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Leselupe.de > Fremdsprachiges und MundART (L)
Sohn von dieser Stadt
Eingestellt am 10. 05. 2005 12:01


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Sta.tor
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Sohn von dieser Stadt


Jeboren inna Scheune
morjens um halb neune
jabst Du mir zum atmen
Deine Luft.

Kann ma noch erinnern
Kindheit in zwee Zimmern
uffn Hinterhof mit
MĂĽlltonnduft.

Milch jabs aussem Keller
Eintopp uffn Teller
und an jeder Ecke
een Lokal.

Kohlenträger maulten,
Leierkästen jaulten.
Keenen intressierte
die Moral.

Dann nach vielen Jahren
musste ick erfahren
du warst mir nich imma
Wohljesonn’

Als ick deine Wunden
heimlich wollt erkunden
wär ick dabei beinah
Umjekomm’

Doch du hast verziehen
Und uff meenen Knieen
Bitt ick dir inständig
Mach mir reich

Denn ick bin n kleener
Billigarbeitnehmer
Doch fĂĽr dich da sind wa
Alle gleich.

Ick bin in Dir – Du bist in mir
Ick krieg Dich nich mehr raus
Du saugst mich uff und kaust ma durch
und spuckst ma wieda aus!
Berlin - Du spielst Dein Spiel mit mir
zum Schluss setzt Du mich matt!
Doch ick steh trotzdem treu zu Dir
als Sohn von diesa Stadt!

__________________
schlimmer geht immer

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Vera-Lena
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Hallo Thomas,

mein Heimatjargon. Als Kind durfte ich das natürlich zu Hause nicht sprechen: Strengstes Verbot von meinen Eltern. Aber die Mentalität, die aus deinen Zeilen spricht und die Redewendungen liegen mir natürlich immer noch im Blut. Heimat bleibt Heimat.

Hasste jut hinjekricht.

Liebe GrĂĽĂźe von Vera-Lena
__________________
Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Sta.tor
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Hallo Vera-Lena

vielen Dank für das Lob. Naja, der Ausdruck - in mir steckts halt noch drin. Im öffentlichen Leben stirbt der Jargon leider zusehends aus und darum fand ichs mal notwendig ein Gedicht in alter Berliner Mundart zu verfassen. Allerdings stelle ich den Text jetzt nochmal in etwas entschärfter Version hinein, denn er "kratzt" meiner Meinung nach etwas im Hals beim lesen und vaschreckt ma womöglich de Leute.

Viel SpaĂź noch beim Schreiben und Lesen wĂĽnscht Thomas aus Berlin


__________________
schlimmer geht immer

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nikita
Guest
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hey sta.tor
dein text vaschreckt vielleicht nur die, die berlin nicht kennen und lieben ... städte und regionen, die noch eine "mundart" kennen ... haben auch noch eine wirkliche vergangenheit ... dein text hat mir sehr gut gefallen ... er hat sehnsucht geweckt ... eine alte rhein-länderin will wieder in die grosse stadt zurück ... danke

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Sta.tor
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Hallo nikita

aber wie gesagt, es stirbt aus, leider, es stirbt langsam aus...aber dafür macht sich rheinländisch määschtisch breit
__________________
schlimmer geht immer

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Rolf-Peter Wille
???
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Toll! Besonders der "Gossenhauer", die letzte Strophe. Döblins Alexanderplatz, Zille sein Milljöh, Grosz Kritzeleien werden wach in mir; aber auch das London von Dickens, das Wien von Canetti, das Prag von Meyerink, etc. Ohne diese "Poesie der Gosse" sind wir verloren.

Gruesse,
Rolf-Peter

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