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Leselupe.de > Science Fiction
Spaltenklettern
Eingestellt am 02. 03. 2005 11:30


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MarleneGeselle
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Spaltenklettern

Die Bleisohlen, die zum Schwerkraftausgleich unter Kreudens Raumfahrerstiefel befestigt waren, hinderten ihren Tr├Ąger, wie ein Rennk├Ąnguru ├╝ber die Oberfl├Ąche des Asteroiden zu h├╝pfen. Ihm pers├Ânlich w├Ąre das v├Âllig egal gewesen. Besser, wie ein Rennk├Ąnguru aussehen, als wie eine Schnecke durch die Gegend schleichen. Aber als Kommandant eines Raumkreuzers, und zugleich als Ausbilder f├╝r die beiden Kadetten Cedric und Louisa Danword, musste er mit gutem Beispiel vorangehen. Und bei Asteroiden mit kaum vorhandener Schwerkraft waren Bleisohlen nun einmal Vorschrift - auch wenn sie mehr beim Gehen behinderten als irgendeinen erkennbaren Nutzen hatten.
"Na, ihr Marsh├╝pfer, k├Ânnt ihr schon was erkennen? Die Spalte muss doch jeden Moment auftauchen." Die Augen des Hauptmanns hatten vergeblich den Horizont abgesucht. F├╝r ihn war alles nur ein einziges Orangebraun. All die Technik, die im Helm seines Raumanzuges eingebaut war, half ihm auch nicht weiter. F├╝r ihn sah alles gleich aus.
"In ein paar Minuten sind wird da, Hauptmann." Die Zwillinge wiesen auf eine Stelle am Horizont. Kreuden wusste nicht, worauf die beiden hinaus wollten. Cedric, beleidigt wegen des Marsh├╝pfers, ├╝berlie├č es seiner Schwester, Kreuden auf die Felsst├╝cke aufmerksam zu machen, die sich f├╝r die Augen eines Erdbewohners gar nicht von ihrer Umgebung unterschieden.
"Direkt hinter den Brocken verl├Ąuft die Spalte. Die Oberfl├Ąche ist feuchter als die Umgebung, liegt am Wasserdampf, der aus der Spalte austritt. Macht das Rotbraun intensiver. Alles wie Daheim: Der gr├Â├čte Teil der Eiskristalle aus dem Innern des Asteroiden geht an der Oberfl├Ąche mangels ausreichender Gash├╝lle bzw. Gravitation direkt in den gasf├Ârmigen Zustand ├╝ber und verschwindet im Weltraum. Nur ein kleiner Teil bleibt als Wasserdampf auf der Oberfl├Ąche haften und gefriert dort wieder zu Eis. Hier herrscht gerade Sommer. Im Winter, wenn es noch k├Ąlter wird, kann man den Effekt besser beobachten. Es ist alles in bester Ordnung, Hauptmann."
"Ich arme, alte Erdschnecke muss ja wohl glauben, was ihr mir da erz├Ąhlt. Komm, M├Ądchen, geh voran. Ich will bis zum Essen wieder zur├╝ck ins Schiff. Wir m├╝ssen wirklich nicht den ganzen Tag mit Proben sammeln verplempern."
Louisa Danword lachte leise. Mit Schritten, die viel raumgreifender und gleichm├Ą├čiger waren als die des Kommandanten, ├╝bernahm sie die F├╝hrung.

