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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Spannend und erheiternd zugleich, mit bitterbösem Humor geschriebeni
Eingestellt am 21. 12. 2011 13:00


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Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

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Rezension zu:

Ingrid Noll, Ehrenwort, Diogenes 2012,333 Seiten, ISBN 978-3-257-24095-5

Auch in ihrem neuen Roman „Ehrenwort“ zeigt sich die mittlerweile 75 - jährige Schriftstellerin Ingrid Noll als Meisterin des hintergründigen, stellenweise schwarzen Humors.
Ihre Bücher, zuletzt „Kuckuckskind“ sind eigen. Sie zählen zum Krimigenre und gehören doch nicht dazu. Zwar wird immer ein mehr oder minder dissidentes Verhalten der Hauptpersonen bis hin zu wirklich strafbaren Handlungen beschrieben, Polizei oder gar die Justiz tauchen aber nur am Rande auf. Ingrid Nolls Bücher spielen in der Mitte der Gesellschaft, bei Menschen, wie wir sie kennen, mit Berufen, wie wir sie auch haben. Sie tasten in die Ebenen unterhalb der sichtbaren Normalität, experimentieren mit dem allzu Menschlichen bis hin zum wirklich Bösen.

Ingrid Nolls Bücher wollen einfach nur unterhalten. Sie sind in einer Sprache geschrieben, wie die meisten Menschen sie sprechen, die Dialoge der handelnden Personen sind wie aus dem Alltag geschnitzt. Deshalb kommt man aus dem Schmunzeln nicht heraus, zumal sie mit jedem neuen Buch ihre fantastische Fähigkeit zeigt, Geschichten zu erfinden und sie mit nicht für möglich gehaltenen Handlungen auszustatten.
Im neuen Buch geht es um eine Geschichte, in der sie mehrere Themen geschickt miteinander verknüpft hat. Da geht es um Korruption in einer öffentlichen Verwaltung, um die Pflege alter Menschen und das Erben, um die Probleme alter Ehen und die Schwierigkeiten junger Beziehungen. Unter dem Strich wird die Fassade einer normalen Familie durchlöchert in einer bitterbösen Komödie, die mir gut gefallen hat und die ich mit Begeisterung schnell zu Ende gelesen habe.
Nachdem der 90-jährige Willy Knobel in seinem Haus in Dossenheim an der Bergstraße gestürzt ist, das er nach dem Tode seiner Frau Ilse alleine bewohnt, wollen sein Sohn Harald, der sein Leben lang unter seinem Vater gelitten hat und seine Ehefrau, die Buchhändlerin Petra, den Alten möglichst schnell in ein Heim schaffen. Sie hoffen beide, dass er bald das Zeitliche segnet und sie so durch den Verlauf des Hauses zu einer großen Erbschaft kommen.
Doch der Enkel Max, ein etwas verkrachter Student, der es zum Medizinstudium nicht schaffte, wittert, als er den Großvater nach dem Sturz findet, seine Chance. Da er seit langem wegen einer Sache, die hier nicht verraten wird, erpresst wird, helfen ihm die finanziellen Zuwendungen des Großvaters über vieles hinweg. Wenn er sich noch mehr um ihn kümmert, so sein Kalkül, springt noch mehr für ihn heraus.
Er setzt es tatsächlich gegenüber seinen Eltern durch, dass der Großvater in das elterliche Haus in einem Ort an der hessischen Bergstraße aufgenommen wird, und baut die ehe schon gute Beziehung zu seinem Großvater weiter aus. Dem geht es wegen der guten Pflege täglich besser und schon bald wird Harald und Petra klar, dass es mit dem Erben so bald nichts werden wird. Das bringt sie auf abenteuerliche Gedanken, die der Geschichte neben anderen bitterbösen Handlungssträngen ab etwa dem zweiten Drittel einen ungeahnten Drive geben.
Als Max mit Jenny, der jungen Pflegerin von Max, eine Beziehung beginnt, spitzt sich die Situation zu und bisher im Dunkeln gehaltene Zusammenhänge tun sich auf.
„Ehrenwort“ ist eine leichte Lektüre, spannend und erheiternd zugleich, mit bitterbösem Humor geschrieben und mit einer zwischen den Zeilen immer wieder durchscheinenden Liebe und Achtung vor dem Alter. Ingrid Noll hat ihre eigene Mutter bis zum Alter von 106 selbst gepflegt. Diese wichtige Lebenserfahrung ist an vielen Stellen in ihr Buch eingeflossen.

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