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Leselupe.de > Fremdsprachiges und MundART
Sopa de Pescado - Fischsuppe
Eingestellt am 10. 07. 2007 13:32


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Wolfgang Bessel
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Sopa de Pescado – “Fischsuppe“


Oh, ich war schwer stinkig. Wat glaubten denn die Herrschaften in dem vornehmen Ibiza-Restaurante wat se sich mit den Urlaubern PĂĽttmann aussem Ruhrpott erlauben konnten?
Ne Frechheit, ne Zumutung war die frische Seezunge für 22,00 Euro. Total drög und versalzen war der Fisch. Über die Hälfte von dem platten Grätentier blieb demonstrativ auf’m Teller liegen.
Da fragte die hochnäsige Chefin auch noch: „Hat es Ihnen nicht geschmeckt?“
Ich rollte wĂĽtend mit die Augen.
„Völlig ungenießbar, aber hervorragend fürs Gesinde, Gnädigste.“
Dat war son Spruch von meinem Opa Wilhelm, wenn ihm wat nich schmecken tat.
Und meiner Frau Berta kĂĽndigte ich lautstark an:
„Dat war in diesem Urlaub dat letzte Mal, dat ich zum Essen ausgegangen bin!
Berta, ich erwarte von Dir, dass Du hier im Urlaub die Schürze umtus und für Deinen Willi die Löffel schwingst. Westfälische Cocina, wenne verstehen tus.“

Ja, Kameraden, da hatte ich wat gesacht!
Nie hätte ich geglaubt, dat, wenn man(n) mal laut denkt, er so fiese Reaktionen ernten tät.
Berta schrie mich an: „Dat könnte Dir so passen, ich soll im Urlaub mittags und abends am Herd stehen, während sich Pascha Püttmann mit dem Hintern inne Sonne räkelt! Schämst Du dich nicht? Wat glaubse eigentlich, wer Du biss? Stell Du Dich doch im Urlaub an den Kochpott!"

Ich hatte wieder ma mein Fett weg.
An den Nachbartischen hörte ich zwei Frauen zischen: „Unverschämter Kerl!“ Der hat se doch nich mehr alle im Stall. Der Blödmann hat doch Karies im Hirn!“
Die Männer äugten mich nur mitleidig vonne Seite an, versagten mir aber jede Solidarität, die Feiglinge!
Am Nachbartisch vorne links fiel mir eine WalkĂĽre auf, die ihren armen, etwat zu kurz geratenen Mann mit erhobenem Zeigefinger bedrohte:
„Karl-Ernst, wag es bloß nicht einmal auf solche Gedanken zu kommen wie dieser Machoblödling da vorne, den sollte man auf der Stelle erschlagen.“
Die Olle meinte mich.
Ich drehte mich ruhig um: „Hörn Se ma, dat hab ich mitgekriegt. Wahrscheinlich können Se gar nich kochen, Ihr Mann sieht ja aus wie son Hungerleider, also unterlassen Se bitte Ihr verdammtet, militantet Feministinnengequatsche.“

Ich knallte Berta die Autoschlüssel auf’n Tisch und eilte wutschnaubend aus dem Restaurant.

Ich dachte doch nur unschuldig, et müsste für Berta doch reizvoll sein, im Urlaub, losgelöst von den heimischen Alltagszwängen, täglich zwei, drei Stunden mit herrlichem Blick vom Küchenfenster auf dat Meer, wat Leckeret zu kochen.

Bei einem besonders kräftigen Zug an meiner Zigarre kam mir plötzlich die Erleuchtung:
„Willi, biss du eigentlich bekloppt? Warum setzt du dich seit Jahren sklavisch dem Kochfron deiner Frau aus? Wieso bisse nich selbst inne Lage, wat zu kochen? Dat war et!