Salto vorw├Ąrts, weiche Landung, Salto r├╝ckw├Ąrts, stehen wie eine Eins. Mit zwei Fingern den Rucksack ├╝ber dem Kopf balancieren. Kein Zweifel, das waren Marsh├╝pfer. Gewohnt an die geringe Schwerkraft auf der Marsoberfl├Ąche, und auch daran, in geschlossenen R├Ąumen bei irdischer Schwerkraft zu leben, waren die Kadetten voll in ihrem Element. Die Zwillinge hatten sich f├╝r die Arbeiten in der Spalte des Asteroiden der Bleisohlen entledigt (seltsamerweise erlaubten dies die Vorschriften) und ein paar Lockerungs├╝bungen gemacht, wie sie das nannten.
"Wenn ihr damit fertig seid, euch der fehlenden Schwerkraft anzupassen, k├Ânnt ihr dann die Sicherungsleinen anlegen, damit wir anfangen k├Ânnen?" Kreuden musste sich zusammenrei├čen; wollte weder lauthals loslachen weil die Zwillinge sich wie kleine Kinder benahmen, noch rumpoltern, weil unn├Âtige Zeit vertr├Âdelt wurde. "Louisa, du gehst zuerst runter. Es reicht, wenn ich dich absichere. Cedric bedient den Fliegenden Hamburger. In einer Stunde wird gewechselt."
Mit wenigen Handgriffen legte das M├Ądchen die Sicherungsleine an, die sie vor einem Absturz in den tiefen Spalt sch├╝tzen sollte.
Eigentlich h├Ątte Kreuden ihr jeden Handgriff erkl├Ąren und anschlie├čend ├╝berpr├╝fen m├╝ssen. Wie jedoch nicht anders zu erwarten, erledigte Louisa die n├Âtigen Arbeiten perfekt und nahezu blind. Das Gleiche galt f├╝r Cedric. Der junge Mann war bis auf wenige Zentimeter an den Rand des Abgrunds getreten, seine Schwester stand neben ihm. Der Hauptmann blieb einen Schritt zur├╝ck. Cedric griff nach der Steuerung f├╝r den Fliegenden Hamburger, wie man die Mikroflugzeuge nannte, mit denen das ben├Âtigte Werkzeug nach unten und die Proben nach oben geschickt werden sollten.
"Los jetzt, Louisa."

"Und ihr beiden wollt wirklich zur├╝ck auf die Marskolonie? Mit dem, was ihr an Zeugnissen zu erwarten habt, k├Ânnt ihr nach der Pr├╝fung doch jeden Posten auf der Erde bekommen. Eure Karriere ist doch jetzt schon so gut wie gemacht." Kreuden wollte die Gelegenheit nutzen, die Zwillinge auf das ungeliebte Thema anzusprechen. Es war noch eine halbe Stunde Fu├čweg zur├╝ck zur Alabama. Im Schiff w├╝rde es kaum noch die Gelegenheit f├╝r ein Sechsaugengespr├Ąch geben.
Cedric Danword kniff die Lippen zusammen. Es war - praktisch wie immer - Louisas Sache, die unangenehmen Fragen zu beantworten.
"Sie m├╝ssen uns verstehen, Hauptmann. Wenn es darum gehen w├╝rde, f├╝r ein paar Monate irgendwo eine Vertretung zu ├╝bernehmen - gerne. Aber ich habe keine Lust, f├╝r immer auf der Erde zu leben."
"Aber Louisa", Kreuden versuchte es mit Beschwichtigung, "wer redet denn von immer und ewig. Nach drei Jahren k├Ânnt ihr schon den Oberleutnant in der Tasche haben. Damit l├Ąsst sich ├╝berall etwas anfangen."
"├ťberall, sie sagen es Hauptmann", schaltete sich Cedric ein, "besonders daheim, auf dem Mars. Was sollen wir da auf der Erde. Man sollte wirklich meinen, zehn Milliarden Erdschnecken seien genug. Da m├╝ssen wir doch nicht auch noch rumkriechen und die Luft verpesten."
"Junger Mann, das kann man auch anders ausdr├╝cken."
Kreuden wusste nicht, wen mehr verfluchen sollte, den Kadetten wegen der frechen Bemerkung - oder den General, der ihm aufgetragen hatte, den Marsh├╝pfern einen Erdposten schmackhaft zu machen, obwohl diese unbedingt zur├╝ck nach Hause wollten.
"Tschuldigung, Hauptmann."
Louisa warf dem Bruder einen w├╝tenden Blick zu. Es lag auch an Kreudens Empfehlung, wohin man sie nach der Abschlusspr├╝fung schicken w├╝rde. Und jetzt konnte sie schon wieder den Ausputzer machen!
"Bitte verstehen Sie doch auch unseren Standpunkt, Hauptmann. Es ist einfach etwas anderes, eine zweitausend Meter tiefe Spalte runterzuklettern, als einen Viertausender hinauf. Ein Marsmarathon ist einfach etwas ganz anderes als ein Langstreckenlauf auf der Erde. Wir sind eine halbe Million Kolonisten. Da ist alles famili├Ąrer. Beim B├╝rgeramt in Los Angeles hat man uns angeschnautzt, als wir beim Anmelden zuerst unsere Namen nannten - und nicht die Registrierungsnummer. Dass man uns kein "M" auf die Identit├Ątskarte geklatscht hat, war reinweg alles.
Abgesehen davon, Hauptmann: Erst einmal auf der Erde, wird man bis zum j├╝ngsten Tag vertr├Âstet. Noch kein Marsianer, der sich auf einen Erdposten eingelassen hat, ist jemals zur├╝ck nach Hause gekommen. Daf├╝r kriegt jeder Taugenichts von der Erde einen Spitzenposten bei uns. F├╝r die Drecksarbeit auf der Erde aber, da braucht's uns Marsianer."
Die Gesichtsz├╝ge des M├Ądchens waren hart und verbittert.
"Man hat euch zuerst nach der Registrierungsnummer gefragt, dann erst nach dem Namen?" Kreuden zuckte unwillk├╝rlich zusammen. Dass junge Marskolonisten auf der Erde gegen allerlei Vorurteile zu k├Ąmpfen hatten, war ihm nicht neu. Aber dass die Zwillinge noch nach Jahr und Tag jeden S├╝ndenfall einer Erdschnecke auswendig runterbeten konnten, gab ihm zu denken.
"Okay, drei Jahre Raumakademie reichen offenbar nicht aus, einen Marsianer an die irdische B├╝rokratie zu gew├Âhnen. Ginge mir vermutlich ├Ąhnlich. Aber denkt trotzdem noch einmal ├╝ber die Sache nach. Ihr geh├Ârt zu den Besten eures Jahrgangs. In ein paar Jahren wird eure Kolonie ausgebaut, in der S├╝dpolregion. Aber das wisst ihr ja so gut wie ich. Ihr k├Ânnt in der Raumflotte bis dahin eine Menge erreichen, zur richtigen Zeit und am richtigen Ort. Nicht aber am falschen Ort zur falschen Zeit."
Louisa hatte dem Hauptmann ins Gesicht gesehen, offen und inquisitorisch. Wusste nur zu genau, dass sie gerade die erste Schlacht gewonnen, wenn auch noch lange nicht den Sieg errungen, hatte.
"Marsh├╝pferin", schoss es Kreuden durch den Kopf, "lange werde ich mit dir nicht mehr fertig."



