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Leselupe.de > Humor und Satire
So kann es einem gehen...
Eingestellt am 09. 10. 2006 20:02


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GerdaHaeusler
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So kann es einem gehen

Ich gebe es mehr oder weniger gerne zu: Der Lack ist ab.Die letzte Schublade ist zweifellos gezogen. Vielleicht kann ich unter dem Begriff
"tageslichttauglich" noch durchs Leben laufen, aber mehr ist nicht drin.
Der Zahn der Zeit hat schon die eine oder andere Falte in mein Gesicht gemei├čelt und selbst kosmetische S├Ąlbchen, die laut Werbung in der Lage sind, Wellblechd├Ącher glatt zu ziehen, wirken bei mir nicht mehr.
Das einzige maskuline Gesch├Âpf, das mir noch hinterher pfeift, ist der Wasserkessel.

Wie sehne ich mich danach, dass mir in diesem Leben ein h├╝bscher Unbekannter noch einmal, blind vor Liebe und geil wie ein Matrose nach zwei Monaten Abstinenz, S├Ątze ins Ohr haucht, wie: "Ich bin so scharf auf dich, komm lass uns zu Dir gehen.ÔÇť
Warum bietet mir denn keiner mehr nachts um halb drei auf die altmodische Tour einen Kaffee an, nur um dann wie ein wildgewordener Berserker ├╝ber mich herzufallen?
Das kann so nicht weitergehen. Entweder pflege ich weiterhin mein bis dato ziemlich unbefriedigendes Verh├Ąltnis mit dem Schneebesen oder ich muss raus aus diesem Affenstall, in dem ich jahrein und jahraus meine unentdeckten Talente als Hausfrau und Mutter verschwende.
Als mein Spiegelbild mich heute morgen wieder mit diesem vorwurfsvollen "Du-k├Ânntest-auch-mal-eine-neue-Frisur-vertragen-Grinsen" anl├Ąchelte, stand mein Entschluss fest.
Ich muss auf die Piste, um meine Chancen auf dem freien Markt zu testen.
Und zwar heute noch! Bevor eines meiner liebreizenden Kinder mich wieder mit S├Ątzen, wie:" Mama, wieso hast Du so eine enge Hose an? M├Âchtest Du, dass jeder sieht, wie Du von innen aussiehst?", auf den Boden der grausamen Tatsachen zur├╝ckf├╝hrt.
F├╝r eine Sch├Ânheitsoperation wird die Zeit ein wenig knapp werden, also rief ich meine Freundin an, die, dem Himmel sei Dank, Kosmetikerin ist.
"Hi, ich bin`s. Kannst Du mich heute noch irgendwie dazwischenfummeln? Ich muss heute abend so aussehen, dass selbst Brad Pitt bei meinem Anblick anfangen w├╝rde zu zittern"
"Oh", kam eine, ein Lachen unterdr├╝ckende Stimme vom anderen Ende der Leitung, "Ich bin mir sicher, er w├╝rde sogar Schwei├čausbr├╝che haben, wenn er Dich sieht........Vor lauter Angst, dass Du ihn ansprechen k├Ânntest und alle Leute denken, er w├Ąre mit seiner Mutter unterwegs."

