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Leselupe.de > Humor und Satire
Skript
Eingestellt am 25. 09. 2002 23:16


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gnoebel
Autorenanwärter
Registriert: Sep 2002

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Sie wollen also meine Geschichte hören? Na gut, ich erzähle Ihnen meine Geschichte.


Es begann am Morgen danach. Ich hatte die Nacht nicht wirklich geschlafen, saß vor dem Computer, bis es draußen schon wieder hell wurde. Aber mein Verleger kennt da keine Gnade. Wenn er uns armen Autoren eine Frist setzt, dann haben wir die einzuhalten. Naja, Sie als Autor kennen das ja auch. Und meine endete eben an jenem Tag. Aber zum Glück bekam ich es fertig. Es war genau sechs Uhr morgens, als ich die vier goldenen Buchstaben setzte: ENDE
Mein Verleger wollte den Text um elf bei sich auf dem Schreibtisch haben. Also ließ ich den Drucker einfach laufen, während ich mich ins Bett legte, um wenigstens noch ein wenig zu schlafen. Mein Wecker klingelte um neun Uhr, also drei Stunden später. Ich stand auf, machte mich frisch, entnahm dem Drucker das Skript, steckte es ein und öffnete meine Wohnungstür.

Und an exakt dieser Stelle begann meine Geschichte ein wenig seltsam zu werden. Ich sah also auf die Straße hinaus. Doch das war nicht meine Straße. Der Zeitungskiosk an der Ecke war nicht da. Ebenso wie die Bäckerei, in der ich immer meine Brötchen kaufte. Eigentlich fehlte alles, an was ich mich im Laufe meines Lebens gewöhnt hatte. Stattdessen war dort eine ganz normale, anonyme Straße, an der es gar nichts besonderes gab, keine Passanten, keine Geschäfte, keine Bäume.
Die Häuser am Straßenrand waren monotone graue Klötze, die alle irgendwie nichtssagend aussahen. Ein wenig irritiert verließ ich die Wohnung und ging zur Bushaltestelle, die, so hoffte ich zumindest, wohl noch da sein würde. Sie war es nicht. Unschlüssig stand ich an der menschenleeren Straßenkreuzung. Dabei fiel mir auf, daß die Straßen keine Namen trugen. In der Ferne sah ich ein Haus, das sich optisch von den anderen abhob. Ich trat darauf zu. Es war eine Kneipe, sie stand an der Ecke Hauptstrasse/Lindenallee.
Und tatsächlich, hier gab es Bäume am Straßenrand. Auch einige Passanten wanderten an mir vorbei und verschwanden wieder zwischen den grauen Fassaden. Plötzlich wurde ich ziemlich grob angerempelt.
„Pass doch auf!“ herrschte ich den Mann an. Er trug einen Trenchcoat, dessen Kragen er sich als Schutz vor dem Wind hochgeschlagen hatte. Und tatsächlich spürte ich in dem Moment, in dem ich ihn sah, einen leichten Windzug.
„Was stehst du auch im Weg?“ sagte er und betrat die Kneipe. Ich sah ihm eine Weile nach, denn der Typ kam mir irgendwie bekannt vor. Auch die Kneipe hatte ich schon mal irgendwo gesehen. Dann fiel es mir ein. Ich zog mein Skript aus der Tasche und schlug es auf. Seite fünf. Da stand es:

Als Peter sein Appartement verließ, wehte ihm ein eisiger Wind ins Gesicht. Ihm fröstelte es und so vergrub er sein Gesicht im Mantelkragen, als er in seine Stammkneipe ging. Sie stand an der Ecke Hauptstrasse/Lindenallee. Er ging durch die belebte Allee, vorbei an den Bäumen, die sich im Wind wiegten, und betrat schließlich das „Green Horse“, die schummerigste Kneipe in der Stadt.

