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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Smolensk
Eingestellt am 23. 03. 2016 11:13


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CPMan
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„Wissen Sie“, sagt die VerkĂ€uferin hinter der KĂ€setheke, „ich hab drei Kinder großgezogen und wĂ€hrend der Schwangerschaft immer RohmilchkĂ€se gegessen, da ist nix passiert“.
Erst will ich sie nach einem Foto dieser drei Kinder fragen, doch dann nicke ich bloß zustimmend, denn grundsĂ€tzlich bin ich mit ihr einverstanden. Aber Klara will kein Risiko eingehen und auch das kann ich nachvollziehen. Also insistiere ich und bekomme schließlich HartkĂ€se aus der Franche-ComtĂ©, der so lange gereift ist, dass man ihn als unbedenklich einstufen kann.
Ich schaue in den Einkaufskorb: Brötchen, KĂ€se, Milch, Aufschnitt, Wein und Eier. Alles da. Ich schlendere also gemĂŒtlich zur Kasse, lege alles aufs Band und komme auch recht schnell dran.
„18 Euro und 12 Cent“, sagt die Kassiererin.
Ich hole mein Portemonnaie raus und krame nach Kleingeld.
„Sammeln Sie Punkte?“, fragt die Kassiererin unterdessen.
„Ja, in Flensburg“, sage ich grinsend und krame weiter. Die Kassiererin lĂ€chelt mĂŒde. Die Ă€ltere Dame hinter mir seufzt hörbar laut. Ich krame schneller.
Dann, plötzlich, durchfÀhrt ein heftiger Schmerz meinen Körper.
„Smolensk“, schreie ich laut auf, wie von der Tarantel gestochen.
FĂŒr einen Moment glaube ich, das Bewusstsein zu verlieren, fange mich dann aber wieder.
„Entschuldigung“, sage ich laut in die Runde der verdutzt umherstehenden Kunden und Angestellten. Hastig packe ich meine Sachen und gehe.


„Die russische Stadt?“, fragt Klara, als ich ihr, wieder zuhause, von dem Vorfall im Supermarkt erzĂ€hle.
„Genau die!“, erwidere ich.
„Bist du sicher?“, bohrt sie nach. „ Ich meine, kann es nicht sein, dass du einfach nur geniest hast und es dann so klang wie diese Stadt in Russland?“.
„Nein“, meine ich bestimmt, „ich habe nicht geniest. Es war ein zuckender, tiefgehender Schmerz, der mich gelĂ€hmt hat. Wie ein Blitz!“
Klara steht mit hilflos herunter hĂ€ngenden Armen einen Moment lang recht verloren in der KĂŒche. Sie weiß nicht, ob ich sie gerade veralbere oder ob ich es ernst meine. Ich kann es ihr nicht einmal verĂŒbeln.
„Klara, das ist kein Scherz. Ich habe diesen Schmerz gespĂŒrt, kurz und heftig.“
Sie nickt. Langsam.
„Was willst du jetzt machen? Zum Arzt gehen?“
Ich denke kurz nach.
„Du, ich glaube, ich lege mich erst einmal hin. Ich habe jetzt im Moment ja keine Schmerzen. Dann sehen wir weiter.“
Wieder nickt Klara.
„Das ist vielleicht das Beste. Nichts ĂŒberstĂŒrzen“.
Ich lĂ€chele, streiche Klara kurz mit der flachen Hand ĂŒber die Wange und gehe dann ins Wohnzimmer um mich auf die Couch zu legen. Ich baue mir mit vier großen Kissen eine kleine Höhle, ziehe die dicke Decke ĂŒber meinen Kopf und schlummere ein.

*

Ein leichter Nebel legt sich ĂŒber mein Bewusstsein. Meine Sinne sind eingeschrĂ€nkt. Ich kann sehen und hören und sprechen, aber ich bin mir nicht sicher ob ich fĂŒhlen und schmecken kann. Es ist, als stĂŒnde ich neben mir und beobachtete mein eigenes Leben. Aber was ist das fĂŒr ein Leben?
Ich sehe mich auf einer Wiese liegen, vor mir ein Fluss. Ich schaue an mir herunter und trage sonderbare Kleidung. Schwarze, glĂ€nzend polierte Schaftstiefel ĂŒber einer blauen Hose, die sich eng an meine Beine schmiegt. DarĂŒber einen langen blauen Mantel mit rotem Innenfutter und goldenen Messingknöpfen. Links neben mir auf der Wiese liegt ein Hut, der an die HĂŒte von Zinnsoldaten erinnert, und rechts neben mir ein Mann, offenbar ein Kamerad, der die gleiche Uniform trĂ€gt. Etwas weiter sind zwei Pferde an einen Baum gebunden. Sie grasen.
„Glaubst du, dass Barclay sich dem Kampf stellen wird?“, fragt mich der Kamerad plötzlich.
„Keine Ahnung“, erwidere ich aufs Geratewohl.
„Immer nehmen sie Reißaus, nie stellen sie sich. Was fĂŒr HasenfĂŒĂŸe. Aber ER wird sie diesmal nicht entkommen lassen. ER wird sie umzingeln und im RĂŒcken angreifen.“
Ich nicke verstÀndnisvoll, aber ich denke: Wovon redet der da? Wer bin ich? Wo bin ich? Und vor allem, wann bin ich?
Mein Kamerad steht auf.
„Eigentlich ein schöner Fluss“, sagt er, hebt die Hand und zeigt auf die gegenĂŒberliegende Seite des Stromes. „Junots und Poniatowskis VerbĂ€nde sind irgendwo da drĂŒben. Aber der Junot mit seinen westphĂ€lischen Truppen nutzt uns gar nichts. Poniatowski dagegen...“
Der Kamerad spricht den Satz nicht zuende, aber sein Gesichtsausdruck lĂ€sst vermuten, dass er große StĂŒcke auf diesen Posnatowski, oder wie auch immer er heißt, hĂ€lt.
Eine Weile schauen wir noch auf den Fluss, gedankenverloren. Dann streckt der Kamerad mir seine Hand entgegen, um mir beim Aufstehen zu helfen. Ich zögere kurz, dann biete ich sie ihm an. Als ich sehe, wie seine Hand in meine greift, meine ich plötzlich, die zupackende Kraft meines Kameraden spĂŒren zu könnnen. Dann bin ich weg.


*

Als ich in die KĂŒche komme, steht Klara vor der SpĂŒle.
„Und, geht es dir besser?“
„Ja, geht wieder“, sage ich. Aus irgendeinem Grund verschweige ich ihr den Schlummertraum, der mich kurz zuvor ereilt hat. Eine Weile stehe ich noch verloren in der KĂŒche herum, dann kommt mir die Idee, im Internet die Namen aus dem Traum einzugeben.
Ich gehe ins Arbeitszimmer, schalte den Computer ein und öffne den Browser. Ich gebe Juno, Ponatowski und Smolensk in die Suchmaschine ein. Als ich die Enter-Taste drĂŒcke, korrigiert die Suchmaschine automatisch meine Schreibweise: Meinten Sie Junot Poniatowski Smolensk? Als ich auf die korrigierte Version meiner Anfrage klicke, ist einer der ersten Treffer ein Eintrag ĂŒber JĂłsef Antoni Poniatowski, einem polnischen FĂŒrst, General und Marschall von Frankreich. Ich scrolle runter und suche nach einem Bezug zu Smolensk. Ich finde etwas unter dem Eintrag: Die Grande ArmĂ©e und der Russlandfeldzug. Offensichtlich hat dieser Poniatowski unter Napoleon in Smolensk gegen die Russen gekĂ€mpft.
Ich lehne mich konsterniert in meinen Sessel zurĂŒck. Ich suche eine logische ErklĂ€rung dafĂŒr, dass mir im Traum Namen, Orte und Gegebenheiten prĂ€sent sind, von denen ich meine, sie nie zuvor gehört zu haben. Ich versuche mich krampfhaft an meinen Geschichtsunterricht in der Schule und an irgendwelche Dokumentationen im Fernsehen zu erinnern. Habe ich dort diese Namen und Orte aufgeschnappt? Sind Sie in mein LangzeitgedĂ€chtnis eingesickert, dort ‚eingeschlafen’ und nun plötzlich wieder ‚aufgewacht’? Wie kann das sein? Warum trĂ€ume ich so einen Schwachsinn?

Irgendwann stehe ich auf und gehe zurĂŒck in die KĂŒche. Ich gehe zu Klara, die am KĂŒchentisch sitzt, fahre ihr mit der rechten Hand mechanisch durchs Haar und streichele ihren dicken Bauch.
„Was ist los mit dir?“, fragt sie. „Du bist schon wieder so...komisch.“
Wider besseres Wissen erzĂ€hle ich Klara daraufhin von meinem Schlummertraum. Mit jedem Satz springt meine Unruhe auf sie ĂŒber, ohne dass sich die meine verliert. Ich kann förmlich sehen, wie sie versucht, sich zu beherrschen. Und wie es ihr misslingt.
„Du willst mich doch verarschen!“, schreit sie schließlich und steht langsam auf, indem sie sich mit beiden Armen vom Tisch abstĂŒtzt.
„Nein“, gebe ich laut zurĂŒck, und schiebe ein nervöses Lachen hinterher. „Ich kann doch nichts dafĂŒr“.
Klara starrt mich noch einen Moment lang an, dann verlÀsst sie wortlos den Raum.

FĂŒr den Nachmittag und den frĂŒhen Abend gehen wir uns aus dem Weg. Ich weiß nicht, wie ich mit der Situation umgehen soll. Mit jeder Minute wird die Angst vor der Nacht und dem damit einher gehenden Schlaf grĂ¶ĂŸer. Was, wenn ich mich wieder in diese Welt trĂ€ume? Was, wenn die Erlebnisse im Traum wieder so real wirken? Bin ich dabei, verrĂŒckt zu werden? Oder sind das noch die normalen Begleiterscheinungen eines werdenden Vaters?

Kurz vor elf Uhr abends begegne ich Klara auf dem Flur unserer kleinen Wohnung. Wie zwei Fremde schauen wir uns an. Sie hat sich bewusst im Wohnzimmer verkrochen und ich habe mich im Arbeitszimmer verschanzt um im Internet nach weiteren Informationen ĂŒber Napoleons Russlandfeldzug zu suchen. Ich stelle mich Klara in den Weg um sie zur Rede zu stellen und um sie zu besĂ€nftigen.
„Klara“, fange ich an.
Ich hebe beschwichtigend die Hand.
„TrĂ€ume sind SchĂ€ume“, griene ich hilflos weiter.
Ich versuche ein LÀcheln, verbunden mit einer behutsamen Bewegung in ihre Richtung. Sie weicht erst aus, dann lÀsst sie mich ihre Wange streicheln und durch ihr Haar fahren.
„Lass uns schlafen gehen“, sagt sie in einem versöhnlichen Ton.
Ich zucke kurz, ziehe die Hand zurĂŒck und zwinge mich zur Selbstbeherrschung.
„Das ist vielleicht das Beste“, lĂŒge ich.

Eine halbe Stunde spĂ€ter liege ich neben Klara. Sie ist schon eingeschlafen. Ich dagegen kĂ€mpfe gegen den Schlaf. Doch das Adrenalin meiner Aufregung versiegt bald und ich verliere mich in den warmen Laken und der weichen Matratze unseres großen Bettes.