Na, sch├Ânen Dank auch! Bl├Âde Kuh!
Jedenfalls lag ich eine Stunde sp├Ąter in ihrem Behandlungsstuhl und betete still vor mich hin. Lieber Gott, lass sie ein Wunder vollbringen! Ich verspreche Dir auch, dass ich diese Nacht beim Sex die Augen geschlossen halte.
Ich glaube, dieses fromme Versprechen hat IHM imponiert.
Denn als ich nach 3 Stunden dr├╝cken, quetschen, massieren, peelen, pudern, schminken und diversen Cremes, Salben, Ampullen und Masken in den Spiegel blickte, bzw. einen Blick in den Spiegel warf..., dachte ich: Wow, du bist der Inbegriff von sexy!
Das war der Moment, in dem meine legend├Ąre und vielgepriesene Bescheidenheit in Gr├Â├čenwahn umschlug.
Ich fuhr in Folge dessen nicht zu einem popeligen Fris├Âr um die Ecke, nein, das w├Ąre unter meiner soeben restaurierten W├╝rde gewesen. Ich lenkte mein Auto zum angesehensten Hairstylisten der ganzen Stadt und bat um einen Termin beim Figaro-Gott
h├Âchstpers├Ânlich. Dass er mich misstrauisch und kopfsch├╝ttelnd musterte, lie├č mich noch relativ kalt. Aber als er mich dann fragte:
"Haben Sie statt des F├Âhns den Finger in die Steckdose gesteckt?ÔÇť, wurde ich doch ein wenig kleinlaut.
"Nein, nein, bestimmt nicht. Ich m├Âchte mich nur ein bisschen nett machen lassen, weil ich n├Ąmlich seit der Geburt meines J├╝ngsten ein wenig an Depressionen leide.ÔÇť
ÔÇ×Ach, wie alt ist Ihr J├╝ngster denn?ÔÇť
ÔÇ×F├╝nfundzwanzig.ÔÇť
Ich hatte zwar den Eindruck, dass er mich von da an behandelte, als h├Ątte ich nicht alle beisammen, aber das Ergebnis konnte sich trotzdem sehen lassen.
Naja, f├╝r 125 Euro konnte ich wohl auch erwarten, dass ich um mindestens 18 1/2 Jahre j├╝nger aussah.
So, jetzt noch das passende Outfit f├╝r meinen triumphalen Auftritt heute Abend. Ich hatte seit Jahren keine Boutique mehr von innen gesehen.
Dementsprechend ungeschickt muss ich mich wohl verhalten haben, denn als ich gerade ein Etui-Kleid auf dem St├Ąnder hin und her schob, fragte mich eine Verk├Ąuferin:
"Welche Gr├Â├če suchen Sie denn? 42, 44 oder 46?"
"Ja, wenn ich das w├╝sste, wissen Sie, ich schneidere mir seit Jahren meine Kleider selbst. Aus alten Gardinen und Bett├╝berw├╝rfen.ÔÇť
ÔÇťProbieren Sie mal das hier."
In der Umkleidekabine hatte ich das Gef├╝hl, dass mein K├Ârper und mein Schamgef├╝hl allen vorhandenen Platz einnahmen.
F├╝nfzehn Minuten lang zerrte und quetschte ich mich in das Etui-Kleid.
Dann wagte ich einen verstohlenen Blick in den Spiegel. Die Brust war als R├╝cken getarnt, der Bauch sprengte fast die Kn├Âpfe und die Blutzirkulation in den Beinen war bereits abgeschn├╝rt. Aber wer sch├Ân sein will, muss ja bekanntlich leiden.
Ich bezahlte den s├╝ndhaft teuren Fummel und verlie├č hocherhobenen Hauptes den Mode-Palast.
Den Rest des Tages schwelgte ich in Fantasien.
Auf dem Weg zur Disco malte ich mir im Taxi aus, wie ich mit meinem Charme und meinem Aussehen den Mann meiner Tr├Ąume bet├Âren, verzaubern und begeistern w├╝rde. Sicher w├╝rde er dahinschmelzen wie Butter in der Mikrowelle. Mein Traummann w├╝rde mir ganz tief in meine fachm├Ąnnisch ummalten Augen blicken und von Stund`an hoffnungslos und unsterblich verliebt sein.
Und ich w├╝rde mich mit gl├╝henden Wangen, schamhaft roten Ohrl├Ąppchen und abgeschn├╝rten Puddingbeinen hingebungsvoll in seine Arme gleiten lassen, wohlwissend, dass mir das Beste noch bevorstand.

