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Leselupe.de > Humor und Satire
Sparsam
Eingestellt am 27. 02. 2002 16:20


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jorunn
Hobbydichter
Registriert: Jan 2002

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Eine durchwachte Nacht lag hinter mir.
Deshalb hatte ich mir den Tag auch frei genommen und gammelte zur Mittagszeit noch im Nachthemd herum, zu m├╝de, um mehr zu tun als auf der Couch zu liegen, zu aufgew├╝hlt, um schlafen zu k├Ânnen.
Doch die ins Schlo├č knallende Haust├╝r weckte meine Lebensgeister. Ich sprang mit beiden Beinen gleichzeitig von der Couch und rauschte hinaus in die Diele. Mein Sohn hatte die dicke Jacke wie immer neben dem Garderobenst├Ąnder auf den Boden geworfen und war gerade dabei, die Schuhe von den F├╝├čen zu treten.
"H├Ąng die Jacke auf.", sagte ich automatisch.
Er guckte ziemlich betreten drein, als er bemerkte, dass ich zu Hause war.
"Was ist denn mit dir? Bist du krank?" lautete seine lauwarme Begr├╝├čung
Die Frage war zugegebenermassen nicht unberechtigt. Schlie├člich setzen sich in diesem Hause nur die Minderj├Ąhrigen im Nachtgewand zum Mittagessen nieder, w├Ąhrend ich meistens morgens um sieben schon fertig angezogen herum wirtschaftete. Trotzdem reagierte ich nicht auf seine Frage, stemmte beide Arme in die H├╝fte und musterte ihn von Kopf bis Fu├č.
"Wo kommst du jetzt her?"
"Ach, Mutter.", sagte er genervt, "Wie alt bin ich denn?"
"Das wei├č ich ganz genau. Ich war bei deiner Geburt pers├Ânlich zugegen. Und die war exakt vor 17 Jahren und drei Monaten. Also bin ich noch erziehungsberechtigt. Also, wo kommst du jetzt her?"
Er verdrehte die Augen zur decke. "Stell dich doch nicht so an wegen den paar Monaten. Aber bitte, wenn's dich gl├╝cklich macht: ich war in Paris."
"Paris.", wiederholte ich wie ein Papagei, und erst nach einigen Sekunden fiel mir ein: "Was hast du denn da gemacht?"
"Ach, herrje. Was soll ich schon in Paris gemacht haben? Was man da halt so macht. Wir waren auf dem Eiffelturm, haben in der Rue de Rivoli einen Cafe au lait getrunken und ein Croissant gegessen. Und auf dem Montmatre waren wir auch. Willst du noch mehr wissen?"
"Werd blo├č nicht frech! Wie bist du dorthin gekommen? Etwa mit dem Moped?"
"Dann w├Ąre ich wahrscheinlich noch auf dem Hinweg. Mit Holger. Der hat doch seit einer Woche ein Auto."
"Ach.", sagte ich schwach, "und wer war sonst noch dabei?"
"Na, Holger, Mischa, Nicole, Saskia und Jasmin. Und ich." z├Ąhlte er auf und g├Ąhnte herzhaft.
Sechs Leute. In Holgers altersschwachem Mini, der nur noch von Rost und Gebeten zusammen gehalten wurde. Niemand au├čer Holger hatte in dieser Truppe die Erlaubnis, ein Auto zu fahren. Also war dieser Junge Samstag abend los gefahren, den ganzen Tag in Paris herum gelaufen und hatte anschlie├čend seine Freunde wieder nach Hause chauffiert. Holgers F├╝hrerschein war so alt wie sein Status als Autobesitzer. Dazu hatten wir Januar, und der Winter zeigte sich in diesem Jahr von seiner frostigen Seite. Die Verkehrsdurchsagen im Radio dauerten l├Ąnger als die Nachrichten. Jeden Abend zeigten sie im Fernsehen neue Autowracks, deren Lenker auf Glatteis die Herrschaft ├╝ber ihr Gef├Ąhrt verloren hatten. Und dieser Gr├╝nschnabel ohne jedwede Erfahrung am Steuer ... mich ├╝berlief es eiskalt.
"Jetzt halt mir bloss keinen Vortrag ├╝ber das, was alles h├Ątte passieren k├Ânnen. Es ist nichts passiert." unterbrach Sven meine Gedanken.
Ich dachte an jenen spontanen Ausflug nach Alassio in einem verregneten Juli, den mir meine Mutter bis zum heutigen Tag nicht verziehen hat. Drei Tage Sommer, Sonne, Strand und Meer, und zu Hause telefonierte meine Mutter mit allen Freunden und Verwandten und suchte mich. Sogar eine Vermi├čtenanzeige gab sie auf.
Bei dem, was ich als n├Ąchstes schrie, h├Ârte ich deutliche Echos aus meiner Jugend.
"Bist du schon mal auf die Idee gekommen, dass ich mir Sorgen mache, wenn du tage- und n├Ąchtelang nicht nach Hause kommst? Ich habe kein Auge zugemacht! H├Ąttst du nicht wenigstens anrufen k├Ânnen?"
Er schaute mich an, als sei ich von Sinnen.
"Anrufen? Mit dem Handy? Aus dem Ausland? Aber das ist doch viel zu teuer!"

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M├Â├čner, Bernhard
Routinierter Autor
Registriert: Dec 2001

Werke: 89
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Sparsam

Das Leben schreibt die besten Satiren. Es ist doch gut, dass sich die junge Generation so unbeschwert in Europa umsehen kann. Auch bei ehemaligen "Erbfeinden".
-Bernhard-
__________________
-Bernhard M├Â├čner-

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Sansibar
Guest
Registriert: Not Yet

Bengel

Hallo jorunn,
habe deinen Beitrag erst heute gelesen.Es ist als h├Ątten wir uns abgesprochen vom Thema her. Liegt wohl in der Luft. Romane k├Ânnte man schreiben "├╝ber die unvern├╝nftige" Jugend.
Lieben Gru├č
Sansibar

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jorunn
Hobbydichter
Registriert: Jan 2002

Werke: 4
Kommentare: 43
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Vielen Dank

f├╝r Eure Reaktionen. Tja, Sansibar, aber ab einem gewissen Alter ergibt der Stoff doch eher altgriechische Dramen, mit einem klagenden Chor im Hintergrund (der die st├Ąndig vom Br├╝llen heiseren Eltern wenigstens stimmlich unterst├╝tzt.) Aber Du hast schon Recht - irgendwas muss ich f├╝r diese rotzigen L├╝mmel schon empfinden, denn sonst h├Ątte ich sie allesamt schon lange vor die T├╝r gesetzt..
Ein sch├Ânes Wochenende!
Jorunn

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