*

Ich sehe im Morgengrauen auf den Fluss vor mir. Drei in der Nacht errichtete BrĂŒcken liegen wie schwarze Schatten auf dem vom Mondlicht schimmernden Fluss. Es ist kalt, aber nicht eisig. Um mich herum Offiziere, Infanterie und Reiter, ich höre Französisch aber auch andere Sprachen. In der Menge herrscht eine wohlige Aufregung, leutselige Angriffslust gepaart mit verhohlener Anspannung. Ich und mein Kamerad ĂŒberqueren den Fluss mit unseren Pferden auf der mittleren BrĂŒcke. Als wir auf der anderen Seite ankommen, spricht uns ein anderer Reiter an. Im Halbschatten des anbrechenden Tages erkenne ich nur seine Silhouette.
„Welches Korps?“
„Murat“, sage ich, nicht ohne Stolz. „Und Ihr?“, frage ich zurĂŒck.
„Junot“, erwidert der Mann, ebenso stolz.
„ Was passiert jetzt?“, frage ich weiter.
„Es geht direkt nach Smolensk“, erwidert der Reiter. „In Mogilew hat man uns gesagt, dass wir uns hier mit euch zusammentun wĂŒrden. Jetzt geht es auf diese Allee dort. Sie fĂŒhrt direkt nach Smolensk. Wir sind schon ein gutes StĂŒck Weg darauf geritten, eine wahrhaft prĂ€chtige Allee.“
Mein Kamerad und ich nicken bloß. Wir steigen auf unsere Pferde und schicken uns an, zu unseren Kameraden zu reiten. Der Reiter aus Junots Korps fasst sich zum Abschied an den Hut und gibt seinem Pferd ĂŒbertrieben eifrig die Sporen. Mein Kamerad und ich tauschen einen vielsagenden Blick aus.
Wir reiten eine gute Weile auf der tatsÀchlich prÀchtigen, birkengesÀumten Allee. Im Trott und im Lichte der aufgehenden Sonne fallen mir vor KÀlte immer wieder die Augen zu. Als ich wieder einmal drohe, dem Sekundenschlaf anheim zu fallen, kommt plötzlich wieder Bewegung in die Menge vor uns: Feindkontakt bei Krasnyj, eine Division von knapp 8000 Mann. Bereit machen zum Angriff!
„Das sind Newerowskijs MĂ€nner“, weiß einer der Offiziere, „frische Rekruten, leichte Beute.“
Diebische Freude macht sich breit und bevor ich mich versehe, greifen wir an. Obwohl zahlenmĂ€ĂŸig und an Waffen haushoch ĂŒberlegen, gestaltet sich unser Angriff schwieriger als erwartet. Newerowskij stellt seine Soldaten in einer verlĂ€ngerten Karreeformation auf. Statt sich panisch in alle Winde zu zerstreuen und leichte AngriffsflĂ€che zu bieten, ziehen sich die gegnerischen Soldaten ruhig und dicht beieinander stehend zurĂŒck. Mehrmals sehe ich mir dabei zu, wie ich den SĂ€bel auf ein Schild niedersausen lasse, ohne jede Emotion.
Wir dezimieren den Gegner zwar um fast zweitausend Soldaten, mĂŒssen dafĂŒr aber fast dreißig Angriffe starten. Am Ende erreicht Neweroskij Korytnja, wo er VerstĂ€rkung erhĂ€lt. Wir sehen uns zum RĂŒckzug genötigt.

Am selben Abend vernehmen wir die Kunde, dass Napoleon Korytnja erreicht habe. Da es sein Geburtstag ist, wird er mit hundert Schuss Salut begrĂŒĂŸt. Beim dreiundreißigsten Schuss wache ich auf.

*

Ich liege inmitten der Dunkelheit. Direkt neben mir höre ich das einem monotonen Rhythmus folgende Atmen meiner Frau. Ich starre an die Decke und fĂŒhle mich wie ein Astronaut im Weltraum, frei schwebend und verloren. Krampfhaft unterdrĂŒcke ich den Impuls, Klara zu wecken und ihr von diesem Traum zu erzĂ€hlen. Obwohl ich instinktiv die Flucht ergreifen will, bleibe ich reglos im Bett liegen. Irgendwann drehe ich mich zur Seite, berĂŒhre die schlafende Klara leicht am Arm und versuche mich an ihr festzuhalten, körperlich und mental. Ihre Anwesenheit beruhigt mich zunĂ€chst, aber dann denke ich daran, dass in ihrem Körper zwei Herzen schlagen und dieser Gedanke kommt mir plötzlich so fremd und eigenartig vor, dass ich fĂŒr einen Moment das GefĂŒhl habe, den Verstand zu verlieren.
Ich schaue auf die Uhr. FĂŒnf Uhr zweiunddreißig. Ich schlage die Decke zurĂŒck und schĂ€le mich aus dem Bett. Ich gehe in den Flur und hebe den Hörer vom Telefon. Die Uhrzeit ist mir egal, ich brauche Hilfe. Ich wĂ€hle eine Nummer in Berlin. Jonas Leit, Freund und, viel wichtiger, Psychologe.

„Leit hier“, ertönt es nach einiger Zeit verschlafen aus dem Hörer.
„Jonas, ich bin’s“, sage ich.
Ein resigniertes Schnaufen. „Du weißt schon, dass Deutschland nur eine Zeitzone hat?“
„Das weiß“, erwidere ich. „Ich wĂŒrde auch nicht anrufen, wenn es nicht wichtig wĂ€re. Ich glaube, ich verliere den Verstand.“
Sofort ist Jonas alarmiert. Ich höre förmlich, wie er sich im Bett aufrichtet.
„ErzĂ€hl von Anfang an!“
Seine plötzliche ProfessionalitĂ€t beruhigt mich. Er wird mir helfen können, davon bin ich ĂŒberzeugt. Ich erzĂ€hle ihm alles, von der Szene im Supermarkt, von den TrĂ€umen, von den Recherchen im Internet, von meinem bisherigen Wissensstand und der Genauigkeit der Fakten im Traum. Ich erzĂ€hle ihm von meiner Angst einzuschlafen und von den teilweise sehr real wirkenden Empfindungen im Traum. Und Jonas hört zu. Er hört aufmerksam zu. Als ich fertig bin, schweigt er einen Moment lang.
„Gut“, sagt er schließlich. „Ich denke, wir sollten zunĂ€chst vereinfachen: Du trĂ€umst vom Krieg. Dass das alles mit den historischen Fakten ĂŒbereinstimmt lassen wir mal außen vor. Krieg im Traum deutet meist auf einen Konflikt hin, einen bewusst herbeigefĂŒhrten. Er kann fĂŒr die Angst stehen, in etwas hineingezogen zu werden, das man eigentlich nicht will. So, ich wage jetzt mal eine steile These: Du und Klara, ihr bekommt ein Kind. Das habt ihr ja geplant, geh ich zumindest von aus. Und jetzt, so kurz vor der Entbindung, merkst du plötzlich, dass dieses kleine Lebewesen dein bisheriges Leben komplett auf den Kopf stellen wird. Deine Freiheit, deine UnabhĂ€ngigkeit, deine Hobbies, das ist bald alles passĂ©. Und du trĂ€gst einen Kampf mit dir aus: Willst du so leben? Willst du das alles aufgeben? Gibt es einen Ausweg? Das ist dein innerer Kampf! Verantwortung fĂŒr Klara und das Kind gegen individuelle Entfaltung und UnabhĂ€ngigkeit!“
„Wow“, sage ich nach einer kurzen Pause.
„Nicht schlecht, was?“, erwidert Jonas. Der Stolz in seiner Stimme ist auch ĂŒber den Hörer zu vernehmen.
„Nein“, sage ich lachend in den Hörer hinein, „das ist der grĂ¶ĂŸte Bockmist, den ich je gehört habe“.
„Ach, leck mich doch!“, keift Jonas zurĂŒck und ich höre nur noch ein Klacken.
Ich ĂŒberlege kurz, ob ich ihn zurĂŒckrufen soll, lass es dann aber bleiben. Ich fĂŒrchte, er kann mir auch nicht helfen, gleichgĂŒltig, ob an seiner Theorie etwas dran ist oder nicht.

Ich kehre zurĂŒck ins Schlafzimmer, lege mich neben die immer noch schlafende Klara und warte darauf, dass der Tag anbricht. Als die Sonne den Raum ins Morgenlicht taucht und Klara langsam aufwacht, kommt mir das GesprĂ€ch mit Jonas plötzlich so unwirklich vor, dass ich mich frage, ob ich ihn wirklich mitten in der Nacht angerufen habe.

Der Tag mit Klara beginnt mit der ĂŒblichen Routine. Wir stehen gemeinsam auf, erst dusche ich, dann sie, und wĂ€hrend sie sich fertig macht, gehe ich die Brötchen holen. Als ich die Wohnung wieder betrete, rieche ich den Duft von Kaffee. Klara erwartet mich lĂ€chelnd am KĂŒchentisch und ihr Anblick beruhigt mich augenblicklich. Ich setze mich hin, wir schmieren Brötchen, ich trinke Kaffee, lese aus der Zeitung und wir unterhalten uns ein wenig ĂŒber belanglose Dinge. Alle diese kleinen Rituale geben mir die Gewissheit: Ich bin immer noch ich. Ich bin fest verankert in diesem Leben, ich werde bald Vater und wir werden eine glĂŒckliche Familie sein. Alles wird gut. TrĂ€ume sind SchĂ€ume.

Kurz vor Mittag beenden wir das FrĂŒhstĂŒck. Klara geht ins Wohnzimmer, um ihre Schwangerschaftsgymnastik zu machen, ich rĂ€ume den Tisch ab. Ich fĂŒhle mich hellwach und das beruhigt mich. Solange ich nicht mĂŒde bin oder werde, ist meine Laune bestens.
Doch als ich gerade einen Teller in die SpĂŒlmaschine rĂ€umen will und ich mich hinunterbĂŒcke, um die Klappe aufzumachen, kommt es ganz plötzlich. Ich schieße aus der gebĂŒckten Haltung nach oben, fasse mir wie bei einem Hexenschuss ans Kreuz und spĂŒre den Blitz, wie er durch meinen Körper schießt. Der Teller gleitet aus meiner Hand, knallt auf den Boden und zerspringt in mehrere Teile. Ich schreie laut auf und denke noch: Herzanfall?

Ich fĂŒhle nichts. Dann wird es schwarz.

