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Leselupe.de > Humor und Satire
Spion gegen Spion - Kalter Krieg im Mietshaus
Eingestellt am 04. 01. 2017 12:12


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rag
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Spion gegen Spion - Kalter Krieg im Mietshaus

Der amerikanisch-kubanische Zeichner Antonio Prohias schuf mit genialer Feder die Comic-Serie Spy vs. Spy. Die Protagonisten, zwei gewitzte Spione, begegneten sich erstmals im Jahr 1960. Einer schwarz. Der Kontrahent weiß. Sinnbilder des kalten Krieges. Die Agenten kĂ€mpften in unzĂ€hligen Episoden schonungslos, trickreich, bedĂ€chtig den Anderen spektakulĂ€r um die Ecke zu bringen. Humorvoll, wenn auch - wahrscheinlicher weil - politisch unkorrekt. Anfangs veröffentlicht im US-Mad-Magazin. Inzwischen weltweit verlegt und von Pepsi fĂŒr Werbespots lizenziert. Kult. Die gezeichneten Figuren haben bis heute nie an PopularitĂ€t verloren. Warum auch? Selbst ohne Feindbild Ost gegen West gibt es weiterhin einen Stellenmarkt fĂŒr Kundschafter. TĂ€tigkeitsfelder sind Industrie- und Cyberspionage. Durch Wirtschaftsspionage in deutschen Unternehmen erleiden die Branchen jedes Jahr mehr als fĂŒnfzehn Milliarden Verluste. Die Spione kommen vorrangig aus Asien, der Sowjetunion und aus Deutschland selbst. MĂ€chtige Regierungen kaufen Hacking-Software um die BĂŒrger auszuspionieren. Erschreckend - Abnehmer sind nicht nur Diktaturen. Zugegeben, diese SpionagetĂ€tigkeiten handeln fern unserer tĂ€glichen Wahrnehmung, doch was ist mit den Fotografen, die den Erlkönigen auf der Spur sind? Den Paparazzi in Cannes und Monte Carlo auf der Jagd nach einer schmutzigen Story - gedruckt auf recycelten Papier? Dem Reporter vom Lokalblatt mit subjektiven Geschreibsel schwarz auf weiß? Sind das nicht auch Spione? Ich finde ja. Der Beruf hat viele Facetten. Und das Schönste ist: Du darfst mitmachen! Ehrenamtlich. Sei augenblicklich ebenso Spion. Dein Auftrag: Ermitteln auf eigene Faust. ErspĂŒren von Allem und Nichts. Ohne in die Welt zu schweifen, beginne einfach in deinem Treppenhaus. Im Dienste der Allgemeinheit ĂŒbernimmst du per sofort das glorreiche Amt: Die bedingungslose Verteidigung der Nachbarschaft! PflichtlektĂŒre ist der Film »Das Fenster zum Hof« mit James Stewart und Grace Kelly in den Hauptrollen. Bald fĂŒhrst du Regie und besetzt alle SchlĂŒsselpositionen in Personalunion. Doch prĂŒfen wir kurz gemeinsam deine Qualifikation: Vorzugsweise bist du arbeitssuchend oder verfĂŒgst im Job noch ĂŒber ein Kontingent ungenutzter Fehlstunden; du likst Technik; bei Computer denkst du nicht zuerst an GeflĂŒgel. Wenn du wenigstens einen der Punkte erfĂŒllst, erachte dich pauschal geeignet. Ausschlusskriterium? FĂŒr diese TĂ€tigkeit musst du geboren sein! Beginne die Arbeit mit ein paar einfachen Übungen und lerne spielerisch deine Umgebung kennen. Wann kommen Paketdienste? Der Postzusteller? Wie lange reinigt die Putzfrau? An welchen Tagen arbeitet der Hausmeister? Wer ist dein Nachbar links, rechts, oben unten? Nur