Dann ist der gro├če Augenblick endlich gekommen.
Im ber├╝chtigtsten Baggerschuppen weit und breit stand ich vertr├Ąumt und m├Ądchenhaft an einen Pfeiler gelehnt.
Er schlenderte an mir vorbei und ich wusste sofort: Das ist ER.
Dieser selbstbewusste Gang, dieses humorvolle Funkeln in seinen Augen, dieser leicht verruchte Dreitagebart und erst sein Hintern.
Mannomann! Das w├╝rde der beste Sex meines Lebens werden.
Hoffentlich fackelt er jetzt nicht so lange und hoffentlich tickt meine biologische Uhr nicht so laut, dass er es h├Âren kann.
Ich setze mein sch├Ânstes Mona-Lisa-L├Ącheln auf und zeige ihm einen Augenaufschlag, der Claudia Schiffer h├Ątte vor Neid erblassen lassen.
Einmal, zweimal, dreimal!
Verdammt, worauf wartet der? Wie lange soll ich diese Spielchen noch spielen? Ich dachte aus dem Alter sind wir raus.
Naja, er scheint ein Genie├čer zu sein. Auch gut. So`n bisschen Genusssucht und Sinnlichkeit kann im Bett ja nicht schaden.
Viermal, f├╝nfmal, sechsmal!
Also, jetzt reicht es aber langsam. Nun komm mal in die G├Ąnge, bevor der ganze Kleister in meinem Gesicht mein L├Ącheln erstarren l├Ąsst.
Na endlich!
"Hallo, sch├Âne Frau, so alleine?"
Witzbold, h├Ątte ich meine Kinder mitbringen sollen?
"Nein, ich habe nur darauf gewartet, dass mich ein Mann wie Du anspricht."
Grrr. Wie schleimschei├čerisch! Aber schlie├člich will ich heute noch zu Potte kommen.
"Du bist mir sofort aufgefallen mit Deiner nat├╝rlichen Sch├Ânheit", h├Âre ich ihn sagen.
Ich habe zwar das Gef├╝hl mit der Farbe in meinem Gesicht k├Ânnte man gut und gerne eine Dreizimmerwohnung renovieren, aber macht ja nix.
Wahrscheinlich ist er schon blind vor Liebe.
"Du siehst so jung und voller Tatendrang aus."
Ja, glaubt der denn, ich bin zum Sterben hergekommen.
"Darf ich die Dame bitten?ÔÇť
Oh, ein Gentleman, der kann ja richtig h├Âflich sein.
"Ja, gerne!"
Er nimmt meine Hand und f├╝hrt mich zur Tanzfl├Ąche. Tollk├╝hn schmiege ich mich an ihn .
Hmmmh, das f├╝hlt sich an, als w├╝rde ich ihn schon ewig kennen. So vertraut. So innig. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass Paare, die beim Tanzen harmonisieren, auch beim Sex auf einer Wellenl├Ąnge liegen.
Wir tanzen so eng, dass ich die Gedanken seines "besten St├╝ckes" lesen kann.
Wie kriege ich ihn jetzt auf dem schnellsten Wege ins Bett?, denke ich, als ich langsam sp├╝re, wie meine F├╝├če anschwellen.
Wie macht man das heute? Was dr├╝cke ich mir aus der Birne, um ihn rumzukriegen? Ich glaube, ich w├Ąhle die altmodische und altbew├Ąhrte Tour.
"M├Âchtest Du noch einen Kaffee mit mir trinken?"
"Ja, w├╝rde ich ganz gerne, mein Schatz, aber wir haben keine Filtert├╝ten mehr"
Tja, so ist er. Immer geradeheraus. So kenne und so liebe ich ihn.

Meinen Mann.


__________________
Jedes Bild ist nur so bunt,wie die Farben, an die sein Maler sich wagt

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Marius Speermann
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Bussi. Ein Text ganz nach meinem Geschmack. Endlich mal wieder ein guter Text im Humor&Satire Forum.

Marius
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Wie man einen humoristischen Text schreibt: Humor f├╝r Deppen.Mehr auf MarioHerger.at

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GerdaHaeusler
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danke f├╝rs bussi und f├╝rs lob.

alles liebe
gerda
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petrasmiles
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Ich gebs ja zu, erst habe ich den Text so ein kleines winziges bisschen 'feministisch' gelesen, ogottogottogott, aber das wurde beim Lachen beim Schlussakkord aus den Gehirnwindungen gesp├╝lt. Komplett, ohne eine Spur zu hinterlassen
Klasse Text!

Liebe Gr├╝├če
Petra
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Nein, meine Punkte kriegt Ihr nicht ... ! Gegen Bevormundung durch Punktabzug f├╝r Gutwerter!

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GerdaHaeusler
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danke, petra.
nee, feministisch sollte der text sicher nicht sein.

alles liebe
gerda

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Wendy
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Ich kannte diesen Text schon. Habe ihn trotzdem gerne nochmals gelesen und wieder an den gleichen Stellen gelacht.

LG

Wendy

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