*

Um mich herum erschöpfte Soldaten, mit todmĂŒden Augen blicken sie einander an. Es ist noch frĂŒh am Morgen, die Sonnenkugel hat den Horizont noch nicht in GĂ€nze ĂŒberwunden. Die Luft ist klar und taufrisch. Neben mir, auch auf dem Pferd, ist mein Kamerad, er hat einen Verband um den Kopf. Ich schaue nach vorne und sehe ĂŒber die Köpfe der Infanteristen hinweg eine unendlich breit erscheinende, ungefĂ€hr acht Meter hohe Mauer aus dicken Ziegeln. Entlang der Mauer erkenne ich vor einem rötlichen Himmel zehn massive FestungstĂŒrme; ein faszinierender Anblick. Dahinter, so denke ich, muss sich eine prĂ€chtige Stadt verstecken. Und dann wird es mir schlagartig bewusst: Smolensk.
„Nicht mal dreizehntausend“, sagt mein Kamerad unglĂ€ubig. „Nicht mal dreizehntausend Einwohner, und wir tun so, als sei es Moskau.“
Ich nicke. Offenbar haben wir bereits einen Angriff gefĂŒhrt, der aber abgewehrt wurde. Wir sollen uns wohl ausruhen, bis ein erneuter Angriff befohlen wird. Mein Kamerad und ich lenken unsere Pferde durch die Menge und erreichen bald ein freies Feld sĂŒdöstlich der Stadtmauern. Im Schatten der großen Kastanien am Flussufer erkenne ich ein großes, weißes, von Soldaten bewachtes Zelt. Wir reiten darauf zu. Als wir nĂ€her kommen, bemerke ich, dass bereits einige Pferde vor dem Zelt stehen. Wir steuern auf diese zu, steigen vor ihnen ab und leinen unsere Pferde dann ebenfalls an einem provisorisch errichteten GelĂ€nder an. Mein Kamerad geht vor mir auf den Eingang des Zeltes zu, ich hintendrein. Als er die weiße Zeltplane zurĂŒckschlĂ€gt, fĂ€llt mein Blick sofort auf einen prĂ€chtig gekleideten, hochgewachsenen Mann mit langen, fast schwarzen Locken. Und wieder weiß ich sofort, wer das ist: Joachim Murat, auch genannt Gioacchini I., König von Neapel. Er steht staatsmĂ€nnisch vor einem wuchtigen SekretĂ€r, auf dem einige Karten ausgebreitet sind. Neben ihm stehen vier Soldaten, wahrscheinlich seine Adjutanten. Als Murat den Blick hebt und unserer gewahr wird, huscht ein LĂ€cheln ĂŒber sein Gesicht.
„Ah, Lyautey, Bruyùre, gut, dass Sie kommen“, sagt er laut und deutlich und macht eine einladende Handbewegung. Wir gehen auf den Tisch zu, bleiben kurz davor stehen und nicken den Anwesenden kurz zu. Alle Blicke richten sich wieder auf die Karte. Murat nimmt einen Zeigestock und zeigt damit auf einen Punkt auf der Karte.
„Gut, Rajewski mit seinem 7. Korps hat unseren Angriff heute morgen erfolgreich abgewehrt, meine Beobachter melden Truppenbewegungen auf der anderen Seite des Flusses. Vermutlich hat Barclay seinen Angriff auf Rudnja abgebrochen und ist Bagration zu Hilfe geeilt. Mit anderen Worten: Wir haben sie!“
Gute Laune macht sich breit. Offensichtlich sind die anwesenden MilitÀrs das ewige Versteckspielen leid und freuen sich, dass der Gegner sich endlich mal dem Kampf stellt.
„Morgen frĂŒh werden wir zunĂ€chst die VorstĂ€dte außerhalb der Mauern angreifen“, fĂ€hrt Murat fort, „dann sehen wir weiter“.
Ich will einwenden, dass der Plan reichlich naiv klingt, aber alle Anwesenden schauen Murat nur bewundernd an und so unterdrĂŒcke ich den oppositionellen Geist in mir. Der Kampfgeist wird obsiegen, so lautet scheinbar die Devise.

„Ein völlig sinnloser Plan“, eröffnet mein Kamerad Lyautey mir, als wir das Zelt wieder verlassen haben. „Die VorstĂ€dte außerhalb der Stadtmauern nutzen uns gar nichts. Der Kampf um sie verschwendet nur Energien“.
Ich nicke bloß. Statt mich auf ein GesprĂ€ch einzulassen, frage ich mich, welche Rolle ich und mein Kamerad in diesem Feldzug spielen. Offensichtlich sind wir hochrangige Offiziere, sonst dĂŒrften wir wohl kaum so nah bei Murat sein. Aber wenn wir hochrangige Offiziere sind, wo sind dann die uns unterstellten Truppen? Oder sind wir bloß Abenteurer, die einen Krieg mitmachen wollen?

Gerade als ich meinen Kamerad fragen will, ergreift dieser wieder das Wort.
„Wir sollten uns um ein Nachtlager kĂŒmmern“, schlĂ€gt er vor. „Ich habe auf unserem Weg hierher ein Bauerngehöft ausgemacht. Dort werden wir nĂ€chtigen“.
Wieder nicke ich bloß. Wir machen uns auf den Weg und reiten ein gutes StĂŒck Richtung SĂŒden, weg von Smolensk. Wir reiten eine halbe Stunde, dann sehe ich einen kleinen Hof mit einer Scheune davor. Vorsichtig nĂ€hern wir uns dem Hof, er scheint verlassen. Wir steigen von den Pferden ab, lassen sie einfach auf dem Vorhof stehen und inspizieren mit gezĂŒckten Waffen die RĂ€ume. Schnell stellt sich heraus, dass hier seit Jahren niemand mehr wohnt. Das Dach ist marode und hat riesige Löcher, Mobiliar und KĂŒchenutensilien fehlen völlig, der Kamin ist kalt und leer.
So ziehen wir die Scheune dem Hof vor. Wir binden unsere Pferde dort an einen Balken, schnallen die Decken ab und wĂ€hlen fĂŒr unser provisorisches Nachtlager eine Stelle, von der die umliegende Gegend gut zu ĂŒberblicken ist.

Schlafen, denke ich. Dann aufwachen, denke ich weiter. Bei Klara und dem Kind.

Mein Kamerad erzĂ€hlt mir kurz vor dem Einschlafen noch von der GrĂ€fin InĂšs de Bourges, die er zu heiraten gedenkt, sobald er zurĂŒck in Frankreich ist. Sein antiquiert romantisches GesĂ€usel erzielt den von mir gewĂŒnschten Effekt. Ich schlafe ein. Das letzte Bild in meinem Kopf ist das Bild von Klara.

Ich komme, ich komme zurĂŒck zu dir.


*

Als ich aufwache, fĂŒhle ich mich wie ein Felsblock, der im Dunkeln auf Stein liegt. Tastend greife ich um mich.
„Klara“, rufe ich fragend in den Raum hinein. „Klara?“
Ich spĂŒre eine Hand, die sich an mein Gesicht heran tastet. Ich atme auf. Erleichterung macht sich breit.
„Wer ist Klara?“
Ich schrecke hoch. Noch im Dunkeln erfĂŒhle ich das Gesicht des Mannes neben mir, obwohl ich ihn lĂ€ngst an der Stimme erkannt habe: Mein Kamerad.
„Das kann nicht sein“, schreie ich laut auf. „Warum bin ich noch hier?“
„Das frage ich mich auch manchmal“, erwidert Lyautey lapidar.
„Ich gehöre nicht hierher“, rufe ich.
„Niemand gehört hierher“, kommt es trocken zurĂŒck. „Aber es herrscht nun mal Krieg!“
Lyautey packt mich am Kragen und schĂŒttelt mich.
„Reiß dich zusammen, Bruyùre, wir sind Offiziere, putain!“
Ich versuche es, aber ich schaffe es nicht.
„Du verstehst nicht“, schreie ich Lyautey an, „ich schlafe noch. Ich mĂŒsste aufwachen, in meiner Welt. ICH GEHÖRE NICHT HIERHER!“
Lyautey haut mir eine runter. Ich fĂŒhle seine flache Hand auf den Stoppeln meines Bartes, ich fĂŒhle den Schmerz auf der Wange und empfinde ihn als echt.
„Ich kann es fĂŒhlen“, sage ich verdattert und streiche mit meiner eigenen Hand ĂŒber die Wange. „Ich kann es fĂŒhlen“.
„Das hoffe ich“, sagt Lyautey. „Und jetzt steh auf, bevor ich mich vergesse.“
Lyautey zieht mich hoch und schubst mich von sich weg. Ich stolpere aus der Scheune in mein Pferd hinein. Es wiehert laut auf. Ich fĂŒhle alles, denke ich. Ich fĂŒhle alles. Das kann nicht sein.

Wir steigen auf die Pferde, ich gebe meinem die Sporen, ich spĂŒre den Wind auf meinem Gesicht, ich spĂŒre den Sattel unter mir, ich fĂŒhle die ZĂŒgel in meiner Hand und atme die frische Luft ein. Ich spĂŒre und weiß es: Ich bin jetzt hier. Alles ist echt.

Ich fĂŒhle mich ohnmĂ€chtig und doch funktioniere ich. Ich reite neben meinem Kamerad die Landstraße hinunter, in den strahlenden Morgen hinein. Nach einer Weile sehe ich die Truppen am Horizont; Infanterie, Reiterstaffeln und Gardeartillerie in Formationen, die insgesamt wie ein ĂŒber das weite Areal ausgelegter Flickenteppich wirken. Dazwischen, davor und dahinter erkenne ich auf ihren Hengsten die GenerĂ€le, Offiziere und Leutnants, die mit erhobenen SĂ€beln Befehle geben. Standarten werden geschwenkt, Trommeln geschlagen, der Staub des sandigen Bodens hĂŒllt die ganze Szene in einen hellbraunen Nebel. Pferde schnauben laut durch ihre geweiteten NĂŒstern, MĂ€nner geben Ă€hnlich animalische Laute von sich und es scheint, als weiche die Erde selbst zurĂŒck vor dieser geballten Kraft.
Ich fĂŒhle, wie langsam Adrenalin in mir aufsteigt, ich fĂŒhle rasende Wut und reite wie ein Indianer in die Menge hinein. Ich zĂŒcke meinen SĂ€bel, presche an eigenen Soldaten vorbei auf den Feind zu und schwinge schließlich den SĂ€bel in die Menge. Ich fĂŒhle die Klinge in knochiges Fleisch dringen, ich höre das Ächzen meiner Feinde, deren Blut auf meine Kleidung und in mein Gesicht spritzt. Ich kann es auf der Zunge schmecken. Ich reite, ich schreie und ich töte, und fĂŒhle mich lebendig in dieser Raserei. Ich bin gefangen in einem Rausch zerstörerischer Wut und fĂŒhle mich dennoch frei wie nie zuvor.

Ich kann nicht sagen, wie lange dieser Rausch andauert. Irgendwann kehrt die Vernunft zurĂŒck und ich werde ruhig. Ich betrachte wieder nĂŒchtern die RealitĂ€t, emotionslos und kalt. Der Feind hat sich zurĂŒckgezogen, eine Kampfpause tritt ein. Jeder zieht sich in sein Lager zurĂŒck und leckt seine Wunden. So auch ich und Lyautey. Wir versorgen unsere Pferde am Fluss, mein schwarzer Hengst hat ein paar Schnittwunden davon getragen, aber er wirkt immer noch stark und majestĂ€tisch. Zusammen mit anderen, gewöhnlichen Soldaten fĂŒhren wir unsere Pferde an den Dnjepr, damit sie das Flusswasser trinken können.
Als wir schon eine gute Viertelstunde dort stehen und uns angeregt mit einigen Artilleristen unterhalten, sehen wir plötzlich einige Gestalten auf der anderen Seite des Flusses, die sich dem Ufer nĂ€hern. Es sind russische Kanoniere, die ihrerseits Pferde zur TrĂ€nke an den Fluss fĂŒhren. Wir schauen uns verdutzt an, dann huscht ein breites Grinsen ĂŒber unser Gesicht und auch die Russen fangen an zu lachen. Wir rufen uns gegenseitig lustige Beschimpfungen zu, von denen keiner die Bedeutung auch nur erahnt. Als einer unserer Leute ihnen ein bisschen Tabak zuwirft, nehmen die russischen Kanoniere diesen dankbar auf. Auch sie werfen eine Kostprobe ihres Tabaks zu uns rĂŒber und auch einige GetrĂ€nke. Ich probiere einen Schluck aus einem der SchlĂ€uche. Es ist hochprozentiger, klarer Alkohol und er brennt in meiner Kehle. Ich fĂŒhle ihn in meine GedĂ€rme dringen, seine Wirkung breitet sich in meinem ganzen Körper aus. Es ist ein gutes GefĂŒhl. Zum Dank nehme ich meinerseits Tabak aus meiner Satteltasche, stopfe ihn in ein kleines SĂ€ckchen mit einem Stein und werfe ihn den russischen Kanonieren zu. Ein breiter, bĂ€rtiger Mann mit strahlenden ZĂ€hnen nimmt ihn dankbar auf und lĂ€chelt mir kurz zu.
„Jetzt lachen wir noch mit ihnen“, meint Lyautey, „aber morgen werden wie keine Sekunde zögern, sie zu töten“.
„Ja“, erwidere ich vielsinnig, „es ist erstaunlich, wie gelassen wir den Wahnsinn ertragen, den wir die RealitĂ€t nennen.“

Am spĂ€ten Nachmittag kommt der Befehl zur allgemeinen ErstĂŒrmung der Stadt. Offenbar hat Napoleon erkannt, dass die Russen die Stadt nicht verlassen werden, um sich dem Kampf zu stellen. Lyautey und ich schauen beeindruckt zu, als ĂŒber zweihundert Kanonen das Feuer eröffnen. Da Smolensk wie ein großes Amphitheater strukturiert ist, haben wir von unserer erhöhten Position einen formidablen Blick auf das Kriegsgeschehen. Wir sehen, wie ĂŒber 50 000 Mann beherzt auf die Stadtmauern vorrĂŒcken und sich einem Trupp russischer Dragoner unter General Skallon zum Kampf stellen. Die hoch stehende Sonne leuchtet jeden Fleck der Kriegsarena aus und ich kann trotz der Entfernung erkennen, wie ein französischer Soldat einen russischen Offizier vom Pferd zieht und ihm das Bajonett zwischen die Rippen stĂ¶ĂŸt, wie ein Infanterist einen KĂŒrassier mit bloßen HĂ€nden erwĂŒrgt und wie ein polnischer Reiter einen Dragoner skalpiert.

