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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Sonntag zum Kaffee
Eingestellt am 23. 09. 2009 22:10


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Erika Stiller
One-Hit-Wonder-Autor
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Sonntag zum Kaffee

Sonntag, zum Kaffee

Und was nun? Der nĂ€chste Halt war in gut einer Stunde. Wie weit fĂ€hrt ein Zug in einer Stunde? Ein ICE zudem? Warum nur hatte sich die TĂŒr nicht öffnen lassen?

Das sei bislang noch nie vorgekommen, so der Schaffner; Zugbegleiter nennen die sich jetzt. Als ob das ein Trost sein könnte. Eine Meldung habe er gemacht und eine Warnung an der TĂŒr angebracht, damit keine weiteren FahrgĂ€ste in Mitleidenschaft gezogen wĂŒrden. Nachzuzahlen hĂ€tte sie nichts, auch nicht fĂŒr die RĂŒckfahrt - wenigstens etwas. Außerdem wĂŒrde sie eine EntschĂ€digung erhalten.

Dennoch, als ob das in ein Trost sein könnte, in dieser Situation. Verabredet ist sie, unterwegs zu einem Rendezvous, dem ersten seit mehr als zehn Jahren. Nicht mal benachrichtigen konnte sie den Herrn, weil sie keine Telefonnummer von ihm hatte. Er wartet nun vergebens am Bahnhof, auf die Frau im roten Kleid mit den weißen Punkten. Was soll er jetzt von ihr denken? Dass sie so eine sei, so eine, die es nicht ernst meine, die nur mit den GefĂŒhlen anderer spiele. MĂŒsse er das nicht zwangslĂ€ufig von ihr denken? Ihr wurde ganz schwindelig bei dem Gedanken. Jetzt bloß nicht die Nerven verlieren. Das war höhere Gewalt, dafĂŒr konnte sie nichts. So musste sie es ihm am Abend erklĂ€ren.

Typisch, dass ausgerechnet ihr so was passieren musste. Wenn sie schon mal was unternahm, ihr Schicksal selbst beeinflussen wollte. Hatte sie denn kein Recht auf ein bisschen GlĂŒck?

So sehr hatte sie sich auf diesen Tag gefreut, ihm derart entgegengefiebert, dass sie sich in den letzten Tagen nur noch mit MĂŒhe auf die Arbeit und die alltĂ€glichen Aufgaben konzentrieren konnte. Birgit, ihre Kollegin und Freundin, hat sie gefragt, ob ihr etwas fehle oder ob sie etwas quĂ€le? Zum wiederholten Male hatte sie einen Vorgang falsch abgelegt, Informationen nicht gleich weitergegeben, Korrespondenzen mit Schreibfehlern zur Unterschrift vorgelegt. So kenne man sie gar nicht. Da hat sie es ihr schließlich erzĂ€hlt, dass sie einen Mann kennen gelernt habe, im Internet. „Na dann kennst du ihn doch nicht.“ Doch doch, sie schreibe ihm schon ĂŒber Monate E-Mails, manchmal wĂŒrden sie auch chatten. „Ja, aber da lernt man sich doch nicht wirklich kennen. Der kann dir doch sonst was erzĂ€hlen.“ Nein, nein so einer sei das nicht. Er hĂ€tte einiges ĂŒber sich berichtet und sei außerdem immer so charmant. Sie habe das GefĂŒhl, es bestehe eine spezielle Bindung zwischen ihnen, eine Art Band. Immer habe er ein offenes Ohr fĂŒr sie, fĂŒr ihre Probleme. Sie fĂŒhle sich ihm vertraut, so sehr, dass sie ihm von damals erzĂ€hlt habe, von Hans, ihrem ersten Freund und davon, wie es zwischen ihnen auseinander gegangen sei. „Du bist ja verrĂŒckt! Mach bloß keine Dummheiten. Man weiß nie, ob so einer die Wahrheit sagt.“ Am Anfang sei sie ja auch eher vorsichtig gewesen, doch mittlerweile sei sie sich sicher, sie könne ihm vertrauen. Darum habe sie auch seine Einladung angenommen, Sonntag zum Kaffee bei ihm in F... Sie habe schon die Fahrkarte gekauft und auch ein neues Kleid, rot mit weißen Punkten. „Na, wenn das man gut geht.“

