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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Sohn der Insel
Eingestellt am 07. 05. 2001 20:04


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Der kleine Grauhai
Hobbydichter
Registriert: Apr 2001

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Der Weg zum Wasser war noch feucht vom Tau und der n├Ąchtliche Regen hatte hier und dort kleine Pf├╝tzen hinterlassen, so das der Sand klebte unter Youris F├╝├čen. Er atmete tief ein und schlo├č die Augen. Der Sohn dieser Insel konnte den Tag der vor ihm lag schon riechen, das Salz des Meeres und der Duft der Wacholderb├╝sche ├Âffneten sein Herz und er lachte laut heraus. So rannte Youri weiter den kleinen Pfad zum Meer herunter, durch die B├╝sche zu den Klippen. Vorsichtig kletterte er die Steilk├╝ste herab wie seine Mutter ihm gezeigt hatte und lie├č seinen Blick ├╝ber das weite Blau des Mittelmeeres gleiten. Seine Mutter war es auch gewesen die ihm diesen Platz verraten hatte - seitdem kam er jeden Morgen hierher um den Tag und vor allem das Wasser zu begr├╝├čen.

Das Meer war morgens immer so ruhig, als w├╝rde es ihn erwarten, als ob Youri es erst aus seinem tiefen, dunkelblauen Schlaf wecken m├╝├čte. Ruhig schwamm er ein paar Meter fort von den Steinen, tauchte ab und lie├č sich auf den Grund heruntertreiben. Kleine bunte Fische umzingelten ihn, um freundlich "Buenos dias" zu sagen, obwohl auch der eine oder andere franz├Âsisch sprechen mochte. Nachdem Youri sich ein wenig in der Sonne getrocknet hatte, spazierte er zum Strand und sah sich nach angesp├╝ltem Krimskrams um. Fast jeden Morgen fand er etwas das er gebrauchen konnte und manchmal war es sogar so toll, da├č seine Mutter ihn versuchte zu ├╝berreden es herzugeben. Sein Vater sa├č dann meist am├╝siert in der Ecke bis er entweder seinem Sohn oder seiner Frau schamlos in den R├╝cken fiel. Youri liebte diese Spielchen mit seinen Eltern und er geno├č die Tage an denen sie zusammen im Garten bastelten und schraubten. Das Inselkind wu├čte, n├Ąchstes Jahr w├╝rde er h├Âchstwahrscheinlich zur Schule m├╝ssen und er hatte beschlossen gut vorbereitet zu sein. Deshalb sah er sich auch immer ganz genau um wenn er ├╝ber die Insel spazierte, kein Strauch und kein Ast entging seinen Augen, und meist fiel ihm sofort etwas ein das man daraus basteln k├Ânnte. Zu Hause lie├č er seine Eltern raten was er gesehen hatte, in dem Ast oder der Wurzel die er wieder mal anschl├Ârrte und meist wu├čten sie recht bald worum es ging.

Youri sa├č nun oben auf einem Felsen und schaute ├╝ber die Insel und das Meer. Er war noch nie von hier fort gewesen, aber er dachte in diesem Moment, das alles was er hier sah genug f├╝r sein Leben sei. Er f├╝hlte sich als ein Teil dieser Welt und das Gerede seiner Freunde von der Stadt und Hochhausschluchten erschien ihm fremd und leblos.

"Youri!!" ert├Ânte da die Stimme seiner Mutter ÔÇô manchmal ertappte er sich dabei wie er sich vorstellte, da├č selbst die Nachbarinseln erbebten wenn sie nach ihm rief, aber in erster Linie erschien es ihm blo├č praktisch denn er konnte ├╝berall hingehen weil die Stimme ihn immer erreichte wenn er gebraucht wurde. So machte Youri sich auf zum Fr├╝hst├╝ck, die Sonne streichelte sein Haar und er freute sich, denn Fr├╝hst├╝ck war die sch├Ânste Jahreszeit ÔÇô so sagte sein Vater immer.