„Es ist wunderschön, nicht wahr?“, sage ich und ernte das Nicken meines Kameraden.
„Es ist erhaben und erbauend, so viele MĂ€nner zu sehen, die ihrer Natur freien Lauf lassen“, erwidert Lyautey.

Irgendetwas an dem Satz meines Kameraden macht mich stutzig, lĂ€sst mich innehalten. Die Kriegslust, der ich mich eben noch hingab, beschĂ€mt mich plötzlich. Ich denke an Klara, an die WĂ€rme ihres Körpers, an das Leben in ihrem Bauch. Und plötzlich, ohne Vorwarnung, durchfĂ€hrt ein Schmerz meinen Körper, wieder einmal. Dann aber erkenne ich, dass dieser Schmerz aus einer spontanen Erkenntnis heraus entstanden ist. Ich sehe das Schlachtfeld vor mir, ich sehe meinen Kameraden und ich weiß auf einmal, was zu tun ist.

„Lyautey“, sage ich, an meinen Kameraden gewandt, „ich gehöre nicht hierher. Ich muss nach dort unten, um Erlösung zu finden. Ich wĂŒnsche dir alles Gute“.
Noch bevor Lyautey etwas antworten kann, gebe ich meinem Pferd die Sporen und galoppiere die Anhöhe hinab. Wieder reite ich an den Infanteristen, den Offizieren und Reiterhorden vorbei ins KriegsgetĂŒmmel. Mein Ziel ist die Mauer. Ich erkenne, dass ein polnisches Bataillon den Kampf um die VorstĂ€dte bereits hinter sich gelassen hat und nun versucht, auf die hohe Mauer vorzudringen. Mit welchem GerĂ€t sie dann die Mauer ĂŒberwinden wollen, ist mir schleierhaft, aber es geht mir ohnehin nicht mehr um die Kriegstaktik.
Als die Mauer noch gute dreißig Meter entfernt ist und ich bei einem polnischen Soldaten ankomme, der gerade mit einem russischen Infanterist ringt, zĂŒcke ich den SĂ€bel und stoße ihn mit ungeahntem Geschick in den Brustkorb des Feindes. Ich ziehe den SĂ€bel wieder aus seinen Eingeweiden und springe alsbald vom Pferd. Der gerettete polnische Kamerad wirft mir einen knappen, wertschĂ€tzenden Blick zu, dann wirft er sich auch schon dem nĂ€chsten Russen an den Hals. Ich gebe meinem Hengst einen Klaps und sehe, wie er herrenlos davonreitet. Als ich mich umdrehe, sehe ich einen breiten, bĂ€rtigen Mann mit strahlendem Grinsen auf mich zukommen. Ich werfe meinen SĂ€bel auf den Boden, mache drei, vier Ausfallschritte und springe meinem Gegner dann mit aller Kraft an die Gurgel. ÜberwĂ€ltigt von meinem Eigengewicht, fĂ€llt der bĂ€rtige Russe hintenĂŒber und schlĂ€gt mit dem Hinterkopf auf den Boden auf. Doch als wĂŒrde ihm dieser Sturz nichts ausmachen, greift der Mann seinerseits mit seinen groben Pranken nach meiner Kehle und beginnt, zuzudrĂŒcken. Ich spĂŒre, wie es mir die Luft abschnĂŒrt und sich das Blut in meinem Kopf staut. Halte ich zu Beginn den Hals des Gegners auch noch fest in den HĂ€nden, entgleitet er mir, je lĂ€nger mir die Luft zum Atmen fehlt. Ich merke, wie ich langsam aber sicher den Kampf gegen diesen Mann und fĂŒr dieses Leben verliere und ich bin nicht einmal traurig darĂŒber. Dann eben ein anderes, denke ich noch.
Das Letzte, was ich wahrnehme, ist das hassverzerrte Gesicht des Russen, der mir mit geweiteten Augen und schnaufenden NĂŒstern beim Sterben zusieht. Ich versuche noch, ihn anzulĂ€cheln, aber mir gelingt, so glaube ich, nur eine Fratze. Das Bild vor mir verschwimmt, ich spĂŒre den Taumel der Bewusstlosigkeit, den Mangel an Sauerstoff, dann herrscht totale Dunkelheit. Ein paar GerĂ€usche des Kriegsgeschehens hallen noch in meinem Trommelfell nach, dann bin ich auch schon weg.

*

Aus der Dunkelheit heraus schießt ein Blitz direkt in meine Augen. Gleißendes Weiß erfĂŒllt mich durch und durch. Der Puls meines Herzens schlĂ€gt Adern in mein Fleisch, die vorher keinen Weg fanden. Nach und nach nehme ich das Licht genauer wahr. Es ist ein Kranz aus kleinen Sonnen mit einem noch helleren Strahl in der Mitte, der mich blendet.
„Er ist ohnmĂ€chtig geworden“, sagt jemand aus dem Hintergund. „Schwester, kĂŒmmern sie sich um ihn.“
Ein engelsgleiches Wesen beugt sich zu mir hinab. Als ich fragen möchte, wo ich bin, erfĂŒllt ein Schrei den Raum, der mir bis ins Mark dringt. Es ist der unnachahmliche Schrei eines Neugeborenen.

Zuhause, denke ich, und lÀchle.









Version vom 23. 03. 2016 11:13

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Ralph Ronneberger
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Hallo CPMan,

deine interessante ErzĂ€hlung ist nun mittlerweile auf Seite 2 gerutscht und somit fast schon im Reich der „vergessenen Texte“ gelandet.
Ich hole sie von dort nicht nur hervor, weil sie es verdient hat, sondern weil ich schon lange einen Kommentar verfassen wollte.
Texte mit historisch verbĂŒrgtem Hintergrund bzw. Handlungsrahmen sind hier auf der LL relativ selten. Ich weiß nicht, ob es allgemeines Desinteresse an solchen Stoffen ist, oder ob der hohe Aufwand an Recherchen gescheut wird.

Deine ErzĂ€hlung zerfĂ€llt in zwei Teile. Da haben wir im Hier und Jetzt einen werdenden Vater, der von AlbtrĂ€umen geplagt zu sein scheint, weil er sich immer wieder in eine Zeit versetzt fĂŒhlt, „in die er nicht gehört“. Seine damit einhergehende und immer stĂ€rker werdende Verunsicherung fĂŒhrt letztlich zu (in seiner Heftigkeit fĂŒr mich nicht ganz nachvollziehbaren) Konflikten mit seiner Frau.
Selbst ein befreundeter Psychologe kann mit seiner These nicht helfen.

quote:
„Krieg im Traum deutet meist auf einen Konflikt hin, einen bewusst herbeigefĂŒhrten. Er kann fĂŒr die Angst stehen, in etwas hineingezogen zu werden, das man eigentlich nicht will. [...] Du und Klara, ihr bekommt ein Kind. [...] Und jetzt, so kurz vor der Entbindung, merkst du plötzlich, dass dieses kleine Lebewesen dein bisheriges Leben komplett auf den Kopf stellen wird. Deine Freiheit, deine UnabhĂ€ngigkeit, deine Hobbys, das ist bald alles passĂ©. Und du trĂ€gst einen Kampf mit dir aus: Willst du so leben? Willst du das alles aufgeben? Gibt es einen Ausweg? Das ist dein innerer Kampf! Verantwortung fĂŒr Klara und das Kind gegen individuelle Entfaltung und UnabhĂ€ngigkeit!“
Diese Theorie fand ich originell und sie war mir ein Schmunzeln wert.
Dein Protagonist erwidert:
quote:
...das ist der grĂ¶ĂŸte Bockmist, den ich je gehört habe“
Da muss ich ihm recht geben. Trotz aller OriginalitĂ€t dieser These hielte ich es fĂŒr ĂŒberlegenswert, ob man den ganzen nĂ€chtlichen Anruf nicht streichen könnte. So, wie dein Prot diese „AusflĂŒge in die Vergangenheit“ durchlebt, scheint das fĂŒr ihn kein rein psychologisches Problem zu sein. Das Wissen ĂŒber die historischen Ereignisse ist bei ihm zu detailliert. Das Ganze geht (zumindest fĂŒr mich) mehr in Richtung Reinkarnation. (Keine Ahnung, ob ich da richtig liege, denn die Kreißsaal-Szene am Ende ließ mich wieder daran zweifeln. Eine Zeitreise scheint mir auch der falsche Ansatz zu sein, denn dein Prot findet sich nach ein paar Anlaufschwierigkeiten in der „falschen“ Zeit zu gut zurecht. Ich gebe zu, dass ich nicht so richtig damit klarkomme, was da mit dem Prot eigentlich passiert.)
Trotzdem empfand ich die „RahmenerzĂ€hlung“ als eine runde Sache. Flott erzĂ€hlt und nicht ĂŒberfrachtet.

Mit dem historischen Teil hatte ich - zumindest anfangs - ein paar Probleme. Die meisten sind ausgerĂ€umt - einige sind geblieben. Die Schlacht von Smolensk (Ich meine die vom August 1812 -es hat noch zwei weitere gegeben) ist mir durchaus gelĂ€ufig. In der Literatur, die mir zur VerfĂŒgung steht, wird diese Schlacht aber meist nur relativ grob skizziert, weil sie als weniger bedeutend als die Schlacht von Borodino gilt. Deine Detailtreue, die mir zum Teil auch WidersprĂŒchliches zu enthalten schien, machte mich stutzig.

