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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Sky Pilot
Eingestellt am 13. 05. 2018 19:22


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wowa
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2013

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Sky Pilot

Die starken Verhörlampen durchdrangen George Boltons geschlossene Lider und tauchten sein Bewusstsein in gleißendes Licht. Man hatte ihn fixiert, nur ĂŒber die Augen besaß er noch Kontrolle. Und man ließ ihn schreien, sein Mund war offen, die Zunge pelzig. Er nahm einen Schatten wahr zwischen sich und den Lampen. Sein Körper krĂŒmmte sich in Erwartung des Schlages. G.B. riss die Augen auf und schrie.
Die hochstehende Sonne des Nachmittags schmerzte, Brust und Gesicht waren schweißnass und eine tiefe Trockenheit dominierte alles GefĂŒhl.
„Wasser!“
Der Weg zum Waschbecken war kurz und mĂŒhevoll, das Wasser schmeckte nach Chlor und unvergleichlich gut. G.B. duschte und rasierte sich und als ein starkes Zittern seinen Körper durchlief, mischte er sich den ersten Drink des Tages.
Er kannte diesen Traum und er kannte dieses Zittern. Seit er den Schrecken der Kriegsgefangenschaft entkommen war, betÀubte er sich, anfangs mit Tabletten, dann verstÀrkte er die Wirkung mit Alkohol. Und selbst diese Kombination war keine Garantie.
In der Obhut des Feindes kam er erstmals mit den Menschen in BerĂŒhrung, die er bekĂ€mpfte. Die Konfrontation traf ihn unvorbereitet, auf 12.000 m Dienstflughöhe war das Feindbild klar und der Krieg ein Job. Das war ein Irrtum, eine SelbsttĂ€uschung, die im Lager zerstob.
Absurderweise begann er, seine Folter zu bejahen als Teil einer persönlichen Buße. Er verzieh seinen Peinigern, begrĂŒĂŸte den Schmerz und begriff seine hoffnungslose Situation nicht lĂ€nger als sinnloses Pech, Zufall. Das half und möglicherweise auch sein christlicher Glaube.
G.B. schĂŒttelte den Kopf und mixte sich ein zweites GetrĂ€nk. Diese Geschichten lagen Jahrzehnte zurĂŒck und seine Metamorphose wirkte heute verdĂ€chtig unpatriotisch. Sein Land hatte diesen Krieg verloren und seither zwei weitere, siegreiche Kriege gefĂŒhrt. Das nationale Selbstbewusstsein war wieder intakt und die Erinnerung an die schmĂ€hliche Niederlage verblasst, verdrĂ€ngt, vergessen. Nur er erinnerte sich glasklar an jede Sekunde und diese Klarheit nahm mit der Zeit sogar zu, hatte er den Eindruck.
OK, aber was war letzte Nacht?
Da war nichts, sein KurzzeitgedĂ€chtnis war ein großes, schwarzes Loch, sicher auch der verfluchten Sauferei geschuldet. Eine Ahnung ĂŒberfiel ihn und hektisch suchte er nach seiner Brieftasche: Weg!
Den Pass hatte er an der Rezeption hinterlegt und der freundliche Mann dort erzĂ€hlte auf seine Nachfrage, dass er gestern Abend gut gelaunt mit einer jungen Frau hinaufgegangen sei. Die junge Frau habe spĂ€ter ebenso gut gelaunt das Hotel verlassen, ihm jedoch vorher noch ein beachtliches Trinkgeld gegeben und lachend hinzugefĂŒgt: „Von Mr. Bolton. FĂŒr Ihre Diskretion.“
G.B. nickte. Die Leute hier hatten Stil, keine Frage.
Er ließ seine Kreditkarten sperren, rief die Botschaft an und bat um ein Darlehn.
„Das dĂŒrfte kein Problem sein,“ sagte die Stimme, „wir prĂŒfen nur noch Ihre Passnummer.“ Wenig spĂ€ter meldete sie sich zurĂŒck: „Sind Sie der Mr. Bolton, der damals jahrelang in den HĂ€nden des Feindes war?“
G.B. bejahte. Er wusste, was kommt.
„Darf ich Sie etwas persönliches fragen?“
G.B. bejahte.
„Mein Vater war seinerzeit der festen Überzeugung, ohne ein Minimum an Kollaboration könne man eine derartige, jahrelange Gefangenschaft nicht aushalten, wĂ€hrend meine Mutter diese Möglichkeit vehement verneinte. Haben Sie kollaboriert ?“
„Das habe ich vergessen,“ sagte George Bolton.

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???
Registriert: Aug 2012

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hallo wowa,

von meinem sprachgefuehl her wuerde ich den nachstehenden satz aendern:

- g.b. bejahte. er wusste was kommt.

in:

- g.b. bejahte. er wusste, was nun kommen wuerde.

lg, marker
__________________
Die Federspitze auf dem Papier, wie sie die Worte balanciert, auf der messerscharfen Schneide zwischen Wahn und Wirklichkeit.

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wowa
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2013

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Lieber Marker !
Danke fĂŒr deinen Hinweis. Grammatisch hast du zweifellos recht. Ich werde die Formulierung trotzdem beibehalten aus zwei GrĂŒnden. a) Der Rhythmus stimmt: drei kurze, aufeinander folgende Aussagen. b) Umgangssprachlich ist der Satz korrekt, dh allgemeinverstĂ€ndlich.
Alles Gute
wowa

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