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Leselupe.de > Ungereimtes
Sitz Nr. 23
Eingestellt am 22. 01. 2005 10:40


Autor
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dasZottel
???
Registriert: Nov 2004

Werke: 23
Kommentare: 28
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So zur Mittagszeit,
Taktlos lie├č mich das Sch├╝tteln
Und Zucken im ganzen K├Ârper
Den Verstand verlieren.
Die Beine wurden schwer
Und nur mit M├╝he,
Unf├Ârmig und gekrakelt,
Schrieb ich die Nachricht auf ein zerknittertes Blatt Papier.
Leise klapperte der L├Âffel,
Als ich die Tasse Tee
Mit zittrigen m├╝den Fingern
Zum Munde f├╝hrte.
Eigentlich ging┬┤s mir gut.
Ich war frei,
Unbetastet von Stress und L├Ąrm,
Weg von Last und Arbeit.
Der Tee lief mir auf die Hose,
Denn zu schwach war die Kehle,
Konnte nicht schlucken,
Konnte nicht halten.
Welch erb├Ąrmlichen Anblick,
Musste ich geboten haben,
Hilflos, lustlos, klein,
Am fr├╝hen Mittag?!
Schwankend suchte ich nach Halt,
Einer T├╝rklinke, einem Tisch, irgendetwas,
Fiel mit voller Wucht und lautem Knall
Samt der Schrankdekoration auf den harten Boden.
Nur ein paar Minuten
F├╝hlte ich die Furchen,
Das Ziehen und die Zerm├╝rbtheit
In jedem Muskel und Knochen.
Es tat weh und auch gut,
Denn nur selten sp├╝rte ich
Die Teile meines K├Ârpers und jede Faser
Je zuvor so intensiv und bewusst.
Kr├Ąmpfe begleiteten meine unsicheren Schritte
Bis zur T├╝r und dem Schl├╝sselbrett.
Nur 2 Meter erschienen wie ein Marathon,
In dem das Gleichgewicht extrem litt.
Der Schl├╝ssel, in den starren Fingern gefangen,
Bohrte sich in die Handfl├Ąche.
Der Zettel in der anderen
Landete umst├Ąndlich im Briefkasten.
Ich war weg,
Die Stra├če weit,
Die Luft rein,
Die Tasche schm├Ąchtig gepackt.
Mit gr├Â├čter Anstrengung versuchend mich zu beherrschen,
Stolperte ich schmerzhaft l├Ąchelnd
├ťber die Stra├čen,
Kreuzungen und Wiesen.
Zufrieden mit mir und der Welt,
Geradewegs und ohne Zweifel,
F├╝hrten meine Schlenker, so ungelenk wie naiv,
Zum Bahnhof, dem Tor zu einem neuen Leben.
Ob sie schon zu Hause waren,
Die Nachricht schon gefunden hatten,
Schon weinten oder eher nicht,
wusste ich nicht, wollte ich nicht wissen.
Ich hoffte sie w├╝rden, so herzlos es auch war,
Ebensolche Qualen und Eskapaden
Durchzustehen haben, wie ich
Sie durch ihre Hand erfahren hatte.
Ich hoffte sie w├╝rden, so widerspr├╝chlich es auch war,
Anrufen und betteln, mich anflehen
Voll Unterw├╝rfigkeit, ich sollte doch bitte,
Bitte, bitte, bitte zur├╝ckkommen, nach Hause.
Ich kannte noch nie ein Zuhause,
Au├čer die Weite, die Ferne,
Die mich schon immer m├╝tterlich
Und liebend in die Arme geschlossen hatte.
Niemand auf dieser Erde
K├Ânnte auch nur im geringsten
Meine Erl├Âsung nachempfinden
Im Moment des Abfahrtspfiffes.
Ein sanfter Ruck,
Dann rattern, Schnaufen, Ächzen,
Die Laute der Reise
Umgaben mich mit neuer Lust.
Der Drang erwachte.
Der Korpus kribbelte
Zappelig sa├č ich im Sitz
Mit der Nummer 23.

__________________
Wer sagt, er lese Gedichte, um sich daran zu erfreuen, l├╝gt. Wer sagt, er lese Gedichte, ohne sich daran zu erfreuen, l├╝gt ebenfalls.

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bonanza
Guest
Registriert: Not Yet

sehr geheimnisvolle episode.
nach dem lesen will ich mehr wissen von diesem menschen.
und den hintergr├╝nden. ist er alt und schwach?
ist er krank? was macht sein fernweh aus?
wer sind die menschen, die ihn bitten sollen, da├č er
zur├╝ckkommt?
fragen, fragen, fragen.

auch unbeantwortet mit spannung gelesen.

bon.

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dasZottel
???
Registriert: Nov 2004

Werke: 23
Kommentare: 28
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Danke f├╝r dein Kommentar, mir war bis jetzt ehrlich gesagt nicht aufgefallen, dass ich nichts ├╝ber die Person verrate, als ich andere Texte durchsah fiel mir auf, dass ich es dort ebenso hielt. Vielleicht ist die Fantasie gefragt, wenn h├Ąttest du denn am liebesten auf dem Sitz Nr.23 sitzen? Doch andererseits k├Ânnte ich dir auch verraten, dass mehr Autobiografie in diesem Text steckt als in vielen anderen meiner Zeilen.

LIebe Gr├╝├če
Zottelchen
__________________
Wer sagt, er lese Gedichte, um sich daran zu erfreuen, l├╝gt. Wer sagt, er lese Gedichte, ohne sich daran zu erfreuen, l├╝gt ebenfalls.

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bonanza
Guest
Registriert: Not Yet

zottel

aber ein paar hinweise k├Ânntest du doch einem
interessierten leser geben. da ich keine ahnung von deiner
biografie habe.

gru├č
bon.

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Denschie
Guest
Registriert: Not Yet

hallo zottel,
dein gedicht hat seine l├Ąngen.
gerade im mittelteil h├Ątte es jeder
zweite satz auch getan.
ich habe das gef├╝hl, dass es um ein junges
m├Ądchen geht, das von zu hause "wegl├Ąuft".
deine umsetzung n├Ąhert sich diesem thema
sehr ernst, was mir gef├Ąllt. es macht nicht
den anschein eines teenies, der nach einem
streit seinen rucksack packt und f├╝r die
n├Ąchsten drei stunden ganz ernsthaft beschlie├čt,
sich nie wieder zu hause blicken zu lassen.
diese person sitzt tats├Ąchlich im zug und f├Ąhrt.
das ist spannend, wenn auch, wie gesagt,
an manchen stellen zu wortlastig.
viele gr├╝├če,
denschie

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bonanza
Guest
Registriert: Not Yet

komisch, da├č ich nicht an ein m├Ądchen dachte oder an
eine sehr junge frau. dabei hatte ich die weglauf-
phantasien fr├╝her auch.
ich dachte an eine alte oder kranke frau.
vielleicht liegt das daran, da├č ein m├Ądchen diesen
text nie so geschrieben h├Ątte. das f├╝hrte mich in die
irre.

bon.

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