Personen wie Junot, Poniatowski oder Murat auf der einen als auch Bagration, Newerowski, Rajewski (allerdings eher aus der Schlacht bei Borodino und der nach ihm benannten Rajewski-Schanze), Bagration oder Barcley auf der anderen Seite sind mir vertraut. Ein General Skallon war mir allerdings noch nie untergekommen. Da half nur unser aller „Wikipedia“. Und wo bin ich prompt gelandet? Bei dem Buch „1812 - Napoleons Feldzug in Russland“ von Adam Zamoyski.
Das kannte ich noch nicht. Also - flugs bestellt und rein ins LesevergnĂŒgen. Und als ich bei Smolensk angelangt war (eine so exakte Schilderung hatte ich noch nie gelesen), merkte ich, dass sich dein Text haargenau an den dort geschilderten Geschehnissen entlang hangelt. Mein Anfangs-Verdacht, du könntest bei den Ereignissen im Vorfeld und im Verlauf der Schlacht zeitlich nicht ganz korrekt vorgegangen sein, war dadurch entkrĂ€ftet. Alles, was dein Prot erlebt, spielt sich demnach im historisch exaktem Rahmen ab.
Doch an den Stellen, wo du ihn direkt agieren lĂ€sst bzw. das SchlachtgetĂŒmmel schilderst, schleichen sich Kleinigkeiten ein, an denen ich einfach herum mĂ€keln muss. Gehen wir also in den historischen Teil des Textes. Die Rahmenhandlung bleibt außen vor, die finde ich in Ordnung. (Kleinigkeiten mag es immer geben, aber die lassen wir fĂŒr diesen Textteil mal außen vor.)

Nachfolgend habe ich auf das Ausweisen von Zitaten verzichtet. Anmerkungen sind in blauer und Rechtschreibfehler (nur sporadisch) in roter Schrift gehalten. Fett sind entweder auffĂ€llige Wortwiederholungen oder (nach meinem Geschmack) unpassende Begriffe hervorgehoben. Es ist sehr viel „Blaues“ hineingeraten. Doch das ist natĂŒrlich zum Großteil meiner subjektiven Beurteilung geschuldet. Betrachte meine Anmerkungen daher bitte nur als Hinweise und Anregungen. Es ist dein Text, und du entscheidest, was du aufgreifst und gegebenenfalls verĂ€nderst.
Also los:

Ich sehe mich auf einer Wiese liegen, vor mir ein Fluss. Ich schaue an mir herunter und trage sonderbare Kleidung. Schwarze, glĂ€nzend polierte (glĂ€nzend poliert? Bei dem Staub? Wenn sie es aber sind, dann hat der „hohe Offizier sie nicht selbst geputzt. Ein damals ĂŒblicher „persönlicher Offiziers-Bursche“ taucht aber nirgends auf) Schaftstiefel ĂŒber einer blauen Hose, die sich eng an meine Beine schmiegt. DarĂŒber einen langen blauen (ein langer blauer)Mantel mit rotem Innenfutter und goldenen Messingknöpfen. Links neben mir auf der Wiese liegt ein Hut, der an die HĂŒte von Zinnsoldaten erinnert, und rechts neben mir ein Mann, offenbar ein Kamerad, der die gleiche Uniform trĂ€gt. Etwas weiter sind zwei Pferde an einen Baum gebunden. Sie grasen.
„Glaubst du, dass Barclay sich dem Kampf stellen wird?“, fragt mich der Kamerad plötzlich.
„Keine Ahnung“, erwidere ich aufs Geratewohl.
„Immer nehmen sie Reißaus, nie stellen sie sich. Was fĂŒr HasenfĂŒĂŸe. Aber ER wird sie diesmal nicht entkommen lassen. ER wird sie umzingeln und im RĂŒcken angreifen.“
(Mit „ER“ ist wohl Napoleon gemeint. Ich kenne diese Schreibweise eigentlich nur aus der Bibel, wenn von Gott die Rede ist. Meinst du das hier ironisch?)

Ich nicke verstÀndnisvoll, aber ich denke: Wovon redet der da? Wer bin ich? Wo bin ich? Und vor allem, wann bin ich?
Mein Kamerad steht auf.
„Eigentlich (“eigentlich“ suggeriert ein „aber“. Doch da kommt keins. Warum auch? Der Fluss ist eben einfach nur schön)ein schöner Fluss“, sagt er, hebt die Hand und zeigt auf die gegenĂŒberliegende Seite des Stromes. „Junots und Poniatowskis VerbĂ€nde sind irgendwo da drĂŒben. Aber der Junot mit seinen westphĂ€lischen Truppen nutzt uns gar nichts. Poniatowski dagegen...“
Der Kamerad spricht den Satz nicht zu Ende, aber sein Gesichtsausdruck lĂ€sst vermuten, dass er große StĂŒcke auf diesen Posnatowski, oder wie auch immer er heißt, hĂ€lt.
Eine Weile schauen wir noch auf den Fluss, gedankenverloren. Dann streckt der Kamerad mir seine Hand entgegen, um mir beim Aufstehen zu helfen. Ich zögere kurz, dann biete ich sie ihm an. (Nein. Er nimmt die Hand. Der Kumpel bietet sie an) Als ich sehe, wie seine Hand in meine greift, meine ich plötzlich, die zupackende Kraft meines Kameraden spĂŒren zu können. Dann bin ich weg.


Ich sehe im Morgengrauen auf den Fluss vor mir. Drei in der Nacht errichtete BrĂŒcken liegen wie schwarze Schatten auf dem vom (im) Mondlicht schimmernden Fluss. Es ist kalt, aber nicht eisig. (Na ja - wir haben ja auch erst Mitte August, obendrein eine Hitzewelle) Um mich herum Offiziere, Infanterie und Reiter, ich höre Französisch aber auch andere Sprachen. (Der letzte Satz wirkt unbeholfen "Ich sehe... usw. - Dein Prot ist mittendrin im Gewimmel! Schildere es!) In der Menge herrscht eine wohlige Aufregung, leutselige Angriffslust (ich weiß nicht, ob ich den Ausdruck „leutselig“ im Zusammenhang mit Angriffslust als genial oder völlig daneben ansehen soll) gepaart mit verhohlener Anspannung. Ich und mein Kamerad ĂŒberqueren den Fluss mit unseren Pferden auf der mittleren BrĂŒcke. (Das klingt so, als wĂŒrden die beiden allein ĂŒber die BrĂŒcke reiten, um auf der anderen Seite einen ebenso einsamen Reiter zu treffen. Zumindest vermittelst du dieses Bild. Zu diesem Zeitpunkt setzten zwei komplette Armeekorps ĂŒber. Ist dieses fĂŒrchterliche GedrĂ€nge, verbunden mit FlĂŒchen, Geschrei, lauten Befehlen, Poltern der GeschĂŒtze und Wagen und und und... keinen Satz wert? Da könnte ein bisschen mehr Leben rein - meine ich) Als wir auf der anderen Seite ankommen, spricht uns ein anderer Reiter an. Im Halbschatten des anbrechenden Tages erkenne ich nur seine Silhouette.
„Welches Korps?“
„Murat“, sage ich, nicht ohne Stolz. „Und Ihr?“, frage ich zurĂŒck.
„Junot“, erwidert der Mann, ebenso stolz.
„Was passiert jetzt?“, frage ich weiter.
(Der Prot weiß, dass er zu Murats Vorhut gehört. Also steckt er im Geschehen drin, denn das konnte er ja nicht gegoogelt haben. Aber wenn er darin aufgeht, wird er als hoher Offizier und fast schon Vertrauter von Marschall Murat besser wissen, wie es weiter geht, als der westphĂ€lische Reiter)
„Es geht direkt nach Smolensk“, erwidert der Reiter. „In Mogilew hat man uns gesagt, dass wir uns hier mit euch zusammentun wĂŒrden. Jetzt geht es auf diese Allee dort. Sie fĂŒhrt direkt nach Smolensk. Wir sind schon ein gutes StĂŒck Weg darauf geritten, eine wahrhaft prĂ€chtige Allee.“
Mein Kamerad und ich nicken bloß. Wir steigen auf unsere Pferde und schicken uns an, zu unseren Kameraden zu reiten. Der Reiter aus Junots Korps fasst sich zum Abschied an den Hut und gibt seinem Pferd ĂŒbertrieben eifrig die Sporen. Mein Kamerad und ich tauschen einen vielsagenden Blick aus. (Was veranlasst sie zu dem vielsagenden Blick? Die Auskunft von dem Junot-Mann war doch in Ordnung, wenn sie wirklich neu fĂŒr die beiden war)
Wir reiten eine gute Weile auf der tatsĂ€chlich prĂ€chtigen, birkengesĂ€umten Allee. Im Trott und im Lichte der aufgehenden Sonne fallen mir vor KĂ€lte immer wieder die Augen zu. (Die unmittelbar folgende Szene spielt sich am Nachmittag ab - von KĂ€lte dĂŒrfte da nichts mehr ĂŒbrig sein. Im Gegenteil) Als ich wieder einmal drohe, dem Sekundenschlaf anheim zu fallen, kommt plötzlich wieder (Die Truppe ist auf dem Marsch!!!) Bewegung in die Menge vor uns: Feindkontakt bei Krasnyj, eine Division von knapp 8.000 Mann. Bereit machen zum Angriff!
„Das sind Newerowskijs MĂ€nner“, weiß einer der Offiziere, „frische Rekruten, leichte Beute.“
Diebische Freude macht sich breit und bevor ich mich versehe, greifen wir an. Obwohl zahlenmĂ€ĂŸig und an Waffen haushoch ĂŒberlegen (verstehe ich nicht. Diese Russen gehören doch nicht zur Miliz. Sie dĂŒrften daher ganz normal ausgerĂŒstet sein), gestaltet sich unser Angriff schwieriger als erwartet. Newerowskij stellt seine Soldaten in einer verlĂ€ngerten Karreeformation auf (Tja, da hats die Reiterei verdammt schwer, denn mit SĂ€beln und Pistolen gegen gefĂ€llte Bajonette... Ohne UnterstĂŒtzung durch Infanterie und Artillerie muss so ein Angriff fĂŒr die Reiterei verlustreich wenn nicht gar sinnlos sein. Typisch Murat). Statt sich panisch in alle Winde zu zerstreuen und leichte AngriffsflĂ€che zu bieten, ziehen sich die gegnerischen Soldaten ruhig und dicht beieinander stehend zurĂŒck. Mehrmals sehe ich mir dabei zu, wie ich den SĂ€bel auf ein Schild (also Schilde haben die meines Wissens nicht getragen. Aus dem Mittelalter sind wir lĂ€ngst raus) niedersausen lasse, ohne jede Emotion.
Wir dezimieren den Gegner zwar um fast zweitausend Soldaten, mĂŒssen dafĂŒr aber fast dreißig Angriffe starten. Am Ende erreicht Neweroskij Korytnja, wo er VerstĂ€rkung erhĂ€lt. Wir sehen uns zum RĂŒckzug genötigt.

