung, wie dann erst dein Gast! Er kann es nie ersetzen, wenn er es zerbricht, das wei├č er doch, na, da wird er sich ja wohl f├╝hlen damit. Ein vergn├╝glicher Abend wird das dann.

Lass also die Vitrine in Frieden, schiel am besten nicht einmal in ihre Richtung. Der vorsichtige Gast w├╝rde es bemerken, und sich bem├╝├čigt f├╝hlen, abzuwinken.
"Lass nur, zahlt sich gar nicht aus. Und so lang bleib ich auch gar nicht."

Lass die Vitrine in Frieden und schau was passiert. Schau, was passieren muss, wenn man etwas ehrf├╝rchtig unber├╝hrt l├Ąsst. Ein Schrein wird daraus, und ein Schrein braucht eine Reliquie, ein Schrein braucht die ├ťberreste von etwas Totem. Ein Platz f├╝r den Tod in deinem Wohnzimmer. H├╝bscher Effekt, nicht?

Es hilft ein bisschen, die Vitrine nicht zu putzen, aber nur insofern, als dass der Gast hinter den schmutzigen Scheiben die Wertsache nicht erkennt und sich nicht wundern muss, was es denn damit auf sich hat. Das erspart zumindest peinliche Fragen. Die schmutzigen Scheiben helfen sonst nicht besonders viel, denn du selbst wei├čt ja, was dahinter ist.

Am besten w├Ąre also, du w├╝rdest das Klumpert los. Es verstr├Âmt so penetrant seine vorwurfsvoll spinnwebenverhangene Pr├Ąsenz, die macht dir dein Heim direkt ungem├╝tlich. Und es nimmt auch so viel Platz weg. Was man alles stattdessen hineinstellen k├Ânnte in die Vitrine, B├╝cher, wichtige Gedanken, Gedanken, die einen weiter bringen! (Wohin, wohin? Egal. Raus. Raus in die frische Luft). Aber das hier, das erz├Ąhlt dir immer nur die gleichen alten Geschichten, nein, weiter bringt dich das nicht.

Also weg damit! Weg! Ab in den M├╝ll und nie wieder dran gedacht.

Aber das geht nicht. Nicht so lang es noch ganz ist. Es w├Ąre eine S├╝nde. Ja. Das hier sogar wirklich. Das hier w├Ąre sogar wirklich eine S├╝nde.

So ist das eben: Du darfst es nicht weg schmei├čen, so lange es ganz ist.

Macht sich also bitte wer die M├╝he und bricht es?

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.A mesure qu'on a plus d'esprit, on trouve qu'il y a plus d'hommes originaux. Les gens du commun ne trouvent pas de diff├ęrence entre les hommes. (Pascal)

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Marius Speermann
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Gef├Ąllt mir. Ob allerdings die n├Ârdlich von ├ľsterreich wohnenden deutschen Muttersprachler alle wissen, was ein "Trumm" oder ein "Klumpert" ist, bezweifle ich.
Diese Worte kamen gerade in der internen Diskussionsgruppe meiner Firma auf, konkret "Trumm" wurde von den Norddeutschen Kollegen nicht verstanden.

Marius

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sohalt
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Hmm.

Berechtigter Einwand. Aber erschlie├čt es sich nicht aus dem Kontext?

(├ťbrigens: Wow. Extra flottes Feedback! Danke)

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sohalt
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Dr├╝ber geschlafen und festgestellt: Der Titel ist wirklich nicht gut. Wie w├Ąr's mit "Staubf├Ąnger"? Besser?

Am Klumpert h├Ąng ich aber. K├Ânnte man nat├╝rlich auch durch Ger├╝mpel ersetzen. Notwendig?

lg
sohalt
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jon
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ÔÇŽnicht ersetzen, bitte! Aus dem Zusammenhang erschlie├čt sich "Klumpert" einwandfrei. Vor allem aber: Ger├╝mpel klingt eher nach "Schrott" (, ist es inhaltlich nicht, ich wei├č), nach "M├╝ll", nach einem ÔÇťBerg Unn├╝tzes". Was du beschreibst ist aber eher das eine ÔÇ×DetailÔÇť, das einen wahhhnsinnig st├Ârt, weil es noch da ist, eben noch nicht beim Ger├╝mpel gelandet ist.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dal├Ąsst (Klaus Klages)

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sohalt
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Ja, ich war sowieso sehr f├╝r das Klumpert.

Andere Frage: Erstaunlich viele Reaktionen, die ich anderweitig auf diesen Text bekomme, beziehen sich tats├Ąchlich auf Geschirr. Ist da was schief gegangen?

lg
sohalt
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