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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Sonnenbank
Eingestellt am 09. 04. 2003 20:25


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Kalle
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2002

Werke: 19
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Es war ein langer, trĂŒbseliger, alkoholreicher Winter. Es war die Zeit, in der Horst am liebsten gemĂŒtlich mit einer Röhre in der einen Hand, die andere beim kleinen Horst, in der Unterhose vor dem Fernseher sitzt, Al Bundy oder noch besser Mini Max genießt. Rauchende Colts und die Leute von der Shilo Ranch kommen leider nur noch selten.
Ab und zu eine der Nachbarinnen glĂŒcklich macht (die kichernde HollĂ€nderin mit dem Mördercharakter will noch nicht so richtig). Mit Werner lecker Zigarren im Herrenzimmer raucht und ĂŒber die Weltpolitik philosophiert.
Ja, so romantisch können Winter sein. Auf Dauer aber, neigt sich der schönste und intensivste Winter dem Ende entgegen.
Der FrĂŒhling stand vor der TĂŒr. Die Miniröcke wurden in den SchrĂ€nken nervös, die Sonnenbrillen klapperten und die Hormone der Damen richteten sich auf Horst aus.
Also, so schwer es fĂ€llt, es mĂŒssen die notwendigen Vorbereitungen getroffen werden: Moped anmelden (die Schlacht bei der Zulassungsstelle steht unmittelbar bevor), Pariser mit Geschmack bunkern (Kirschgeschmack kam letztes Jahr gut an), temporary Tattoos (ich liebe Mutti) beschaffen, duschen (Weihnachten ist 12 Wochen vorbei), Badeshorts bĂŒgeln, Fußpilzspray auffĂŒllen, und so weiter. Und: SommerbrĂ€une kĂŒnstlich erzeugen („Hey, warum sind die alle so weiß hier“).