Am selben Abend vernehmen wir die Kunde, dass Napoleon Korytnja erreicht habe. Da es sein Geburtstag ist, wird er mit hundert Schuss Salut begrĂŒĂŸt. Beim dreiundreißigsten Schuss wache ich auf. (echt? MitgezĂ€hlt? Woher weiß er, dass es hundert sein mĂŒssen? Na gut, die Kumpels haben es ihm wahrscheinlich erzĂ€hlt. Übrigens - Napoleon soll sauer gewesen sein, weil man sinnlos so viel Munition verballert hat)

Um mich herum erschöpfte Soldaten, mit todmĂŒden Augen blicken sie einander an. Es ist noch frĂŒh am Morgen, die Sonnenkugel hat den Horizont noch nicht in GĂ€nze ĂŒberwunden. (das klingt wahrlich ein wenig schwurbelig) Die Luft ist klar und taufrisch. Neben mir, auch auf dem Pferd, ist mein Kamerad, er hat einen Verband um den Kopf. Ich schaue nach vorne und sehe ĂŒber die Köpfe der Infanteristen hinweg eine unendlich breit erscheinende, ungefĂ€hr acht Meter hohe Mauer aus dicken Ziegeln. Waren die Ziegel wirklich dick? Ich meine, eher die Mauern waren es. Ergo - „dicke Ziegelmauern“ hĂ€tten es vielleicht auch getan) Entlang der Mauer erkenne ich vor einem rötlichen Himmel zehn massive FestungstĂŒrme; ein faszinierender Anblick. Dahinter, so denke ich, muss sich eine prĂ€chtige Stadt verstecken. verbergen Und dann wird es mir schlagartig bewusst: Smolensk.
„Nicht mal dreizehntausend“, sagt mein Kamerad unglĂ€ubig. „Nicht mal dreizehntausend Einwohner, und wir tun so, als sei es Moskau.“
Ich nicke. Offenbar haben wir bereits einen Angriff gefĂŒhrt, der aber abgewehrt wurde. Wir sollen uns wohl ausruhen, bis ein erneuter Angriff befohlen wird. Mein Kamerad und ich lenken unsere Pferde durch die Menge und erreichen bald ein freies Feld sĂŒdöstlich der Stadtmauern. Im Schatten der großen Kastanien am Flussufer erkenne ich ein großes, weißes, von Soldaten bewachtes Zelt. Wir reiten darauf zu. Als wir nĂ€herkommen, bemerke ich, dass bereits einige Pferde vor dem Zelt stehen. Wir steuern auf diese zu, steigen vor ihnen ab und leinen unsere Pferde dann ebenfalls an einem provisorisch errichteten GelĂ€nder an. Mein Kamerad geht vor mir auf den Eingang des Zeltes zu, ich hintendrein. Als er die weiße Zeltplane zurĂŒckschlĂ€gt, fĂ€llt mein Blick sofort auf einen prĂ€chtig gekleideten, hochgewachsenen Mann mit langen, fast schwarzen Locken. Und wieder weiß ich sofort, wer das ist: Joachim Murat, auch genannt Gioacchini I., König von Neapel. Er steht staatsmĂ€nnisch vor einem wuchtigen SekretĂ€r, auf dem einige Karten ausgebreitet sind. (Eigentlich wurden Kartentische benutzt. Aber dem exzentrischen Murat ist eventuell auch die Benutzung eines solchen MöbelstĂŒckes zuzutrauen Neben ihm stehen vier Soldaten, wahrscheinlich seine Adjutanten. Ein Marschall von Frankreich hat doch keine Soldaten als Adjutanten!) Als Murat den Blick hebt und unserer unser gewahr wird, huscht ein LĂ€cheln ĂŒber sein Gesicht.
„Ah, Lyautey, BruyĂšre, gut, dass Sie kommen“, sagt er laut und deutlich und macht eine einladende Handbewegung. Wir gehen auf den Tisch (also doch kein SekretĂ€r!)zu, bleiben kurz davor stehen und nicken den Anwesenden kurz zu. Alle Blicke richten sich wieder auf die Karte. Murat nimmt einen Zeigestock und zeigt damit auf einen Punkt auf der Karte.
„Gut, Rajewski mit seinem 7. Korps hat unseren Angriff heute morgen erfolgreich abgewehrt, meine Beobachter melden Truppenbewegungen auf der anderen Seite des Flusses. Vermutlich hat Barclay seinen Angriff auf Rudnja abgebrochen und ist Bagration zu Hilfe geeilt. Mit anderen Worten: Wir haben sie!“ (Da irrt Murat. Nicht die Truppen von Barclay bewegen sich flussaufwĂ€rts - das heißt gegenĂŒber von Murat - sondern die von Bagration, der einen französischen FlussĂŒbergang östlich Smolensk vereiteln will. Der Spruch: „Wir haben sie!“ ist demzufolge veraltet. Napoleons Plan ist geplatzt - er muss frontal angreifen, wobei Murat eher eine passive Rolle zukommt. Im Übrigen kann ich die ganze Szene nicht ganz nachvollziehen, weil sie nicht realistisch ist. Warum suchen Lyautey und BruyĂš ihren Korpskommandeur auf? Aus Langeweile? Worauf bezieht sich dieses „Gut, dass sie kommen“? Das hieße ja - sie wurden erwartet und wĂŒrden fĂŒr irgendetwas gebraucht. Was fĂŒr eine Dienststellung begleiten sie denn? Wenn Murat ĂŒber die Lage und die weitere Vorgehensweise informieren will, dann ruft er seinen Stab und zumindest noch die Divisions- und Brigadekommandeure zusammen. Was veranlasst ihn dazu, die Lage zwei Offizieren mitzuteilen, die gerade eben mal so vorbei kommen? Hier liegst du schief oder musst noch Informationen nachschieben)
Gute Laune macht sich breit. Offensichtlich sind die anwesenden MilitÀrs das ewige Versteckspielen leid und freuen sich, dass der Gegner sich endlich mal dem Kampf stellt.
„Morgen frĂŒh werden wir zunĂ€chst die VorstĂ€dte außerhalb der Mauern angreifen“, fĂ€hrt Murat fort, „dann sehen wir weiter“.
Ich will einwenden, dass der Plan reichlich naiv klingt, (Was ist daran naiv? Der Plan ist riskant, aber es gibt aus der verfahrenen Kiste keinen anderen Ausweg, als den Frontalangriff. Die Chance der östlichen Umgehung ist vertan, da Bagration schneller war und den notwendigen FlussĂŒbergang vereitelt.Obendrein hat der flussaufwĂ€rts stehende Junot wahrscheinlich gepennt. Offiziell hat er keine Furt gefunden.) aber alle Anwesenden schauen Murat nur bewundernd an und so unterdrĂŒcke ich den oppositionellen Geist in mir. Der Kampfgeist wird obsiegen, so lautet scheinbar die Devise.
„Ein völlig sinnloser Plan“, eröffnet mein Kamerad mir, als wir das Zelt wieder verlassen haben. „Die VorstĂ€dte außerhalb der Stadtmauern nutzen uns gar nichts. Der Kampf um sie verschwendet nur Energien“.(Lyautey hat sicherlich recht, dass ein solcher Kampf sehr viel Energie erfordert und hohe Verluste mit sich bringt. Aber es gibt keine Alternative. Wie will ich denn eine Stadt erobern, ohne zunĂ€chst die VorstĂ€dte einzunehmen? Soll man die VorstĂ€dte ĂŒberfliegen? Mit anderen Worten: Was der gute Lyautey da von sich gibt, spricht nicht gerade von militĂ€rischer Erfahrung.)
Ich nicke bloß. Statt mich auf ein GesprĂ€ch einzulassen, frage ich mich, welche Rolle ich und mein Kamerad in diesem Feldzug spielen. (Auf die Frage habe ich schon lange gewartet. Leider bleibt die Antwort aus.) Offensichtlich sind wir hochrangige Offiziere, sonst dĂŒrften wir wohl kaum so nah bei Murat sein. Aber wenn wir hochrangige Offiziere sind, wo sind dann die uns unterstellten Truppen? Oder sind wir bloß Abenteurer, die einen Krieg mitmachen wollen? (Reine Abenteurer im genannten Sinne dĂŒrfte es in den oberen Dienstgraden nicht gegeben haben - zumindest nicht ohne irgendeine Dienststellung zu begleiten.)

Gerade als ich meinen Kameraden fragen will, ergreift dieser wieder das Wort.
„Wir sollten uns um ein Nachtlager kĂŒmmern“, schlĂ€gt er vor. „Ich habe auf unserem Weg hierher ein Bauerngehöft ausgemacht. (Also zwischen Smolensk und Murats Befehlsstand? Da wimmelt es doch von Truppen. Die wĂŒrden kaum ein GebĂ€ude leer stehen lassen. Weiter unten lĂ€sst du die Beiden nach SĂŒden reiten. Dort könnte tatsĂ€chlich etwas leer stehen, aber dann können sie das Gehöft nicht auf dem Weg zu Murat gesehen haben.) Dort werden wir nĂ€chtigen“.
Wieder nicke ich bloß. Wir machen uns auf den Weg und reiten ein gutes StĂŒck Richtung SĂŒden, weg von Smolensk. Wir reiten eine halbe Stunde, dann sehe ich einen kleinen Hof mit einer Scheune davor. Vorsichtig nĂ€hern wir uns dem Hof, er scheint verlassen. Wir steigen von den Pferden ab, lassen sie einfach auf dem Vorhof stehen und inspizieren mit gezĂŒckten Waffen die RĂ€ume. Schnell stellt sich heraus, dass hier seit Jahren (Sind die Bewohner vor den heranrĂŒckenden Truppen geflohen? Das wĂŒrde einleuchten. Aber seit Jahren verlassen - wieso?) niemand mehr wohnt. Das Dach ist marode und hat riesige Löcher, Mobiliar und KĂŒchenutensilien fehlen völlig, der Kamin ist kalt und leer. (Dass im Hochsommer die Kamine (falls vorhanden - die Bauern hatten Öfen) kalt sind, sollte man eigentlich vermuten.)
So ziehen wir die Scheune dem Hof vor. (Logisch. Wer ĂŒbernachtet schon auf dem Hof, wenn es eine Scheune gibt. Ich weiß, was du mit Hof meinst - nĂ€mlich das WohngebĂ€ude. Aber das ganze Ensemble von Bauwerken, zu dem auch die Scheune gehört, wird korrekt als Gehöft bezeichnet.) Wir binden unsere Pferde dort an einen Balken,(Die Pferde werden sehr oft an- und abgebunden. Du hĂ€ttest ebenso gut schreiben können, dass sie ihre Pferde versorgen - allerdings womit? Wo kommt das Futter her. Futtermangel - eines der Hauptprobleme im franz. Heer. Deine GĂ€ule können ja nicht mal weiden - sind ja angebunden.), schnallen die Decken ab und wĂ€hlen fĂŒr unser provisorisches Nachtlager eine Stelle, von der die umliegende Gegend gut zu ĂŒberblicken ist.

Schlafen, denke ich. Dann aufwachen, denke ich weiter. Bei Klara und dem Kind.

Mein Kamerad erzĂ€hlt mir kurz vor dem Einschlafen noch von der GrĂ€fin InĂšs de Bourges, die er zu heiraten gedenkt, sobald er zurĂŒck in Frankreich ist. Sein antiquiert romantisches GesĂ€usel erzielt den von mir gewĂŒnschten Effekt. Ich schlafe ein. Das letzte Bild in meinem Kopf ist das Bild von Klara.


Als ich aufwache, fĂŒhle ich mich wie ein Felsblock, der im Dunkeln auf Stein liegt. (hm - wie fĂŒhlt sich ein Felsblock, der auf Stein liegt?) Tastend greife ich um mich.
„Klara“, rufe ich fragend in den Raum hinein. „Klara?“
Ich spĂŒre eine Hand, die sich an mein Gesicht herantastet. Ich atme auf. Erleichterung macht sich breit.
„Wer ist Klara?“
Ich schrecke hoch. Noch im Dunkeln erfĂŒhle ich das Gesicht des Mannes neben mir, obwohl ich ihn lĂ€ngst an der Stimme erkannt habe: Mein Kamerad.
„Das kann nicht sein!“, schreie ich laut auf. „Warum bin ich noch hier?“
„Das frage ich mich auch manchmal“, erwidert Lyautey lapidar.
„Ich gehöre nicht hierher!“, rufe ich.
„Niemand gehört hierher“, kommt es trocken zurĂŒck. „Aber es herrscht nun mal Krieg!“
Lyautey packt mich am Kragen und schĂŒttelt mich.
„Reiß dich zusammen, Bruyùre, wir sind Offiziere, putain!“ (putain heißt doch wohl „Hure“. Ich glaube nicht, dass es damals Offiziere in der Grand Armee gab, die sich selbst als Huren bezeichnet haben)
Ich versuche es, aber ich schaffe es nicht.
„Du verstehst nicht!“, schreie ich Lyautey an, „ich schlafe noch. Ich mĂŒsste aufwachen, in meiner Welt. ICH GEHÖRE NICHT HIERHER!“
Lyautey haut mir eine runter. Ich fĂŒhle seine flache Hand auf den Stoppeln meines Bartes, ich fĂŒhle den Schmerz auf der Wange und empfinde ihn als echt.
„Ich kann es fĂŒhlen“, sage ich verdattert und streiche mit meiner eigenen Hand ĂŒber die Wange. „Ich kann es fĂŒhlen“.
„Das hoffe ich“, sagt Lyautey. „Und jetzt steh auf, bevor ich mich vergesse.“
Lyautey zieht mich hoch und schubst mich von sich weg. Ich stolpere aus der Scheune in mein Pferd hinein. Es wiehert laut auf. Ich fĂŒhle alles, denke ich. Ich fĂŒhle alles. Das kann nicht sein.

