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Leselupe.de > Humor und Satire
Skat-Platt(heiten)
Eingestellt am 08. 11. 2000 23:19


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Ralph Ronneberger
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Als sich die Eingangst√ľr des ehrw√ľrdigen Ratskellers √∂ffnet, hebt der einsame Gast am Stammtisch den Kopf und blinzelt dem Neuank√∂mmling √ľber die randlose Brille entgegen. Sein m√ľdes Beamtengesicht, das er aus dem B√ľro der Stadtk√§mmerei mit hierher gebracht hat, hellt sich ein wenig auf.
"N'Abend Kalle. Bist ja p√ľnktlich, wie ein Mauerer."
Kalle Ziegler war tatsächlich einmal Maurer. Jetzt besitzt er eine eigene Firma. Die tiefen Sorgenfalten auf seiner Stirn sind relativ frisch und haben mit den derzeit so niedrigen Baupreisen zu tun.
"Tach Säckel! Wie geht's? Ein bißchen mehr Farbe könnte Dir auch nicht schaden." lärmt er. In seiner Pranke verschwindet des zarte Pfötchen des Federfuchsers.
√Ąchzend wuchtet Ziegler seinen massigen K√∂rper neben den K√§mmerer, der wirklich Alfred S√§ckel hei√üt.
"Fehlt nur noch unser Zahnklemptner - wie immer."
Es vergehen tats√§chlich noch fast zehn Minuten, bevor Doktor G√ľnter Speichel mit am Stammtisch Platz nimmt. Sein markantes Gesicht zeigt den Ausdruck gespielter Verlegenheit.
"Tut mir leid, aber ich hatte noch einen Schmerzpatienten, dem ich..."
"Mit deiner Sprechstundenhilfe w√ľrden mir die √úberstunden auch gefallen!"
Speichel √ľbergeht Zieglers anz√ľgliche Bemerkung, indem er die Kellnerin mit ausgesuchter H√∂flichkeit um drei Bier bittet.
"Dann kann es ja endlich losgehen!" freut sich S√§ckel, nachdem er den Aktenstaub aus der Kehle gesp√ľlt hat. Schon fischt er Skatkarten, Notizblock und Kugelschreiber aus seinem Jackett.
"Gib her. Heute mach ich mal den Aufschreiber:" Ohne eine Antwort abzuwarten, zieht Ziegler die Schreibutensilien an sich.
"Na klar! Wer schreibt, der bleibt", knurrt Säckel pikiert. "Und wer gibt?"
"Immer der, der so saudämlich fragt."
Der K√§mmerer nickt ergeben und beginnt mit aufregender Langsamkeit und der ihm eigenen Gr√ľndlichkeit zu mischen.
"Hat sich schon mal jemand totgemischt", zischt Ziegler und schaut sichtlich genervt auf Säckels Hände.
"Ich wei√ü, und dann stellte sich heraus, da√ü er gar nicht dran war", kichert der Gescholtene und mischt unger√ľhrt weiter.

Die ersten, f√ľr ihn bestimmten Karten rei√üt Ziegler f√∂rmlich vom Tisch und beginnt sie hastig zu ordnen. Ganz anders der smarte Doktor Speichel. Mit spitzen, noch immer ein wenig nach Desinfektionsmittel riechenden Fingern hebt er geradezu grazi√∂s die Karten auf und steckt sie zu einem formvollendeten F√§cher.
"Geben, hören, sagen - ich höre."
"Achtzehn!" knurrt Ziegler, der mit finsterer Miene sein mieses Blatt anstarrt.
"Da gehe ich mit", nickt Speichel freundlich.
"Zwanzig!"
"Nein - die habe ich nicht."
"Mehr als zwanzig?" bellt Ziegler zu S√§ckel hin√ľber. Der f√§hrt erschrocken zusammen, pr√ľft hastig sein Blatt, furcht die Stirn und √ľberlegt qu√§lend lange, ehe er sich zu "Zweiundzwanzig" durchringt.
"Nee, die Zweiundzwanzig spielst Du!" Ziegler wirkt sichtlich erleichtert.
Säckel dagegen ist irritiert. Eigentlich wollte er das Spiel gar nicht machen.
"Das fängt ja gut an. Die Kerle mauern schon beim ersten Spiel", sagt er böse.
"Reine Berufsehre," schmunzelt Ziegler. Mißtrauisch verfolgt er, wie Säckel den Skat aufnimmt und muß feststellen, daß dieser erleichtert aufatmet.
"Da lagen garantiert zwei goldene Uhren drin", vermutet Speichel. "Na, wie heißt das Kind?"
"Wir spielen Gr√ľn!" kommt es verbl√ľffend schnell zur√ľck.
"Gr√ľn schei√üen die G√§nse im Mai", behauptet der feine Doktor. Er mu√ü es wissen. Sein Bruder ist schlie√ülich Tierarzt.
"Wer kommt? Ach ja. Selbst ist der Mann. Hier - Herz-König. Haste doch mit,Säckel - oder?"
Die erste Karte weht auf den Tisch.
S√§ckel angelt mi√ümutig eine Lusche hervor. Als Ziegler sein Herz-As dar√ľber knallt, hellt sich sein Gesicht auf. Speichel registriert es und sieht seinen Partner vorwurfsvoll an.
"Mensch, mußt Du das As nehmen? Wir hätten ihm elegant die Zehn heraus schnippeln können. Siehste, da ist sie schon!"
"Hach! Keine Bange, die steche ich weg. Und jetzt kommt die!" Ziegler ist richtig in Fahrt gekommen. Sein pl√∂tzlicher Optimismus √ľbertr√§gt sich zwangsl√§ufig auch auf den Doktor.
"So, nun reicht es aber", giftet S√§ckel und sticht mit dem Trumpf-As. Dann haut er den Kreuzbuben auf den Tisch. "Wer den kann, der betr√ľgt!" kr√§ht er.
Doch als Speichel nur mit der Schell-Sieben bedient, wird er bleich.
"Was denn? Keinen Trumpf mehr?" fragt er entgeistert.
"Kann er ja nicht, wenn ich die Pfoten davon voll habe", h√∂hnt Ziegler. "Na, komm, Doktorchen, f√ľttere ihn an. Da mu√ü er n√§mlich stechen. Ja- recht so!"