Kann das denn sein? War ich da wirklich in meiner eigenen Geschichte gelandet? Wie ist das passiert? Und vor allem, wie komme ich da wieder raus? Ich tat das Nächstliegende und betrat das Green Horse. Wirklich eine üble Spelunke, die ich mir da zusammengeschrieben hatte. An der Theke stand ein offensichtlich übel gelaunter Wirt, der einige Gläser polierte. Davor einige Barhocker und ein paar Tische in der Mitte des Raumes, das war alles.
Bis auf Peter war die Kneipe leer. Laut meiner Geschichte sollte er jetzt bald seinen besten Freund Joe treffen, um dann rein zufällig in seinen neuen Fall verwickelt zu werden. Peter Jackson ist nämlich ein Privatdetektiv. Ich schreibe Krimis, müssen Sie wissen. Ich zog mein Skript aus der Tasche und nahm meinem Bleistift, den ich immer mit mir herumschleppte. Dann schrieb ich einige Gäste in das Lokal. An der Theke saß ein Mann, der einer jungen, gutaussehenden Dame schöne Augen machte, hinten in der Ecke spielten ein paar Jugendliche Billard. Ich setzte mich zu Peter. Er erkannte mich.
„Joe, schön dich zu sehen! Was verschlägt dich denn hierher?“ Es hatte also wirklich funktioniert. Ich konnte mit meinem Bleistift hier die Realität ändern.
„Das selbe, wie dich auch. Bierdurst. Jimbo, mach mal zwei klar!“ Der Barkeeper nickte und machte sich ans Werk. Wir unterhielten uns etwa sieben Minuten lang über Gott und die Welt, bis Jimbo uns das Bier brachte.

„Peter, ich will ehrlich zu dir sein. Mein Name ist nicht Joe.“
„Das macht doch nichts.“
„Und ich bin auch nicht dein Freund.“
„Aha...“ ich konnte richtig sehen, wie sein Miene sich verfinsterte.
„Mein Name ist Karl Miller und ich bin Autor. Ich habe eine Geschichte über die geschrieben und jetzt bin ich in ihr gefangen.“
„Aha...“
„Du bist nur meine Romanfigur.“
„Haha... ja, ein guter Witz. Da hast du mir aber einen Schrecken eingejagt. Darauf einen Schluck. Prost!“
„Du glaubst mir nicht?“ Ich schob ihm mein aufgeschlagen Skript über den Tisch, damit er es lesen konnte.

Peter und Joe waren alte Freunde. Beide wuchsen in ärmlich Verhältnissen auf, beide hatten nie Glück im Leben gehabt, kein Geld, keine Arbeit, keine Frauen. Das einzige, was sie wirklich hatten, war ihre Freundschaft.

Gott, war das kitschig! Aber naja, ich hatte es nunmal so geschrieben.

Und wie sie so an ihrem Bier nippten, flog plötzlich ein Stein durch das Fenster und traf Joe am Kopf.