Wir steigen auf die Pferde, ich gebe meinem die Sporen, ich spĂŒre den Wind auf meinem Gesicht, ich spĂŒre den Sattel unter mir, ich fĂŒhle die ZĂŒgel in meiner Hand und atme die frische Luft ein. Ich spĂŒre und weiß es: Ich bin jetzt hier. Alles ist echt.

Ich fĂŒhle (das hĂ€ufige „FĂŒhlen“ und „SpĂŒren“ mag ja oben als Stilmittel durchgehen. Aber jetzt wĂ€re mal ein Synonym fĂ€llig) mich ohnmĂ€chtig und doch funktioniere ich. Ich reite neben meinem Kameraden die Landstraße hinunter, in den strahlenden Morgen hinein. Nach einer Weile sehe ich die Truppen am Horizont; Infanterie, Reiterstaffeln (Was sind Reiterstaffeln? Schwadronen oder Eskadronen hĂ€tte ich mir gefallen lassen) und Gardeartillerie in Formationen, die insgesamt wie ein ĂŒber das weite Areal ausgelegter Flickenteppich wirken. Dazwischen, davor und dahinter erkenne ich auf ihren Hengsten die GenerĂ€le, Offiziere und Leutnants (Leutnants sind keine gesonderte Gruppe von Dienstgraden - sie gehören zu den Offizieren. Also - doppelt gemoppelt. Die Einteilung in Gruppen lautet Generale, Offiziere, Unteroffiziere, Soldaten), die mit erhobenen SĂ€beln Befehle geben. Standarten werden geschwenkt, Trommeln geschlagen, der Staub des sandigen Bodens hĂŒllt die ganze Szene in einen hellbraunen Nebel. Pferde schnauben laut durch ihre geweiteten NĂŒstern, MĂ€nner geben Ă€hnlich animalische Laute von sich (Die schnauben auch?) und es scheint, als weiche die Erde selbst zurĂŒck vor dieser geballten Kraft.
Ich fĂŒhle, wie langsam Adrenalin in mir aufsteigt, ich fĂŒhle rasende Wut und reite wie ein Indianer (Der Vergleich wirkt einfach nur albern. Ein franz. Offizier in Kriegsbemalung und Lendenschurz?) in die Menge hinein. Ich zĂŒcke meinen SĂ€bel, presche an eigenen Soldaten vorbei auf den Feind zu und schwinge schließlich den SĂ€bel in die Menge (Versuche dir einfach mal vorzustellen, wie man einen SĂ€bel in die Menge schwingt). Ich fĂŒhle die Klinge in knochiges Fleisch dringen, ich höre das Ächzen meiner Feinde, deren Blut auf meine Kleidung und in mein Gesicht spritzt. (Also ein Kampf mit gegnerischer Reiterei, denn sonst wĂŒrde das Blut nicht bis zu ihm hoch spritzen) Ich kann es auf der Zunge schmecken. Ich reite, ich schreie und ich töte, und fĂŒhle mich lebendig in dieser Raserei. Ich bin gefangen in einem Rausch zerstörerischer Wut und fĂŒhle mich dennoch frei wie nie zuvor.

Ich kann nicht sagen, wie lange dieser Rausch andauert. Irgendwann kehrt die Vernunft zurĂŒck und ich werde ruhig. Ich betrachte wieder nĂŒchtern die RealitĂ€t, emotionslos und kalt. Der Feind hat sich zurĂŒckgezogen, eine Kampfpause tritt ein. Jeder zieht sich in sein Lager zurĂŒck und leckt seine Wunden (Nur eines von etlichen Klischees). So auch ich und Lyautey. Wir versorgen unsere Pferde am Fluss, mein schwarzer Hengst hat ein paar Schnittwunden davon getragen, aber er wirkt immer noch stark und majestĂ€tisch. Zusammen mit anderen, gewöhnlichen Soldaten fĂŒhren wir unsere Pferde an den Dnjepr, damit sie das Flusswasser trinken können. („zum TrĂ€nken“ hĂ€tte gereicht. Außerdem trinken die GĂ€ule nicht - sie saufen)
Als wir schon eine gute Viertelstunde dort stehen und uns angeregt mit einigen Artilleristen unterhalten, sehen wir plötzlich einige Gestalten auf der anderen Seite des Flusses, die sich dem Ufer nĂ€hern. Es sind russische Kanoniere, die ihrerseits Pferde zur TrĂ€nke an den Fluss fĂŒhren. Wir schauen uns verdutzt an, dann huscht ein breites Grinsen ĂŒber unser Gesicht unsere Gesichter und auch die Russen fangen an zu lachen. Wir rufen uns gegenseitig lustige Beschimpfungen zu, von denen keiner die Bedeutung auch nur erahnt. Als einer unserer Leute ihnen ein bisschen Tabak zuwirft, nehmen die russischen Kanoniere diesen dankbar auf. Auch sie werfen eine Kostprobe ihres Tabaks zu uns rĂŒber und auch einige GetrĂ€nke. Ich probiere einen Schluck aus einem der SchlĂ€uche. (Gab es die wirklich? Ich weiß nur von Feldflaschen, wie sie in allen europĂ€ischen Armeen ĂŒblich waren.) Es ist hochprozentiger, klarer Alkohol und er brennt in meiner Kehle. Ich fĂŒhle ihn in meine GedĂ€rme dringen, seine Wirkung breitet sich in meinem ganzen Körper aus. Es ist ein gutes GefĂŒhl. Zum Dank nehme ich meinerseits Tabak aus meiner Satteltasche, stopfe ihn in ein kleines SĂ€ckchen mit einem Stein und werfe ihn den russischen Kanonieren zu.
Ein breiter, bÀrtiger Mann mit strahlenden ZÀhnen nimmt ihn dankbar auf und lÀchelt mir kurz zu.
„Jetzt lachen wir noch mit ihnen“, meint Lyautey, „aber morgen werden wir keine Sekunde zögern, sie zu töten.“


(Schade - diese fett gedruckte Szene stammt fast komplett aus dem Buch und basiert auf einem Augenzeugenbericht. Ich verstehe nur nicht, wie man Tabak ĂŒber einen Fluss werfen kann, der fĂŒnfzig bis achtzig Meter breit ist. Oder gab es flache, ins Flussbett reichende Inseln bzw. SandbĂ€nke? Mich wĂŒrde schon interessieren, ob der Leutnant Lyautey von der Garde-Artillerie nicht ein wenig ĂŒbertrieben hat. Hoppla! Leutnant Lyautey? Ein Namensvetter vom Kameraden deines Protagonisten? Oder sind beide die gleiche Person? Wohl kaum, denn ein Leutnant der Artillerie hat bei Murat bestimmt keinen Zutritt. Uff! Und nun stellt sich fĂŒr mich heraus, dass auch der gute BruyĂšre, also dein Protagonist, identisch mit dem gleichnamigen Divisionsgeneral (Kavallerie) zu sein scheint. Das nenne ich aber mal einen Zufall. Ich bin verwirrt.)

„Ja“, erwidere ich vielsinnig, „es ist erstaunlich, wie gelassen wir den Wahnsinn ertragen, den wir die RealitĂ€t nennen.“

Am spĂ€ten Nachmittag (Es war gegen 14.00 Uhr - also am frĂŒhen Nachmittag) kommt der Befehl zur allgemeinen ErstĂŒrmung der Stadt. Offenbar hat Napoleon erkannt, dass die Russen die Stadt nicht verlassen werden, um sich dem Kampf zu stellen. Lyautey und ich schauen beeindruckt zu, als ĂŒber zweihundert Kanonen das Feuer eröffnen. Da Smolensk wie ein großes Amphitheater strukturiert ist, haben wir von unserer erhöhten Position einen formidablen Blick auf das Kriegsgeschehen. Wir sehen, wie ĂŒber 50 000 Mann beherzt auf die Stadtmauern vorrĂŒcken und sich einem Trupp russischer Dragoner unter General Skallon zum Kampf stellen. (Erstens stellen sich die 50.000 Mann nicht dem Kampf, sondern sie greifen an. Sich dem Kampf stellen, heißt ihn annehmen. Angreifen heißt, den Kampf suchen. Kleine Unterschiede - ich weiß. Und dann noch was. Weiterhin klingt es in deinem Text so, als wĂŒrden 50.000 Mann die russischen Dragoner unter Skallon angreifen. TatsĂ€chlich handelte es sich dabei lediglich um die 1. Div. des 1. Kavallerie-Korps. Ich erwĂ€hne das auch deshalb, weil diese Einheit zu Murat gehörte. Ergo hĂ€tten deine beiden Prots irgendwie mit dabei sein mĂŒssen. Ach so, ich vergaß - die kĂ€mpfen ja wo und wann sie gerade Lust haben)
Die hochstehende Sonne leuchtet jeden Fleck der Kriegsarena aus und ich kann trotz der Entfernung erkennen, wie ein französischer Soldat einen russischen Offizier vom Pferd zieht und ihm das Bajonett zwischen die Rippen stĂ¶ĂŸt, wie ein Infanterist einen KĂŒrassier mit bloßen HĂ€nden erwĂŒrgt und wie ein polnischer Reiter einen Dragoner skalpiert. (Jetzt geht aber die Fantasie mit dir durch. Ein polnischer Reiter skalpiert einen Dragoner! Es ist zweifellos recht grausam zugegangen, aber skalpiert wurde da niemand. Dazu wĂ€re in dem NahkampfgetĂŒmmel auch gar keine Zeit gewesen. Und dann zieht ein franz. Soldat einen russischen Offizier vom Pferd. Schon möglich. Selbst wenn er das mit einer Hand fertig bringt, hat er sehr viel GlĂŒck, wenn er den SĂ€bel des Kavalleristen nicht ĂŒbergezogen bekommt. Und zu guter Letzt stĂ¶ĂŸt er ihm sein Bajonett zwischen die Rippen. Das ist aber am Gewehr befestigt. Sehr umstĂ€ndlich. Wenn ein Infanterist so gĂŒnstig steht, dass er einen Reiter vom Pferd ziehen kann, warum stĂ¶ĂŸt er nicht gleich von unten mit dem Bajonett zu? Das war durchaus geĂŒbte Praxis. Und dann erwĂŒrgt ein Infanterist einen KĂŒrassier mit bloßen HĂ€nden. Dann muss der arme Kerl aber vorher vom Pferd gefallen sein und auch noch seinen SĂ€bel verloren haben.
Etwas weniger spektakulÀre und der damaligen RealitÀt angepasste Szenen hÀtten es vielleicht auch getan. Zumindest hÀtte es der Nachvollziehbarkeit gedient)


„Es ist wunderschön, nicht wahr?“, sage ich und ernte das Nicken meines Kameraden.
„Es ist erhaben und erbauend, so viele MĂ€nner zu sehen, die ihrer Natur freien Lauf lassen“, erwidert Lyautey.