Youri konnte schon von weitem sehen das seine Eltern wieder mal nicht alleine waren ÔÇô eine kleine Eidechsenfamilie hatte sich zu ihnen an den Tisch gesetzt um der anderen, etwas gr├Â├čeren, Gesellschaft zu leisten. Es gab Orangensaft und Brot und Obst f├╝r Youri und Kaffee f├╝r die Eltern. Die Eidechsen kriegten von allem etwas. "Ich habe einen super Ast am Strand gefunden, den gebe ich aber nicht ab Mami!" berichtete Youri, nicht ohne seiner Mutter schon mal eine Warnung im voraus zu geben. "Ach so...", sagte sie da und fing an ihn liebevoll zu kneifen. "Das wollen wir doch mal sehen..." "Hihi...Ha h├Âr auf" gluckste Youri und bi├č seiner Mutter in den Arm. "Au!!" Sein Vater grinste ÔÇô "Hm, ich glaube das hat er wohl von dir geerbt..." Daraufhin richteten sich Kneif- und Bei├čwut von Mutter und Sohn allein gegen den armen Vater, bis alle auf dem Boden lagen und weinten vor Lachen. "Ach, wegen Erben Mami. Wenn du stirbst, kann ich dann eigentlich deine Tauchsachen haben und ├╝berhaupt, wie lange dauert das denn wohl alles noch?" Danach mu├čten Youris Eltern noch mehr lachen und er beschlo├č, da├č es mit dem Erben doch noch etwas l├Ąnger dauern d├╝rfe.

Die Sonne war inzwischen schwer zugange und Youri geno├č die k├╝hle Luft im Innern des Hauses. Die dicken, steinigen Mauern mit ihrer wei├čen Farbe wiesen zwar die Hitze ab, aber ansonsten war es drinnen als w├Ąre man drau├čen und Youri liebte das. Heute w├╝rde er wieder auf dem Dach schlafen ÔÇô in der Nacht war es so sch├Ân warm und so schwarz, man konnte Milliarden von Sternen sehen. Manchmal holte Youri dann, wenn seine Eltern ihn eigentlich schon im tiefsten Tiefschlaf w├Ąhnten, sein kleines Teleskop und schaute sich die Ringe des Saturn an. Es war so ein seltsames Gef├╝hl nur in die Sterne zu sehen, man wurde so klein und so unsagbar frei. Youri hatte immer schon das Gef├╝hl gehabt die Sterne seien nicht nur seine Freunde sondern Teil von ihm, und damit hatte er nicht einmal Unrecht...

Aber jetzt wollte er nicht mehr ├╝bers schlafen nachdenken, der Tag lag ja schlie├člich noch vor ihm. Und es gab einiges zu tun f├╝r so einen kleinen, guten Mann! Mami w├╝rde jetzt wahrscheinlich Tauchen gehen oder im Garten basteln und Papi h├Ątte sicher auch irgendwas zu tun und dennoch m├╝├čte eigentlich noch viel ├╝ber sein f├╝r Youri. Also nahm er sein Lieblingshandtuch und machte sich auf zur├╝ck zum Strand, um etwas aus Sand zu bauen. Youri lauschte dem Zirpen der Grillen w├Ąhrend er erst eine gro├če Burg baute und danach ein Rennauto. Er fuhr gerade die schnellste Runde, als eine M├Âwe sich auf sein linkes Vorderrad setzte und den Wagen aus der Balance brachte. "Was machen die Sterne wohl so tags├╝ber", dachte sich Youri und legte sich in den Sand. "Ich werde gleich Mami fragen", murmelte er und ging wieder ins Haus. Seine Mutter stand drau├čen und schrubbte eine riesige Wurzel. "Mami!!", rief Youri. "Was machen die Sterne eigentlich wenns hell ist? Schlafen die dann?" Sie legte die Wurzel beiseite und strich sich durch ihre langen, dunklen Haare. "Tja, was machen die Sterne wohl gerade... la├č mich ├╝berlegen." Sie hob Youri hoch und setzte ihn sich auf den Scho├č. Sie wies auf die violetten Str├Ąucher die den gro├čen Garten umgaben, zwischen den knorrigen B├Ąumchen und Ge├Ąst. "Schau Youri, die kleinen Bougainvillas dort dr├╝ben, nachts siehst du die auch nicht ÔÇô und schon gar nicht violett. Daf├╝r kommen dann die Sterne aus ihren Verstecken ÔÇô die beiden wechseln sich nur ab". "Das glaube ich dir nicht Mama, weil die Bl├╝ten kann ich ja anfassen nachts, die Sterne aber nicht. Ich will die Sterne aber auch anfassen k├Ânnen." Youris Mutter lachte ihr sch├Ânstes Lachen und versprach ihrem Sohn das sie ihn fr├╝her oder sp├Ąter an die Sterne lassen w├╝rde. Youri wars zufrieden und ging r├╝ber zu seinem Freund Toni um ihm die tollen Neuigkeiten zu erz├Ąhlen.