Oh verdammt! Den hatte ich vollkommen vergessen! Schnell nahm ich den Kopf zur Seite und in dem Moment flog ein Stein durch das Fenster und verfehlte mich nur knapp.
„Woher hast du das gewußt?“
„Ich habe es mir vor einigen Wochen ausgedacht. Das hier ist meine Geschichte.“
„Du hast mich also erfunden?“ ich nickte. Auf der Straße standen zwei Männer in schwarzen Anzügen und sahen durch das Loch in der Scheibe.
„Laß dir das eine Lehre sein, Jimbo. Jetzt weißt du, wie schnell etwas passieren kann. Du brauchst Schutz. Wir würden das gerne für dich übernehmen.“ in meiner Geschichte stand Peter an dieser Stelle auf, rannte nach draußen, verfolgte die Erpresser und die Geschichte begann. Aber jetzt war er zu erstaunt über das, was ich ihm eben gesagt hatte und so machte er keine Anstalten in diese Richtung.
„Du warst das? Ich habe das alles hier dir zu verdanken?“
„Ich finde, du bist ein sehr gelungener Charakter.“
„Ach, hör schon auf damit! Du hast mich arm, erfolglos und unattraktiv gemacht. Warum nur?“
„Dies hier ist ein Krimi. Detektive müssen Verlierer sein, das gehört sich so.“
„Und warum bin ich keine Ausnahme?“
„Weil du ganz der stereotype Antiheld sein solltest...“ versuchte ich, mich zu rechtfertigen. Langsam lief das außer Kontrolle.
„Gibs doch zu! Dir ist nichts besseres eingefallen. Und überhaupt, was soll das hier alles? Jeden Tag schickst du mich in diese Kneipe, ich besaufe mich, gerate in irgendein blödes Abenteuer, führe bescheuerte Dialoge mit hölzern wirkenden Leuten nur um am Ende wieder hier zu landen!“ Das interessierte mich jetzt doch. Ich beschloß, ein Experiment zu wagen, nahm mein Skript und fügte einen Satz hinzu, als Versicherung für mich, falls es schiefgehen würde. Dann ließ ich Peter weiterreden. Wann hat ein Autor schon einmal die Gelegenheit, Kritik aus erster Hand zu hören?
„Deine Figuren sind hölzern, deine Dialoge schwach, deine Handlung dämlich und überhaupt, diese ganze Stadt wirkt leer. Du hättest sie mehr beschreiben sollen!“
„Und wie zum Beispiel?“ Jetzt wurde es ernst. Ich gab ihm mein Skript und den Stift. Ich wollte einfach mal sehen, was jetzt passiert.
„Du willst wissen, wie ich das gemacht hätte?“ Er nahm den Stift, und begann, zu schreiben.

...

So, jetzt hatte ich also die Kontrolle. Dies war jetzt meine Geschichte. Dieser häßliche Kerl der einmal mein Freund war, blickte mich aus trüben, leeren Augen blöde an. Draußen standen immer noch die beiden Typen und grinsten uns dämlich an. Ich schrie nach draußen, sie sollen sich endlich verpissen, und das taten sie dann auch. Ich wirke ja auch recht imposant, mit meinen einsneunzig, den breiten Schultern und den stahlblauen Augen, die jedem Mann den Willen brechen können und jede Frau in meinen Armen zu Wachs werden lassen.
Der Typ glotzte mich immer noch an. Ich haßte ihn wirklich, für das, was er mir angetan hatte. Ich schlug ihn KO. Ich stand auf und ging an den Tresen, dann setzte ich mich neben die Blondine. Ich fand, daß dieser– wie hieß er noch – Karl wenigstens hier einen guten Geschmack bewiesen hatte. Ich fand, die Puppe sah wirklich zum Anknabbern aus. Ich schob also, den Typen, der neben ihr saß, beiseite und setzte mich neben die Sahneschnecke.
Ich ließ meinen ganzen Charme spielen und

...

Na endlich! Das war ja nicht zum aushalten. Da gibt man seinem Helden mal die Chance, seine Geschichte selber umzuschreiben, und der hat nichts besseres zu tun, als seine Komplexe zu bewältigen. Außerdem hat der einen erbärmlichen Stil. Zum Glück hatte der andere Karl eine Versicherung abgeschlossen. Und das war ich. Er hatte einen Satz in sein Skript geschrieben, in dem stand, daß er der Mann an der Theke den Namen Karl Miller trug und Schriftsteller war. Hatte sich also noch einmal in die Geschichte geschrieben. Der Haken von diesem Detektiv tat weh, aber ich schlug ihm mit einer Flasche auf den Kopf und entnahm ihm das Skript.
Dann ging ich zu Karl, weckte ihn, gab ihm sein Skript zurück und wartete auf meine fällige Belohnung

...

Die sollte er kriegen. Ich war ihm wirklich dankbar, daß er meine Geschichte gerettet hatte und ließ ihn darum mit der Blondine im Hinterzimmer verschwinden. Dann fiel mir auf, daß er ja eigentlich ich war und ich somit theoretisch die Frau bekam und keine Probleme wegen des Jugendschutzes bekomme. Guter Einfall.
Blieb noch zu klären, daß ich eigentlich nicht so übel aussehe. Eigentlich bin ich sogar recht nett anzuschauen und – Moment, wie hat er das ausgedrückt? – blöde war ich auch nicht. Damit wäre das auch geklärt. Ich ging zu Jimbo und

...

