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Leselupe.de > Gereimtes
So bist Du
Eingestellt am 03. 11. 2009 11:15


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Walther
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So bist Du


Im Augenwinkel nur das Fallen eines Blattes:
Es taumelt von dem Ast des nahn Platanenbaums.
Ich seh es durch die lichten Nebel eines Traums:
Es hat was Schwingendes und dennoch zugleich Mattes.

Als heben sich die Enden eines schweren Saums:
Es gl├Ąnzt wie blauer Samt, ein goldbestrasstes glattes
Und schweres Tuch umh├╝llt uns, strahlt was g├Ąnzlich Sattes
Und Gl├╝ckliches in eines warmen, leeren Raums

Gef├╝hlte Stille: So sei es, und so bist Du!
Ich staune, wie die gelben gro├čen Bl├Ątter fallen:
Es herbstet um uns, und Du l├Ąchelst fein dazu.

Ich f├╝hle, wie sich schwere Wolken um uns ballen.
Im Zentrum dieses Sturms bleibst Du ganz k├╝hl in Ruh.
Dir immer nah zu sein, das k├Ânnte mir gefallen!

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Version vom 03. 11. 2009 11:15
Version vom 07. 11. 2009 17:27

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HarryHaller
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Registriert: Nov 2001

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Hallo Walther,
kurz vorweg: M├╝sste es in S2Z2 nicht "goldbeStrasstes" hei├čen?

Ansonsten gef├Ąllt es mir vor allem inhaltlich sehr gut. Da hier aber nach meinem Empfinden das Wichtigste die ├Ąu├čere Form ist, m├Âchte ich Dich fragen, was an dieser von vielen gut bewerteteten Reimform (2S Block-, dann 2S Wechselreim)so gut ist? Ist das eine Mode oder wirklich ein Zeichen hoher Dichtkunst? Ich verstehe das nicht. Diese Gedichte klingen f├╝r mich oft irgendwie konstruiert... erbitte Aufkl├Ąrung!

LG Eric
__________________
Nosce te ipsum...and keep your bones alive

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Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

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Hallo Harry,

Du hast recht, das habe ich falsch geschrieben, das "s" fehlt in der Tat. Vielen Dank f├╝r Dein aufmerksames Lesen, ich habe das schon ge├Ąndert.

Nun zur Form:

Das ist ein Sonett mit einem sechshebigen Jambus, die Reime haben wechselnd m├Ąnnliche und weibliche Kadenzen, das Reimschema ist abba baab cdc dcd. Am Reimschema kann man erkennen, woher diese Form kommt. Die ist der Sonettschreibweise des Barock nachempfunden, der Inhalt ├╝brigens auch. Denn es geht ja um goldumfassten blauen Samt (das ber├╝hmte "blue velvet" stand hier Pate, den Song kennen die meisten, den Film wohl auch).

Im 18. und 19. Jahrhundert ist dieses Reimschema besonders bei Friedrich R├╝ckert und Alexander von Platen in Gebrauch.

Ich glaube nicht, da├č dieses Gedicht eine zwanghafte Formstrenge hat, im Gegenteil, es l├Ą├čt sich auf eine ironische Art sehr fl├╝ssig lesen, darauf habe ich beim Schreiben ganz besonders geachtet. Um den Beweis anzutreten, habe ich einmal die Umbr├╝che weggemacht und den Text wie Prosa abgesetzt.

quote:
Im Augenwinkel nur das Fallen eines Blattes: Es taumelt von dem Ast des nahn Platanenbaums. Ich seh es durch die lichten Nebel eines Traums: Es hat was Schwingendes und dennoch zugleich Mattes.

Als heben sich die Enden eines schweren Saums: Es gl├Ąnzt wie blaues Samt, ein goldbestrasstes glattes und schweres Tuch umh├╝llt uns, strahlt was g├Ąnzlich Sattes und Gl├╝ckliches in eines warmen, leeren Raums gef├╝hlte Stille: So sei es, und so bist Du!

Ich staune, wie die gelben gro├čen Bl├Ątter fallen: Es herbstet um uns, und Du l├Ąchelst fein dazu. Ich f├╝hle, wie sich schwere Wolken um uns ballen. Im Zentrum dieses Sturms bleibst Du ganz k├╝hl in Ruh.

Dir immer nah zu sein, das k├Ânnte mir gefallen!

Wie Du siehst, kann der Text ohne Schwierigkeiten gelesen werden und kommt auch als Prosatext so daher, als k├Ânnte er ohne Probleme in einem Liebesbrief geschrieben werden.

Ich hoffe, Deine Frage beantwortet und aufgezeigt zu haben, wie dieses Sonett m.E. durchaus in die heutige Landschaft pa├čt. ├ťber Geschmack l├Ą├čt sich aber bekanntlich schwerlich streiten. Zugleich mu├č ich einfach akzeptieren, da├č ich mit meiner Art, Gedichte zu schreiben, nicht alle LeserInnen erreichen und begeistern kann.

Lieber Gru├č W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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