Und da saß sie nun in dem neuen Kleid, saß fest, weil sich in F... die TĂŒr nicht hatte entriegeln lassen. Nicht mal anrufen konnte sie ihn, ihren Kavalier. Er habe kein Mobiltelefon, könne mit diesen neumodischen Dingern nicht viel anfangen. Einzig einen Computer habe er sich zugelegt. Den Internetanschluss habe er von seinem Vormieter ĂŒbernommen. Sein Telefon sei defekt und er sei noch nicht dazu gekommen, es zu ersetzen. Darum wĂ€re es unsinnig ihr zu diesem Zeitpunkt eine Nummer zu geben. Er wĂŒrde sie am Bahnhof treffen, dann wĂŒrden sie zu ihm fahren. Er wohne etwas außerhalb. Er wolle nicht, dass sie sich ein Taxi nehme, die Taxifahrer wĂŒrden immer Umwege fahren, damit sie mehr Geld verlangen könnten. Er dagegen kenne eine AbkĂŒrzung durch den Wald an den Gleisen entlang.

So waren sie verblieben. Und nun saß sie hier fest. Wer weiß, wie lange sie auf einen Zug in die Gegenrichtung wird warten mĂŒssen. Der Schaffner hatte von Gleisbauarbeiten und Verzögerungen gesprochen. Jedenfalls musste sie sich zu Hause als Erstes an den PC setzen und ihm alles erklĂ€ren.

Zu Hause erwarteten sie drei neue Nachrichten auf dem Anrufbeantworter. Alle drei von Biggi, sie bat dringend um RĂŒckruf, klang sehr aufgeregt, fast panisch. Es war spĂ€t geworden, sie hatte nur einen langsamen Zug fĂŒr die RĂŒckfahrt bekommen, musste auch noch umsteigen. Der ICE war ausgefallen. Auf der Strecke gab es zudem einen lĂ€ngeren Aufenthalt, in der NĂ€he von F... Es war von einem Personenschaden die Rede.

Erst mal einen Tee aufsetzen, dann Biggi anrufen, bis der PC hochgefahren ist. „Endlich. Ich habe mir schon solche Sorgen um dich gemacht. Du bist doch nicht etwa wirklich gefahren?“ „Doch und denk dir, in F... ließ sich die ZugtĂŒr nicht öffnen. Ich musste eine Station weiter fahren.“ - „Dann habt ihr euch also nicht getroffen. Gott sei Dank!“ - „Ach, sag doch so was nicht, ich bin ganz aufgewĂŒhlt deswegen, will ihm gleich eine Nachricht schreiben und alles erklĂ€ren.“ - „Ja hast du denn nichts mitbekommen? Schau dir erst mal die Nachrichten an, Region F....“ Sie ging auf die Seite mit den regionalen Nachrichten. An den Gleisen zwischen L... und F... sei die Leiche einer Frau gefunden worden, ĂŒbel zugerichtet, aber noch bekleidet - mit einem roten Kleid, weiß gepunktet.


__________________
EST

Version vom 23. 09. 2009 22:10

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Retep
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Morgen Erika,


Du steigst gleich in die Geschichte ein, baust Spannung auf und hast eine Pointe am Schluss.


Die Protagonistin will sich mit einer Internetbekanntschaft treffen, obwohl ihr ihre Freundin abrĂ€t. Eine ZugtĂŒr lĂ€sst sich nicht öffnen, sie verpasst zu ihrem GlĂŒck die Begegnung.

Kleine Anmerkungen:

- weil sie keine Telefonnummer von ihm habe. (hatte)

- Jetzt bloß nicht verrĂŒckt machen. (anders formulieren ?)

- hat sie dann einfach gefragt („einfach“ streichen ?)

- Wer weiß (Komma) wie lange sie auf einen Zug in die Gegenrichtung wird warten mĂŒssen.

- Personenschaden ?

- Wenn zwei wörtliche Reden aneinander stoßen, sollte man einen Gedankenstrich dazwischen setzen.

Obwohl ich die Pointe erwartet hatte, hat mir deine Geschichte gefallen. Geschickt baust du immer wieder Hinweise auf die Pointe ein. Die GedankengÀnge der Protagonistin passen zum Text.