Die freundliche Natascha aus Königsberg, die genau gegenĂŒber wohnt, hat Horst am Vormittag zweimal versorgt (am Sonntag bleibt immer genug Zeit, wĂ€hrend der Woche gibt es meistens Zielkonflikte mit der Arbeit). Vier Halbe sind ĂŒber Mittag vernichtet worden, drei Cognac (ja, Cognac passt halt gut zur Zigarre) und eine Romeo und Julia hat Horst mit Werner am Nachmittag genossen. Die Sonnenbank ruft.
Den Augenschutz gegriffen und ab zur „Super Solarium Freizeit Spaß“ Geschichte.
„Hallo, ich bin`s, Horst und ich will mich sonnen“
Keine Antwort. Es war ziemlich ruhig und Personal war auch keins da. Das war nicht ungewöhnlich, aus KostengrĂŒnden kam ab und zu eine freundliche polnische Putze. Horst ging in die „Super Sonne 5000Plus Maschine“. Die schien neu zu sein. Der beschissen kleine Raum, in dem man so schlecht poppen konnte war mit der neuen Maschine kaum wiederzuerkennen. Die LiegeflĂ€che war flach wie Horst’s Auto, schien leuchtend blau, hatte rundherum kleine Turbinen, die LiegeflĂ€che bestand aus einem merkwĂŒrdigen Schaum und nicht wie ĂŒblich aus Neonröhren unter Plexiglas.
„Meine Maschine“ dachte sich Horst, machte sich frei und nahm im Sandwich zwischen Ober- und Unterschale Platz.
Offensichtlich gewichts- oder lichtschrankengesteuert begann die Maschine lautlos Ihre Arbeit. Horst setzte seine mit Spiegelglas beschichtete Sonnenbank Brille auf. Es ging los. Ein angenehmes, wĂ€rmendes GefĂŒhl breitete sich aus.
„Jetzt noch die polnische Putze dann wĂ€re hier alles optimal“ dachte sich Horst, als sich das GerĂ€t offensichtlich leicht von der Erde entfernte. Die „Super Sonne 5000Plus“ war mulifunktional, war flugfĂ€hig. Und so war es. Mit einem soften Ruck löste sich die Maschine von dem Raum (wahrscheinlich mittels Materietransmitters), und sie schoss mit Zisch drei in den Subraum. Zur Sicherheit ließ Horst seine Brille auf. Er hatte sein Handy vergessen, konnte daher Werner nicht um Rat fragen. Gut, er brauchte natĂŒrlich keinen Rat, aber mehrere Ansichten zu einer Problemstellung können durchaus interessant sein.
Es ging weiter mit Zisch vier, eine angenehme Reisegeschwindigkeit, eigentlich wurde sie von Frauen bevorzugt. Aus den Harman Kardon Lautsprechern klang in beruhigender Weise Black Betty, Highway to Hell und Wolfsbane, nur ausgewĂ€hlte StĂŒcke. Horst war nicht allzu beunruhigt, schielte durch die Schlitze nach draußen und sah den ein- oder anderen Planeten vorbeigleiten. „Es scheint noch unsere eigene Milchstrasse zu sein“ , und da die Maschine langsamer wurde, ist das Ziel vermutlich bald erreicht.
„Scheiße und ich hab nix an. Das kann ja heiter werden. Hoffentlich vertragen die hier den Anblick von Stahl und 25 cm Arbeitsmaschine“ denkt sich Horst.
Durch den Schlitz kann er ein gigantisches Solarium erkennen. „Eine Super Sonne Plus5000 in supergroß“. Horst war interessiert, allein schon wegen der BrĂ€unleistung. Mit der konnte er sich auf ein Niveau einbrĂ€unen, wozu er in konventioneller Arbeit mindestens 20 Sitzungen brĂ€uchte.
Er flog mitten in die große Maschine. Nein es war keine fliegen, es war ein lautloses Gleiten. Als sich das Oberteil seiner kleinen Maschine öffnete, hörte er Damenstimmen, die GerĂ€usche von sich gaben, die auf ein Erstaunen schließen ließen. Er konnte seine Brille nicht abnehmen, da das Raumschiff innen mit Sonnenbankbestrahlung beleuchtet war. Er erkannte jedoch Umrisse von Damen, die abgesehen von SchĂŒrzen nichts anzuhaben schienen. Das war grundsĂ€tzlich schon mal in Ordnung.
Nur: Warum sprach keiner mit Horst? Eine der Putzkolonnendamen nĂ€herte sich Horst in bedrohlicher Weise. Sie sagte nix. Er spĂŒrte, dass es warm und feucht um den kleinen Horst wurde und genoss erst einmal die Situation. Ein Kopf bewegte sich schemenhaft auf und ab. Als sich der kleine Horst nicht mehr zurĂŒckhalten konnte, und 50 Millionen Nachkommen zum Ausgang drĂ€ngten, schoss Horst unvermittelt mit Zisch 8 zurĂŒck zur Erde.
Von der Geschwindigkeit beeindruckt, blinzelte Horst unter seiner Spiegelbrille durch. Ihn lĂ€chelte ein sanftmĂŒtiges, etwas blödes Gesicht an.
„Danke Horst“ sagte das Gesicht.
„Gern geschehen, was macht das PutzgeschĂ€ft?“
„Wenn Du öfter zu uns kommst, bau ich es aus“. Sie lachte, zog sich das Höschen unter der SchĂŒrze wieder an und streifte ein Oberteil ĂŒber.
„ Weißt Du, es wird Sommer und ich brauche jede Menge Sonne vorab. Auf mich kannst Du zĂ€hlen“
Sie lachten, die Polin putzte weiter und Horst ging seiner Wege.

Zu Hause angekommen, kletterte er durch das Fenster seiner Wohnung (obwohl es eine Dachwohnung war, die 10 Stockwerke erklimm er oft in Notsituationen), um den lustigen Schwedinnen nicht ĂŒber den Weg zu laufen. Die hatten sich drei Tage nicht gemeldet und waren vermutlich stark an Horsts Anwesenheit interessiert.

In der Wohnung griff Horst zum Telefon.
„Werner, geht noch was?“
„Jo, ich bringe ein paar Dosen Hansa mit“
Sie hatten einen entspannten Abend (die Klingel war abgestellt).

__________________
Kalle, der, den sie "die Flamme" nennen

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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
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da wellt sich der zehennagel, und ich dachte schon, ich krieg` keinen horst mehr zu lesen!
gewohnt treffsicher und daher unterhaltsam.

zwei flĂŒchtigkeitsfehler:

"Ab und zu eine der Nachbarinnen glĂŒcklich macht (die ..."

gemacht, denke ich

"...die 10 Stockwerke erklimm er oft in Notsituationen), um..."

erklimmt


grĂŒĂŸe

rainer
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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Denschie
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Kalle,

ziemlich coole geschichte, ich habe mich sehr gut amĂŒsiert!
Auf die Idee des "Mitsonnens" bin ich noch gar nicht gekommen...
Ein FlĂŒchtigkeitsfehler:
"...Zigarren im Herrenzimmer geraucht..." muss es glaub ich heißen.
GrĂŒĂŸe,
Denschie

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Till Braven
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Aug 2002

Werke: 8
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echter Kalle

Es hat mich gefreut, mal wieder einen echten Kalle zu lesen. Und amĂŒsiert hab ich mich prĂ€chtig!

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