Ob dieser reifen Erkenntnis bestellte ich mir noch zwei Brandy, bezahlte und flitzte in eine Buchhandlung zwei StraĂźen hinter der Fressmeile. RezeptbĂĽcher mussten her.
Ich fasste mein GlĂĽck nicht, da lagen im Regal vier deutschsprachige KochbĂĽcher, leider nur fĂĽr die spanische- und allgemeine MittelmeerkĂĽche.
„Egal“, dachte ich, „die Grundlagen der Kochkunst werden überall auf der Welt gleich sein.“
Ich presste die Kochbücher wie wertvolle Schätze an meine Brust, und ein unglaublich befreiendet Gefühl machte sich plötzlich im gesamten Magenraum breit. Endgültig war Feierabend mit Bertas Küchenmobbing und gemeinem Küchenherrschaftswissen.

Ich wieder ab mit nem Taxi zurĂĽck in unsere Ferienwohnung. Berta schmollte vor der Glotze.
„Buenas Noches, Senora Püttmann, Williken iss wieder da, freusse Dich?“
Keine Antwort.
„Berta, hasse schon ma wat vonne Cocina mediterranea gehört? Nee? Kennze denn schon den neuen Biolek von Ibiza? Nee?
Dann wird dat aber Zeit. Der steht vor Dir. Ab morgen übernehme ich die Küche, selbstverständlich auch den Einkauf und die Bevorratung vom Eisschrank.“
Ich bemerkte nach dieser AnkĂĽndigung in Bertas Gesicht ein huschiget Grinsen.
„Berta“, sachte ich, „da brauchse gar nich zu grinsen wie son Honigkuchenpferd, ab morgen iss Dir die Küchenhoheit entzogen, dann bin ich für den Rest des Urlaubs Chef inne Küche.“

Sie brüllte vor Lachen, sie kriegte sich überhaupt nich mehr ein, sie lachte Tränen.
Dat war natĂĽrlich ne fiese Beleidigung und d i e absolute Herausforderung.

Ganz ehrlich, ich kriegte die halbe Nacht kein Auge zu. Mir war klar – ich hatte den Kessel zu weit aufgerissen.
Zweimal im Leben hab ich ma Kaffee gekocht, der war zu dĂĽnn und einmal Eier, die waren zu hart und platzten bereits im Wasserpott.

Gegen drei Uhr nachts schlich ich heimlich inne Küche, inspizierte die Vorräte im Eis- und Küchenschrank, setzte mich auf einen Küchenstuhl und dachte lange über dat enttäuschende Inventurergebnis nach. Nix passte für ein Essen zusammen. Schrecklich!
Ich schlug dat erste Kochbuch auf, nur ma um zu kucken, wat man denn so Einfachet fabrizieren konnte. Ich fand wat bei Suppen und dachte: „Dat kann ja nich so schwer sein. Dat wirsse schon hinkriegen: Ne Sopa de Pescado – ne "Fischsuppe.”

Punkt neun stand ich am nächsten Tag in der Markthalle von Sta. Eulalia.
Vor dem Fischstand kam mir plötzlich ne tolle Idee: Ich lud hinter Bertas Rücken noch zwei Ehepaare zu meiner Fischsuppe ein. Zur „Sopa de pescado a’ la Willi Püttmann“.

Nach dem Einkauf war ich schweißgebadet. Unterwegs kaufte ich noch drei Knüppelbrote und fuhr völlig erschöpft zurück in unsere Ferienwohnung.

Zu Hause baute ich dat ganze Einkaufsgelumpe inne KĂĽche auf, ordnete alle Zutaten in Reih und Glied an, holte den Fotoapparat und hielt diesen herrlichen Anblick fĂĽr die Nachwelt fest.

Die Vorbereitung der Fischsuppe musste strategisch durchdacht und sorgfältig angegangen werden. Deshalb legte ich bereits um 12.00 Uhr äußerst pingelig dat Küchenwerkzeug und die benötigten Gewürze parat.

