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Leselupe.de > Kurzgeschichten
So nah und doch so fern
Eingestellt am 22. 09. 2013 15:52


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Sakuntala
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Sep 2013

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So nah und doch so fern

„Siehst du dort den ganz hellen Stern?“
Anna lag auf dem RĂŒcken im Gras, neben ihr rĂ€kelte sich Georg, ihr Freund, mit dem sie seit zwei Wochen ging. Georg war ein netter Junge, anders als ihre Schulkameraden auf dem Gymnasium schien er das unscheinbare MĂ€dchen fast zu bewundern, hörte ihr zu und ließ sich von ihr oft bereitwillig bei seinen Hausaufgaben helfen.
Fast jeden Tag fuhren sie anschließend mit ihren RĂ€dern herum, erst durch die Stadt, einen kurzen Halt beim EiscafĂ© gemacht, jeder eine Kugel, mehr konnten sie sich nicht leisten, aber verschiedene Sorten, und dann abwechselnd geleckt, so hatte man den Geschmack von zweien. SpĂ€ter am Abend radelten sie ÂŽraus, durch die Wiesen, ein kurzes StĂŒck in den Wald, und dann kam man hier an, bei dieser Lichtung, umgeben von dicht stehenden BĂ€umen, fast wie ein geheimes Wohnzimmer war das, zumindest jetzt im Sommer. Und nun lagen sie hier im Gras und schauten, wie in den Tagen zuvor, in den Himmel.
FĂŒr Anna war das nichts Neues. Seit sie denken konnte, betrachtete sie den nĂ€chtlichen Sternenhimmel. Zuerst auf dem Arm ihres Vaters, der ihr die ersten Konstellationen nahegebracht hatte: Orion, das war einfach, den schiefen GĂŒrtel, bestehend aus drei Sternen, konnte man sofort wiederfinden. Oder den Großen BĂ€ren, dessen andere Bezeichnung Großer Wagen es fĂŒr sie damals noch leichter machte, ihn zu identifizieren, die lange Deichsel erkannte sie sogleich.
SpĂ€ter dann, als sie fast alle Sternbilder mĂŒhelos finden konnte, bekam sie ein Teleskop geschenkt, und mit diesem Tag eröffnete sich ihr eine neue Welt dort oben. Nicht nur die mit dem bloßen Auge erkennbaren Himmelskörper konnte sie erkunden, nein, damit konnte man in die Tiefe des Weltraums dringen, oder aber die Planeten ganz nahe heranholen, auf Augenhöhe betrachten sozusagen. Das liebte Anna wie kaum etwas anderes, in jeder sternenklaren Nacht musste die Mutter sie ermahnen, endlich vom Balkon zu kommen, wo sie mit ihrem Vater das Teleskop installiert hatte und jedes Mal aufgeregt von einem Bein auf das andere hĂŒpfte, wenn er gerade durch das kleine Objektiv an der Seite blickte.

„Also, siehst du ihn nun?“
„Die sind doch alle nicht besonders hell. Meinst du den da?“
„Nein, das ist Jupiter. Das ist doch ein Planet. Weiter nach links musst du schauen.“
Es war schwierig, jemandem, der noch nie den Himmel so beobachtet hatte wie Anna, die Position eines bestimmten Himmelskörpers zu beschreiben. Aber sie hatte das GefĂŒhl, dass Georg sich große MĂŒhe gab, immerhin war er der erste, der ein gewisses Interesse fĂŒr Annas Leidenschaft zur Astronomie zeigte. Also versuchte sie es weiter. Sie drĂŒckte sich eng an ihn und streckte ihren Arm in die Höhe.
„Folge einfach meinem Finger, dann erkennst du ihn schon. Das ist Altair, einer der hellsten Sterne am Himmel. Er liegt im Sternbild Adler, das sind noch die beiden links und rechts davon, die FlĂŒgel des Adlers, und einer unten, als Schwanz.“
„Ja, ich glaube, jetzt hab ich®s, und der hellste davon ist der Kopf, stimmt®s?“
„Genau, das ist Altair. Es gibt eine schöne Geschichte dazu: Die Chinesen glaubten, dass er einen Kuhhirten versinnbildlicht, der mit einer Weberin verheiratet ist, das ist die Wega, etwas weiter oben rechts, auch ein ganz heller.“
„Ich kenn nur die „Invasion von der Wega“, war mal so ®ne komische Fernsehserie, durfte ich aber nie sehen.“
„Ich auch nicht, da war ich erst zehn, lief auch ziemlich spĂ€t abends, mein Vater hĂ€tte es vielleicht noch erlaubt, aber meine Mutter niemals, meinte immer, so was wĂŒrde Kindern nur Angst machen. Dabei wusste ich da schon lĂ€ngst, dass es völlig unmöglich ist, dass Außerirdische von dort bis zu uns kommen könnten. Also, auf jeden Fall waren der Kuhhirte und die Weberin so verliebt, dass sie ihre Arbeit total vernachlĂ€ssigten. Deshalb wurden sie getrennt durch einen Fluss, das ist die Milchstraße, man kann gut erkennen, wie das helle Band genau zwischen den beiden verlĂ€uft.“
„Das ist die Milchstraße? Hab ich mir irgendwie grĂ¶ĂŸer vorgestellt.“
Anna war enttĂ€uscht. FĂŒr sie war die Vorstellung von der unendlichen GrĂ¶ĂŸe des Universums immer etwas gewesen, das ihr geradezu den Atem geraubt hatte, egal wie winzig diese leuchtenden Punkte dort oben auch erscheinen mochten.
WĂ€hrend sie ein wenig von ihm abrĂŒckte sagte sie:
„Das sind Millionen von Sternen, nur halt ziemlich weit weg. Aber zurĂŒck zur Geschichte: Einmal im Jahr im Sommer, am siebten Tag des siebten Monats bilden Elstern eine BrĂŒcke ĂŒber den Fluss, also die Milchstraße, dort dĂŒrfen die beiden sich treffen, und das wird dann groß gefeiert in China.“
„Also stoßen die irgendwie zusammen, die beiden Sterne?“
„Nein, natĂŒrlich nicht. Ach, egal, ist doch sowieso nur ein MĂ€rchen.“

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