Mut, es ist ganz leicht. Nach einer Weile beherrscht du sĂ€mtliche AblĂ€ufe und identifizierst mĂŒhelos Bewohner, Besucher, Handwerker und Pflegedienste. Am besten bastelst du dir zur Lernkontrolle ein Memory-Spiel. Auf die eine HĂ€lfte der Karten klebst du Fotos von Mietern, die du heimlich mit dem Handy aufgenommen hast. Die zweite HĂ€lfte versiehst du mit den dazugehörigen Wohnungsnummern. So hast du immer etwas zu tun, auch wenn mal nichts passiert. Im ĂŒbrigen sind die Zeiten lange vorbei, als man sich zum spionieren hinter der Gardine verstecken musste, um auf die Straße zu spĂ€hen. Stehend, in unbequemer Haltung. Denke an deine Gesundheit und schaue ins World Wide Web. Ein Klick, schon geht sie auf den Weg: Die kabellose IP-Kamera inklusive Bewegungserkennung, Nachtmodus, Mikrofon und Lautsprecher, WLAN, LAN. Ein wahres SchmuckstĂŒck fĂŒr die Fensterbank. An den zahlreichen FĂŒnfsterne Bewertungen anderer User siehst du, dass du nicht alleine bist auf der Welt. Willkommen in der riesigen Community der Überwacher.
Ebenfalls im virtuellen Einkaufswagen: Die 5 Mega-Pixel-Spionkamera mit SD-Karten-Slot zum Austausch des veralteten Weitwinkelokulars in der WohnungstĂŒr. Unfassbar, da vermagst du sogar einen 32-Zoll Flachbildschirm anschließen. Nun wird man dich auch nicht mehr ausmachen können, wenn du der sexy Nachbarin von gegenĂŒber durch das Guckloch lĂŒstern auf den Hintern schaust. Jetzt ist Zeit fĂŒr den Eintritt in eine höhere Dimension. Stöbere ausgiebig in den einschlĂ€gigen Online-Shops der Polizei, Detektei- und Securitymitarbeiter. Empfange daraus zusĂ€tzlichen Input. Die Technik fĂŒr Hobby-Spione hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt. Hole Farbe ins Leben mit der Vorratsdatenspeicherung-Home-Edition. Eine einfache Überwachungssoftware lĂ€uft auf jedem Notebook, da darfst du beruhigt gelegentlich das Apartment verlassen, ohne etwas zu verpassen. Vorzugsweise, pĂŒnktlich auf die Minute, wenn die DHL, Hermes oder UPS gerade ihre Pakete ausliefern. Ist ein Nachbar außer Haus, sei du zur Stelle. Biete selbstlos Hilfe an und verwahre die Sendungen mit gebĂŒhrender Obhut. Die Adressaufkleber sind öffentlich, da kannst du bis zur Abholung schon mal einen kurzen Blick riskieren. Die Absender geben Aufschluss ĂŒber den Inhalt. Finde heraus, wo die Mutter vom MĂ€xchen ihre Babynahrung kauft und was sie ihrem Mann zum Geburtstag schenkt. Übe dich in akribischer Recherche. Manche Erotikshops verwenden beispielsweise harmlos klingende Tarnnamen, um Diskretion zu gewĂ€hrleisten. Ha, die haben nicht mit deiner Intelligenz gerechnet ... - bald weißt du genau in welchen NachtschrĂ€nken Dildo und Co im verborgenen schlummern. Bekommst du etwa kalte FĂŒĂŸe, wenn du in die PrivatsphĂ€re fremder Menschen eindringst? Ruhig Blut, weder die Hausverwaltung noch die Polizei interessiert die innere Sicherheit deines Heimes. Einer muss es tun. Der Erste sein. Opfer bringen fĂŒr die Allgemeinheit. Ändere den Blickwinkel auf die Gesellschaft: Mittels flexiblen KamerahĂ€lsen kannst du sogar unbemerkt