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Gerhard Kemme
Guest
Registriert: Not Yet

Guten Tag MarleneGeselle und Forum!
Es wird der Ausbildungstag zweier Kadetten beschrieben, die auf dem Mars kaserniert sind und an jenem Tag auf einem Asteroiden unter Anleitung eines Captains trainieren. Dass die Rekrutin in absehbarer Zeit dem Ausbilder ├╝berlegen sein k├Ânnte, halte ich f├╝r unbegr├╝ndet. Solche Situation h├Ątte dann eventuell hergeleitet werden m├╝ssen. Beide geh├Âren zu den besten ihres Offiziers-Anw├Ąrter-Jahrganges - dem w├╝rde auch nur der Gedanke an Illoyalit├Ąt widersprechen. Allerdings g├Ąbe es in der Story ein ├ťberraschungs-Moment, wenn Mechanismen einer Entmachtung des Vorgesetzten erkennbar w├Ąren: Eine Extrem-Situation w├Ąhrend des Trainings h├Ątte ihr ├╝berlegenes Reaktions-Verm├Âgen oder ihre telepatischen Kr├Ąfte zeigen k├Ânnen. MfG Gerhard Kemme

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MarleneGeselle
???
Registriert: Feb 2003

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Marsianer

Hallo Gerhard,

lange nichts mehr von dir geh├Ârt.

Die Kadetten sind Marsbewohner der x-ten Generation, gewisserma├čen die geborenen Astronauten. Ihr Farbsehen und ihre gesamte Wahrnehmung haben sich dem angepasst, sie sind dem Ausbilder, einer "armen alten Erdschnecke" in gewissen Punkten schon jetzt ├╝berlegen.
Zu den Jahrgangsbesten zu geh├Âren hei├čt noch lange nicht, dass man blindlings gehorcht. Nach meiner Erfahrung sind es gerade die Besten, die am kritischsten sind. Oft mit Recht!
Darum geht es ja auch nur in zweiter Linie. Die Marsianer wehren sich dagegen, dass man ihre Begabung versucht auszubeuten, (nach der Pr├╝fung) ohne sie mit entsprechenden Posten zu "belohnen". Der Hauptmann zeigt ja auch ein bisschen Verst├Ąndnis f├╝r die Situation der Kadetten.
Das Ganze ist ja auch ein Sechs-Augen-Gespr├Ąch - also vertraulich.
Das Geschichte sollte eine Art Schlaglicht/Menetekel f├╝r eine Art Kolonialkrieg - wenn auch anders und mit anderen Mitteln.