Irgendetwas an dem Satz meines Kameraden macht mich stutzig, lĂ€sst mich innehalten. Die Kriegslust, der ich mich eben noch hingab, beschĂ€mt mich plötzlich. Ich denke an Klara, an die WĂ€rme ihres Körpers, an das Leben in ihrem Bauch. Und plötzlich, ohne Vorwarnung, durchfĂ€hrt ein Schmerz meinen Körper, wieder einmal. Dann aber erkenne ich, dass dieser Schmerz aus einer spontanen Erkenntnis heraus entstanden ist. Ich sehe das Schlachtfeld vor mir, ich sehe meinen Kameraden und ich weiß auf einmal, was zu tun ist.

„Lyautey“, sage ich, an meinen Kameraden gewandt, „ich gehöre nicht hierher. Ich muss nach dort unten, um Erlösung zu finden. Ich wĂŒnsche dir alles Gute“.
Noch bevor Lyautey etwas antworten kann, gebe ich meinem Pferd die Sporen und galoppiere die Anhöhe hinab. Wieder reite ich an den Infanteristen, den Offizieren und Reiterhorden vorbei ins KriegsgetĂŒmmel. (die AufzĂ€hlung noch mal ĂŒberdenken. Zum Beispiel haben auch Infanteristen ihre Offiziere, und "Reiterhorden" klingt auch nicht gut. Auf beiden Seiten handelte es sich um sehr disziplinierte Truppen, die sich den Ausdruck „Horde“ verbeten hĂ€tten.) Mein Ziel ist die Mauer. Ich erkenne, dass ein polnisches Bataillon den Kampf um die VorstĂ€dte bereits hinter sich gelassen(gebracht) hat und nun versucht, auf die hohe Mauer vorzudringen. Mit welchem GerĂ€t sie dann die Mauer ĂŒberwinden wollen, ist mir schleierhaft, aber es geht mir ohnehin nicht mehr um die Kriegstaktik. (Ging es deinem Prot jemals darum? An welcher Stelle befasst er sich denn mit Taktik?)
Als die Mauer noch gute dreißig Meter entfernt ist und ich bei einem polnischen Soldaten ankomme, der gerade mit einem russischen Infanteristen ringt, zĂŒcke ich den SĂ€bel und stoße ihn mit ungeahntem Geschick in den Brustkorb des Feindes. Ich ziehe den SĂ€bel wieder aus seinen Eingeweiden (im Brustkorb befinden sich doch nicht die Eingeweide!) und springe alsbald vom Pferd. Der gerettete polnische Kamerad wirft mir einen knappen, wertschĂ€tzenden Blick zu, dann wirft er sich auch schon dem nĂ€chsten Russen an den Hals. (Also -sich jemanden den Hals werfen, sieht völlig anders aus. Das geschieht meist aus Zuneigung. Der Pole geht dem Russen an den Hals) Ich gebe meinem Hengst einen Klaps und sehe, wie er herrenlos davon reitet.Ich bitte dich! Auf wem reitet denn der Hengst davon? Das Pferd entfernt sich, trabt oder galoppiert davon - aber reiten? Der Reiter reitet - drum heißt er ja so. Ein Hengst kann auf eine Stute aufreiten, aber das ist etwas völlig anderes und wird wĂ€hrend der Schlacht kaum vorgekommen sein) Als ich mich umdrehe, sehe ich einen breiten, bĂ€rtigen Mann mit strahlendem (wirklich strahlend?) Grinsen auf mich zukommen. Ich werfe meinen SĂ€bel auf den Boden, mache drei, vier Ausfallschritte und springe meinem Gegner (der selbstverstĂ€ndlich unbewaffnet ist. HĂ€tte der sein Gewehr noch, wovon man eigentlich ausgehen sollte, wĂ€re dein Prot glatt ins Bajonett gelaufen. Warum erneut diese eigentlich in einem solchen Gefecht so untypische WĂŒrgerei? HĂ€tte er sich von dem Russen erschießen, aufspießen oder mit dem Gewehrkolben erschlagen lassen - das Ergebnis wĂ€re doch das gleiche gewesen. Oder irre ich mich auch hier?) dann mit aller Kraft an die Gurgel. ÜberwĂ€ltigt von meinem Eigengewicht, fĂ€llt der bĂ€rtige Russe hintenĂŒber und schlĂ€gt mit dem Hinterkopf auf den Boden auf. Doch als wĂŒrde ihm dieser Sturz nichts ausmachen, greift der Mann seinerseits mit seinen groben Pranken nach meiner Kehle und beginnt, zuzudrĂŒcken. Ich spĂŒre, wie es mir die Luft abschnĂŒrt und sich das Blut in meinem Kopf staut. Halte ich zu Beginn den Hals des Gegners auch noch fest in den HĂ€nden, entgleitet er mir, je lĂ€nger mir die Luft zum Atmen fehlt. Ich merke, wie ich langsam aber sicher den Kampf gegen diesen Mann und fĂŒr dieses Leben verliere und ich bin nicht einmal traurig darĂŒber. Dann eben ein anderes, denke ich noch.
Das Letzte, was ich wahrnehme, ist das hassverzerrte Gesicht (kein strahlendes Grinsen mehr? - verstĂ€ndlich) des Russen, der mir mit geweiteten Augen und schnaufenden NĂŒstern (kein Synonym gefunden? Oder wieder in Gedanken nur bei der Kavallerie gewesen?) beim Sterben zusieht. Ich versuche noch, ihn anzulĂ€cheln, aber mir gelingt, so glaube ich, nur eine Fratze. Das Bild vor mir verschwimmt, ich spĂŒre den Taumel der Bewusstlosigkeit, den Mangel an Sauerstoff, dann herrscht totale Dunkelheit. Ein paar GerĂ€usche des Kriegsgeschehens hallen noch in meinem Trommelfell nach, dann bin ich auch schon weg.



Tja - und der KrĂŒmelkacker ist nun auch weg.




Gruß Ralph
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CPMan
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Lieber Ralph,

zunĂ€chst einmal tausend Dank fĂŒr deine intensive BeschĂ€ftigung mit meinem Text. Es tut wahrlich gut, zu wissen, dass ab und an jemand an einem meiner Texte hĂ€ngenbleibt und ihn nicht aus purem VergnĂŒgen eher ĂŒberfliegt als liest, sondern sich detaillierte Gedanken dazu macht und mir dann noch wertvolle RĂŒckmeldungen gibt, wie du es hier getan hast.

Zu deiner Information: Ich habe gerade alle deine Bemerkungen gelesen und bin in vielen Dingen mit dir einverstanden. Einige deiner Bemerkungen decken sich mit den RĂŒckmeldungen auf anderen Portalen (der herrenlos davon reitende Hengst z.B.) und so gibt es mittlerweile eine ĂŒberarbeitete Version des Textes auf meinem Rechner. Einige, wenige Bemerkungen empfinde ich aber tatsĂ€chlich als pedantisch, da es sich bei meinem Text um Fiktion handelt und absolute historische Akkuratesse nicht mein oberstes Ziel war. Lyautey und BruyĂšre sind Namen aus dem Buch, auf das du durch meinen Text gestoßen bist, sie sind aber trotzdem nicht mit den Charakteren aus Zamoyskis 1812 identisch, sondern Erfindungen und in meinen Augen Kriegstouristen.

Putain hat zwar die Bedeutung 'Hure', ist aber im Französischen auch ein gebrĂ€uchliches Schimpfwort, ob es allerdings 1812 schon in Gebrauch war, kann ich nicht sagen. Im Hexagon werden viele KraftausdrĂŒcke benutzt, die dem geschlechtlichen Bereich entlehnt sind, im französischsprachigen Kanada sind es hauptsĂ€chlich religiöse Begriffe ('Tabernac' ist dort z.B. ein Fluch). Das nur nebenbei.

Das Buch 1812 von Zamoyski ist, wie du herausgefunden hast, tatsĂ€chlich meine Hauptquelle und ich muss sagen, ich finde dieses Buch wirklich grandios. Der Nachfolger '1815' ĂŒber den Wiener Kongress soll allerdings weniger packend sein, steht aber dennoch auf meiner Leseliste. Aber schön, dass meine Geschichte dich auf das Buch gebracht hat.

Die Geschichte entstand ĂŒbrigens, als ich wĂ€hrend der Schwangerschaft meiner Frau eben dieses Buch las und tatsĂ€chlich habe ich, wenn auch nur einmal, nachts vom Krieg der Grande ArmĂ©e getrĂ€umt, aber nicht so detailliert wie in meiner Geschichte. Aber die Idee, beide völlig voneinander losgelösten Themen irgendwie fiktiv zu verbinden, kam mir in dieser Zeit.

Die große Frage, die dein Kommentar m.E. aufwirft, ist eine Kontroverse, die wahrscheinlich so alt ist wie die Literatur. MĂŒssen reale Orte, Ereignisse o.Ă€. in einer fiktiven Geschichte 100% akkurat sein? Ich meine damit nicht logische Fehler, die du in meinem Text auch richtigerweise benannt hast, sondern historische Fehler. Wenn es z.B. keine Kriegstouristen gab?

Ich fĂŒr meinen Teil habe diese Frage ja mit meinem Text (fĂŒr mich) beantwortet: Nein. 100% Akkuratesse ist nicht erforderlich. Es ging mir darum, den Kontrast zwischen dem Leben eines Mannes im Jahre 1812 und dem Leben eines Mannes gut 200 Jahre spĂ€ter in eine unterhaltsame Geschichte zu packen und vll trotz der Unterschiede Prallelen aufzuzeigen.

Sobald ich die Zeit und Muße habe, deine Bemerkungen in meinem Text zu berĂŒcksichtigen und den Text zu redigieren, schicke ich dir gerne die redigierte Version. Wann das sein wird, steht in den Sternen.

Trotzdem vielen Dank fĂŒr deine RĂŒckmeldung. Ich habe mich sehr gefreut darĂŒber.

Liebe GrĂŒĂŸe,

CPMan

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Penelopeia
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Hallo CP Man,

ich habe die ErzĂ€hlung mit großem Interesse gelesen. Sicher gibt es dies und das auszusetzen, ein paar Kommas, Wortwiederholungen etc. Die Grundidee halte ich allerdings fĂŒr schlĂŒssig und gut nachvollziehbar. Das Leben eines Heutigen auf das Leben historischer Figuren prallen zu lassen, dabei Schlaf und TrĂ€ume als "Werkzeuge" fĂŒr den Wechsel von Zeit und Handlungsebenen zu nutzen, ist fĂŒr mich ein literisches Kernprinzip, das hier geschickt angewandt wurde.

Die Frage, was "schöngeistige" Literatur an sich ist, lĂ€sst sich mit einem solchen Text anschaulich zeigen: sie ist wohl meist eine Mischung aus Wahrheit, Fiktion, Traum, GefĂŒhl, Verstand, Glauben, Behauptung, Unterstellung, vielleicht auch GrĂ¶ĂŸenwahn und ĂŒberbordender Fantasie. Keinesfalls lĂ€sst sie sich auf das Maß der historischen Genauigkeit stutzen...

Eine vorsichtige Überarbeitung, wie sie Ralph Ronneberger angedacht hat, halte ich fĂŒr sinnvoll. Am Grundprinzip der ErzĂ€hlung wĂŒrde ich keinesfalls etwas Ă€ndern.

Herzlich

P.

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PEEB
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ZoneA+SektorZ hab ich gelesen und sie waren beide super.
Zone A war Libanon, und Sektor Z im ehemaligen-Heisel Stadion BrĂŒssel.

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