um die Ecke in das Schlafzimmer der Nachbarn spitzeln. Ist es dort zu dunkel? Kein Problem. Ersetze schnell die angeborene Nachsicht durch Nachtsicht und ĂŒberzeuge dich mit einem erneuten Blick, ob de facto alles in Ordnung ist. Upps, das PĂ€rchen ist gerade beim Liebesakt. Na da willst du nun wirklich nicht stören, also ziehst du dich taktvoll zurĂŒck und lĂ€sst lediglich leise die Kamera mitlaufen. So sensibel bist du - ein toller Typ. ZartfĂŒhlend setzt du die brandneuen Gehörmuscheln ĂŒber. So etwas, was die Bauarbeiter tragen um sich vor LĂ€rm zu schĂŒtzen, wenn sie mit dem Presslufthammer den Asphalt aufstemmen. Du gibst dich selbstverstĂ€ndlich nicht mit der simplen Variante aus dem Baumarkt zufrieden. Deine Hartschalen entstammen selbstredend dem Jagdzubehör. Der Mercedes unter den Micky- Mouse-Ohren, wie die Dinger im Volksmund genannt werden. Das Premiummodell-light kostete zwar 300,- Euro, ist jedoch jeden Cent wert, da man gewĂŒnschte Frequenzen herausfiltern kann. Ein JĂ€ger vermag in seinem Revier den Jagdhund und das Wild noch Kilometer entfernt ausmachen - ein Wunderwerk der Technik. Nun hast du weder Hund noch Wald, aber was in der Natur funktioniert, findet auch im Hausgebrauch eine Anwendungsmöglichkeit. Schalter auf on und schon kommst du gerade rechtzeitig zum Hörspiel-Finale im Nachbars Schlafzimmer. Das GerĂ€t verstĂ€rkt GerĂ€usche aus der Umgebung durch die Betonwand hindurch um das 4fache - so erlebst eine Symphonie der Lust in brillanter StereoqualitĂ€t. Wenig spĂ€ter wechselt das ekstatische Stöhnen am Ohr in sĂŒĂŸes sĂ€useln. Wie tolle Nachbarn du doch hast. Friedlich, mit einem LĂ€cheln, schlĂ€fst du ein und trĂ€umst schrĂ€ge Erotik-Cartoons deiner Comichelden Spy vs. Spy. Sicherlich eine MarktlĂŒcke. Ebenfalls lĂ€chelnd, allerdings hellwach, wĂ€hlt ein Unbekannter mit unterdrĂŒckter Nummer in einem 350 Meter Luftlinie entfernten Hochhaus die eins eins null. WĂ€hrend er dem erstaunten Beamten von deinen AktivitĂ€ten erzĂ€hlt, lĂ€sst er dich nicht aus den Augen. Er verwendet das zur Zeit stĂ€rkste Fernglas der Welt mit 160facher VergrĂ¶ĂŸerung und mega-zoom. Im Vergleich zum Wert deiner technischen AusrĂŒstung ist der Preis verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig gering. Man bekommt es fĂŒr bummelige dreihundertfĂŒnfzig Euro im Fachhandel. Der verborgene Kontrahent geht ĂŒbrigens einer Ă€hnlichen Passion nach wir du. Dennoch spielt ihr in unterschiedlichen Spionagezirkeln. Du Voyeur. Er Denunziant. Der besondere Kick fĂŒr ihn ist das anonyme AnschwĂ€rzen bei der Polizei. Damit er von draußen nicht gesehen wird, investierte er sinnvollerweise in blickdichte Fensterfolie und Jalousien. Tarnung ist alles! DafĂŒr ist es jetzt fĂŒr dich zu spĂ€t: Uniformierter Besuch steht vor der TĂŒr. Bitte recht freundlich ... - und die Memory-Karten fĂŒr die Wartezeit in der Untersuchungshaft nicht vergessen.
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rag
*Auch eine kaputte Uhr geht zweimal am Tag richtig!*

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