Tat das weh! Ich stand mit dröhnendem Kopf auf und nahm die Flasche in die Hand. Der Typ an der Bar schien Jimbo irgendwas zu erzählen. Egal. Ich stellte mich hinter ihn und rammte ihm die abgebrochene Flasche in den Bauch. Er war sofort tot, das wußte ich. Dann ging ich in das Hinterzimmer und sah den Mann mit meiner Perle spielen. Ich sah ihren hilflosen Ausdruck in den Augen.
„Helfen Sie mir. Sehen Sie nicht, daß er mich hier vergewaltigt?“ Ich schlug dem Lustmolch mit der Faust an den Kopf und nahm die Frau in meine starken Arme.
„Danke, mein Held!“ sagte sie. Dann küßte sie

...

Die Frau merckte, das der Mann sie nur vervü... fer... verfür... anmachen wollte und trat ihn in die E... nein, das schreipt mann nicht... zwischen die Beine. Ich stand gerade an der Teke und füllte Bier ab. Der Laden lif wirklich gut, wie immer. Die Kasse war immer foll und meine Gäste sint immer gerne hier.
Dann hörte ich einen Schrei. Ich ging in das Zimer und half der Frau auf die Beine und gab ihr auf den Schrek einen Schnaps. Den Mann, den sie getreten hat, warf ich aus dem Laden. Der andere Mann war imer noch bewustlos. Dan kam er wider zu sich und ich gab ihm meine Servit... Serw... den Lapen in meiner Hand

...

Was für ein Glück, das ich Jimbo von der Sache mit dem Skript erzählt habe. Er hatte dann die Geschichte auf seiner Serviette weitergeschrieben. Es war auch ein ziemliches Glück, daß Jimbo hier überhaupt Servietten hatte. Er ist schon ein Netter. Zwar nicht der Beste in Rechtschreibung, aber ein Netter. Zum Dank beschloß ich, seinen Text in mein Skript zu schreiben, sobald ich es wiederhatte, damit er seinen brummenden Laden behalten konnte.
Die Frau saß an der Theke, nippte an ihren Drink und lächelte mir dankbar zu.
Ich verließ die Kneipe, trat beinahe auf den immer noch dort liegende Peter und nahm mein inzwischen ziemlich zerfleddertes Skript wieder an mich. Dann schrieb ich schnell eine geheime Tür in das Lokal, trat hindurch und war wieder zuhause.


Sofort setzte ich mich an meinen Schreibtisch und schrieb das neue Skript fein säuberlich ab. Die Geschichte war wirklich um einiges besser, als mein Originaltext, wie ich fand. Meinen Termin bei meinem Ex-Verleger hatte ich natürlich längst verpasst und darum sitze ich jetzt hier und hoffe, daß dieser Verlag meine Geschichte annimmt.
Wann komme ich denn endlich dran? Was macht denn dieser Pratchett so lange im Büro des Verlegers? Möchten Sie meine Geschichte vielleicht lesen? Ihre Meinung als Autor würde mich wirklich mal interessieren.

...

Dieser Trottel gab mir also seine Geschichte. Ich fand sie ein wenig holprig erzählt, aber nicht schlecht, von der Idee her. Ich als einer der begabtesten und berühmtesten Schriftsteller überhaupt kann so etwas gut beurteilen. Eigentlich eine Frechheit, daß mich der Verleger hier so lange warten läßt, noch dazu mit diesem Penner an meiner Seite. Ich nahm also das Skript, strich seinen Namen durch und setzte meinen eigenen Künstlernamen drunter. Ich kenne meine Leser, die merken das nicht. Der Verleger staucht diesen Pratchett ja ganz schön zusammen. Naja, der kann halt nicht an mich heranreichen.

ENDE
__________________
Dieser Beitrag war unsinnig und ich entschuldige mich dafür.

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