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Leselupe.de > Kurzprosa
Skolopender
Eingestellt am 14. 03. 2008 19:48


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nisavi
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Registriert: Feb 2006

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├ťberarbeitete Version (Ein Versuch. Pr├Ąsens(z.)

Skolopender I

Dort, wo sich einst Sonnen, Monde und Sterne gespiegelt haben, erstreckt sich jetzt endlose ├ľdnis. Gluthitze ist und jeder Tag still.

Wie ein Schnitt klafft das wasserlose Tal auf der Landschaft. Eine Wunde, die nie vernarben, immerfort schmerzen wird.

Teppiche aus verdorrten Pflanzen s├Ąumen die Ufer. Innerhalb kurzer Zeit zerfallen sie und nehmen die Farbe von Kies an. Nach und nach werden sie eins mit dem steinigen Untergrund.
Wo der See tiefer gewesen ist, fault stinkender Algenmorast. Fischb├Ąuche bl├Ąhen sich wei├čgelb darin.

Die Menschen ziehen sich an die R├Ąnder der Senke zur├╝ck und vermeiden es, sich bei Tageslicht zu bewegen. Nachts r├╝cken sie zusammen und besuchen sich gegenseitig in ihren Tr├Ąumen. Das ist einfach, viel einfacher als es vorher gewesen ist, denn M├Ąnner und Frauen, Kinder und Greise, haben denselben Traum. Sie alle schlafen neben einer Erinnerung.

Dann kommt das Ungeziefer. Es kriecht in Scharen ans Ufer. Dunkles Gew├╝rm, das, vom Licht geblendet, hin- und herf├╝hlert. Orientierungslos anfangs. Aber dem Instinkt folgend.
Zun├Ąchst meinen die Menschen, sich der Plage entledigen zu k├Ânnen, so wie sie sich vieler Plagen entledigt haben in ihrer Vergangenheit. Die M├Ąnner versuchen, die Tiere mit Steinen oder Kn├╝ppeln zu erschlagen. Sie geben schnell auf. Der aus den Chitinpanzern quellende gr├╝nliche Schleim ver├Ątzt ihnen H├Ąnde und F├╝├če.
Immer mehr Tausendf├╝├čler schl├Ąngelen sich aus den Gelegen im fauligen Schlamm.

Die Menschen weichen erschrocken zur├╝ck. M├╝tter versuchen, ihre Kinder zu beruhigen. Als schlie├člich kein Platz an den Ufern mehr sicher zu sein scheint, versuchen alle, die Felsen zu erklimmen. Nur die Kr├Ąftigsten unter ihnen sind ├╝berhaupt in der Lage, an den lehmigen W├Ąnden ein St├╝ck emporzuklettern. Die Alten und Kranken geben zuerst auf. Sie lassen sich einfach fallen. Viele Frauen sind zu ersch├Âpft und schwach, um die Anstrengung zu bew├Ąltigen. Lautlos st├╝rzen sie in die schwarze Tiefe. Die meisten nehmen Kinder mit in den Tod.

Nur einige, wenige M├Ąnner sind ├╝briggeblieben, die bluten und keuchen. Sie zittern und schreien nach ihren M├╝ttern. Manche von ihnen verfluchen Gott.

Endlich aber haben sie es geschafft. Sie fassen loses Wurzelwerk und kriechen aus dem Abgrund. Wer aber beschreibt das Erstaunen, welches sie ergreift, als es dort, ├╝ber dem Krater, der einst ein See gewesen ist, zu schneien beginnt? Gro├če Flocken, filigrane Bl├╝tenbl├Ątter, fallen vom Himmel. Die M├Ąnner halten die Augen geschlossen, sie schweigen und kriechen ├╝ber die Erde, nach links und rechts, orientierungslos, getrieben von einer unsichtbaren Kraft. Manchmal halten sie inne, f├╝r wenige Minuten. Sie schlafen ein oder verlieren die Besinnung. Doch wenn sie wieder erwachen oder zu sich kommen, schleppen sie sich weiter. Der Schnee f├Ąllt dichter, hier und da vermutet man eine Spur. Schon bald aber verliert sie sich.

Originalversion

Skolopender

Dort, wo sich einst Sonnen, Monde und Sterne gespiegelt hatten, erstreckte sich jetzt endlose ├ľdnis. Gluthitze war und jeder Tag still.

Wie ein Schnitt klaffte das wasserlose Tal auf der Landschaft. Eine Wunde, die nie vernarben, immerfort schmerzen w├╝rde.

