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Leselupe.de > Humor und Satire
Sonderdruck: Neues aus der Wissenschaft
Eingestellt am 02. 11. 2004 07:39


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MDSpinoza
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Die mucorectalen Mollusken ‚Äď ein Abri√ü √ľber die bisher von der Zoologie str√§flich vernachl√§ssigte Gattung der Mucofaeceophagen

Ich m√∂chte den heutigen Abend den mucorectalen Mollusken widmen, denen trotz ihrer weiten Verbreitung meines Erachtens von Seiten der offiziellen Zoologie bisher nicht die Beachtung zuteil wurde, die ihnen ob ihrer sozio√∂konomischen Rolle geb√ľhrt. Selbst die Einordnung in die Gattung der Mollusken ist bisher sehr umstritten, aber ich finde, die totale Abwesenheit eines R√ľckgrates, selbst einer noch so primitiven Chorda, rechtfertigt diese Klassifikation. Auch gestaltet sich die eingehende Untersuchung ihres Stoffwechsels sehr diffizil, da ihre Hauptnahrungsmittel ‚Äď F√§kalien ‚Äď ihren Absonderungen weitgehend √§hneln, und selbst die √Ėffnung, durch die die Nahrungsaufnahme erfolgt auch die ist, durch die sie sie wieder von sich geben. Ebenso problematisch gestaltet sich die Erforschung ihres Sexualverhaltens, nicht zuletzt durch ihre etwas undurchsichtige Lebensweise im Rectum, wo sie nur zu Zeiten eines Machtwechsels oder einer Wende herauszubekommen sind, und das sie oft in so drangvoller Enge bev√∂lkern, da√ü sich eine n√§here Untersuchung schon allein aus Platzgr√ľnden sehr schwierig gestaltet.
Der Metabolismus aller Arten der mucorectalen Mollusken ist weitgehend unerforscht, scheint aber nicht völlig anaerob zu sein, obwohl zu sauerstoffreiche Luft oder etwa frischer Wind, womöglich gar von vorne, von ihnen als äußerst unbekömmlich empfunden wird. Stehende Luft wird von ihnen schneller verpestet, als daß man den Sauerstoffgehalt exakt messen kann, zumindest naßchemisch. Elektrochemische Untersuchungen legen einen gewissen Sauerstoffverbrauch nahe, sind aber ihrerseits noch mit einem zu hohen Unsicherheitspotential behaftet um eindeutige Aussagen zuzulassen.
Trotz all dieser schwierigen und der f√ľr den Forscher unbequemen Lebensweise ist es unserem Arbeitskreis dennoch gelungen, zumindest eine grobe Einteilung der zwei wichtigsten Subspezies durchzuf√ľhren.
Der weitaus verbreitetste ist der farblose Schleimling, Rectomuculis versicolor. Er fehlt in keinem Rectum, das gro√ü genug ist um mindestens einen aufzunehmen. Seine Lebensweise ist lichtscheu und unauff√§llig, deswegen entgeht er dem unaufmerksamen Beobachter leicht, trotz zahlreichen Vorkommens. Er fri√üt jegliche Art von Schei√üe, solange sie nur von oben kommt, doch seine absolute Leibspeise ist geistiger D√ľnnschi√ü. Der spornt ihn zu wahren H√∂chstleistungen an, eine Hyperf√§kal√§mie ist bei ihm eher ein physiologischer Zustand. Das darf jedoch nicht dar√ľber hinwegt√§uschen, da√ü er auch, sozusagen im Nebenberuf, ein listiger J√§ger ist, der in seiner Gier auch nicht vor Artgenossen zur√ľckschreckt. Kannibalismus unterliegt bei ihm keiner Hemmschwelle, sein Beuteverhalten ist, entgegen ersten Forschungsergebnissen eher im umgekehrten Verh√§ltnis zum Angebot an Frischschei√üe zu sehen. Dies liegt daran, da√ü er sich seinem Wirt gegen√ľber zwar eher symbiontisch verh√§lt, aber Konkurrenten gegen√ľber kein Pardon kennt. M√∂glicherweise ist dies Verhalten auch eine Methode der Geburtenkontrolle, obwohl die rasante Zunahme der Best√§nde seit Urzeiten eine ungebrochene Tendenz aufweist.