Um 18.00 Uhr betrat ich die Küche und begann dat Kochprogramm mit nem Gläschen Weißwein – wie dat der Biolek auch immer praktizieren tut.
Ich nahm dat Kochbuch und suchte den ersten Arbeitsschritt.
So ein besch... Kochbuch! Da stand ja ĂĽberhaupt keine Anweisung drin, wie lange dat GemĂĽse fĂĽr die Fischsuppe kochen musste.
„Und wie krisse dat Gemüse suppig?“ Musse dat erst ma hacken oder am Stück in den Pott knallen? Auch darüber stand nix in dem verwünschten Buch.
Ich fand im KĂĽchenschrank einen Knetstab fĂĽrn Gugelhupfteig, sonst nix, aber damit klappte dat Zerkleinern nich.
Aha, da lag ja ein Reibenhobel inne Schublade. Als ich dat letzte Stückchen vonne Möhre hobelte, zack, da klemmte die Fingerkuppe inne messerscharfen Schlitze drin. Mir wurde bei dem blutigen Anblick fast übel.
„Gut“, dachte ich, „so wat kommt vor, iss ’n Betriebsunfall, ruhig bleiben, tu en dicken Wundverband drum und mach weiter.

„Wie sollte ich die Gemüsestücke nur breiig kriegen? Zerkochen dat Ganze und durch ein Sieb quetschen? Nein!“
Ich benötigte dringend einen elektrischen Kleinzertrümmerer.

Ich rannte zum Auto und fuhr mit Karacho nach St. Carlos. Ich brauchte eine Spezialberatung für Küchengeräte. Zur Demonstration nahm ich extra ne Möhre und ne Knolle Sellerie mit.
Die Verkäuferin verstand angeblich sofort, als ich „Sopa de Pescado“ sagte und mit dem Zeigefinger im Kreis rührte. Einen Mixstab verkaufte sie mir.

Dat ganze Gemüse, einschließlich der Zwiebeln und der Knolle Knoblauch stopfte ich in den Mixbecher und füllte ihn schön bis oben auf. Son bissken Öl schüttete ich noch in dat Turbodingen und schaltete natürlich auf Stufe 12, Vollgas, sollte ja fix gehen.
Mit einem Male flogen mir Gemüsefetzen an den Kopp und durch die schöne Küche. Ich sah aus wie ein Schwein! An Decke und Wänden klebte der halbe Messbecherinhalt.
Ich hätte vor Wut heulen können!
Noch knapp sechzig Minuten, dann musste die Suppe fertig sein! Wat fĂĽr ne Blamage, wenn meine Kocherei schon beim ersten Mal inne Hose ging!
Schweißtriefend säuberte ich die Küche, wechselte meine Klamotten und schmiss die verdreckten Sachen stiekum in den Außencontainer.

In der Gebrauchsanweisung für den Mixstab studierte ich kurz den genauen Mixvorgang und wiederholte dat Ganze mit Stufe eins und weniger Füllmaterial. Und siehe da, et sah in dem Mixbehälter auf einmal richtig manierlich aus.
Ich goss dat zertrümmerte Gemüse in einen großen Pott mit dem Fischsud, tat zwei Lorbeerblätter, ne kleine Knolle Ingwer und Thymian dran, ließ dat Gemüse schön aufkochen und zwanzig Minuten köcheln. Dann schmeckte ich ma kurz ab.
Ich tat noch son bissken schwatten Pfeffer, Chili und Salz dran, und schon schmeckte dat SĂĽppken nach wat. Aber nach wat, dat konnte ich noch nich genau deuten.
Ich schüttete noch ne Pulle trockenen Weißwein in den Pott – bravo, dat Fischsüppchen schmeckte schon ganz manierlich. Dann hab ich den ganzen Fischkram genommen in den Pott geschmissen.
Vorher hab ich dat Fischgedöns natürlich gewaschen und die Filets in kleine, mundgerechte Stücke geschnitten. Nach fünf Minuten nahm ich noch ma ne Kostprobe. Schon Klasse! Aber da fehlte noch wat. Der Fenchelgeschmack kam nich richtig durch.
Ha! Ich hatte d i e Idee:
Ich holte mir die Pulle Pernod aussem Schrank und goss einen viertel Teelöffel davon in den Pott. Ich ließ allet noch ma ne Minute köcheln, rührte noch n paar mal inne Suppe rum und probierte ein letztes Mal mein Werk. Genau! Allet war auf’n Punkt abgeschmeckt. Ehrlich, dat Süppken schmeckte besser als im feinsten Restaurant.

