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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Spagetti Bolognese
Eingestellt am 06. 06. 2016 14:36


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Benni
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Ich gehe einkaufen. Vor mir das Fleischfach. Hackfleisch im Angebot. G├╝nstig, denke ich, nur 1,49ÔéČ das Pfund. Ich bekomme Hunger auf Spagetti Bolognese. Knoblauch und Zwiebeln and├╝nsten, Fleisch dazugeben, Tomatenmark, aber nicht zu knapp. Die So├če eher breiig als fl├╝ssig. Die Spagetti eher weich als hart. Dazu Rotwein, eher trocken als s├╝├č.

Mein Mund f├╝llt sich mit Speichel. Meine Hand greift ins Fleischfach, fischt nach der Packung. Fleisch fischt Fleisch, kommt es mir in den Sinn. Leben und Tod so nah beieinander. Vor meinem inneren Auge sehe ich ein Ferkel schmatzend an der Zitze der Mutter saugen. Jemand entrei├čt es. Jemand kastriert es. Das Ferkel f├Ąngt hilflos an zu quieken. Es quiekt und h├Ârt damit nie wieder auf. Nicht im Stall. Nicht auf dem Lastwagen. Erst beim Schlachter findet es Ruhe.

Meine Hand weicht zur├╝ck. Eine junge Dame schlendert an mir vorbei. Auf ihrer Stirn steht: Ich verachte dich! Auf der Packung in ihrem Einkaufswagen steht: Tofu. Warum eigentlich nicht, denke ich. Tofu schmeckt zwar keinesfalls nach Fleisch, streng genommen nach gar nichts, aber es macht die So├če sch├Ân breiig. Und das Gewissen rein. Ich gehe hin├╝ber zum Fleischersatz. Ein Klumpen Tofu 3,49ÔéČ. Ob es wohl stimmt, dass man von Tofu Br├╝ste bekommt? Ich will keine Br├╝ste. Ich will auch kein Tofu. Ich will Spagetti mit Fleischso├če!

Ein Fach weiter befindet sich das Biosortiment. Fleisch von gl├╝cklichen Schweinen. Auf der Wiese herumtollen, im Schlamm w├╝hlen und dann auf dem H├Âhepunkt, kurz bevor das Leben langweilig wird, schmerzfrei abtreten. Das Hackfleisch l├Ąchelt mich an, es sieht sogar jetzt noch gl├╝cklich aus. Mein Blick f├Ąllt auf das Preisschild. 8,49ÔéČ das Pfund. Auf der anderen Seite, wer wei├č schon, wie es dem Schwein wirklich ergangen ist? BIO ist doch auch nur so eine Worth├╝lse. Und tot ist tot. Und ├╝berhaupt, k├Ânnen Schweine Leid empfinden, sich also selbst reflektieren?

Ich trotte zur├╝ck zum bezahlbaren Fleisch. Es ist fast Mittag, ich habe Hunger. Mehr denn je auf Spagetti Bolognese. Zwei Angebotspackungen sind noch ├╝brig. Im Parallelgang die junge Dame. Sie schaut immer noch ver├Ąchtlich. Immer noch kann ich ihre Gedanken lesen: Sei ein Mensch, tue es nicht! Ich tue es doch. Ich greife nach der vorletzten Packung. Und auch nach der letzten. Ich mag es, wenn die So├če sch├Ân breiig ist.

Zu Hause angekommen begebe ich mich direkt ans Werk. Zwiebeln und Knoblauch in der Pfanne glasig d├╝nsten, Hackfleisch dazugeben, gut durchbraten, eine Dose Tomaten, eine halbe Tube Tomatenmark, das Ganze mit einer Prise Salz, Pfeffer, Oregano und Basilikum w├╝rzen. Zum Schluss die gekochten Spagetti mit in die Pfanne geben, alles auf einen Teller drapieren, den Berg gro├čfl├Ąchig mit Parmesan bestreuen. Wie das duftet! Gierig f├╝hre ich die Gabel zum Mund. Der erste Bissen ist immer der Beste! W├Ąhrend ich esse, lese ich die Wochenzeitung. Eine Anzeige auf Seite 2 findet meine Aufmerksamkeit. Save the animals! Jetzt anrufen und mit nur 10ÔéČ Tierleben retten! Ich rufe an. Den Anruf nimmt eine freundliche junge Dame entgegen. Ich spende 20ÔéČ. Die junge Dame freut sich. Ich freue mich, dass sie sich freut. Wir beide freuen uns f├╝r die Tiere. Ich lege auf. Die Spagetti schmecken auf einmal noch besser. Ich f├╝hle mich satt und gl├╝cklich, lehne mich zur├╝ck, um herzhaft zu g├Ąhnen. Ein R├╝lpser bahnt sich seinen Weg. Es riecht nach Schwein.

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