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Leselupe.de > Humor und Satire
Sitzkultur
Eingestellt am 22. 01. 2002 22:54


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Mößner, Bernhard
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Sitzkultur

Seit seinem etwas unr√ľhmlichen Auszug aus dem Paradies, m√ľht sich der Mensch, nicht nur seine Bl√∂se zu bedecken, sondern auch etwas zu besitzen. Von der Natur mit einem daf√ľr geeigneten Sitzorgan ausgestattet, setzt er alles daran, sich auf alle denkbaren Sitzgelegenheiten nieder zu setzen. Besatzungsm√§chte entwickeln die √ľble Angewohnheit, sich oft l√§ngere Zeit in fremden L√§ndern festzusetzen, ohne dass sie von den Besetzten darum gebeten worden w√§ren. Wer bereits in der Schule sitzen bleibt, erh√§lt die Chance, ein Jahr zu wiederholen, eine M√∂glichkeit, die uns die Schule des Lebens sp√§ter leider nicht wieder bietet.
Wo die Menschheit sich niederzusetzen hatte, dar√ľber ent-schieden in grauer Vorzeit allein die himmlischen M√§chte: Bei Eberbraten und Met sa√üen die G√∂tter unserer germanischen Urv√§ter bei ihren Sitzungen auf rauen B√§ren-fellen, w√§hrend die G√∂tterkollegen aus dem etwas sonnigeren Olymp lieber bei den Erdent√∂chtern sa√üen, wo sie, sehr zum Missfallen ihrer g√∂ttlichen Gemahlinnen, nicht nur Europas Kultur stellenweise befruchtet haben.
St√ľrmisch verlief die Entwicklung der Sitzgewohnheiten derweil bei den erdebewohnenden, sterblichen Menschen: Sie wurden sesshaft! Eine Sitzungshochkultur folgte nun der anderen. Sa√üen Vorsitzende in grauer Vorzeit noch im Schatten von Linden und Eschen, um vorzusitzen, so pressten diese ihre erlauchten Hintern sp√§ter mit Vorliebe auf goldverzierte Throne. Inwischen sitzt man ehrenamtlich auf gediegenen Regierungssitzen, sofern die parlamentarische Sitzverteilung dies zul√§sst und kassiert daf√ľr bescheidene Sitzungsgelder. Die industrielle Entwicklung von Sitzm√∂beln revolutionierte die Sitzm√∂glichkeit der Sitzungsbeflis-senen. Die Ergonomie ist die Wissenschaft des k√∂rperbewusst Sitzenden. Wer auf dieser Welt Gro√ües leistet, leistet dies im Sitzen!
Eingesessene Firmenbesitzer besetzen Marktanteile und gr√ľnden neben ihren Firmenhauptsitzen nach M√∂glichkeit noch einige Nebensitze. Gro√üe Firmen firmieren dagegen oft ganz bescheiden im Briefkasten eines fernen Zwergstaates oder sie gr√ľnden eine "Holding", deren Vorsitzende in der Regel auf irgendwelchen Inselchen sitzen, um ihre schwer verdien-ten Gewinne vor den festgesetzten Steuers√§tzen ihrer heimischen Finanzbeh√∂rde zu retten. Die Mitglieder von Verb√§nden, Parteien oder Vereinen w√§hlen bei eigens einberufenen Sitzungen satzungsgem√§√ü ihre Vorsitzenden. Im Gegensatz zu gew√§hlten Vorsitzenden werden uns Vorgesetzte vorgesetzt. Vor unsere eigene Nase zumeist, wo wir uns sowieso nicht h√§tten hinsetzen k√∂nnen. Dort sitzen sie nun, die Vorgesetzten und achten darauf, dass wir √ľbrigen Arbeitsplatzbesetzer nicht einfach nur so auf unseren Arbeitspl√§tzen herum sitzen.
T√ľckische Sitzgefahren lauern in √Ąmtersesseln: Durch langes Verweilen in diesen kommunalen und staatlichen Dienstsitzen, verformt sich das anfangs zarte Sitzfleisch dieser bedauernswerten Mitb√ľrger zu z√§hem Sitzleder. Wer einmal einen solchen Platz besetzt hat, der sitzt dort meistens bis zu seiner Pensionierung fest.
Andere, meist nicht beamtete Mitmenschen, sehen sich nach Gerichtsitzungen gar gezwungen, bei Wasser und Brot eine l√§ngere Zeit in daf√ľr bestimmten Einsitzh√§usern einzusitzen.
Ein weltweit bekannter Politiker mit imposanter Sitzfl√§che war dank seiner Kunst, sich durchzusetzen und Probleme auszusitzen, nur schwer von seinen Kommandositzen abzul√∂sen. Spontan besetzt und meist freiwillig wieder ger√§umt werden dagegen mehr oder weniger ergonomisch geformte Keramiksitze, auf denen man gerne, was allzu irdisch ist, hinter sich l√§sst. √Ąhnlichkeiten zu Regieruns-sitzen bestehen dabei nur insofern, dass auch hier der Damensitz und das Sitzen zwischen den Sitzen vermieden werden sollte. Auch soll der Mensch nicht sitzen, wo die Sp√∂tter sitzen!
__________________
-Bernhard Mößner-

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flammarion
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mannomann,

hoffentlich hat mein gel√§chter jetzt nicht die ganze nachbarschaft geweckt. ich danke dir f√ľr diese k√∂stlichkeit. da haste aber recht gr√ľndlich recherchiert. ganz lieb gr√ľ√üt
__________________
Old Icke

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Mößner, Bernhard
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Sitzkultur

Danke, oldike, f√ľr Dein dickes und schnelles Lob!
Es freut mich, dass sich unter den "Humor & Satire"-Lesern
und Mitarbeitern nicht nur Seelchen und Mimosen befinden!
-Bernhard-
__________________
-Bernhard Mößner-

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Criss Jordan
???
Registriert: May 2001

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Hihihi

Tut mir echt leid, aber bei Lekt√ľre dieses Textes hielt es mich nicht auf meinem Sitz... *gg* ich hab gelegen vor Lachen... weiter so! Gibts das auch f√ľr Standhafte Vorsteher einer Standbahn?

Criss
__________________
Ensign Criss Jordan
Protection Highlander NCC 2404-A
K√ľchenchef bei Das Kochbuch

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jon
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Mein Kommentar zu diesem Text:

Da sitzt jedes Wort!
ODER
Sitzt, wackelt und hat Luft.
ODER EINFACH
Danke!
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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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