Toni hatte ihm nat├╝rlich nicht geglaubt. W├╝tend und entt├Ąuscht ging der kleine Inselsohn zu seinem Vater um noch mal nachzuhaken. "Papa, was ist denn nun, kann Mama mich die Sterne anfassen lassen oder nicht?" Youris Vater schaute nachdenklich und nahm sein Gesicht in beide H├Ąnde. "schau mal nach drau├čen Youri", und er f├╝hrte ihn zum Fenster. "Sieh doch mal dahinten, wo deine Mutter steht; na, was sagst du jetzt?" Der Sohn begriff mit einem Mal was seine Mama gemeint hatte und eine Tr├Ąne rollte seine Wange herunter. "Das h├Ątte ich aber nicht gedacht, Papa, da├č uns die Sterne so nahe sind."

Und am Abend dann sa├čen die drei sch├Ânsten, hellsten Sterne der kleinen Insel am Tisch und a├čen irgendwas das die Sternenmutter hervorgezaubert hatte. Danach gingen sie allesamt auf das Dach und schauten durch Youris Teleskop herauf zu ihren Verwandten, die ihnen zumindest in Punkto Leuchtkraft in nichts nachstehen wollten. "Schau Mami, Papa, die Ringe vom Saturn sind heute irgendwie seltsam..." Youri hatte recht, der Planet war n├Ąmlich im Begriff die Ringe zur Inselfamilie herunterzuschmeissen ÔÇô "Hier, fang auf kleiner Mann. Und gib deinen Eltern je einen an die Hand, denn das sind die einzigen Ringe die ihnen hier in der Umgebung passen." Youris Mutter und Vater schauten sich jetzt so komisch an, fand der Inselsohn als er ihnen die tausenden Ringe an die Finger schraubte. Und kaum war er fertig knallte es ganz laut und alles war wie vorher. Nur das seine Eltern jetzt auf einmal wieder Namen hatten und irgendwie deutlicher aneinanderklebten.

Dann wachte Youri auf, denn seine Eltern waren ja schon l├Ąngst verheiratet und die Geschichte war au├čerdem zu wirr gewesen um wahr zu sein. Trotzdem hatte er jetzt das Gef├╝hl zu wissen wie es ist wenn man die Sterne anfasst. Und seine Mutter kam ihm am Fr├╝hst├╝ckstisch irgendwie noch strahlender vor als sonst. Pl├Âtzlich mu├čte Youri so laut lachen, da├č selbst die mutigste Eidechse noch die Flucht ergriff und die ganze Insel mitlachen wollte.

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Willi Corsten
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Hallo Kyra

Herrlich, Deine Fantasie.
Die Worte Inselkind und Youri sind treffend gew├Ąhlt und passen so richtig zur tr├Ąumerisch-verspielten Stimmung der Geschichte.
Sehr sch├Ân.
Liebe Gr├╝├če
Willi

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Der kleine Grauhai
Hobbydichter
Registriert: Apr 2001

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Entschuldige Willi

ich wollte dich nicht verwirren. Ich bin Kolja der kleine Grauhai und teile mir mit Kyra nur die Seite... Ich habe aber die Signatur mal ge├Ąndert, damit die Leute hier nicht denken wir seien alle nur eine Person. Das kommt ja manchmal vor, wie mir zu Ohren kam... Jedenfalls danke f├╝r deine Antwort. . Kolja.
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