Der Hauswein wirkte schon son bissken, deshalb empfing ich auch überaus beschwingt unsere lieben Gäste. Berta bekam fast nen Ohnmachtsanfall.

Wir setzten uns alle fröhlich an den Tisch. Nach dem Appetiv und smooll toook servierte ich die „Sopa de Pescado“ – m e i n e Fischsuppe.
Berta setzte den ersten Löffel an den Mund, und ..., nein, sie verzog nicht dat Gesicht, sie nahm einen zweiten Löffel und tat so, als sei mein Meisterwerk dat Selbstverständlichste aufe Welt.
Ich sach Ihnen wat: „Alle waren begeistert!“ Die Gäste lobten die Fischsuppe überschwänglich, nicht nur aus Höflichkeit, nein, sie baten sogar zwei- und dreimal um Nachschlag.
Auch meine Berta.

Gegen zwei Uhr nachts verabschiedeten sich laut lobend und ein wenig schwankend meine Gäste.
Die KĂĽche sah aus wie ein Saustall!
Ich brauchte noch eine gute Stunde, bis allet gewienert, gespĂĽlt, abgetrocknet und weggestellt war. Fix und fertig knallte ich mich auf mein Bett und schlief sofort ein.

Ja, meine lieben Geschlechtsgenossen, Euch rate ich, befreit Euch auch endlich von der beschämenden Leibeigenschaft am Küchenherd!
Ihr seid nämlich total aufgeschmissen, wenn die Partnerin ma ne Schleife macht oder krankheitsbedingt ausfallen tut.
Also, einfach mal ran an den Herd, meine Herren! Jawohl, auch im Urlaub!

Man(n) kann doch wirklich nich verlangen, dat immer nur unsere Frauen im Urlaub wat brötscheln sollen!


Püttmanns „Sopa de Pescado“ für sechs Personen:

Etwa:
1 ½ Kg Fischfilets vom Seehecht, Brasse oder Seewolf
½ kg Miesmuscheln
½ Kg Gambas
2 kleine Stangen Porree
2 Zwiebeln
2 Möhren
2 Lorbeerblätter
1 kleine getrocknete rote Chilischote (zerkleinert)
1 kleine Fenchelkknolle oder Tipp: ¼- ½ Teelöffel Pernod
6 Knoblauchzehen ausdrĂĽcken
1 ½ -Liter Fischsud
1 Flasche trockenen WeiĂźwein
1 Zweig Thymian
5 Fäden Safran
Salz
Frisch gemahlener Pfeffer
50 ml Olivenöl
1 Prise Zucker
1 kleine Knolle Ingwer
3 Nelken
5 Wacholderbeeren
1 Zitrone
1-2 Tomaten ohne Schale

Zubereitung

Die Fische, Muscheln und Gambas unter kaltem Wasser waschen und trocken tupfen. Die Filets in kochfertige Abschnitte zerlegen.
Das GemĂĽse putzen, waschen und in feine Ringe oder Scheiben schneiden. Die Zwiebeln wĂĽrfeln, den Knoblauch zerdrĂĽcken.
In einem großen Topf das Olivenöl erhitzen, das Suppengemüse und Ingwer darin 15 Minuten hell anschwitzen, dabei umrühren. Wein, Thymian, eine Scheibe Zitrone, Salz und Pfeffer zugeben. Die Suppe aufkochen, abschäumen und bei geringer Hitze etwa 20 Minuten leicht köcheln lassen.
Man kann das GemĂĽse durch ein Sieb seien, ich bevorzuge allerdings die Suppe mit dem gehackten und gewĂĽrfelten GemĂĽseinhalt.
Die Suppe noch einmal aufkochen, Safran mit dem Zucker im Mörser pulverisieren und einstreuen, die Fische, Muscheln und Gambas hinzugeben und darin etwa 5-8 Minuten bei geringer Hitze garen. Fisch und Gambas sollten noch ein wenig Biss haben.

Die Brotscheiben mit Aioli bestreichen und warm zur Suppe servieren.

Guten Appetit! – Que aproveche!








__________________
Wolfgang M. A. Bessel
www.bessel-autor.info

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