Er imitiert flei√üig seinen Wirt, wohl wissend, da√ü er dessen Bewu√ütseinsstufe niemals erreichen wird. Aber das scheint ihn nicht zu st√∂ren. Besonders wohl f√ľhlt er sich in einem konstant mit m√§√üiger Geschwindigkeit dahinstr√∂menden Darminhalt, der ihm das Gef√ľhl vermittelt, es ginge nach oben.
Gef√§hrlich macht ihn au√üer der Infektiosit√§t auch noch seine Gefr√§√üigkeit. Er ist, wie alle mucorectalen Mollusken ein nat√ľrlicher Feind jeglichen intelligenten Lebens, und er hat in dieser Hinsicht schon Verheerendes geleistet.
Einen gewissen Bekanntheitsgrad hat auch eine regionale Subspezies, der gr√ľne Glibberling erreicht, auch Rectomuculis kabenordiens vibrans gehei√üen. Er tritt h√§ufig in weniger besiedelten Recten auf, in denen die Lebensbedingungen f√ľr andere mucorectale Mollusken noch nicht f√ľr eine massenhafte Besiedlung in Frage kommen. Hat er sich erst einmal akklimatisiert, wird er rasch von den anderen Arten verdr√§ngt oder gefressen. Er ist ein sogenannter Indikator f√ľr Recten, die der Neubesiedlung harren. Sein Organisationsgrad ist sehr niedrig, wohingegen die anderen Arten bevorzugt in hochentwickelten sozio√∂konomischen Systemen leben, was ihnen einerseits die Vorteile der schieren √úbermacht durch Masse, andererseits auch alle Nachteile der √úberbev√∂lkerung, von Stre√ü bis hin zum Kannibalismus beschert. Das soll nicht hei√üen, da√ü R. kabenordiens vibrans etwa friedlicher oder weniger sch√§dlich ist, er ist halt meist nur Wegbereiter f√ľr Schlimmeres.
Vergleichbares leistet ebenfalls sein Vetter, der braune Glitschling, Rectomuculis brunus militans, der sich am wohlsten in Recten f√ľhlt, deren Besitzer von extremer rhythmischer Flatulenz geplagt werden. Sein bevorzugtes Kommunikationsschema ist der 4/4 Takt, aber auch 2/4 sind recht verbreitet, und vereinzelt findet man sogar Exemplare, die einen Flatulationsrhythmus von 6/4 bevorzugen. Sein Vokabular ist ziemlich beschr√§nkt, wie auch seine kognitiven F√§higkeiten. W√∂rter wie "JAWOLL", "ZU BEFEHL" oder "HEIL", speziell in einem charakteristischen Stakkato gebr√ľllt, bilden den Grundstock seiner Kommunikation. Er ist v√∂llig blind und sein Geh√∂r ist so schwach ausgebildet, da√ü man schon laut br√ľllen mu√ü, um √ľberhaupt eine Reaktion zu erhalten. Er ist vollst√§ndig auf seinen Wirt als F√ľhrer angewiesen.
Seine Eigenfarbe ist braun, aber das ist nicht das Einzige, was ihn vom farblosen Schleimling und vom gr√ľnen Glibberling unterscheidet. Er ern√§hrt sich auch vom Blut seines Wirtes, so da√ü er sich damit auch als echter Parasit demaskiert. Wenn er einen seiner periodischen Vermehrungssch√ľbe erlebt, kann er seinen Wirt durchaus so sch√§digen, da√ü der daraufhin ins Gras bei√üt. Diese Ern√§hrungsumstellung scheint den braunen Glitschling in seiner Vermehrungsfreudigkeit derart zu beeintr√§chtigen, da√ü man daraufhin √ľber Jahre hinweg nur wenig von ihm h√∂rt und sieht. Ein gewisser Bodensatz √ľberwintert, meistens unbeachtet im Dunkel irgendeiner Schublade, aus der er dann pl√∂tzlich umso zahlreicher wieder hervorquillt.
Als Einzelexemplar ist er relativ scheu, was ihm den Ruf eingebracht hat beherrschbar zu sein, aber wenn er in Massen auftritt ist er nicht mehr zu kontrollieren. Seine Vermehrungssch√ľbe haben in der Vergangenheit schon gewaltige Katastrophen ausgel√∂st, und v√∂lligen Schutz gibt es vor ihm auch heute noch nicht. Die einzige Methode ihn einzud√§mmen besteht in der konsequenten Trockenlegung der von ihm befallenen Recten, eine √ľberaus m√ľhsame und aufwendige Angelegenheit, die nicht gerade dadurch erleichtert wird, da√ü er seine bevorzugten Speisen periodisch wechselt, je nach Angebot. Alles Fremde ist ihm zuwider und was er nicht kennt, bek√§mpft er noch vehementer als sein farbloser Vetter. Daf√ľr ist sein Hang zum Kannibalismus nicht so extrem ausgepr√§gt, jedoch unzweifelhaft vorhanden.