Gruß

Retep

__________________
>Die Kritiker nehmen eine Kartoffel, schneiden sie zurecht, bis sie die Form einer Birne haben, dann beißen sie hinein und sagen: „Schmeckt gar nicht wie Birne.“< (Max Frisch)

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Erika Stiller
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Sonntag zum Kaffee

Guten Morgen Retep,

du bist aber zeitig auf und kannst gar schon denken um diese Zeit. Bewundernswert; bin wohl schon eine ganze Weile auf, also mein Körper ist schon eine ganze Weile funktionsfÀhig, mein Geist dagegen kommt erst so langsam in die GÀnge.

Vielen Dank fĂŒr die Hinweise. Nehme sie gerne und dankbar an. Das mit dem Konjunktiv und dem Komma hĂ€tte ich selbst sehen mĂŒssen, krĂ€nkt mich etwas in meiner Berufsehre, dass mir das durchgeflutscht ist. Doch eigene Texte lassen sich nicht so einfach Korrektur lesen, weil der nötige Abstand fehlt. Mit dieser These tröste ich mich.

"Sonntag zum Kaffee" war meine erste Geschichte, eine FingerĂŒbung sozusagen, darum noch die vielen Hinweise auf die Pointe. Freut mich, dass du dennoch spannende Momente in darin gefunden hast.

Einen schönen und kreativen Tag noch

Erika
__________________
EST

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bluefin
Guest
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quote:
Und was nun? Der nĂ€chste Halt war in gut einer Stunde. Wie weit fĂ€hrt fuhr ein Zug in einer Stunde? Ein ICE zudem? Warum nur hatte sich die TĂŒr nicht öffnen lassen?

Das sei bislang noch nie vorgekommen, so der Schaffner; Zugbegleiter nennen nannten die sich jetzt. Als ob das ein Trost hĂ€tte sein können. Eine Meldung hĂ€tte er gemacht, hatte er gesagt, und eine Warnung an der TĂŒr angebracht, damit keine weiteren FahrgĂ€ste in Mitleidenschaft gezogen wĂŒrden. Nachzuzahlen hĂ€tte sie nichts, auch nicht fĂŒr die RĂŒckfahrt - das war wenigstens etwas. Außerdem wĂŒrde sie eine EntschĂ€digung erhalten. hier fehlt ein hinweis darauf, dass der zug offenbar wieder zurĂŒck nach hause fĂ€hrt - das tut er doch, oder nicht?

Dennoch, als ob das in ein Trost sein könnte, in dieser Situation. Verabredet ist war sie gewesen, unterwegs zu einem Rendezvous, dem ersten seit mehr als zehn Jahren. Nicht einmal benachrichtigen konnte sie den Herrn besser: ihren partner, weil sie keine Telefonnummer von ihm hatte. Er wartete nun vergebens am Bahnhof, auf die Frau im roten Kleid mit den weißen Punkten. Was sollte er jetzt von ihr denken? Dass sie so eine sei wĂ€re, so eine, die es nicht ernst meinte, die nur mit den GefĂŒhlen anderer spielte fragezeichen. MĂŒsste er das nicht zwangslĂ€ufig von ihr denken? Ihr wurde ganz schwindelig bei dem Gedanken. Jetzt bloß nicht die Nerven verlieren ausrufezeichen. Das wĂ€re höhere Gewalt gewesen, dafĂŒr könnte sie nichts. So musste besser: wollte, damit's unten nicht gleich wiederholt wird sie es ihm am Abend erklĂ€ren.

Typisch, dass ausgerechnet ihr so was passieren musste. Wenn sie schon mal etwas unternahm, ihr Schicksal selbst beeinflussen wollte. Hatte sie denn kein Recht auf ein bisschen GlĂŒck?
liebe miss @stiller,

so begeisternd deine kinderszene war, so enttÀuschend kommt dieses konstrukt daher, das sich noch dazu auf eine "episode" bezieht, die so oder so Àhnlich immer wieder zu lesen ist, mal mehr, mal weniger gut.

leider erzĂ€hlst du uns die geschichte reichlich spannungslos; möglicherweise liegt das auch daran, dass du die zeiten und die modi so durcheinanderwirfst, dass man gar keine "flow" bekommen kann. ich hab dir den anfang der geschichte diesbezĂŒglich mal durchgesehen und die schlimmsten sachen angemerkt.

tipp: nicht drauflos schreiben, wenn du eine idee hast, sondern ein bisschen planen. dann wird's schon!

liebe grĂŒĂŸe aus mĂŒnchen

bluefin

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Erika Stiller
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Sonntag zum Kaffee

Liebe(r) bluefin,

wow, so fĂŒhlt sich also ein Verriss an. Drauflos geschrieben, ohne Plan, ja das kommt ungefĂ€hr hin. Der Plan hat sich beim Schreiben ergeben. Das kann man unter der Kategorie Drauflosschreiben abheften.

