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Leselupe.de > Humor und Satire
Sparsamkeit
Eingestellt am 22. 09. 2005 15:47


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Twaynity
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2005

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Die elementare Sparsamkeit des Richard Wagner

Richard Wagner war ausgesprochen unmusikalisch. Im Gegensatz zu seinem berĂŒhmten Namensvetter. Wenn es nach ihm gegangen wĂ€re, wĂŒrde alle Musik verboten werden. Am schlimmsten fand er die Berieselung in den großen MĂ€rkten. Vor allem seine Kinder waren in der Beziehung reine Sadisten. Aber die waren aus dem Haus.
An diesem Abend konnte Richard Wagner sich zufrieden zurĂŒcklehnen. Er und Natalie hatten den Betreibern der SupermĂ€rkte gezeigt, was es heißt, sich mit der Firma Wagner anzulegen. Den Tag wĂŒrden die so schnell nicht vergessen.
Es fing damit an, daß im Haus Reparaturen notwendig wurden. Ausgelöst durch die Kinder, waren im Haus SchĂ€den entstanden, die aber erst in Angriff genommen wurden, als die Kinder aus dem Haus waren. Dies war vor kurzem geschehen.
Überhaupt, diese Kinder. Zwei sollten es werden. Und wurden es auch. Aber! Anstatt sich an die WĂŒnsche ihrer Planer zu halten, kamen sie zusammen.
Zwillinge!
Und anspruchvoll waren die. Schon von Anfang an. Anstatt, wie es sich gehört, eineiige Zwillinge zu werden, beanspruchte jedes von ihnen ein Ei fĂŒr sich. Und richtige Zwillinge waren sie auch nicht. Ein Junge und ein MĂ€dchen. So etwas gehörte sich einfach nicht. Was hĂ€tte er sparen können. Zum Beispiel Mengenrabatt bei den EinkĂ€ufen fĂŒr die Kinder fordern, mußte er doch alles doppelt kaufen. Zumindest hĂ€tte er es versucht. Aber so. Und gestritten haben die sich. Tag und Nacht. In einem Punkt waren die Kinder sich seltsamerweise einig: Als es darum ging, auszuziehen und zu studieren. Eines in den Norden, eines in den SĂŒden der Nation. Allerdings, wer wohin ging, darĂŒber wurde ebenfalls heftigst gestritten. Ein Wunder, daß die Beiden sich einundzwanzig Jahre ertrugen. Und bei ihren ewigen Streitereien ging so einiges zu Bruch.
Zum Beispiel die Abschlußkacheln im Bad. Die sahen aus, als hĂ€tten die Kinder sie angenagt. Diese schmalen Fliesen waren unverschĂ€mt teuer.
Fand Richard Wagner.
Nun war es nicht Richard Wagners Art, in den nÀchsten Supermarkt zu fahren, das Nötigste einzukaufen und die SchÀden zu reparieren. Nein, den Gefallen wollte er den Betreibern der SupermÀrkte nicht machen. Seiner Ansicht nach waren das alles Halsabschneider, nur darauf bedacht, sein sauer verdientes Geld zu verprassen.
So wurde dieser Einkauf strategisch geplant. WerbebroschĂŒren erhielt er jede Woche gratis. WĂ€re ja noch chöner, wenn er fĂŒr diese ungebeten Drucksachen Geld ausgeben sollte.
Zwei dieser SupermĂ€rkte hatten ein, wie er meinte, gĂŒnstiges Angebot. Von dem unverschĂ€mten Preis einmal abgesehen. Allerdings war da noch ein Preisunterschied von fĂŒnf Cent. Leicht wollte er es den Betreibern der SupermĂ€rkte nicht machen, ihm das Geld aus der Tasche zu ziehen. Also entwarf er einen Schlachtplan, der an GenialitĂ€t seinesgleichen suchte.
An diesem Tag, einem Samstag, begann, morgens um sieben Uhr, die Stunde X. Nach dem FrĂŒhstĂŒck war es acht Uhr dreißig geworden.
Er und Natalie, also die Firma Wagner, bestiegen die Wagen. Weil er die Haltung eines Zweitwagen grundsĂ€tzlich ablehnte, mußte zu diesem Zweck fĂŒr Natalie ein Leihwagen besorgt werden, da die SupermĂ€rkte an entgegengesetzten Enden der Stadt lagen. Aber er kannte eine kleine Werkstatt, die an Wochenenden PKW zu einem Pauschalpreis vermieteten. Alles inklusive. Nur der Verbrauch an Benzin, der ĂŒber den Tankinhalt hinausging, mußte selber getragen werden. Am nĂ€chsten Tag noch einen mĂ€ĂŸigen Ausflug, der den Tankinhalt nicht ĂŒberschritt, machte die Sache lohnend.
Richard Wagner im Firmenauto - Pardon, Familienauto - Natalie im Leihwagen. Jeder mit einem Handy bewaffnet, fuhren sie los. Er hatte die Zeit strategisch geplant. Morgens ist weniger Verkehr. Seine Beobachtungen und Berechnungen bestÀtigten sich. Es ging glatt durch. Bis auf gelegentliche, Àrgerliche Halts an Ampeln.