Regionale Unterarten der beiden großen Gruppen sind vorhanden, auch Mischformen beider sind bekannt. Einige Forscher postulieren eine Umwandelbarkeit beider Gruppen ineinander, was von uns bisher weder bewiesen noch widerlegt werden konnte, da dies aufgrund massiver Vergesellschaftung der Vorkommen beider Rassen in ein und denselben Recten erschwert wird.
Interessant ist auch, da√ü die Larvenformen beider Arten einander so √§hneln, da√ü man sie √§u√üerlich nicht voneinander unterscheiden kann. Juvenile und adoleszente mucorectale Mollusken bewegen sich wie die ausgewachsenen Formen ausschlie√ülich kriechend fort und haben ebenfalls ihr Maul am K√∂rperende, was ihnen das charakteristische senkrechte L√§cheln verleiht. Hier lassen sich manchmal Rudimente einer Chorda nachweisen, die allerdings im Verlaufe ihrer Entwicklung und Reifung vollst√§ndig zur√ľckgebildet wird, lange bevor sie das Erwachsenenalter erreichen. Dies Kriterium ist die einzige Handhabe, die ihnen den Zugang zum Reich der Chordatae erm√∂glicht, aber in unserem Arbeitskreis sind daran erhebliche Zweifel entstanden, die bisher noch nicht ausger√§umt werden konnten. Uns erscheint eine Verwandtschaft zu bestimmten Nacktschnecken wahrscheinlicher, obwohl es auch nicht unwahrscheinlich ist, da√ü die mucorectalen Mollusken eine Verirrung auf dem langen Weg der Evolution vom Mollusken zum Chordaten darstellen, sozusagen ein fr√ľhdegenerativer Seitensprung der Sch√∂pfung.
Die Verwandtschaft zu den Nacktschnecken ergibt sich schon allein aus der Konsistenz ihrer K√∂rper: Die mucorectalen Mollusken bestehen zum gr√∂√üten Teil aus einem muc√∂sen Corpus, der keine eigene Form besitzt, durch die allgemeinen Lebensumst√§nde dem unbewehrten Auge jedoch meist spindelf√∂rmig ausgebildet erscheint. Auch entspricht die Art der Nahrungsaufnahme, ein kontinuierliches Schlucken, nur selten von gierigem Speichellecken unterbrochen, eher der Art der Schnecken als die sporadische Aufnahme diskreter Futterbrocken, zu der Chordatae und Vertebratae neigen. Auch macht ihre Gewohnheit, die Nahrung durch die Verdauung mehr in der Konsistenz als in der Zusammensetzung zu ver√§ndern (je √∂fter sie es wiederk√§uen, desto schleimiger wird es), die Klassifikation problematisch. Speziell gro√üe Exemplare beider Arten zeigen ein in der gesamten Tierwelt bisher unbeobachtetes Verhalten: Im Zustande gr√∂√üter Gier k√∂nnen sie bidirektional gleichzeitig defaezieren und fressen. Allein die r√∂hrenf√∂rmige Zunge erm√∂glicht dies, unterst√ľtzt von dem gro√üen Viskosit√§tsunterschied der Nahrung im Vergleich zu den Faeces, der durchaus die Gr√∂√üe von mehreren Dutzend Centipoise erreichen kann.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, Sie sehen, da√ü die mucorectalen Mollusken dem engagierten Forscher ein breites und in weiten Bereichen noch v√∂llig unerschlossenes Bet√§tigungsfeld bieten, das noch Stoff genug f√ľr intensive Erforschung einer Gattung enth√§lt, die dem Menschen wie kein anderes Wesen w√§hrend seiner gesamten Evolution ein, wenn auch ungeliebter, so doch extrem treuer Begleiter gewesen ist, und die ihn mit Sicherheit auch noch lange begleiten wird.