Immer hektischer wirbeln die Karten auf den Tisch. Der arme Säckel sieht sich mehr und mehr in die Defensive gedrängt, nutzt aber in stummer Verbissenheit jede sich bietende Chance. Als er nur noch zwei Spielkarten auf der Hand hat und ausspielen muß, zögert er lange.
"Na los! Ne Karte oder ein St√ľck Holz!" donnert der siegessichere Ziegler. "Mal sehen, ob wir dich beim mausen erwischen. Na - hab ich's nicht gesagt?"
"Aber das ist noch meiner", behauptet Säckel trotzig. Und tatsächlich darf er den letzten Stich einstreichen.
"Uii, das wird knapp", vermutet Speichel und lehnt sich gelassen abwartend im Stuhl zur√ľck. Derweil sind die anderen mit dem Ausz√§hlen besch√§ftigt.
"Sechzig!" haucht Säckel tonlos.
"Waaas? Speichel kann es kaum glauben. "Arsch in zwei H√§lften? Ich werde verr√ľckt. Jungs - das gibt ne Bockrunde! Apropos Runde! Elvira - noch mal drei Bier - aber fix!"

Gestatten Sie mir, diesen √ľberaus tiefsch√ľrfenden Trialog an dieser Stelle abzubrechen. Wir k√∂nnen die drei ehrbaren Skatbr√ľder jetzt getrost allein lassen. Obwohl es noch ein langer Abend wird, verpassen Sie nichts. Die Herren haben sich alles gesagt. Was nun kommt, ist reine Wiederholung.

__________________
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Michael Schmidt
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Die Hand voll Buben, da fehlt der Schuß und die Aussicht auf "Drei Bock und drei Ramsch", ansonsten war es klasse. Geschichte, die das Leben schreibt.

Mit einer Ausnahme : Gibt es wirklich drei Skatbr√ľder, die allesamt Nichraucher sind?
__________________
Der ErnstFall Michael Schmidt

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GabiSils
???
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Hallo Ralph,

lustig, dass sich die Spr√ľche regionsunabh√§ngig w√∂rtlich gleichen

Gruss,
Gabi

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Ralph Ronneberger
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Hallo Gabi, Hallo Michael,

ich dachte mich tritt ein Pferd, als ich in meiner Mehlkiste den Hinweis fand, es habe jemand auf diesen, nunmehr √ľber zwei Jahre hier herum liegenden Text geantwortet. (War √ľbrigens eine Dialog-√úbung aus einem Schreibkurs) Vielen Dank f√ľr eure "Gr√§berei."

Kaum regionale Unterschiede? Tja Gabi - genau das wollte ich wissen, als ich den Text damals einstellte.

Also Michael - die Böcke sind drin. Den Ramsch hab ich glatt vergessen. Allerdings war auch die Zeilenzahl streng vorgegeben. Und ich habe meine Protagonisten (eher unbewusst) wahrscheinlich Nichtraucher sein lassen, weil ich beim Schreiben dieses "Trialogs" selbst schon viel zu viel Glimmstengel konsumierte.

Viele Gr√ľ√üe
Ralph
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flammarion
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hehe,

ich wollte schon fragen, ob du da meine skatbr√ľder kopiert hast. die waren anfangs auch nichtraucher, weil es mir nur auf die witzigen dialoge ankam. in wahrheit lief der aschenbecher √ľber.
dennoch - saubere arbeit!
ganz lieb gr√ľ√üt
__________________
Old Icke

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Ralph Ronneberger
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Oho, Christa iss am Staubwischen!

H√§tte nie gedacht, dass dieses Textchen aus meiner AAA-Zeit noch einmal hervorgekramt wird. Ich danke jedenfalls f√ľr deinen Kommentar. Ob ich's von dir kopiert habe? Kann mich nicht erinnern. Ich wei√ü aber, dass du einen sehr √§hnlichen Text verfasst hast. Das zeugt von Seelenverwandschaft - oder?

Lieben Gruß vom Ralph
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flammarion
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yeeahh,

seelenverwandtschaft! die ham mer.
jedenfalls ist dein werk dem meinen sehr ähnlich, aber meins is länger, viiiiel länger, ätsch!
ganz lieb gr√ľ√üt
__________________
Old Icke

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