Als er auf dem Parklplatz des Supermarktes auffuhr, klingelte sein Handy. Natalie. Sie wĂŒrde sich spĂ€ter melden, weil sie in einem Stau steckte und noch nicht im Markt war. Das war wieder mal typisch. Eine Frau am Steuer und sie gerĂ€t unweigerlich in den nĂ€chstbesten Stau. Ärgerlich, sowas. Was ihn nicht daran hinderte, mit seiner Inspektion der gewĂŒnschten Ware zu beginnen.
Zum GlĂŒck dauerte es nicht lange, bis sich Natalie wieder meldete. Sie war beim Supermarkt angekommen und blieb in stĂ€ndiger Verbindung mit ihm. Sie erzĂ€hlte ihm genau, welche Schritte sie unternahm. Zuerst in die falsche Richtung. Typisch Frau. Die mĂŒssen doch immer Umwege machen. Letztlich fand sie die gesuchten Fliesen.
"Richard," sagte Natalie, "wenn wir hier einkaufen wollen, mĂŒssen wir uns beeilen. Es sind nur noch wenige Pakete da!"
"Wie ist die QualitÀt?"
"Oh, sie sehen sehr hĂŒbsch aus. Das wĂ€re was fĂŒr uns, denke ich!"
Wieder typisch Frau. Frage sie etwas Sachliches und sie antwortet mit gefĂŒhlsmĂ€ĂŸigen Argumenten.
"Nein, so geht das nicht!" entschied Richard. "Warte, ich bin in ein paar Minuten dort!"
Es dauerte etwas lĂ€nger, als ein paar Minuten. Nach dem Unfall waren die RĂ€umarbeiten noch nicht abgeschlossen. Er wartete ungeduldig, schließlich war etwas Wichtigeres zu erledigen, als Warten. Im Supermarkt fand er auf Anhieb die Fliesen und Natalie. Und verstand wieder einmal nicht, wie Natalie sich da verlaufen konnte. Aber wie gesagt: Frauen .....
Nun begann er die Fliesen genau zu untersuchen. Verarbeitung, Glanz, RĂŒckseite, Vorderseite, Dicke. Es war nicht leicht, Unterschiede festzustellen. Sogar das Dekor war gleich. Und so grĂŒbelte er, welches der Angebote er nehmen sollte. Um sich besser zu konzentrieren, schaute er unverwandt auf den Stapel Kartons, in denen die Fliesen verpackt waren. Es störte ihn, daß sie so unordentlich gestapelt waren. Mit einem Mal lag die Lösung vor ihm, war die ganze Zeit dort gelegen: Wenn das Personal des Marktes derart unachtsam mit ihren Waren umging, konnte es sich dabei nicht um qualitative Ware handeln.
"Wir nehmen die anderen Fliesen!" entschied er. "Sie sind etwas teurer, dafĂŒr aber von besserer QualitĂ€t!"
Wie nicht anders erwartet, kamen von Natalie Widerworte. In etwa, so groß könne der Unterschied nicht sein, oder so. Verhalten zwar, aber Widerworte. Und das nach ĂŒber zwanzig Jahren Ehe. Noch ein typisch weiblicher Zug.
"Also gut," meinte er nach einer Weile, "wir fahren jetzt zu dem anderen Markt. Da kannst Du Dich davon ĂŒberzeugen, daß die QualitĂ€t besser ist!" Mit Betonung auf 'ist'.
Noch einmal quer durch die Stadt, jeder in seinem Wagen. Den Leihwagen auf dem anderen Parkplatz zu belassen, wĂ€re zu riskant gewesen. Die RĂ€umungsarbeiten an der Unfallstelle waren immer noch nicht gĂ€nzlich abgeschlossen. Es ging aber zĂŒgiger. Und weil der Vormittag fortgeschritten war, gab es erheblich mehr Verkehr.
Alles diese Kleinigkeiten, die einem Richard Wagner das Leben verleiden konnten. Sogar - besser: besonders - an einem Samstagmorgen.
Natalie betrachtete eingehend die Fliesen. Betrachtete. PrĂŒfen mochte Richard Wagner das nicht nennen. Sie betrachtete die Vorderseite. Lange und intensiv.
"Aber das ist doch das gleiche Muster!" meinte sie nach einer Weile.
Er verdrehte, innerlich, die Augen. Immer diese Widerworte.
"Zumindest ein sehr Ähnliches!" gestand er ein. "Aber schau Dir die Verarbeitung an. Eindeutig besser!"
In der Auswahl der Verpackung war Richard Wagner ebenfalls sehr wĂ€hlerisch. Diese durfte keinerlei Einrisse, oder Verbeulungen aufweisen. Er suchte ziemlich lange, mußte viele Pakete zur Seite rĂ€umen, bis er mit seiner Auswahl zufrieden war. Mit seiner Beute schritt er stolz zur Kasse.
Die verschobenen Pakete beließ er, wie er sie gestellt hatte. Das Personal des Marktes wollte schließlich ebenfalls beschĂ€ftigt sein.
Ja, Richard Wagner war an diesem Abend ausgesprochen zufrieden mit sich. Hatte er den Bonzen der MĂ€rkte doch gezeigt, daß sie mit der Firma Wagner nicht nach eigenem GutdĂŒnken umspringen konnten.
Die nicht!