Rede eines bekannten Professors zur Eröffnung des internationalen Kongresses der Molluskenforscher am 1. April 1992 in Darmstadt / Bundesrepublik Deutschland

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knychen
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als rede zur er√∂ffnung eines internationalen kongresses der molluskenforscher sicherlich am√ľsant. dem ottonormalverbraucher erschliessen sich die humoristischen spitzfindigkeiten jedoch nur vage. das st√∂rt den lesefluss enorm. politisch korrekt ist der text allemal.
knychen
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MDSpinoza
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Um ehrlich zu sein, an den ber√ľhmten Otto N. habe ich beim Schreiben nicht gedacht ...
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Penelopeia
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Hallo MD Spinoza,

Den Text find ich

sprachlich perfekt!

Er ist

ein Paradebeispiel f√ľr den gekonnt humoristischen Einsatz von Fachtermini und sonstigem "Fremdwortwerk".

Hatte viel Spaß beim Lesen...

LG

P.

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Waldemar Hammel
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Re: @ MDSpinoza

Ich geh mal davon aus, dass es sich bei der behandelten Molluskensorte um eine Spezies aus der weitverbreiteten taxonomischen Familie der Rectalschleimer oder zu Deutsch: der Arschkriecher handelt, bei denen aus einsehbaren Gr√ľnden zB die corda entweder nicht vorhanden oder sehr unterentwickelt ist.

Mir ist somit auch der Name des hier nicht genannten Profs. bekannt. Wundern muss ich mich, dass der Gelehrte nicht näher auf die eminente politische und soziale Relevanz dieses fakultativ schwer pathologischen Opportunisten eingegangen sein soll.
Eine versäumte Chance, zweifellos, die aber dem lediglich ja diesen Vortrag kolportierenden Autor nicht anzulasten oder gar vorzuwerfen ist.

Ich h√§tte den Text mit mehr logischen Unterteilungen und Abs√§tzen gebracht, denn so ist er etwas leseunfreundlich. Inhaltlich und vom Entwurf her sehr gelungen!!, gerade, weil die Fachausdr√ľcke gekonnt die Kernausssagen hinter scheinbar ganz anderen "wissenschaftlichen" Aussageintentionen dem unaufmerksamen Leser verbergen.

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Fiondra
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Registriert: Aug 2004

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Hallo MDSpinoza,

ich h√§tte mir vielleicht hin und wieder ein paar Punkte mehr als Hinweis auf ein Satzende gew√ľnscht, aber ansonsten fand ich Dein Werk wirklich ausgesprochen gut gelungen!! Ich las es mit einem breiten Grinsen im Gesicht!!!
Zweimal bist Du meiner Ansicht nach ein wenig von Deiner √ľbrigen Sprachwahl abgekommen:

"....er ist halt meist nur Wegbereiter f√ľr Schlimmeres...."

".....daß der daraufhin ins Gras beißt........"

was aber mich persönlich wirklich nicht weiter stört.

LG Fiondra

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