Teppiche aus verdorrten Pflanzen s├Ąumten die Ufer. Innerhalb kurzer Zeit waren sie zerfallen und hatten die Farbe von Kies angenommen. Nach und nach wurden sie eins mit dem steinigen Untergrund.
Dort, wo der See tiefer gewesen war, faulte stinkender Algenmorast. Fischb├Ąuche bl├Ąhten sich wei├čgelb darin.

Die Menschen hatten sich an die R├Ąnder der Senke zur├╝ckgezogen und vermieden es, sich bei Tageslicht zu bewegen. Nachts r├╝ckten sie zusammen und besuchten sich gegenseitig in ihren Tr├Ąumen. Das war einfach, viel einfacher als es vorher gewesen war, denn M├Ąnner und Frauen, Kinder und Greise, hatten denselben Traum. Sie alle schliefen neben einer Erinnerung.

Dann kam das Ungeziefer. Es kroch in Scharen ans Ufer. Dunkles Gew├╝rm, das, vom Licht geblendet, hin- und herf├╝hlerte. Orientierungslos anfangs. Aber dem Instinkt folgend.
Zun├Ąchst meinten die Menschen, sich der Plage entledigen zu k├Ânnen, so wie sie sich vieler Plagen entledigt hatten in ihrer Vergangenheit. Die M├Ąnner versuchten, die Tiere mit Steinen oder Kn├╝ppeln zu erschlagen. Sie gaben schnell auf. Der aus den Chitinpanzern quellende gr├╝nliche Schleim ver├Ątzte ihnen H├Ąnde und F├╝├če.
Immer mehr Tausendf├╝├čler schl├Ąngelten sich aus den Gelegen im fauligen Schlamm.

Die Menschen wichen erschrocken zur├╝ck. M├╝tter versuchten, ihre Kinder zu beruhigen. Als schlie├člich kein Platz an den Ufern mehr sicher zu sein schien, versuchten alle, die Felsen zu erklimmen. Nur die Kr├Ąftigsten unter ihnen waren ├╝berhaupt in der Lage, an den lehmigen W├Ąnden ein St├╝ck emporzuklettern. Die Alten und Kranken gaben zuerst auf. Sie lie├čen sich einfach fallen. Viele Frauen waren zu ersch├Âpft und schwach, um die Anstrengung zu bew├Ąltigen. Lautlos st├╝rzten sie in die schwarze Tiefe. Die meisten nahmen Kinder mit in den Tod.

Nur einige, wenige M├Ąnner waren ├╝briggeblieben, die bluteten und keuchten. Sie zitterten und schrieen nach ihren M├╝ttern. Manche von ihnen verfluchten Gott.

Endlich aber hatten sie es geschafft. Sie ergriffen loses Wurzelwerk und krochen aus dem Abgrund. Wer aber beschreibt das Erstaunen, welches sie ergriff, als es dort, ├╝ber dem Krater, der einst ein See gewesen war, zu schneien begann? Gro├če Flocken, filigrane Bl├╝tenbl├Ątter, fielen vom Himmel. Die M├Ąnner hielten die Augen geschlossen, sie schwiegen und krochen ├╝ber die Erde, nach links und rechts, orientierungslos, getrieben von einer unsichtbaren Kraft. Manchmal hielten sie inne, f├╝r wenige Minuten. Sie schliefen ein oder verloren die Besinnung. Doch wenn sie wieder erwachten oder zu sich kamen, schleppten sie sich weiter. Der Schnee fiel dichter, hier und da h├Ątte man eine Spur vermuten k├Ânnen. Schon bald aber verlor sie sich.


__________________
On a poet's lips I slept.
(P.B.Shelley)

Version vom 14. 03. 2008 19:48

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo nisavi,

grunds├Ątzlich gef├Ąllt mir der Pr├Ąsens besser. Der Einstieg in die ├ľde usw. ist auch v├Âllig okay (m.M.n.).
Vielleicht w├Ąre aber der mittlere Teil ab "Die Menschen ..." wieder im Pr├Ąteritum gut und am Ende, wenn sich "... die Spur im Schnee verliert ..." wiederum ein Absatz mit einer Wendung wie zu Beginn: "Dort, wo sich einst Sonnen, Monde und Sterne gespiegelt haben, erstreckt sich jetzt endlose ├ľdnis. Gluthitze ist und jeder Tag still ..."

Ein Drama sozusagen, kurzes Aufflackern und Bem├╝hen, doch am Ende ist nur ├ľde. Wie eine Sinuskurve. Nur so eine Idee

LG, KaGeb

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