Gr├╝├če
Marlene

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MDSpinoza
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2004

Werke: 197
Kommentare: 1253
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Profil

Hallo, Marlene, das sieht hier aus wie die logische Konsequenz aus Asimov's "The Martian Way" - gut gem"8"!
__________________
Lieber ein verf├╝hrter Verbraucher als ein verbrauchter Verf├╝hrer...

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MarleneGeselle
???
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Werke: 15
Kommentare: 229
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Klassiker

Hallo Spinoza,

danke f├╝r deinen Kommentar. Wer liebt und verehrt sie nicht: Lem, Asimov ...

Leider denke ich nicht so gut ├╝ber meine Mitmenschen und ├╝ber die, die uns noch folgen werden. Das liest man ja aus meiner Geschichte heraus.
Ich bastele gerade an einer Miniserie, in der die Kadetten eine gro├če Rolle spielen werden. Roboter, die T├╝cken der Technik und menschliches Versagen werden den Hintergrund liefern.
Habe mich privat in letzter Zeit mit Lems "Robotergeschichten" befasst. Habe nicht die Hoffnung, dass die Menschen sich an geschriebene oder ungeschriebene Regeln halten werden.

Hoffe, demn├Ąchst wieder von dir zu h├Âren.

Gr├╝├če
Marlene

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Amos
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Marlene!

Mir w├Ąre die Lekt├╝re sicherlich etwas leichter gefallen, wenn du angemerkt h├Ąttest, da├č es sich um einen Ausschnitt bzw. ein Teil eines gr├Â├čeren Projektes handelt. Die Atmosph├Ąre des Textes hat mir gefallen, insbesondere die Beschreibung der Abl├Ąufe am Spaltenrand fand ich recht eindrucksvoll. Allerdings h├Ątte ich sie nicht in den Dialog gepackt, denn man fragt sich, ob ein Ausbilder ├╝ber diese Abl├Ąufe wirklich von einem Kadetten belehrert werden mu├č.

Schwierig scheint mir auch die Sache mit der vermeintlichen Virtuosit├Ąt der Marsh├╝pfer. Es ist wohl ein kleiner Unterschied, ob man auf dem Mars herumh├╝pft oder auf einem Asteroiden, wo die Elemente toben. Sollte man nicht mit spezifischen Gefahren (aufgrund der extrem geringen Anziehungskraft) rechnen? Sollte man nicht erwarten, da├č ein Ausbilder, der doch hoffentlich schon viele solcher Spazierg├Ąnge unternommen hat, den "Frischlingen" noch so manchen Kniff beibringen kann? Und relativiert sich nicht die vermeintliche physische ├ťberlegenheit bei Dauerbelastung (Langstreckenlauf)? Nur weil man h├╝pft, hei├čt das noch lange nicht, da├č so ein Ritt ein Zuckerschlecken w├Ąre, und der Trupp ist immerhin mehrere Stunden unterwegs.

Schlie├člich habe ich mir noch die Frage gestellt, was der Hauptmann wohl f├╝r Instrumente in seinem Raumanzug haben mag, da├č er derart auf die Hilfe der Marsh├╝pfer angewiesen ist; man stelle sich vor, der gute Mann w├Ąre mit terrestrischen Kadetten auf dem Asteroiden unterwegs gewesen, wohl mehr oder weniger im Blindflug... Man h├Ątte die besonderen F├Ąhigkeiten der Marsianer gut umsetzen k├Ânnen, indem sie die Analyse der Me├činstrumente um Nuancen erg├Ąnzen -- oder man m├╝├čte wenigstens auf das (obligatorische) Versagen aufgrund ├╝berh├Âhter Emissionen von Defektpartikeln zur├╝ckgreifen ;>


Ich hoffe, du kannst mit den Anmerkungen was (konstruktives) anfangen. Sch├Âne Gr├╝├če,

Amos

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