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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Splitterseele
Eingestellt am 29. 05. 2002 19:23


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Rakun
AutorenanwÀrter
Registriert: May 2002

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-S- wie
Splitter stört Seele

Dieses Doppelleben musste ein Ende haben, jetzt und sofort! Sie war fest entschlossen. Nichts konnte sie mehr aufhalten. "Das teure Briefpapier?", fragte sie laut in den Raum hinein. Digitaler Abschied per e-mail ist unpersönlich, kam nicht in Frage, schließlich hatten sie lange Jahre miteinander verbracht. Ob sie sich nun mit dieser EndgĂŒltigkeit anfreunden könnte? In USA sagt man ‚split up', kurz und bĂŒndig, nur zwei Silben, dann ist es beinah schon vorbei, Ende, Aus. "Mach Schluß!"
In Deutschland dauert es lĂ€nger: 'sich von jemandem trennen', sieben lange Silben geben dem Entschluß zuviel Zeit zum Nachdenken.
SorgfĂ€ltig geschriebene Buchstaben gruben sich ein in ihr bestes Papier, wie winzige Splitter drangen sie tief in das filigrane Gewebe, hoben sich kaum ab, passten sich an in GrĂ¶ĂŸe und Farbe. Kein Blutvergießen, kein kurzer Aufschrei, genau wie all die Jahre vorher. Viel Geduld hatte sie damals aufgebracht, um die vielen Holzsplitter aus dem Fleisch zu ziehen. Einer war geblieben, unter dem Daumennagel hatte er sich abgekapselt, fĂŒr immer. Nur unbeabsichtigter Druck auf diese kleine Stelle erinnert ab und zu daran.
Hatte sie auch nichts vergessen zu erwĂ€hnen? Sie ĂŒberflog alles noch einmal. Sie wollte es so schnell wie möglich hinter sich bringen.
Sie verschloss den Umschlag, schrieb die Adresse drauf, und bevor sie es sich anders ĂŒberlegen konnte, ging sie hinunter an die Ecke und steckte ihn in den Briefkasten.
Am nĂ€chsten Tag hatte sie sich extra frei genommen, sie wollte unbedingt zu Hause sein, wenn die Post ausgetragen wurde. Jedes GerĂ€usch im knarrenden Hausflur ließ sie aufhorchen. Endlich gegen elf Uhr war es soweit, der Briefschlitz in der WohnungstĂŒr klapperte verrĂ€terisch.
Auf Zehenspitzen ging sie den Flur entlang. Sie erkannte ihn sofort
und öffnete ihn wie eine lang ersehnte Nachricht. Sie hatte es geschafft, hatte den ewigen Kampf mit ihrem zweiten, dem Stör-Ich beendet.

__________________
JO

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Patina
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2002

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Hallo Jo,
noch spannender fĂ€nde ichs, wenn sie reflektiert, wie sie den Brief in den Schlitz sendet. Also daß ihr in jenem Moment alle Gedanken Reveue passieren.

Die Idee mit einem alter Ego, das sich nur brieflich zeigt ist sehr zeitgemĂ€ĂŸ und das lĂ€ĂŸt sich sicherlich ausbauen. Zu dem Thema habe ich auch schon ein Buch gelesen. Eine spannende Internet-Beziehung: Sylvia Brownrigg "keuch wie Eis". Vielleicht hilft dir das zu dem Thema weiter.

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Patina
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2002

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Hallo Raikun,
ich wollte dir eine e-mail schreiben. Aber es hat nicht funktioniert. Wie soll ich mir das erklÀren?

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Patina
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2002

Werke: 3
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Hallo Jo,
das mit dem e-mail schreiben hat wieder nicht funktioniert. Schade. Ich habe dir einen Eintrag in eins deiner erotischen Gedichte geschickt. Bis denne.
Patina

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Sanne Benz
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Rakun,
erst einmal muss ich sagen..
gerade Deinen Beitrag habe ich mir raus gefischt...
Schon seit Tagen spukt das Wort "Splitter" in meinem Kopf rum..
Mir gefĂ€llt diese kurze Geschichte gut..sie hat mich erst mal in die Irre gefĂŒhrt..und am Schluss musste ich echt nachdenken..
die Lösung kam schneller, da ich selbst eine Kurzgeschichte schrieb..wo Àhnliches vorkommt..
Ja..super Idee..gut geschrieben,meiner Meinung nach.
lG
Sanne

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