FĂŒr die Hinweise bin ich dankbar, allerdings nicht mit allem einverstanden. Der Zug ist noch nicht in der Gegenrichtung unterwegs - das wĂ€re ja ein Widerspruch innerhalb der Geschichte. Da die Figur weiterfahren muss, mĂŒsste sie eigentlich nachzahlen. Eben dies wird nicht von ihr verlangt. Was den Konkunktiv II angeht, so kann ich mich damit anfreunden, insoweit, dass wohl kaum jemand im Konj. I denkt, auch wenn dies bei der Indirekten Rede korrekt wĂ€re. Das Tempus, nur bedingt umzustellen. Die Dame sitzt im Zug und denkt darĂŒber nach, wie weit der wohl fĂ€hrt innerhalb einer Stunde. Also ich denke in diesem Moment im PrĂ€sens.
Warum muss ich das erwĂ€hnen, dass der Zugbegleiter die Äußerung zu der Warnung an der TĂŒr und der Ungewöhnlichkeit des Vorfalls macht? Konj I, indirekte Rede. Wird das nicht deutlich? Überfordert man den Leser damit?
Ihr Partner, nein, soweit sind die beiden meiner Meinung nach noch nicht. Unter einer Partnerschaft stelle ich mir etwas anderes vor, dazu gehört mehr als ein wenn auch regelmĂ€ĂŸiger Austausch und ein Rendezvous.
Mit den VorschlĂ€gen zur Zeichensetzung kann ich mich sehr anfreunden. Ebenso mit den ErgĂ€nzungen, die ich nicht erwĂ€hnt habe. Über die oben genannten Aspekte muss ich allerdings noch mal nachdenken bzw. sie mir in Ruhe ansehen und die Wirkung erproben. Vielen Dank fĂŒr die Gelegenheit und die Anregung dafĂŒr. Es ist sehr hilfreich und fruchtbar, wenn man weiß worauf man den Blick lenken soll.
Nun ruft erst mal der Brotberuf.
Darum muss ich Sie/dich vertrösten, bis ich mir den Text noch einmal in Ruhe angesehen, und eventuell weitere Anregungen erhalten habe.
weitere kreative Momente wĂŒnscht Erika
__________________
EST

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bluefin
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liebe miss @stiller, du musst mich nicht trösten - es ist ja dein text. ob du ihn verbesserst oder nicht, kannst du ganz allein entscheiden.

vielleicht noch so viel, dass du in dem in rede stehenden teilabschnitt die modi ja selbst durcheinandergebracht hast und dich entscheiden solltest, ob du den indikativ oder den konjunktiv anwenden möchest. dann aber stringent.

zum rendez-vous gehören immer zwei. wie zum tennisspielen. auch wer zuvor nicht gottweißwas mit dem anderen hatte (zum beipiel eine platonische web-liaison), hat in ihm einen partner - selbst wenn er als "gegner" daher kommt.

das mit dem nicht aussteigen können und doch weiterfahren und dann wieder zurĂŒckfahren mĂŒssen bis heim etc. pp. ist viel zu um- und unverstĂ€ndlich. es wird auch nicht ersichtlich, warum der zug weiterfuhr, obwohl sich die tĂŒren nicht öffnen ließen. sowas kommt in der wirklichkeit, mit der du ja kokettierst, niemals vor.

tipp: die story vom firlefanz befreien und so klar rĂŒberbringen, dass der leser nicht dauernd grĂŒbeln muss, sondern den "witz" auf anhieb kapiert. leider ist er aber nicht nur kein besonders guter, sondern ein schon recht abgetragener, alter hut.

nichts fĂŒr ungut und liebe grĂŒĂŸe aus mĂŒnchen

bluefin

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