© 2002

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flammarion
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ach,

schade. ich hÀtte ihn die fliesen zu hause auspacken lassen und fast alle sind kaputt . . .
was ich sagen will: mir fehlt bei der geschichte eine knallige pointe.
lg
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Old Icke

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Twaynity
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Re: ach,

Hallo Flammarion,

zunĂ€chst vielen Dank fĂŒr Deinen Kommentar.
Hmmm ... noch eine Pointe? Ich fĂŒrchte, die wĂŒrde zu einem Gag verkommen.
Und noch knallend dazu? Nein, nein ... ich weiß schon, warum ich mich, mit meiner Schreckhaftigkeit, Feuerwerken und allem, wo es knallen könnte, fernhalte.
Dein Vorschlag birgt etliche Komplikationen, um nicht zu sagen Implikationen.
ZunĂ€chst wĂŒrde Richard Wagner vor Wut schĂ€umen. Er spart sich seine Lieblingsserie. Über Al kann er heute nicht lachen. Er spart sich den Schlaf. Seine Frau spart - notgedrungen - mit. Am nĂ€chsten Morgen spart er sich die heilige Messe und beginnt sofort mit dem Ausflug, der im Sparprogramm eingeplant war. Vor lauter Wut fĂ€hrt er weiter, als geplant und muß die gesparte TankfĂŒllung in Anspruch nehmen. Außerdem fabriziert er einen Auffahrunfall an dem seine Frau Schuld ist. Sie hĂ€tte sich ihr "Paß auf!" sparen können. Die Versicherung hatte er sich schon gespart. Noch eine Nacht Schlaf gespart, das FrĂŒhstĂŒck obendrein. Leider kann er seine Wut nicht sofort an den Mann bringen. Er muß, als treuer Untertan, zunĂ€chst seine leidende Stellung auf der Sklavengalere antreten. Unterwegs spart er sich das Halten an roten Ampeln, eine davon blinzelt ihm zu - in ein paar Tagen wird er ein Starfoto von sich bekommen. Seine Untergebenen bekommen einiges von seiner Wut ab, die mittlerweile unspezifisch geworden ist. PĂŒnktlich verlĂ€ĂŸt er den Frondienst, spart sich alle Umwege und fĂ€hrt direkt zum Baumarkt. Er spart sich das Parken und Besorgen eines Kaddies, nimmt die DrehtĂŒr mitsamt der Familienkutsche, was weder der einen noch der anderen gut bekommt, erspart sich alle ErklĂ€rungen gegenĂŒber der erstaunten Dame in der Auskunft und knallt die Fliesen auf die Theke. Die vom Baumarkt haben auch gespart - am Thekenmaterial, die unter der Last der Wagnerschen Wut zusamenbricht.....
Um Himmels Willen ... das wird ja eine unendliche Geschichte ...
Nein, nein ... das spare ich mir, inklusive aller Plikationen. Ob nun Im oder Kom.

LG
Twaynity
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flammarion
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siehste,

nu haste die geschichte mit wenigen worten erzĂ€hlt. das kommt beinahe besser rĂŒber, als das original. das ist nĂ€mlich zu gemĂŒtlich.
lg
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Old Icke

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